Kreisverband Segeberg
Der Kreisverband Segeberg ist eine Gliederung der SPD Schleswig-Holstein.
Gründung
Bis zur Organisationsreform Anfang der 1970er Jahre war der (damals noch) Kreisverein Segeberg einem der 11 Unterbezirke zugeordnet. 1971 war er der Geschäftsstelle des Unterbezirks V in Neumünster angeschlossen. Ab 1. Januar 1972 gehörte er dann organisatorisch zum Unterbezirk XI Pinneberg. Am 16. Juni 1972 wurde in Bad Segeberg eine Außenstelle des Pinneberger Büros eröffnet, betreut von einer Halbtagskraft.[1]
Nach der Reform, in der die Grenzen der Parteiorganisationen denen der Kreise angepasst wurden, waren die Unterbezirke überflüssig. Segeberg wurde wie alle anderen ein Kreisverband.
Geschichte
Weimarer Republik
In der Wahl zur deutschen Nationalversammlung entschieden sich am 19. Januar 1919 im Kreis Segeberg insgesamt 13.218 Wähler für das bürgerliche Lager (u.a. Deutsche Volkspartei (DVP), Deutsche Demokratische Partei (DDP), Bauern- und Landarbeiterdemokratie). Auf die Sozialdemokraten entfielen 8.847 Stimmen.[2]
Eine zunehmende Rolle spielte der 1919 wiedergegründete Segeberger Kreisverband des deutschen Landarbeiterverbandes. Er umfasste 37 Ortsgruppen mit zusammen 2.890 Mitgliedern. Kreisvorsitzender wurde Fr. Rehder aus Sarau. Am 3. November 1919 hielt der Verband eine Kreiskonferenz ab, die sich mit der Lage des Landarbeiterstandes und den Lohnverhältnissen befasste. Der Verband strebte eine Vertretung im Kreistag und in den Krankenkassen an. Als nächste konkrete Forderungen formulierten die Teilnehmer eine Verbesserung der Wohnverhältnisse, das Verbot der Kinderarbeit in der Landwirtschaft und eine höhere Entlohnung junger Knechte und Mägde. Am Achtstundentag, einer der Errungenschaften der Revolution von 1918, wollten sie festhalten unter Beachtung der Besonderheit der Erntezeit.[2]
Der Kapp-Putsch vom März 1920 wirkte sich direkt auf den Kreis Segeberg aus. Am 16. März 1920 beriefen Sozialisten und Gewerkschafter Versammlungen in der Kreisstadt ein, um – wie überall in Deutschland – den Generalstreik zu beschließen, der der Putschregierung das Fundament entziehen sollte. Der Arbeiterrat kündigte die Besetzung des Landratsamtes und Absetzung des Landrates an, sollte sich dieser auf die Seite der Putschisten stellen. Am 17. März versammelten sich bewaffnete Landwirte vor dem Segeberger Kreishaus, um den Landrat zu "beschützen". Arbeiter griffen sie mit Fäusten und Stöcken an:
"Es entlädt sich dabei auch Hass auf Grundlage der Annahme, die Landwirte würden Lebensmittel zurückhalten."
Der Landrat wurde in Schutzhaft genommen und erklärte sich für keine der Seiten. In Segeberg patrouillierten Arbeiter. Am 18. März fuhren bewaffnete Segeberger Arbeiter durch das Kreisgebiet und beschlagnahmten die bei den Amtsvorstehern verwahrten Gewehre. Am Abend wurde der Sturz der Putschisten gemeldet und der Streik für beendet erklärt. Aber man blieb misstrauisch – noch am 19. März bildete sich in Segeberg eine 150 Mann starke Bürgerwehr. Parallel näherten sich Bürger und Arbeiter in der Kreisstadt einander an.[3]
Am 16. April 1920 fanden in Kiel unter der Leitung von Oberpräsident Heinrich Kürbis Tarifverhandlungen für die Landarbeiter statt. Ziel des Kreisverbandes war ein Jahreseinkommen von bis zu 8.000 RM.[3] Im April 1920 umfasste der Kreisverband nach einem Bericht im Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 28. April bereits 46 Ortsgruppen mit 3.500 Mitgliedern.[3]
Am 20. September 1920 traten auf zahlreichen Gütern, darunter Perdoel und Schönböken, die Landarbeiter in einen wilden Streik, der sich auf weitere Güter wie Depenau ausbreitete. Die Arbeiterführer konnten ihn nicht verhindern oder eindämmen.[3] Am 24. Oktober 1920 traf sich im Segeberger Hotel International der Deutsche Landarbeiterverband für den Kreis Segeberg zur Kreiskonferenz:
"Die Landarbeiter klagen über hohe Arbeitslosigkeit in ihren Reihen, u.a., weil noch immer in der Provinz internierte Russen zu billigeren Löhnen eingestellt würden. Zudem trauen die Landarbeiter der Tariftreue der Arbeitgeber nicht."[3]
Anfang 1921 stellte die Kreisarbeitsgemeinschaft – als Vorgängerin des Kreisvereins – in Oldesloe die Kandidaten für die Kommunalwahlen auf. Für den Provinziallandtag kandidierten Johann Scheel, Gustav Schatz (Ersatz: Karl Böttcher). Für den Kreistag wurden aufgestellt: Johann Scheel, Christian Böttcher, Paul Börnhöft, Karl Kadza, Gustav Schatz, Karl Böttcher, Ernst Becker, Wilhelm Posky, Wilhelm Johannesmann, Heinrich Kaack, Karl Ketzner, Heinrich Rappe, Heinrich Stuhr, Johanna Schenk, Gustav Mahnke, Willi Benthin, Wilhelm Dwinger, Christian Ramm, Hermann Harder, Anton Klingberg, Hermann Seide junior, Christian Hauschild, Kurt Kielmann, Karl Czech und Rudolf Voß.[4]
Nach den Kreiswahlen vom 20. Februar 1921 saßen 9 „Sozialisten“ (möglicherweise nicht alle MSPD) und 14 Bürgerliche im Segeberger Kreistag. Die bürgerliche Liste „Einigung“ siegte mit 7.380 Stimmen vor der MSPD (6.553) und der Liste „Kuhr“ (4.219). Bei den zeitgleich stattfindenden Reichstags-, Landtags- und Provinziallandtagswahlen lagen die Sozialdemokraten jeweils vorn.[5]
Zur Reichstagswahl am 4. Mai 1924 wurde die mit Teilen der USPD wiedervereinigte VSPD mit ihren 4.344 Stimmen von der rechtskonservativen DNVP überflügelt, die im Kreis mehr als doppelt so viele Stimmen erhielt.[6]
Am 18. Mai 1925 fand im Hotel International in Bad Segeberg eine Versammlung der organisierten Arbeiterschaft der Stadt und des Kreises Segeberg statt.[7] Drei Wochen später, am 13. Juni 1925, versammelte sich ebendort der Deutsche Landarbeiterverband zu einer Kreiskonferenz über die Lohnfrage.[8] Die Agitation für bessere Löhne der Landarbeiter wurde am 18. August 1925 mit Versammlungen im ganzen Kreis unter Leitung des Kreisleiters Böhm fortgesetzt.[9]
Am 29. November 1925 fanden Wahlen zum Segeberger Kreistag und zum Provinziallandtag statt. Die Liste der SPD unter Führung von Franz Gustav Schatz erhielt 3.734 Stimmen (6 Sitze) und lag weit hinter der bürgerlichen Liste "Einigung".[10]
Bei den Wahlen zum Provinziallandtag und der Kommunalwahl 1929 am 17. November 1929 wurde die SPD jeweils zweitstärkste Kraft nach bürgerlich-bäuerlichen Listen.[11]
NS-Herrschaft
Zur Kreistagssitzung am 28. Juni 1933 heißt es in der Schmalenseer Chronik:
"Unter dem Vorsitz des Landrats Dr. von Mohl tagt der Segeberger Kreistag. Von Mohl weist eingangs darauf hin, dass keine Abgeordneten der SPD zur Sitzung eingeladen worden seien, da 'Angehörige dieser Partei keine Ämter mehr in der Verwaltung bekleiden dürfen'. An ihrer Stelle werden neue (nationalsozialistische, Anmerkung) Kreistagsabgeordnete begrüßt."
Zwei Monate später, am 23. August 1933, brachte das Segeberger Kreis- und Tageblatt unter dem Titel "Es ist noch Platz" eine Meldung über das Konzentrationslager Rickling, das nur zur Hälfte belegt sei und noch 50 Mann aufnehmen könne.[12]
Vorsitz
Die Kreisvorsitzenden seit 1945 hat Andreas Beran recherchiert; die Lücke von 1948 bis 1950 konnte bisher nicht gefüllt werden.[13]
Am 12. Januar 2024 starb der ehemalige Kreisvorsitzende und MdL Arnold Wilken mit 84 Jahren.[14]
Seit 13. September 2025 ist Bengt Bergt Kreisvorsitzender.[15] Er folgte auf Katrin Fedrowitz, Stefan Weber und Andreas Beran.
Kommunalpolitik
- 15. Februar 1990: Bei der Wahl des Landrates konnte sich der SPD-Kandidat Wolfgang Schultes (Diplom-Geograph aus Schwissel) nicht gegen den parteilosen Mitbewerber durchsetzen.[16]
- 20. März 1994: Nach der Kreiswahl 1994 hatten SPD und Grüne im Kreistag erstmals gemeinsam eine Mehrheit.[17] Von April 1994 bis März 1998 gehörte Jutta Hartwieg (* 10. Oktober 1961, SPD-Mitglied seit 1993) dem Kreistag an.[18] Vorsitzender des Finanzausschusses wurde Friedrich-Karl Scharping.[19]
- 25. Mai 2008: Jutta Hartwieg wurde zur ersten sozialdemokratischen Landrätin des Kreises Segeberg und ersten Frau in dieser Funktion in Schleswig-Holstein gewählt.[18] Nach Einsprüchen der CDU wies das Land am 13. August 2008 alle Einwände zurück, sodass sie ihr Amt am 1. September 2008 antreten konnte.[20] Am 28. Mai 2009 wies auch das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein eine verbliebene Wahlanfechtung endgültig zurück.[21]
- 3. April 2014: Bei der Neuwahl der Landratsposition erreichte Jutta Hartwieg nicht die Stichwahl; gewählte wurde der parteilose Jan Peter Schröder.[22] Ende August 2014 wurde sie verabschiedet.[23]
- 12. März 2020: Die Wiederwahl des parteilosen Landrats Jan Peter Schröder wurde von der SPD und fast allen anderen Fraktionen im Kreistag unterstützt.[24]
- 14. Mai 2023: Nach der Kreiswahl 2023 stellt die SPD mit 12 Sitzen die zweitstärkste Fraktion hinter der CDU (25 Sitze) und vor den Grünen (11 Sitze). Cordula Schultz wurde zur stellvertretenden Kreispräsidentin gewählt; Alexander Wagner übernahm den Vorsitz im Bildungs-, Kultur- und Sportausschuss, Holger Pohlmann den Vorsitz im Jugendhilfeausschuss.[25]
AWO-Kreisverband
- 30. Juni 2007: Helmut Lange (Ellerau) übergab den AWO-Kreisvorsitz an Heinrich Westphal (Wahlstedt).[26]
- 29. Juni 2015: Siegfried Raabe (Kaltenkirchen) löste Heinrich Westphal als AWO-Kreisvorsitzenden ab.[27]
- 22. Juni 2019: Auf der Kreiskonferenz der AWO in Bad Segeberg wurde an das 100-jährige Bestehen des Verbandes erinnert. Der Kreisverband zählte 530 Mitglieder; Siegfried Raabe und sein Stellvertreter Paul Evers (Ellerau) wurden für weitere vier Jahre im Amt bestätigt.[28]
Links
- 🏛️ Portal Kreisverband Segeberg - Übersicht zu den Inhalten zum Kreisverband Segeberg
- Homepage: Kreisverband Segeberg
Einzelnachweise
- ↑ Rechenschaftsbericht 1971-1973
- ↑ 2,0 2,1 Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1919
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1920
- ↑ Schleswig-Holstein, Hamburger Echo, 4.1.1921.
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1921, 21.2.1921
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1924, 4.5.1924
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1925, 18.5.1925
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1925, 13.6.1925
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1925, 18.8.1925
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1925, 29.11.1925
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1929, 17.11.1929
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1933, 23.08
- ↑ Liste mit weiteren biografischen Daten am 22.3.21 an Benutzerin:Skw gegeben.
- ↑ Traueranzeige SPD-Kreisverband, Kieler Nachrichten, Regionalausgabe Kreis Segeberg, 27.1.2024
- ↑ Bengt Bergt übernimmt SPD-Kreisvorsitz, Kieler Nachrichten, Regionalausgabe Kreis Segeberg, 18.9.2025
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1990, 15.02.
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1994, 20.03.
- ↑ 18,0 18,1 Wikipedia: Jutta Hartwieg, abgerufen 30.11.2025
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1997, 04.08.
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 2008
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 2009
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 2014, 03.04.
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 2014, 01.09.
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 2020
- ↑ Materne, Nadine: Rekord-Kreistag nimmt Arbeit auf, Kieler Nachrichten, Regionalausgabe Kreis Segeberg, 14.6.2023
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 2007
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 2015, 29.06.
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 2019, 15.02.
Kreisverbände: Dithmarschen • Flensburg • Herzogtum Lauenburg • Kiel • Lübeck • Neumünster • Nordfriesland • Ostholstein • Pinneberg • Plön • Rendsburg-Eckernförde • Schleswig-Flensburg • Segeberg • Steinburg • Stormarn

