1906
Vorsitzende der SPD sind Paul Singer und August Bebel. Nach der Auflösung der gemeinsamen Parteiorganisation mit Hamburg wählt die Bezirksorganisation in Schleswig-Holstein Friedrich Bartels zum Vorsitzenden; er wird außerdem als Bezirksparteisekretär angestellt. Der zunächst gefragte Heinrich Stubbe wird statt dessen Vorsitzender der Hamburger Parteiorganisation.
Staatsoberhaupt ist Kaiser Wilhelm II., Reichskanzler Bernhard von Bülow.
Am 2. August scheitert im Reichstag ein Nachtragshaushalt, der der Regierung weitere Mittel für den Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika verschaffen soll. Vor allem die SPD verweigert ihre Zustimmung angesichts des rücksichtslos geführten Krieges mit zahlreichen Opfern unter der einheimischen Bevölkerung. Daraufhin ordnet der Kaiser die Auflösung des Reichstages an.
Januar
- 21. Januar - Im Rahmen der landesweiten Proteste gegen das Dreiklassenwahlrecht findet auch in der Gaststätte "Waidmannsruh" in Kopperpahl eine Veranstaltung mit 150 Teilnehmern statt.
- 28. Januar - In Daldorf findet eine Volksversammlung mit dem "Genossen Hakelberg" (verm. Rudolf Hackelberg) statt, in deren Verlauf vier Personen in die SPD eintreten.
Februar
- 12. Februar - Der Kieler Wanderlehrer Holst referiert vor einer Versammlung des Landwirtschaftlichen Vereins für Bornhöved und Umgebung über Spar- und Darlehenskassen und Konsumvereine. Die Zuhörerschaft zeigt wenig Interesse.
März
- 16. März - Karl Kaehding wird in Lübeck geboren.
April
- 8. April - Otto Engel kommt in Rogätz b. Magdeburg zur Welt.
Mai
- Ottilie Baader unternimmt eine Agitationstour im 7. schleswig-holsteinischen Reichstagswahlkreis. Sie spricht in Nortorf, Neumünster, Gaarden, Kiel, Winterbek, Preetz, Rendsburg und Kopperpahl über Die Frau im politischen Kampfe der Gegenwart.
- 8. Mai - Die Konferenz der sozialdemokratischen Frauen des 7. schleswig-holsteinischen Reichstagswahlkreises findet im Kieler Gewerkschaftshaus statt. Sie wählt Theodora Niendorf zur Kreisvertrauensperson.
Juni
Juli
- 11. Juli - Herbert Wehner wird in Dresden geboren.
- 18. Juli - Der Sozialdemokratische Verein für Ellerbek und Umgegend (auch Distrikt Ellerbek) gründet sich. Vorsitzender wird Genosse Lühr.
August
- 5. August - Lange bevor Frauen eine Parteimitgliedschaft offiziell erlaubt ist, organisieren die Frauen des 7. schleswig-holsteinischen Wahlkreises im Kieler Gewerkschaftshaus ihre erste Frauenkonferenz und wählen Theodora Niendorf zur Kreisvertrauensfrau.
- 7. August - Karl Stender kommt in Kiel zur Welt.
September
- Unter den Ortsvereinen des Sozialdemokratischen Zentralvereins für den 6. schleswig-holsteinischen Reichstagswahlkreis ist auch der OV Bad Bramstedt aufgeführt, der später seine Gründung aber erst auf 1919 datiert.
- 2./3. September - Provinzialparteitag für die Provinz Schleswig-Holstein, das Fürstentum Lübeck und das Herzogtum Lauenburg in Rendsburg.
- 10. September - Der OV Moorrege-Heist wird nach einer Versammlung mit Adolph von Elm und wohl Hermann Vogt (vom OV Uetersen) gegründet. Vorsitzender des provisorischen Vorstandes wird Emil Eilken. "Geburtshelfer" sollen im Wesentlichen zwei Arbeiter-Radfahr-Vereine gewesen sein, der Radfahrverein Uetersen von 1898 und der Radfahrer-Klub Mars von 1903.
- 23.-29. September - SPD-Parteitag in Mannheim. Er verabschiedet das Mannheimer Abkommen, das die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften bei großen Streikaktionen regelt.
Oktober
November
- Der OV Kopperpahl organisiert eine große Protestveranstaltung gegen die agrarische Volksausplünderungspolitik, auf der Karl Rickers aus Kiel spricht. Gleichartige Versammlungen finden im ganzen Wahlkreis statt.
- 7. November - Karl Korn wird in den neu geschaffenen zentralen Bildungsausschuss der SPD gewählt.
- 17. November - Walter Lurgenstein kommt in Koblenz zur Welt.
Dezember

- Carl Legien wird in Kiel erneut für die Reichstagswahl 1907 nominiert.
- 8. Dezember - Gründung der Arbeiterjugend in Altona durch den Schneidergesellen Otto Liebig.
- 24. Dezember - Paul Bromme wird in Ronneburg/Thüringen geboren.
Nicht datiert
- Friedrich Bauer, Heinrich Boschen, Otto Güldensupp, Magda Hamann, August Haut, Karl-Friedrich Richter, Theodor Werner und Josef Weskamp schließen sich der SPD an.
- Unter dem neuen Geschäftsführer Albert Henze gründet der Konsumverein Lübeck, der in Lübeck nicht recht Fuß fassen kann, eine Warenabgabestelle in Bad Schwartau.
- Johannes Knaack löst Ernst Fliegner im Vorsitz der Pinneberger SPD ab.
- Anna Mosegaard und ihre Familie ziehen nach Hadersleben.
- In Albersdorf wird eine der ersten Heimvolkshochschulen der Provinz eingerichtet.
- In diesem Jahr - vielleicht auch erst in der ersten Hälfte 1907, das lässt sich nicht genau ermitteln - gründet sich im Fürstentum Lübeck eine Reihe von Ortsvereinen, darunter Ahrensbök, Curau, Gleschendorf, Gnissau, Neudorf und Sereetz.
- Weiter gründen sich die Ortsvereine Eidelstedt, Kopperpahl und Umgegend, Osdorf (Altona), Sülldorf-Rissen, vermutlich auch Brunsbüttelkoog.
- Eine Gliederung in Olversum besteht wohl nur kurze Zeit, weil die Behörden die Nutzung eines Vereinslokals im Ort verhindern.
- In Tondern wird in diesem Jahr (oder 1907) ein "neuer" Ortsverein gegründet.
- Nachdem der SPD-Parteitag 1904 den Agitationsbezirken die Einstellung von Parteisekretären freigestellt hat, stellen alle größeren Wahlkreis-Vereine Parteisekretäre ein, sogar der RWK10 (Herzogtum Lauenburg), der das selbst nicht leisten kann, aber von Altona unterstützt wird.
- Trotz des Dreiklassenwahlrechts und ständiger Versuche, die Bedingungen zu verschlechtern, hält die SPD Ende des Jahres bereits 71 Mandate in 29 Gemeinderäten der Provinz.
- Im Vorfeld der Reichstagswahl 1907 schließen sich sämtliche Nationalen Wahlvereine für den 6. Reichstagswahlkreis (Pinneberg/West-Segeberg) dem Reichsverband gegen die Sozialdemokratie an.
