Gewerkschaftshaus Neumünster

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Das alte Gewerkschaftshaus in Neumünster wurde 1911 in der Fabrikstraße 32 gebaut.[1] Es wurde Im zweiten Weltkrieg wird es durch Bombentreffer zerstört[1] und nicht wieder aufgebaut.

Architektur

Architekt und Bauleiter war der Neumünsteraner Gottfried Wiese. Trauhänderische Eigentümer waren Heinrich Lienau und zunächst Johannes Hagedorn, ab 1914 Johannes Hanemann. Im September 1911 wurde die Baugenehmigung erteilt. Die Architektur wird in der Literatur beschrieben:

"Dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit Mansarddach; Klinkerfassade in den eleganten Formen einer auf Sachlichkeit ausgerichteten Reformarchitektur; Sockelgeschoss und Traufzone mit Naturstein verkleidet; die vier breiten Achsen durch eine kolossale Pilasterstellung über alle Geschosse zusammengefasst; an den Pilastervorlagen des EG fünf Relieffelder mit Emblemen verschiedener Gewerke (u.a. Metallgewerbe, Zimmerergewerbs, Baugewerbe), die Brüstungsfelder mit Zierverbandvariationen: rückwärtig anschließend zwei schmucklose erdgeschossige Nebengebäude mit Gewerkschaftsbüros und Versammlungsraum bzw. Sitzungszimmer (dieser Bauteil etwas höher ausgeführt). Nutzung des Vorderhauses im EG Parteisekretariat mit Warteraum, Kolportage-Raum und Archiv, sonst Büro- und Wohnraum.

Bemerkung: Das Gewerkschaftshaus in Neumünster, bei dem es sich um ein reines Verwaltungsgebäude ohne Gaststätte oder Herberge handelt, ist ein bemerkenswertes Beispiel der frühen modernen Geschäftshausarchitektur. In der eleganten Fassadengliederung kommen die Materialgerechtigkeit des norddeutschen Backsteinbaus und die neue versachlichte Reformästhetik zum Tragen. Über die Person des Entwerfers Gottfried Wiese ist wenig bekannt. So steht nicht fest, ob Wiese eine Architektenausbildung genossen hat, er betrieb jedenfalls in Neumünster ein 'Bautechnisches Büro'."[2]

Gewerkschaften

Im Gewerkschaftshaus waren verschiedene Mitgliedsgewerkschaften des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) versammelt[3]:

  • Deutscher Holzarbeiterverband
  • Verband der Maler
  • Zentralverband der Steinarbeiter
  • Deutscher Baugewerkschaftsbund
  • Deutscher Bekleidungsarbeiterverband
  • Deutscher Lederarbeiterverband
  • Deutscher Metallarbeiterverband
  • Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter
  • Deutscher Textilarbeiterverband
  • Verband der Deutschen Buchdrucker
  • Handsetzervereinigung
  • Gewerkschaft für Fabrikarbeiter
  • Gewerkschaft für Heizer und Maschinisten

Geschichte

Am 2. Mai 1933 stürmten SA und Hilfspolizei das Gewerkschaftshaus. Sie verhafteten zehn Gewerkschaftvertreter (u.a. Konrad Matzke), beschlagnahmten sämtliches Vermögen und übergaben das Gebäude an die nationalsozialistische Deutsche Arbeiterfront (DAF).[2]

Das Grundstück wurde dem DGB 1949 zurückgegeben. Seit 1953 befindet sich das Gewerkschaftshaus in der Carlstraße 7.[4]

Links

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Stadt Neumünster: Begründung für den Bebauungsplan Nr. 104 "Einkaufszentrum Sager-Viertel"
  2. 2,0 2,1 Hoffsten, Anke: Das Volkshaus der Arbeiterbewegung in Deutschland: Gemeinschaftsbauten zwischen Alltag und Utopie. Böhlau Köln; 1. Edition (2017), Seite 506
  3. Archiv DGB-NMS. Anm.: Die Aufstellung erfolgte März 1947 im Rahmen der Rückforderungsansprüche der Gewerkschaften. In Klammern aufgeführte Organisationen tauchten später in weiteren Aufzeichnungen auf. zitiert nach: spurensuche-neumuenster.de: Fabrikstraße 32 - Gewerkschaftshaus. abgerufen 23.3.2022
  4. Engling, Herbert. Das Neumünster-Buch: eine Stadtgeschichte in Wort und Bild. Neumünster, K. Wachholtz (1985), Seite 225