Kreisverband Stormarn
| Gegründet: |
1920
|
| Vorsitz: | Marion Meyer/Robert Wuschke |
| Website: | Homepage |
Der Kreisverband Stormarn ist eine Gliederung der SPD Schleswig-Holstein. Gegründet wurde er am 15. Februar 1920 als Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokratischen Ortsvereine des Kreises Stormarn.
Im April und Mai 2026 nominierte die SPD Stormarn ihre Kandidierenden für die Landtagswahl 2027: im Wahlkreis 28 (Stormarn-Nord) Jennifer Wlost[1], im Wahlkreis 29 (Stormarn-Mitte) Frank Schmalofsky[2], im Wahlkreis 30 (Stormarn-Süd) erneut Martin Habersaat[3].
Vorsitzende sind seit November 2025 Marion Meyer und Robert Wuschke.
Nach Streitigkeiten über die Privatisierung des Rettungsdienstes trat 1993 der Kreisvorstand zurück. Bei der Neuwahl auf dem Kreisparteitag in Lütjensee wurde der bisherige Vorsitzende Uwe Teut aus Trittau wiedergewählt.[4]
Kommunalpolitik
Nach der Kommunalwahl 2023 hatte die SPD gemäß dem Kreistagsinformationssystem im Kreistag 13 von 66 Sitzen[5], 2018 14 von 68[6], 2013 16 von 57[7], 2008 17 von 68[8] und 2003 13 von 53[9]. Davor sind nicht mehr alle Mitglieder elektronisch erfasst.
2016 wurde Sigrid Kuhlwein für ihre 30jährige Mitgliedschaft im Kreistag geehrt.[10]
Von 2003 bis 2012 gehörte Martin Habersaat dem Stormarner Kreistag an.
Nach der Kommunalwahl 1998 stellte die SPD mit Ursula Stielau die Kreispräsidentin[11]; in der Wahlperiode vorher war sie stellvertretende Kreispräsidentin[12].
Fraktionsvorsitzende:
- seit 2022 - Frank Schmalowsky
- ab 2005 - Reinhard Mendel
- ab 1998 - Ulrich March
- ab 1992 - Klaus Plöger[13]
Landräte
Nach der Reform der Kreisordnung in Schleswig-Holstein 1997 wurde Klaus Plöger 1998 als erster Landrat direkt gewählt, 2003 wiedergewählt. Nach Abschaffung der Direktwahl wählte ihn der Stormarner Kreistag 2009 für eine dritte Amtsperiode.[13]
Geschichte
Olof-Palme-Friedenspreis
Den Olof-Palme-Friedenspreis verleiht die SPD Stormarn seit 1987. Erster Kuratoriumsvorsitzender war Egon Bahr.
Gebietsreform
Am 1. Januar 1970 verlor der Kreis zwei Orte: Glashütte und Harksheide wurden im Rahmen der Kreisreform mit zwei Orten aus dem Kreis Pinneberg, Friedrichsgabe und Garstedt, zur neuen Stadt Norderstedt im Kreis Segeberg zusammengefasst. Für den Kreisverband bedeutete dies 285 Mitglieder weniger, die er jedoch in kurzer Zeit "mehr als ausgeglichen" hatte.[14]
Neugründung
Nach dem Ende der NS-Diktatur wurde der Kreisverband neu gegründet. Zu den Gründern gehörte auch Werner Voß aus Tangstedt.[15] Einer der ersten Kreisparteitage fand am 18. Februar 1951 in Ahrensburg statt. Der schwache Besuch gab Anlass zu Kritik.[16]
Auch die Frauengruppen waren wieder aktiv: Im Mittelpunkt einer Kreisfrauenkonferenz im Juni 1947 stand ein Referat der Hamburger Jugendsenatorin Paula Karpinski über Jugendprobleme unserer Zeit.[17]
NS-Diktatur
Klaus Klingner hat 1982 einiges über die Geschichte der Ortsvereine in den frühen 1930er Jahren zusammengetragen und beschreibt den Umschwung nach der Machtübergabe:
"[Es] glückte den Nazis bis 1933 in Stormarn kein entscheidender politischer Erfolg. Sie blieben eine kleine Minderheit. Ihr Kreisleiter wird später das "Unverständnis des Bürgertums" bis zum 30. Januar beklagen. Danach legten sie dann los, um in acht Wochen in einer einzigartigen Agitations-, Mobilisierungs- und Terrorisierungskampagne die Verhältnisse total umzukrempeln."[18]
"Die Arbeiterbewegung konnte die Nazis nicht aufhalten. Ihre Organisationen wurden vernichtet. Kriegs- und Nachkriegswirren zermahlten auch die zugrundeliegenden Strukturen. Heute gibt es kaum noch Zeugnisse der Arbeiterbewegung. [...] wenige Erinnerungsstücke wie Fahnen, Fotos und Dokumente, die unter Dielen oder zwischen doppelten Wänden verborgen waren. [...] Erhalten sind die Erinnerungen heute 70- bis 80-Jähriger - nicht mehr lange."[19]
Die Wahlen im März 1933 wurden bereits von der Einschüchterungstaktik der Nazis dominiert. Diese erreichten in der Reichstagswahl fast 46 % und hatten zusammen mit den Deutschnationalen (ca. 11 %) die Mehrheit. Die SPD lag bei gut 25 %, die KPD bei gut 13 %. Nur in den Gemeinden Oststeinbek, Rethwischfeld, Sehmsdorf, Schönningstedt und Tralau gelang den Rechtsextremen keine Mehrheit. Ähnlich war das Ergebnis der Kreiswahl - 18 der 29 Sitze im Kreistag gingen an die Rechtsextremen, die SPD verlor 2 Sitze und behielt 8, die KPD blieb bei 3 Sitzen. Auch in den Gemeindewahlen erhielten sie - teils mit den Deutschnationalen und nach Ausschaltung der KPD - in der Regel die absolute Mehrheit. Nun ging auch Schönningstedt an die Nazis verloren.[20]
Bei der Konstituierung des neuen Kreistages waren drei SPD-Abgeordnete bereits im KZ eingesperrt.[21] Die Unterbringung im KZ Kuhlen kostete 1,35 RM je Mann und Tag, die von der jeweiligen Gemeinde aus dem Polizeietat aufzubringen waren.[22]
Jedoch ging es nicht nur gegen Politiker:
"Nach einem Bericht des Landboten vom 20. März 1933 beschloß der Stormarner Bauerntag einstimmig die Forderung nach Abberufung des sozialdemokratischen Arbeitsamtsdirektors als Parteibuchbeamten."[23]
Weimarer Republik
Klaus Klingner weist darauf hin, dass sich politisch
"die demokratischen Kräfte in Stormarn bis Anfang 1933 behaupten [konnten]. [...] Das lag hauptsächlich an den Verhältnissen in den westlichen Stormarner Gemeinden, die 1937 zu Hamburg kamen. Dazu trug bei, daß hier nicht wie andernorts die Kräfte in blutigen Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten verschlissen wurden. Die Linken bekämpften sich politisch; aber nicht in Saal- oder Straßenschlachten. [...] Im Stormarner Kreistag hatten die Nazis nach den letzten freien Wahlen nur drei Vertreter. Stärkste Kraft im Kreis war die SPD."[24]
Der Kreisverband Stormarn wurde am 15. Februar 1920 in Wandsbek zunächst als Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokratischen Ortsvereine des Kreises Stormarn gegründet. Initiator war Louis Biester. Es heißt, der Bezirksvorstand habe heftige Vorbehalte gegen diese Gründung gehabt. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft waren die Ortsvereine Bergstedt, Bramfeld, Duvenstedt, Glashütte, Harksheide, Hoisbüttel, Hummelsbüttel, Poppenbüttel, Sasel, Tangstedt, Wellingsbüttel und Wilstedt (bei Tangstedt).
Gerade während der Weimarer Republik bildete die Arbeiterbewegung ihren Charakter sehr deutlich heraus:
"Zur Beurteilung der politischen Lage und der Kräfteverhältnisse muß man sich die Arbeiterbewegung der dreißiger Jahre vergegenwärtigen. Die Sozialdemokratie und ähnlich in den Formen die von ihr abgesplitterten Kräfte, insbesondere die Kommunisten, das waren nicht nur politische Parteien im heutigen Verständnis. Das waren umfassende und lebenslange, oft über Generationen verfolgbare Gemeinschaften. Die SPD hatte Ortsvereine in allen größeren und mittleren Orten und auch vielen kleineren. Auch die KPD war in den größeren und mitt1eren Orten vertreten. Aber außer den heute noch üblichen Versammlungen und Erklärungen wie der Beteiligung an Wahlen und Mitwirkung in der Selbstverwaltung - wobei die SPD im Westen des Kreises und vielfach im Bereich Bad Oldesloe-Land die Gemeinde- und Amtsvorsteher stellte - war die Arbeiterbewegung viel mehr.
Da war die Mitwirkung in den Gewerkschaften. Der ADGB war damals eindeutig sozialdemokratisch. Die KPD hatte ihre Anhängerschaft vor allem bei den Arbeitslosen. Die Gewerkschaften des ADGB waren in mehr Einzelgewerkschaften aufgeteilt als heute. So gab es hier neben den Gewerkschaften der Metall- und der Landarbeiter die der Maler, der Zimmerer und der Bauarbeiter. Dafür traf man sich monatlich beim Ortskartell. Die Organisation war allgemein ortsnäher als heute. [...] Fast vergessen ist heute die damals blühende Arbeiter-Turn- und Sportbewegung."[25]
Er erinnert außerdem an die Arbeiterwohlfahrt, die Konsumvereine, die Arbeitergesangvereine, die Sozialistische Arbeiterjugend und das Reichsbanner.
Schon vor der Machtübergabe an die Nazis richtete der Kreis im Januar 1933 einen freiwilligen Arbeitsdienst zur Unterstützung arbeitsloser Jugendlicher ein.
"Parallel lief eine gewerkschaftlich orientierte Maßnahme unter Leitung der Sozialdemokraten "Jonny" Westphäling und Heinrich Kröger als sozialer Hilfsdienst mit beruflicher Fortbildung, Pflege kameradschaftlicher Beziehungen und sportlicher Betätigung. Den städtischen Arbeitsdienst übernahmen später die Nazis."[26]
Kaiserreich
Die Vorgeschichte der Sozialdemokratie im Hamburger Umland stellte das Hamburger Echo anlässlich der Veränderungen des Wahlrechts und der Anpassungen in der Parteiorganisation ab 1. Oktober 1919 ausführlich dar. Für Altona und Stormarn gab es nach dem Sozialistengesetz eine gemeinsame Parteiorganisation, weil beide zum selben Reichstagswahlkreis gehörten. Das Altona benachbarte Ottensen lag dagegen in einem Wahlkreis mit Pinneberg und benötigte eine eigene Parteiorganisation, denn wahlkreisübergreifende Zusammenarbeit war weiterhin verboten.[27].
Bereits 1876 gab es zahlreiche Ortsgruppen der SAPD im Kreis. An einem Arbeiterfest, das der Ortsverein Altona am Pfingstsonntag (4. Juni) in Ahrensburg ausrichtete, nahmen Mitglieder aus etwa 15 Orten teil, allerdings nicht alle aus dem Kreis: Neben Ahrensburg, Bargteheide, Bünningstedt, Delingsdorf, Hoisbüttel, Mollhagen, Siek, Todendorf und Tremsbüttel waren natürlich auch Mitglieder aus Altona, Ottensen und Hamburg sowie aus Barmstedt vertreten. Hauptgast war Wilhelm Hasenclever MdR, "bei seinem Eintreffen jubelnd begrüßt". Er
"legte in einer kurzen, kernigen Ansprache namentlich den anwesenden Frauen es an's Herz, daß auch ihre Pflicht es sei, die hohen und heiligen Ideen der Arbeiterbewegung zu fördern, da ja gerade [sie] von den socialen Einrichtungen am meisten zu leiden hätten."[28]
Fotos
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Kreisparteitag 1983, Festsaal Rathaus Glinde
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Manfred E. Poppe 1980
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Kreisparteitag 1960
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Louis Biester, ca. 1928
Literatur
- Klingner, Klaus: Vor 50 Jahren. Hitlers Machtergreifung in Stormarn (Selbstverlag, Bad Oldesloe 1982)
Links
- 🏛️ Portal Kreisverband Stormarn - Übersicht zu den Inhalten zum Kreisverband Stormarn
Einzelnachweise
- ↑ Meyer, Marion: SPD Stormarn nominiert Jennifer Wlost als Landtagskandidatin, Homepage, 3.5.2026
- ↑ Meyer, Marion: SPD Stormarn nominiert Frank Schmalofsky als Landtagskandidaten für Stormarn-Mitte, Homepage, 3.5.2026
- ↑ Meyer, Marion: SPD Südstormarn nominiert Martin Habersaat einstimmig als Landtagskandidaten, Homepage, 3.5.2026
- ↑ Teut bleibt SPD-Chef, Lübecker Nachrichten, 22.6.1993
- ↑ Kreis Stormarn: Kreistag, Stichtag 16.6.2024
- ↑ Kreis Stormarn: Kreistag, Stichtag 16.6.2019
- ↑ Kreis Stormarn: Kreistag, Stichtag 16.9.2013
- ↑ Kreis Stormarn: Kreistag, Stichtag 16.9.2008
- ↑ Kreis Stormarn: Kreistag, Stichtag 16.9.2003
- ↑ SPD Ammersbek: Ehrung für Sigrid Kuhlwein: 30 Jahre im Kreistag, Homepage, undatiert [26.6.2016]
- ↑ Kreis Stormarn: Kreistag, Stichtag 16.1.2003
- ↑ Kreis Stormarn: Kreistag, Stichtag 16.1.1998
- ↑ 13,0 13,1 Kreis Stormarn: Landrat Klaus Plöger 4/1998 - 4/2016, abgerufen 3.9.2026
- ↑ Marfels, Raimund [rm]:Stormarns SPD hat den Verlust von Harksheide und Glashütte wettgemacht, Lübecker Nachrichten, 20.1.1970
- ↑ Trauer um Werner Voß, vorwärts - WIR 1/1987
- ↑ Ortsverein Bünningstedt, Protokoll vom xx.2.1951
- ↑ Ortsverein Bünningstedt, Protokoll vom xx.6.1947
- ↑ Klingner, S. 9
- ↑ Klingner, S. 7
- ↑ Klingner, S. 18
- ↑ Klingner, S. 19
- ↑ Klingner, S. 21
- ↑ Klingner, S. 25
- ↑ Klingner, S. 2
- ↑ Klingner, S. 5
- ↑ Klingner, S. 4
- ↑ Altona und Umgegend. Ein parteigeschichtlicher Rück- und Ausblick, Hamburger Echo, 30.9.1919, Seite 3
- ↑ Fortsetzung des Localberichts, Hamburg-Altonaer Volksblatt, 7.6.1876, S. 4
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