Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF)

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Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF)
ASF Schleswig-Holstein
Gegründet: 1972
Vorsitzende/r: Cornelia Östreich
Homepage: http://asf.spd-schleswig-holstein.de/
Elisabeth Orth 1970

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF), Landesverband Schleswig-Holstein, ist Teil der gleichnamigen Bundesfrauenorganisation der SPD. Diese wurde durch einen Beschluss des Bundesvorstandes vom 24. Juni 1972 ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist die Gleichstellung von Frauen und Männern in Partei und Gesellschaft.

Der Arbeitsgemeinschaft gehören automatisch alle weiblichen SPD-Mitglieder an. Eine eigenständige Mitgliedschaft nur in der AsF gibt es nicht. Allerdings besteht die Möglichkeit, als Gastmitglied ohne Wahlrecht aktiv zu sein.

Bundesvorsitzende waren unter anderen Elfriede Eilers, Inge Wettig-Danielmeier, Karin Junker und Elke Ferner. Seit 2018 ist es Maria Noichl.

ASF Schleswig-Holstein

Aufkleber der ASF

In Schleswig-Holstein wurde die ASF um 1972 in erster Linie von Elisabeth Orth aufgebaut, die auch die erste Landesvorsitzende wurde.

Jeder Kreisverband hat eine AsF; jedoch gibt es nicht in allen Kreisverbänden Vorstände, die die Arbeit koordinieren und die Rechte der AG wahrnehmen. Zur Zeit sind Vorstände in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Plön, Steinburg und in den Städten Kiel, Lübeck und Neumünster gewählt. Der Vorstand im Ostholstein löste sich im Juni 2018 auf. In den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Segeberg, Stormarn sowie in Schleswig-Flensburg, wo beide Kreisverbände (Schleswig-Flensburg und Flensburg-Stadt) einen gemeinsamen Vorstand anstreben, läuft die Arbeit wieder an; es sind jedoch noch keine Vorstände gewählt. In einigen Orten haben sich Ortsvereine der ASF gebildet. So gibt es in Kronshagen seit 1977 eine aktive AsF. Gründungsmitglied war u.a. Lianne Paulina-Mürl.

Die ASF trifft sich jährlich zu Landesfrauenkonferenzen. Der Landesvorstand wird in der Regel alle zwei Jahre neu gewählt. In den 1990er Jahren gab es gelegentlich auch außerordentliche Landesfrauenkonferenzen zu wichtigen Themen. 2018 wurde vom Delegierten- auf das Vollversammlungsprinzip umgestellt, um mehr Frauen die Möglichkeit nicht nur der Teilnahme, sondern auch der Mitentscheidung zu geben.

In den 1990er Jahren gab es auch einen ASF-Landesausschuss, der auf dem Delegiertenprinzip basierte. In den Akten finden sich Delegiertenlisten.

In der Bundesfrauenkonferenz ist die Landes-ASF mit 7 Delegierten vertreten. Sie hatte meistens auch einen Sitz im Bundesvorstand. Seit der Bundesfrauenkonferenz vom 17./18. Juni 2016 in Magdeburg ist Cornelia Östreich eine der vier stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Sie wurde am 30. Juni 2018 in Saarbrücken wiedergewählt.

Vorgeschichte

Frauenarbeit hat in der SPD eine lange Tradition, die weit hinter die AsF zurück reicht. Bereits im Kaiserreich gab es organisierte Frauengruppen, die in der Illegalität des Sozialistengesetzes bis 1894 von einer "Frauenagitationskommission" geführt wurden, danach durch Vertrauensfrauen, die an die örtliche Parteiorganisation angebunden waren.[1]

Bereits am 5. August 1906 fand eine Konferenz sozialdemokratischer Frauen des siebten schleswig-holsteinischen Wahlkreises im Gewerkschaftshaus in Kiel statt. Es wurden folgende Beschlüsse gefasst:

"1. Die Leitung der Frauenbewegung im siebten schleswig-holsteinischen Wahlkreises wird einer Kreisvertrauensperson übertragen.
2. Wenn möglich, ist in jedem Orte eine Vertrauensperson zu wählen. Wo das nicht möglich ist, hat die Kreisvertrauensperson eine solche zu benennen.
3. Die sozialdemokratischen Frauen des siebten schleswig-holsteinischen Wahlkreises sind verpflichtet, an der allgemeinen Parteiarbeit der Männer, zum Beispiel der Flugblattverbreitung und dergleichen teilzunehmen.
--Als Kreisvertrauensperson wurde Genossin Niendorf, Kiel aufgestellt,..."[2]

Das Amt der Vertrauensfrauen wurde auch fortgeführt, als 1908 das parteipolitische Engagement von Frauen legalisiert worden war.

Spätestens in der Weimarer Republik gab es offizielle Frauengruppen, etwa die Kreisfrauengruppe Kiel.

2006: Anna Schlosser-Keichel (links) übergibt den Vorsitz an Cornelia Östreich

Eine erste Landesfrauenkonferenz fand in Schleswig-Holstein im September 1946 in Rendsburg statt. Auf ihr hielt die erste Landesfrauensekretärin nach Ende der NS-Herrschaft, Anni Krahnstöver, einen Vortrag über Die Frauen und die kommenden Wahlen. Außerdem sprachen Gertrud Völcker aus Kiel und Emmi Grothkopp.[3]

Eine offizielle Landesfrauenorganisation scheint es in der SPD Schleswig-Holstein vor Gründung der AsF nicht gegeben zu haben, lediglich Frauengruppen in den Ortsvereinen und Kreisverbänden, die durch eine Frauensekretärin des Landesverbandes betreut wurden. Nach Anni Krahnstöver, die 1949 in den Bundestag gewählt wurde, verantwortete bis 1963 Kultursekretär Franz Osterroth die Frauenarbeit auf Landesebene. Ihm folgte als hauptamtliche Frauensekretärin Rosa Wallbaum.[4] Sie machte die Arbeit bis 1968 in Vollzeit, danach noch einige Jahre mit reduzierter Stundenzahl. Als Grund nannte sie Nachwuchsmangel:

"Daß wir nicht mehr soviel Zuspruch von jungen Frauen hatten, lag in der gesellschaftspolitischen Entwicklung. Die politische Frauenarbeit in den Parteien stützte sich auf die Hausfrauen. [...] Die berufstätigen Mütter waren nicht mehr imstande, beides zu vereinbaren: den Beruf, den Haushalt und die politische Arbeit."[5]

1972 gründete sich dann die AsF auf Bundesebene. Ob es sie auf Landesebene schon vorher gab oder ob sie bald darauf gegründet wurde, ist noch nicht ermittelt.

Landesvorstände

Dem Landesvorstand gehörte als Mitbegründerin in den ersten Jahren Rosemarie Fleck an, irgendwann zwischen 1970 und 1990 auch Antje-Marie Steen. Wie weit Anne Brodersen, Elly Linden und Edith Bernstein, die vorher an führenden Stellen Frauenarbeit gemacht hatten, zu dieser Zeit noch aktiv waren, ist noch nicht ermittelt.

Ab Vorsitzende Stellvertretung Sonstige
2018 Cornelia Östreich Layma Balyk, Silke Brandt, Anja Bull, Gerlinde Böttcher-Naudiet, Franka Dannheiser, Susanne Kalweit, Denise Plath (2019 ausgeschieden) ./.
2016 Cornelia Östreich Silke Brandt, Christiane Buhl (2018 ausgeschieden), Gerlinde Böttcher-Naudiet, Franka Dannheiser, Heide Harris (2017 ausgeschieden), Susanne Kalweit, Annette Schlichter-Schenck ./.
2014 Sabine Gilleßen Christiane Buhl, Gerlinde Böttcher-Naudiet, Franka Dannheiser, Susanne Hövelmann-Schulze, Susanne Kalweit, Cornelia Östreich, Annette Schlichter-Schenck ./.
2012 Cornelia Östreich Ulrike Opravil, Annette Schlichter-Schenck Viola Blankenhagen, Gerlinde Böttcher-Naudiet, Christiane Buhl, Sabine Gilleßen, Barbara Philipsen, Karin Thissen
2010 Cornelia Östreich Bärbel Juister, Regina Selke Gerlinde Böttcher-Naudiet, Alicia Kulaga, Snejina Lorenz, Ulrike Opravil, Annette Schlichter-Schenck
2006 Cornelia Östreich ? ?
1998(-2006) Anna Schlosser-Keichel ? ?
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1993 Monika Nielsky Ellen Haker ?
16.11.1991 Monika Nielsky Ellen Haker, Frauke Walhorn Barbara Dlugosch, Roswitha Friedrichsen, Ursula Fröhler, Renate Gottschling, Antje Hauschild, Bärbel Juister
16.6.1990 Monika Nielsky Gudrun Hinrichs, Gailana Lody Barbara Dlugosch, Roswitha Friedrichsen, Renate Gottschling, Ellen Haker, Monika Röder, Frauke Walhorn
1989 Monika Nielsky? Frauke Walhorn? Lianne Paulina-Mürl ?
1988 Monika Nielsky Lianne Paulina-Mürl ?
1986 Lianne Paulina-Mürl? ? ?
1983 Lianne Paulina-Mürl (1984)[6] Ute Erdsiek-Rave ?
1981 Edith Mecke-Harbeck? Lianne Paulina-Mürl ?
1978 Edith Mecke-Harbeck? ? Lianne Paulina-Mürl
1976 Edith Mecke-Harbeck? ? ?
[[1972]-1975 Elisabeth Orth (Vorsitzende Landesfrauenausschuss) ? ?

Landesfrauenkonferenzen

Jahr Ort Beschlüsse Sonstiges
8.9.2018 Schönberg/Ostsee Vorstandswahlen; Themen u.a. Europawahl 2019; innerparteilicher Erneuerungsprozess Umstellung vom Delegierten- auf das Vollversammlungsprinzip
7.10.2017 Henstedt-Ulzburg u.a. Urwahl des/der Parteivorsitzenden, Ablehnung erneuter Großer Koalition, Parité, Trennung von Kirche und Staat, Neufassung des Artikels 26 GG (Verbot von Angriffskriegen, Kontrolle von Waffenexporten), bessere Unterstützung von Ein-Eltern-Familien/Alleinerziehenden Gäste: Ralf Stegner, Nina Scheer MdB, Serpil Midyatli MdL, Katrin Fedrowitz (Kreisverband Segeberg)
19.11.2016 Neumünster Gäste: Ralf Stegner, Simone Lange; Vorstellung der Kandidatinnen zur Landtags- und Bundestagswahl 2017
31.10.2015 Bargteheide u.a. Flüchtlingspolitik, Doppelspitze, Förderprogramme für politisch aktive Frauen ab 35 Diskussion über Frauen auf der Flucht mit Delali Assigbley (Flüchtlingsrat), Serpil Midyatli MdL, Christiane Buhl und Cornelia Östreich
15.11.2014 Lübeck Themen unter anderem Flüchtlingspolitik, Friedenspolitik, Steuern, Debattenkultur und andere Referat von Samiah El Samadoni, Antidiskriminierungsbeauftragte Schleswig-Holstein
26.10.2013 Bredstedt u.a. humanere Flüchtlingspolitik; mehr Befugnisse für das Europäische Parlament, mehr Mitbestimmungsrechte für nationale Parlamente; konsequente Sanktionen gegen Mitgliedsstaaten, die gegen Menschenrechte und demokratische Grundregeln verstoßen Gastvortrag Margrit Zauner (ASF-Bundesvorstand) zu "Gender Budgeting" (geschlechtergerechte Haushaltsführung)
3.11.2012 Wrist ? Gast: Sozialministerin Kristin Alheit
20.11.2011 Eckernförde Änderungsanträge zum Entwurf des Regierungsprogramms 2012-2017 Vorstellung der SPD-Kandidatinnen zur Landtagswahl 2012
20.11.2010 Meldorf Vertretung ASF im SPD-Landesvorstand; Basis und Gender statt Troika und "starke" Männer!; Abschaffung Minijobs; Reform StGB § 177 (Vergewaltigung; sexuelle Nötigung); Beschneidung/ Genitalverstümmelung; Reform Landesgleichstellungsgesetz - Gleichstellungsbeauftragte; Gender Mainstreaming und Gender Budgeting als obligatorischer Inhalt von Aus- und Fortbildung im öffentlichen Dienst; Anonyme Bewerbung Motto: Wahr di, Harry – de Frunslüüd kummt!; Vorstellung der BewerberInnen um die Spitzenkandidatur Brigitte Fronzek, Torsten Albig, Ralf Stegner, Mathias Stein
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5.9.1993 Wrist Außerordentliche Landesfrauenkonferenz zum Thema Anspruch der ASF an Frauenpolitik Gast: Eva Rühmkorf
14./15.11.1992 Hotel Royal, Elmshorn u.a. Vorstandswahlen ?
16.5.1992 Kantine Stadtwerke, Kiel Außerordentliche Landesfrauenkonferenz zum Thema Die Chance für Frauen - eine neue Verfassung Dies scheint eine für 16./17.5. geplante LaKo in Travemünde zum Thema Die Armut ist weiblich ersetzt zu haben.
16.11.1991 ? u.a. Vorstandswahlen ?
16.6.1990 ? u.a. Vorstandswahlen Lt. Rechenschaftsbericht 1992
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1984 Kiel ? ?
1983 Kiel ? ?
1982 Kiel ? ?
1981 Plön ? ?
1980 Kiel ? ?
1979 Neumünster ? ?
1978 Eckernförde? Albersdorf? ? ?
1977 Neumünster ? ?
1976 Lübeck ? ?
1974 Heide ? Referat: Situationsanalyse der Frauen in Partei und Gesellschaft
1972 Kiel ? ?
1970 Rendsburg ? ?
1966 Rendsburg Referat: Elmshorns Bürgermeister Kurt Semprich: Abwasser- und Müllbeseitigung[7]
1962 Eutin
... ... ? ?
1946 Rendsburg Rede von Anni Krahnstöver über Die Frauen und die kommenden Wahlen

Literatur

Aufkleber der ASF

Links

Quellen

  1. Baader, Ottilie: Ein steiniger Weg. Lebenserinnerungen einer Sozialistin (3. Aufl., Bonn 1979), S. 7. ISBN 1483959821. Erstdruck: Stuttgart/Berlin 1921
  2. Elise Jensen in "Die Gleichheit", 22.8.1906, S.4
  3. Franz Osterroth: Sozialdemokratie, S. 124 f.
  4. "Ich hab' mich niemals arm gefühlt!", S. 149
  5. "Ich hab' mich niemals arm gefühlt!", S. 151
  6. Nun lernen sie doch noch, Kieler Rundschau, 13.9.1984
  7. SPD Schleswig-Holstein (Hrsg.): Jahresberichte 1965/66 - SPD Landesparteitag in Kiel 1.+2. Juli '67