Rudolf Hackelberg

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Rudolf Hackelberg
Geboren: 12. Oktober 1860
Gestorben: 22. Februar 1929

Carl Rudolf Hackelberg, * 12. Oktober 1860 in Königsberg/Ostpr. (heute Russland); † 22. Februar 1929 in Hamburg; Zigarrenmacher, hauptamtlicher Gewerkschafts- und Parteifunktionär. Seit 1876 oder 1877 Mitglied der SPD.[1]

Leben & Beruf

Von der Armenschule ging Rudolf Hackelberg ab mit dem brennenden Bedürfnis nach besserer Bildung, das ihm ein Leben lang eigen sein sollte. Sein literarisch begabter Bruder Franz beschrieb seine Bemühungen und seinen Weg zum Sozialismus in einigen Kapiteln eines Romans, der vor 1914 auch im Hamburger Echo erschien.[2] Rudolf Hackelberg kam - vermutlich auf der Suche nach Arbeit, von der er leben konnte - in jungen Jahren nach Ottensen und fand dort einen Meister, bei dem er nicht nur Zigarrenmacher lernte, sondern auch sozialdemokratische Grundwerte, und der ihm seine umfangreiche Büchersammlung zur Verfügung stellte.

"Bis in die Nacht hinein hat er, wie er oft erzählte, über den Werken von Marx, Lassalle und den älteren sozialistischen Utopisten gesessen".[1]

Er gehörte in Altona zu den Gründern des Tabakarbeiterfachvereins, dessen Gauleiter (=Ortsvorsitzender) für Altona-Ottensen er ab 1906 für einige Zeit war[3], und des örtlichen Gewerkschaftskartells. Auch war er langjähriges Mitglied im Deutschen Arbeiter-Abstinenten-Bund.[4]

Er war verheiratet mit Theodere Hackelberg, geb. Petersen. Das Ehepaar hatte Kinder und bei seinem Tod bereits Urenkelkinder.[5]

1926 musste er sich wegen seiner Gesundheit aus allen Funktionen zurückziehen. Im Nachruf heißt es, er habe schon seit Jahren an Darmkrebs und anderen Krankheiten gelitten, sich aber am Vorabend seines Todes noch "mit der an ihm stets gewohnten geistigen Frische" mit Parteifreunden unterhalten, die zu Besuch kamen, und sei morgens um 3 Uhr gestorben.[1] Er wurde am 26. Februar 1929 auf dem Altonaer Zentralfriedhof beigesetzt. Partei [6], Reichsbanner[7] und Gewerkschaft baten um rege Beteiligung. Dem wurde entsprochen, so dass die Friedhofskapelle für die Trauergemeinde nicht ausreichte.[8]

Partei & Politik

1876 oder 1877 trat Rudolf Hackelberg mit 16 Jahren in die SPD ein. Unter dem Sozialistengesetz wurden ihm

"oft wichtige und gefahrvolle Funktionen übertragen. Er hat sich bei ihrer Ausführung immer bewährt, blieb auch bis 1887 von der Ausweisung verschont."

Als Ausgewiesener folgte er dem Parteiverlag nach Stuttgart und wurde dort bei der Herausgabe der Internationalen Bibliothek des Verlages beschäftigt; dort "durfte er vor allem seinen immer noch regen Bildungstrieb ausgiebig befriedigen".[1] Für den Lebensunterhalt reichte dies allerdings nicht aus, er arbeitete auch in einer Wollkämmerei.

Zurück in Altona wurde er in den Vorstand des neu gegründeten Sozialdemokratischen Vereins und auch in den Zentralvorstand des 6. schleswig-holsteinischen Reichstagswahlkreises gewählt. Zudem war er ein gefragter Versammlungsredner.

Auf dem Bezirksparteitag 1919, der am 13./14. Juli in Kiel stattfand, wurde er zum "provisorischen" Bezirksvorsitzenden und Bezirksparteisekretär für Schleswig-Holstein gewählt. Er löste Karl Alps ab, der das Amt erst im Januar übernommen hatte, um den zum Oberpräsidenten der Provinz berufenen Heinrich Kürbis zu entlasten. Auch Rudolf Hackelberg übte diese Funktion nur knapp zwei Jahre lang aus; auf dem Bezirksparteitag 1921 in Altona wurde Willy Verdieck zu seinem Nachfolger gewählt.

Damit konnte er sich wieder seinem zentralen Interesse zuwenden:

"Die reinste Freude aber bereitete ihm immer die Bildungsarbeit. Wie er sich selbst trotz ungünstigster Verhältnisse ein umfassendes Wissen, eine wahrhaft vielseitige Bildung verschafft hatte, so galt auch sein heißestes Bemühen dem Wunsche, möglichst vielen seiner Klassengenossen die Schätze des Wissens zu erschließen. So vertauschte er, nachdem die Partei ihn 1919 zum Vorsitzenden des Bezirksverbandes gewählt hatte, dieses Amt gern mit dem des Sekretärs für das Bildungswesen der Partei. Hier hat er während des letzten Jahrzehnts seines Lebens noch einmal mit dem gleichen Eifer wie in der Jugendzeit gewirkt und die höhere Lebensreife, die ihm nun beschieden war, befähigte ihn, ein ganz ausgezeichneter und allgemein geschätzter Lehrer der jüngeren Generation zu werden."[1]

Ende 1923 übernahm er auch die Leitung des 4. Bezirks der schleswig-holsteinischen SPD. Er wurde zudem in die Pressekommission für das Hamburger Echo berufen. Alle Ämter musste er 1926 aus gesundheitlichen Gründen niederlegen.

In seinen letzten Jahren hatte er sich den religiösen Sozialisten angenähert, "mit denen gemeinsam er das Ziel verfolgte, die noch in der Kirche befindlichen Proletarier unter der Fahne des Sozialismus zu sammeln".[1]

Stimmen

  • So ist ein aufrechter, ehrlicher, stets opferbereiter Kämpfer mit Rudolf Hackelberg dahingegangen."[1]
  • "[...] ein Muster an Bescheidenheit und der Liebe zu den Massen [...]"[9]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Rudolf Hackelberg, Hamburger Echo, 22.2.1929, S. 1. Soweit nicht anders angegeben, beruht der vorliegende Eintrag auf diesem Nachruf.
  2. Zu Franz Hackelberg und seinem Werk gibt es in der Deutsche Nationalbibliothek keine Einträge.
  3. Traueranzeige Dt. Tabakarbeiter-Verband, Hamburger Echo, 23.2.1929, S. 12; Der Tabak-Arbeiter. Organ der Tabakarbeiter und =arbeiterinnen Deutschlands, 29.3.1908, S. 12
  4. Traueranzeige DAAB, Hamburger Echo, 23.2.1929, S. 12
  5. Traueranzeige der Familie, Hamburger Echo, 23.2.1929, S. 12
  6. Traueranzeige Sozialdemokratischer Verein Altona, Hamburger Echo, 23.2.1929, S. 12
  7. Traueranzeige Reichsbanner Altona, Hamburger Echo, 23.2.1929, S. 12
  8. Rudolf Hackelbergs letzte Fahrt, Hamburger Echo, 27.2.1929, S. 6
  9. Zitiert bei Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), S. 65; die Originalquelle ist nicht angegeben.