Bezirksparteitag 1932, Rendsburg

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Bezirksparteitag Rendsburg 1932
3. April 1932
Gewerkschaftshaus Rendsburg
Rendsburg
Siehe auch: Beschlussdatenbank

Der Bezirksparteitag für den Bezirk Schleswig-Holstein und die Provinz Lübeck fand am 3. April 1932 im Gewerkschaftshaus in Rendsburg statt. Vorsitzender des Bezirksverbandes war zu dieser Zeit Willy Verdieck.

Für den Gastgeber, den Sozialdemokratischen Verein Groß-Rendsburg, begrüßte dessen Vorsitzender, Ernst Pusch, den Parteitag.

Berichterstattung

Der Lübecker Volksbote berichtet am nächsten Tag ausgiebig:

"Im hiesigen Gewerkschaftshaus trat heute der Sozialdemokratische Parteitag für den Bezirksverband Schleswig-Holstein und die Provinz Lübeck zusammen, nachdem tags zuvor die Arbeiterwohlfahrt für den gleichen Bezirk getagt hatte. Hier hielt die Genossin Lemcke vom Hauptausschuss das Referat. Ueber die erfolgreiche Arbeit der Arbeiterwohlfahrt im Verbandsbezirk berichten wir im Anschluss an den Parteitagsbericht.
Der Saal des Gewerkschaftshauses ist sinnig mit Eisernen-Front-Sprüchen dekoriert, an den Wänden hängen unzählige satirische Plakate über den Kampf mit den Hakenkreuzlern. Der Arbeitergesangsverein Rendsburg erfreute zur Begrüßung mit Kampfesliedern, der Ortsvereinsvorsitzende Busch [sic] überbrachte die Grüße der Genossen Groß-Rendsburgs. Nach einleitenden Worten über die Bedeutung dieses Parteitages gab der Bezirksvorsitzende Willy Verdieck einen Rückblick über die Ereignisse seit dem letzten Parteitag in- und außerhalb der Organisation. Schicksalsschwere Jahre waren es, so führte er u.a. aus, aber sie waren trotz aller Niedertracht der Gegner nicht ohne Erfolg für die Sozialdemokratie, obwohl grade Schleswig-Holstein einer der größten Unruheherde Deutschlands ist.
Hier kam die Landvolkbewegung auf, hier demonstrierten und rebellierten die Bauern, hier wurde mit Bomben und Höllenmaschinen gearbeitet.
Was Wunder, daß die Hakenkreuzler auf diesem Boden Früchte ernten wollten und konnten. Die Sozialdemokratie hat diesem Treiben kräftig entgegengewirkt, die Republikaner haben gezeigt, daß sie nicht gewillt sind, den Rebellen das Feld zu überlassen. Funktionäre und Reichsbannerkameraden haben unerhörte Opfer gebracht, eigene schwere Not und Sorge außer acht gelassen. Denn man darf nicht vergessen, daß die Arbeitslosenzahl in der Nordmark an erster Stelle steht. Die allgemeine Notlage, von der die Hälfte aller Mitglieder so betroffen ist, daß sie keine Beiträge mehr leisten können, läßt den Wunsch einer Beitragssenkung [ohne] Schädigung der Organisation nicht zu. Erfreulich ist, daß die SA..[unleserlich] in Schleswig-Holstein absolut erfolglos und lebensunfähig geblieben ist. Der Redner streifte des weiteren das Ergebnis der Reichspräsidentenwahl in Schleswig-Holstein, bei der die Soz. Partei alleine stand. [unleserlich] Republikaner aus bürgerlichen Kreisen half, [unleserlich] die gesamte bürgerliche Presse arbeitete für den Faschismus.
Wenn auch die Reaktion in Schleswig-Holstein erstarke, so habe andererseits unsere Organisation nicht minder an Kraft zugenommen. Die farbige Wochenzeitschrift des Hamburger Echos soll in Zukunft auch in Schleswig-Holstein verbreitet werden. Verdieck [unleserlich] einen siegessicheren Ausblick im Kampfe gegen den Faschismus, damit recht bald ein schöneres Morgen für die deutsche Arbeiterbewegung tage."[1]

Im Digitalisat des Archivs der Sozialen Demokratie ist der Bericht des Bezirksvorstands unvollständig. Teile scheinen ausgerissen zu sein. Willy Verdieck berichtet über gestiegene Mitgliederzahlen - Männer wie Frauen gleich stark. Es geht um die Arbeiterjugend und Wahlkämpfe. In der nächsten Spalte setzt der Bericht wieder ein:

"In der Aussprache wurde der Kampf um die Jugend, die Werbung um die Frauen und die notwendige Ausbreitung der Presse hervorgehoben. Gerade heute, wo die gesamte bürgerliche Presse sich dem Faschismus ergibt, darf kein derartiges Blatt mehr im Hause des Arbeiters geduldet werden.
Ueber die Bedeutung der preußischen Landtagswahlen referierte an Stelle der verhinderten Genossin Heilmann der Landtagsabgeordnete Jürgensen-Eckernförde. Der Redner schälte die wichtigsten Punkte, um die es bei dieser Wahl geht, heraus und stellte die Tatsache in den Vordergrund, daß die vereinigte Reaktion darauf aus ist, mit den Arbeiterrechten aufzuräumen. Preußen war das alte Land der Reaktion, in dem die Arbeiter von den Junkern, dem Adel und der Hofkamarilla im Herrenhaus entrechtet und erbarmungslos niedergedrückt wurden. Dieser Zustand soll wieder eintreten, der Sturm auf die Futterkrippen geht nun aufs neue unter dem Schutze der braunen Armee vor sich."[2]

Quellen