Provinziallandtag 1868-1918

Der Schleswig-Holsteinische Provinziallandtag war bis 1918 kein demokratisch legitimiertes Parlament.
Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg kam Schleswig-Holstein als Provinz zu Preußen. Sie erhielt wie alle anderen Provinzen einen Provinziallandtag, der im Wesentlichen aus Repräsentanten der Stadtverordnetenversammlungen und der Kreistage gebildet wurde. Diese wurden nach Dreiklassenwahlrecht oder Zensuswahlrecht gewählt, was Sozialdemokraten weitestgehend von der Politik hier ausschloss.
"Der Provinziallandtag bestand zuerst aus 57 Vertretern. Großgrundbesitzer, Städte und Landgemeinden entsandten je 19. Von 1875 an wählten die Kreistage und Stadtverordnetenversammlungen ihre Vertreter in den Provinziallandtag. Der tagte zuerst in Rendsburg, dann in Schleswig und von 1905 an zweimal jährlich in Kiel. Die Geschäfte regelte der beamtete Landesdirektor, der von 1902 an Landeshauptmann genannt wurde. 1871 wurde ein Provinzialausschuss gebildet, der zwischen den Tagungen für die laufenden Geschäfte der Selbstverwaltung zuständig war. Er wählte den Provinzialrat, der die Aufsicht über die Gemeinden wahrnahm. Im Kaiserzeitlichen Preußen war der Provinziallandtag damit ein undemokratisch zusammengesetztes Gremium mit landständischem Charakter. Es legitimierte sich ab 1875 bis 1919 durch indirekte Wahlen der Stadtverordnetenversammlungen und Kreistage."[1]
1914 gab es in schleswig-holsteinischen Städten 83 Stadtverordnete, in 89 Landgemeinden insgesamt 232 sozialdemokratische Gemeindevertreter, aber kein einziges Magistratsmitglied und keinen Vertreter im Provinziallandtag. Nur im Provinziallandtag des Fürstentums Lübeck konnte Heinrich Fick (Stockelsdorf) einen Sitz erreichen.[2]
Die Provinziallandtage hatten wenig zu sagen. Die Politik bestimmte im Wesentlichen der Preußische Landtag. Auch er wurde nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt, das Menschen ohne Vermögen diskriminierte.
Der Provinziallandtag verfügte über kein eigenes Haus: Die Sitzungen fanden bis 1904 in Rendsburg und im Schleswiger Ständesaal statt. Ab 1905 tagte das Gremium in Kiel, 1919 (evtl. auch vorher) im Haus der Landwirte, ab 1920 im Ratssaal des Rathauses.[3]
1919 wurde die Provinzialverwaltung den neuen demokratischen Verhältnissen angepasst.[3]
Literatur
- Grunwald, Klaus Dieter: Die Provinzialverwaltung und ihre Organe in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein 1867 bis 1945. Ein Überblick über die provinzielle Selbstverwaltung in Schleswig-Holstein (Kiel 1971)
- Omland, Frank: Der Provinziallandtag in Schleswig-Holstein 1919-1934. Entstehung, Aufgaben, Funktion (AKENS e.V., Hamburg/Kiel 2010)
Einzelnachweise
- ↑ Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte: Provinziallandtag Schleswig-Holstein, abgerufen 18.12.2021
- ↑ Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 47
- ↑ 3,0 3,1 Omland: Provinziallandtag
