Georg Seeler: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Georg Seeler''', * [[17. Oktober]] [[1895]] in Hademarschen; † Mai [[1979]] in Neumünster; Schulleiter, Landtagsabgeordneter. Mitglied der SPD bereits in der Weimarer Republik.
'''Georg Seeler''', * [[17. Oktober]] [[1895]] in Hademarschen; † [[3. Mai]] [[1959]] in Neumünster; Schulleiter, Landtagsabgeordneter. Mitglied der SPD bereits in der Weimarer Republik.  
== Leben  ==
Vor [[1933]] war Georg Seeler in der SPD und [[SAP|Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP)]] tätig, Vorsitzender des SAP-Ortsvereins [[Ortsverein Altona|Altona]] und Hamburger Landesverbandsvorsitzender der Allgemeinen Freien Lehrergewerkschaft. Er war Mitglied der Kampfgruppe der SAP<ref name=DS184464>{{Drucksache-18-4464}}, Seite 334</ref>. [[1933]] wurde er aufgrund § 4 des Berufsbeamtengesetzes als Lehrkraft entlassen.  


Während der NS-Herrschaft ist Georg Seeler Verbindungsmann deutscher Emigranten in Skandinavien gewesen<ref name=DS184464 />.
== Leben & Beruf ==
Georg Seeler war Lehrer. Vor [[1933]] arbeitete er in [[Ortsverein Altona|Altona]] und war Landesverbandsvorsitzender der Allgemeinen Freien Lehrergewerkschaft in Hamburg. [[1933]] wurde er von den Nazis aufgrund § 4 des "Berufsbeamtengesetzes" aus dem Schuldienst entlassen und engagierte sich im [[Widerstand]]. Die [[Entnazifizierung in Schleswig-Holstein#Aufarbeitung|Studie von Danker/Lehmann-Himmel]] ordnet ihn unter den fünf möglichen Kategorien als "oppositionell/'gemeinschaftsfremd" und "Widerstandleistenden" ein.<ref>Vgl. {{Drucksache-18-4464}}, S. 279. Die fünf Kategorien lauten "exponiert nationalsozialistisch", "systemtragend/karrieristisch", "ns-sozialisiert", "angepasst/ambivalent" und "oppositionell/'gemeinschaftsfremd'". Grundlage ihrer Einordnung ist eine Akte im Landesarchiv, LASH Abt. 460.15, Nr. 351.</ref>


Georg Seeler wohnte nach dem Zweiten Weltkrieg in [[Ortsverein Ahrensburg|Ahrensburg]] und war dort Schulleiter an der Grundschule Schloss Ahrensburg.  
Er lebte nach dem Ende der NS-Herrschaft in [[Ortsverein Ahrensburg|Ahrensburg]] im Reeshoop 14 und leitete dort die Grundschule Schloss Ahrensburg. [[1950]] wechselte er als Stadtschulrat nach [[Kreisverband Neumünster|Neumünster]]; dieses Amt versah er bis zu seinem Tod.


Nach 1945 war er zweiter Vorsitzender des [[Kreisverband Stormarn|Kreisverbandes Stormarn]]. Er gehörte dem [[Ernannter Landtag vom 26.02.-11.11.1946|ersten]] und [[Ernannter Landtag 1946-1947|zweiten ernannten Landtag]] an. Georg Seeler setzte sich für eine schnelle [[Entnazifizierung in Schleswig-Holstein|Entnazifizierung]] ein - auch für die Landwirte: "die, die in vorderster Reihe standen und die Bevölkerung terrorisierten, müssen auch aus der Landwirtschaft so schnell wie möglich entfernt werden"<ref name=DS184464 />.
== Partei & Politik ==
Während der Weimarer Republik gehörte Georg Seeler der [[Ortsverein Altona|SPD Altona]] an, wechselte [[1931]] zur [[Sozialistische Arbeiterpartei (1931)|Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP)]] und übernahm den Vorsitz der örtlichen SAP. Er schloss sich auch der Kampfgruppe der SAP an.<ref name=DS184464>{{Drucksache-18-4464}}, Seite 334</ref>
 
Während der NS-Herrschaft war er einer der [[Widerstand|Verbindungsleute für deutsche Emigrierte]] in Skandinavien.<ref name=DS184464 />
 
[[1945]] wählte ihn der [[Kreisverband Stormarn]] für einige Zeit zum 2. Vorsitzenden - wie lange genau, ist nicht ermittelt.  
 
=== Landtag ===
Georg Seeler wurde in den [[Ernannter Landtag vom 26.02.-11.11.1946|ersten]] und [[Ernannter Landtag 1946-1947|zweiten ernannten Landtag]] berufen. Dort war er in den Ausschüssen für Volksbildung (später Volksbildung und Erziehung), Ernährung und Landwirtschaft, Justiz sowie Entnazifizierung aktiv.
 
Im Letzteren setzte er sich für eine schnelle [[Entnazifizierung in Schleswig-Holstein|Entnazifizierung]] ein - auch der Landwirte: <blockquote>"die, die in vorderster Reihe standen und die Bevölkerung terrorisierten, müssen auch aus der Landwirtschaft so schnell wie möglich entfernt werden".<ref name=DS184464 /></blockquote>
Eine Amnestie für NS-Täter ohne Einzelüberprüfung und konsequente Entfernung der "wirklich Schuldigen" lehnte er ab. Danker/Lehmann-Himmel kommentieren:
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== Links ==
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== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
<references />
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[[Kategorie:Gewerkschaftsbewegung]]
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[[Kategorie:Kreisverband Stormarn]]
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[[Kategorie:Kreisverband Neumünster]]
[[Kategorie:Kreisverband Neumünster]]
[[Kategorie:Widerstand]]

Aktuelle Version vom 16. Februar 2026, 16:11 Uhr

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Georg Seeler
Geboren: 17. Oktober 1895
Gestorben: 3. Mai 1959

Georg Seeler, * 17. Oktober 1895 in Hademarschen; † 3. Mai 1959 in Neumünster; Schulleiter, Landtagsabgeordneter. Mitglied der SPD bereits in der Weimarer Republik.

Leben & Beruf

Georg Seeler war Lehrer. Vor 1933 arbeitete er in Altona und war Landesverbandsvorsitzender der Allgemeinen Freien Lehrergewerkschaft in Hamburg. 1933 wurde er von den Nazis aufgrund § 4 des "Berufsbeamtengesetzes" aus dem Schuldienst entlassen und engagierte sich im Widerstand. Die Studie von Danker/Lehmann-Himmel ordnet ihn unter den fünf möglichen Kategorien als "oppositionell/'gemeinschaftsfremd" und "Widerstandleistenden" ein.[1]

Er lebte nach dem Ende der NS-Herrschaft in Ahrensburg im Reeshoop 14 und leitete dort die Grundschule Schloss Ahrensburg. 1950 wechselte er als Stadtschulrat nach Neumünster; dieses Amt versah er bis zu seinem Tod.

Partei & Politik

Während der Weimarer Republik gehörte Georg Seeler der SPD Altona an, wechselte 1931 zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) und übernahm den Vorsitz der örtlichen SAP. Er schloss sich auch der Kampfgruppe der SAP an.[2]

Während der NS-Herrschaft war er einer der Verbindungsleute für deutsche Emigrierte in Skandinavien.[2]

1945 wählte ihn der Kreisverband Stormarn für einige Zeit zum 2. Vorsitzenden - wie lange genau, ist nicht ermittelt.

Landtag

Georg Seeler wurde in den ersten und zweiten ernannten Landtag berufen. Dort war er in den Ausschüssen für Volksbildung (später Volksbildung und Erziehung), Ernährung und Landwirtschaft, Justiz sowie Entnazifizierung aktiv.

Im Letzteren setzte er sich für eine schnelle Entnazifizierung ein - auch der Landwirte:

"die, die in vorderster Reihe standen und die Bevölkerung terrorisierten, müssen auch aus der Landwirtschaft so schnell wie möglich entfernt werden".[2]

Eine Amnestie für NS-Täter ohne Einzelüberprüfung und konsequente Entfernung der "wirklich Schuldigen" lehnte er ab. Danker/Lehmann-Himmel kommentieren:

"[So kam] auch der eindringliche Appell Seelers nicht ohne Verweis auf die 'wirklich Schuldigen' aus, was auf ein Grundmuster aller Entnazifizierungsdebatten hindeutet, nämlich dass grundsätzliche Einigkeit darüber herrschte, dass die 'wirklichen' oder 'wahren' Schuldigen von den anderen, ergo 'Unschuldigen', getrennt und zur Rechenschaft gezogen werden mussten. Uneins, so scheint es, war man sich lediglich über die Vorgehensweise dazu."[3]

Links

Einzelnachweise

  1. Vgl. Danker, Uwe / Lehmann-Himmel, Sebastian: Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuität nach 1945 in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive (Schleswig-Holsteinischer Landtag 2016) (Drucksache 18/4464), S. 279. Die fünf Kategorien lauten "exponiert nationalsozialistisch", "systemtragend/karrieristisch", "ns-sozialisiert", "angepasst/ambivalent" und "oppositionell/'gemeinschaftsfremd'". Grundlage ihrer Einordnung ist eine Akte im Landesarchiv, LASH Abt. 460.15, Nr. 351.
  2. 2,0 2,1 2,2 Danker, Uwe / Lehmann-Himmel, Sebastian: Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuität nach 1945 in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive (Schleswig-Holsteinischer Landtag 2016) (Drucksache 18/4464), Seite 334
  3. Danker, Uwe / Lehmann-Himmel, Sebastian: Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuität nach 1945 in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive (Schleswig-Holsteinischer Landtag 2016) (Drucksache 18/4464), S. 336