Louis Biester

Louis Biester
Louis Biester
Geboren: 3. August 1883
Gestorben: 16. Juni 1965

Gustav Louis Biester, * 3. August 1882 in Wenden b. Nienburg/Weser; † 16. Juni 1965 in Königsmoor b. Harburg/Nds.; Volksschullehrer. Verheiratet, zwei Kinder; Dissident[1]. Mitglied der SPD 1912-1933 und wieder ab 1945.

Werdegang

Louis Biester stammte aus einer niedersächsischen Bauernfamilie. Er besuchte die Volksschule, die Präparande[2] in Wunstorf und schloss 1902 das Lehrerseminar in Stade ab. Nach einigen Jahren als Lehrer in Intschede, Kreis Verden, legte er am 15. Dezember 1905 seine 2. Lehrerprüfung ab und unterrichtete ab April 1906 an Schulen in Hamburg, zunächst in Allermöhe, dann an der Volksschule Seilerstraße.

Anfang 1908 plante er, für vier Jahre an eine deutsch-chinesische Schule zu gehen, führte dies jedoch nicht aus.[3] Am 26. Juni legte er den Hamburgischen Bürgereid ab und verlobte sich kurz darauf. Am 7. Juli 1910 heirateten er und Auguste Doris Magdalena Tessloff (27. Juni 1890-10. Februar 1973). Sie bekamen einen Sohn, Rudolf (16. August 1915-7. Oktober 2000), und eine Tochter, Gertrud (19. September 1919-?).

Am 9. Januar 1912 verließ Louis Biester die evangelisch-lutherische Kirche, am 1. Juli trat er in die SPD ein und wurde Mitglied der Sozialwissenschaftlichen Vereinigung.

Im August 1914 wurde er zum Kriegsdienst im 1. Weltkrieg eingezogen, im September 1916[4] wegen schlechter Gesundheit entlassen und kehrte nach einem Lazarettaufenthalt in den Schuldienst zurück.

1919 wurde er zum Landesvorsitzenden des Sozialistischen Lehrerbundes gewählt. Im selben Jahr wechselte er an die Volksschule Hoisbüttel, Kreis Stormarn (heute ein Teil von Ammersbek), und kaufte sich dort ein Haus.

1933 erkrankte er an einem schweren Nierenleiden.

Politik

Bei seinem Wechsel nach Hoisbüttel zeigte Louis Biester bereits deutliche politische Ambitionen. Von 1919 bis 1922 nahm er an allen Reichsparteitagen der SPD teil - Weimar, Kassel, Görlitz und Augsburg - und redete dort auch. Danach scheint er bis 1929 (Magdeburg) und 1931 (Leipzig) nicht mehr teilgenommen zu haben.[5] Er bewarb sich 1919, wenn auch erfolglos, um das Amt des Landrats.

Am 15. Februar 1920 fand auf seine Initiative in Wandsbek die 1. Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokratischen Ortsvereine des Kreises Stormarn statt, womit - gegen heftige Vorbehalte des Kieler Bezirksvorstandes - der Kreisverband Stormarn gegründet wurde.

Nur Wochen später, während des Kapp-Putsches im März 1920, soll er an der Spitze des Kreisausschusses "mit 1.500 bewaffneten Putsch-Gegnern die Kreisverwaltung im Kreis Stormarn gegen die Putschisten" verteidigt haben.[6] Allerdings kam er erst im Jahr darauf in den Kreisausschuss.[7]

Am 20. Februar 1921 wurde er in den Provinziallandtag der Provinz Schleswig-Holstein (bis 1925) und in den Stormarner Kreistag gewählt, kurz darauf vom Kreistag in den sechsköpfigen Kreisausschuss. Das Kreistagsmandat legte er daraufhin bald nieder und blieb nur im Kreisausschuss. Otto Siege aus Ahrensburg rückte für ihn in den Kreistag nach.[8] Trotzdem wurde er bis 1933 jedesmal wiedergewählt.

1923 wählte der Kreistag ihn zum Amtsvorsteher des Amtes Bergstedt (bis Ende 1926). Offenbar war er zeitweise auch Gemeindevorsteher von Hoisbüttel.[9]

1924 zog er als Nachfolger von Karl Frohme für den Wahlkreis 13 (Schleswig-Holstein) in den Reichstag ein. In der 4. Wahlperiode wird er nur noch als Kreistagsabgeordneter des Kreises Stormarn geführt.[10] Aus seiner Abgeordnetenzeit erwähnt Perrey zwei größere Reden - zum Kraftfahrzeugsteuergesetz sowie zur Landarbeiterfrage und Siedlungspolitik - und einige Debattenbeiträge zu Alkoholismus, Gemeindebestimmungsrecht, Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten; auch ein Einspruch gegen eine vorgesehene Abstimmung ist überliefert.

Im Laufe der 4. Wahlperiode kam er in den Vorstand der Landkreisvereinigung der Provinz Schleswig-Holstein.[11] 1932 wurde er Mitglied im Vorstand des Preußischen Landkreistages. Als Vertreter des Unterbezirks Stormarn gehörte er auch dem letzten, 1932 gewählten Bezirksvorstand an.

Nationalsozialismus

Nach seinem Krankenhausaufenthalt wurde Louis Biester am 12. März noch einmal in den Kreistag gewählt. Am 29. März beantragte er seinen Wiedereintritt in den Schuldienst; am 30. März erklärte er seinen Austritt aus der Reichstagsfraktion und der SPD, behielt aber offenbar das Reichstagsmandat. Am Tag darauf erhielt er eine Lehrerstelle an der Schule Barmbecker Straße in Hamburg. Anschließend legte er sein Kreistagsmandat nieder. Infolge erneuter Erkrankung beurlaubte ihn die Hamburger Schulbehörde am 30. Mai "bis auf Weiteres".[12]

Mit dem Verbot der SPD am 22. Juni erlosch Louis Biesters Reichstagsmandat.

Am 27. Juni 1933 wurde er aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" endgültig aus dem Schuldienst entlassen und am selben Tag in "Schutzhaft" genommen; bis 14. Januar 1934 wurde er im KZ Lichtenburg festgehalten. Seine Entlassung war mit der Auflage verbunden, den Kreis Stormarn für immer zu verlassen und sich nicht mehr politisch zu betätigen.[13] Er zog mit Frau und Tochter in seinen Heimatort zurück - sein Sohn blieb offenbar in Stormarn, denn er machte 1937 das Abitur am Walddörfergymnasium - und verdiente zunächst als "fliegender Händler" für Tabak- und Kolonialwaren seinen Lebensunterhalt, später mit einem Tabakladen in Nienburg. Ab 1. April 1940 war er in Teufelsmoor bei Bremen als Landwirt auf einem gepachteten Hof tätig. Im Zuge der Aktion Gitter nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er erneut inhaftiert, im Arbeitserziehungslager Farge/Bremen, offenbar aber nur für zehn Tage.[14].

Kurze Rückkehr zur Politik

Bald nach Ende der NS-Zeit engagierte sich Louis Biester wieder politisch. Im August 1945 trat er in Worpswede erneut in die SPD ein und übernahm später den Kreisvorsitz des Kreisverbandes Osterholz. Eine von ihm angestrebte Rückkehr nach Schleswig-Holstein als Oberpräsident scheiterte im Herbst 1945 offenbar am schleswig-holsteinischen Bezirksvorstand. Am 17. September lehnte der Kontrollausschuß des Bezirksvorstandes auch Louis Biesters Kandidatur zum Landrat in Stormarn ab.[15]

1946 setzte die britische Militärverwaltung Louis Biester als Landrat im Landkreis Osterholz ein; danach war er von 1948 bis 1952 Amtsvorsteher im Landkreis und gehörte dem Kreistag an.

1949 kandidierte er in seinem Wahlkreis Verden-Rotenburg-Osterholz für den Bundestag, unterlag jedoch dem Kandidaten der Deutschen Partei. Im selben Jahr vertrat er den niedersächsischen Landtag in der ersten Bundesversammlung, die Theodor Heuss zum Bundespräsidenten wählte.

Als 1952 der Pachtvertrag für den Hof in Teufelsmoor ablief, zog er mit seiner Frau nach Königsmoor, wo er bis zu seinem Tode lebte.

Nach dem Tod seines Sohnes Rudolf am 7. Oktober 2000 übergab dessen Witwe den Nachlass von Louis Biester an das Archiv der Gemeinde und des Amtes Trittau.

Ehrungen

Am 31. Januar 1954 erhielt Louis Biester das Bundesverdienstkreuz.

Literatur / Links

  • Hans-Jürgen Perrey (Hrsg.): Louis Biester - Geschichte eines politischen Lebens (Berkenthin 2005), ISBN 3-936091-10-2
  • Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation (3., erheblich erweiterte und überarbeitete Auflage, Düsseldorf 1994) ISBN 3-7700-5183-1
  • Abgeordnetendatenbank des Dt. Reichstages: Louis Biester
  • Hans-Jürgen Perrey: Biographische Chronologie
  • Wikipedia: Louis Biester
  • Wikipedia niederdeutsch: Louis Biester

Quellen

  1. Keiner Religionsgemeinschaft angehörend
  2. Präparandenanstalt, bis ins frühe 20. Jhdt. unterste Ebene der Volksschullehrerausbildung, Vorbereitungsschule für den Besuch des Lehrerseminars.
  3. Vgl. Perrey, Chronologie
  4. Vgl. Reichstagshandbuch, 6. Wahlperiode (1932), S. 41. Dass der Kriegsdienst erst hier zum erstenmal erwähnt wird, hängt möglicherweise mit der steigenden Bedrohung durch die Nazis zusammen.
  5. Perrey, Chronologie
  6. Diese lebhafte Darstellung findet sich - unbelegt - in beiden Wikipedia-Einträgen.
  7. Perrey, Chronologie, in der zum Kapp-Putsch nichts vergleichbar Dramatisches aufgeführt ist.
  8. Perrey, Chronologie
  9. Angaben lt. Reichstagshandbuch, 3. Wahlperiode (1924), S. 208
  10. Angaben lt. Reichstagshandbuch, 4. Wahlperiode (1928), S. 291
  11. Vgl. Reichstagshandbuch, 5. Wahlperiode (1930), S. 305
  12. Perrey, Chronologie
  13. Perrey, Chronologie
  14. Perrey, Chronologie
  15. Perrey, Chronologie