Theodor Werner

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Theodor Werner
Geboren: 8. Januar 1884
Gestorben: 17. August 1973

Theodor 'Tedje' (oder 'Tetje') Werner, * 8. Januar 1884 in Itzehoe; † 17. August 1973; Lagerhalter, Parteisekretär. Verheiratet, 3 Kinder; konfessionslos. Mitglied der SPD seit 1906.

Werdegang

Der Vater kam aus Schlesien und fand Arbeit in einer Portland-Zementfabrik bei Itzehoe (Lägerdorf oder Breitenburg), wo er sich niederließ und eine Familie gründete. Theodor Werner hatte sechs jüngere Geschwister. Er besuchte die Volksschule, musste jedoch schon während der Schulzeit ebenfalls in der Zementfabrik arbeiten, oft 12 Stunden am Tag. Später gab er seinen Beruf mit "Lagerhalter" an; in seinem Nachruf wird er als "Geschäftsführer der Konsumgenossenschaft Brunsbüttel" bezeichnet.[1] 1906 trat er in die SPD und die Gewerkschaft ein. Schon vorher hatte er mit Freunden die Sozialistische Arbeiterjugend in Itzehoe organisiert. 1907 heiratete er Martha Surkus[2]; die beiden hatten drei Kinder.

Er gehörte zu den Gründern der AWO in Schlesiwg-Holstein und war bis zum Verbot 1933 Geschäftsführer des Bezirksausschusses.[3] Nach der Wiedergründung engagierte er sich als Stellvertreter von Louise Schroeder im Landesvorsitz und war "bis ins hohe Alter" für die AWO tätig.

Von 1921 bis 1924 war Gemeindevertreter, Amts- und Gemeindevorsteher in Brunsbüttel. Im Kreis Süderdithmarschen gehörte er bis 1926 dem Kreistag sowie dem Kreisausschuss an.

1926 übernahm Theodor Werner als Parteisekretär die Bezirksleitung der SPD in Kiel. Von 1928 bis 1933 war er Stadtverordneter in Kiel. Im selben Zeitraum vertrat er die SPD im Provinziallandtag Schleswig-Holstein. In beiden Funktionen "machte er sich einen Namen als ein Mann, der sich ohne Rücksicht auf seine Person für andere Menschen mit klaren Argumenten einzusetzen wußte."[4]

In Kiel blieben er und seine Frau für den Rest ihres Lebens. Ihre letzte Adresse hier war Blocksberg 8.[5]

Nationalsozialismus

In der schon nicht mehr wirklich freien Kommunalwahl am 12. März 1933 gehörte Theodor Werner zu den SPD-Kandidaten, die wiedergewählt wurden. Kurz danach wurde er von der Gestapo verhaftet, seine wenigen Ersparnisse beschlagnahmt.[6] Einem Arzt verdankte er seine baldige Freilassung. Danach kaufte er am Königsweg 52 in Kiel ein kleines Tabakgeschäft, das er unauffällig führte, das aber gleichzeitig als Anlaufstelle für Genossinnen und Genossen diente.[7]

1940 wurde er von den Nazis als Hilfsangestellter im Kieler Ernährungsamt dienstverpflichtet. Jedoch "stellten die Ortsgewaltigen schnell fest, daß er 'für den Publikumsverkehr nicht geeignet' war."[8]

Wiederaufbau der SPD

Von 1945 bis 1946 amtierte Theodor Werner als vorläufiger Vorsitzender des Bezirksverbandes Schleswig-Holstein. Das Entstehen dieses vorläufigen Bezirksvorstandes lässt sich nicht mehr eindeutig klären. Nach Werners Erinnerung[9] fand nach einer Anfrage der Besatzungsbehörden am 17. August 1945 kurzfristig eine Sitzung von sieben führenden Kieler SPD-Mitgliedern statt, die aus ihrer Mitte ihn mit der Leitung des vorläufigen (ungewählten) Bezirksvorstandes betrauten und Wilhelm Kuklinski als Stellvertreter sowie Karl Ratz als Stellvertreter und Kassierer benannten. Bis zur inoffiziellen Bezirkskonferenz vom 27. und 28. Oktober 1945 wurden mehrfach Mitglieder ergänzt.

Spätestens am 26. August berief der vorläufige Bezirksvorstand Wilhelm Kuklinski zum gleichberechtigten Vorsitzenden, da Theodor Werner "sich nicht durch besondere Führungsstärke auszeichnete"[10]. Auf der - von der britischen Militärregierung nicht genehmigten und daher als "private Besprechung" deklarierten - Bezirkskonferenz vom Oktober wurde der inoffizielle Bezirksvorstand in seiner aktuellen Zusammensetzung, also mit der Doppelspitze Werner und Kuklinski, bestätigt. Auf dem ersten offiziellen Bezirksparteitag kandidierte Theodor Werner nicht mehr für den Vorsitz, sondern wurde hauptamtlicher Kassierer (später Schatzmeister) im Bezirksvorstand. [11] Über die Parteifinanzen wachte er gewissenhaft bis 1959.[12]

Landtag

Bei der Landtagswahl 1947 wurde er im Wahlkreis 19 (Plön-Süd) direkt in den Landtag gewählt, dem er vom 8. Mai 1947 bis zum Ende der Legislaturperiode am 31. Mai 1950 angehörte. Ab dem 8. November 1947 war er Parlamentarischer Vertreter des Landesministers für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr. Zudem hatte er den Vorsitz im Wirtschaftsausschuss inne.

Er nahm am 12. September 1949 an der ersten Bundesversammlung teil, die Theodor Heuss zum Bundespräsidenten wählte.

Stimmen

"Sein Leben und Schaffen widmete er der deutschen Sozialdemokratie. Er ist ein Stück Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung." (Todesanzeige des Landesvorstandes, Kieler Nachrichten, 18.8.1973

Literatur

  • Holger Martens: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein von 1945 bis 1959, 2 Bände (Malente 1998)

Links

  • Landtagsinformationssystem: Theodor Werner
  • Wikipedia: Theodor Werner (Informationen im Wesentlichen aus dem Landtagsinformationssystem entnommen.)

Quellen

  1. Theodor Werner †, Kieler Nachrichten, 20.8.1973
  2. Todesanzeige Theodor Werner, Kieler Nachrichten, 20.8.1973
  3. Todesanzeige ders AWO-Landesverbandes, Kieler Nachrichten, 21.8.1973
  4. Theodor Werner †, Kieler Nachrichten, 20.8.1973
  5. Todesanzeige Theodor Werner, Kieler Nachrichten, 20.8.1973
  6. Theodor Werner †, Kieler Nachrichten, 20.8.1973
  7. "Tedje" Werner wird heute 80, VZ, 8.1.1964
  8. Theodor Werner †, Kieler Nachrichten, 20.8.1973
  9. Vgl. Martens, S. 57 f.
  10. Martens, S. 61
  11. Martens, S. 107
  12. Theodor Werner †, Kieler Nachrichten, 20.8.1973