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Hervorgegangen ist der Nordstern aus einer Zeitschrift mit dem Namen ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Brechwurzel Ipecacuanha]'' die ab dem [[1. Januar]] [[1860]] viermal erschienen war. Sie wurde initiiert von einer Gruppe von Kommunisten im Hamburger Arbeiterbildungsverein. Ihr Ziel war es, die Arbeit des Vereins wieder zu politisieren. Ab der fünften Ausgabe hieß die Zeitung dann Nordstern. Der Name geht vermutlich auf den "Northern Star" der britischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Chartisten Chartisten] zurück - eine politische Reformbewegung am Anfang des 19. Jahrhunderts in Großbritannien.<ref name="Bert">Andréas, Bert: ''[http://library.fes.de/jportal/receive/jportal_jparticle_00010010 Zur Agitation und Propaganda des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863/64]'' In: Archiv für Sozialgeschichte, Band 3 (1963) Seite 297 - 423</ref> | Hervorgegangen ist der Nordstern aus einer Zeitschrift mit dem Namen ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Brechwurzel Ipecacuanha]'' die ab dem [[1. Januar]] [[1860]] viermal erschienen war. Sie wurde initiiert von einer Gruppe von Kommunisten im Hamburger Arbeiterbildungsverein. Ihr Ziel war es, die Arbeit des Vereins wieder zu politisieren. Ab der fünften Ausgabe hieß die Zeitung dann Nordstern. Der Name geht vermutlich auf den "Northern Star" der britischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Chartisten Chartisten] zurück - eine politische Reformbewegung am Anfang des 19. Jahrhunderts in Großbritannien.<ref name="Bert">Andréas, Bert: ''[http://library.fes.de/jportal/receive/jportal_jparticle_00010010 Zur Agitation und Propaganda des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863/64]'' In: Archiv für Sozialgeschichte, Band 3 (1963) Seite 297 - 423</ref> | ||
Die Wochenzeitung erschien zu seiner Blütezeit mit einer Auflage von nur 400 Exemplaren. Für den Nordstern schrieben auch bekannte Sozialdemokraten wie [[Ferdinand Lassalle]] und [[Wilhelm Liebknecht]]. Der Nordstern ging [[1866]] trotz einmaliger finanzieller Unterstützung durch [[Ferdinand | Die Wochenzeitung erschien zu seiner Blütezeit mit einer Auflage von nur 400 Exemplaren. Für den Nordstern schrieben auch bekannte Sozialdemokraten wie [[Ferdinand Lassalle]] und [[Wilhelm Liebknecht]]. Der Nordstern ging [[1866]] trotz einmaliger finanzieller Unterstützung durch [[Ferdinand Lassalle]] persönlich und einem statuenwidrigen Griff in die Vereinskasse wieder ein. Schuld daran war offenbar die schlechte Redaktionsführung [[Karl von Bruhn]]s und daraus resultierend ein Rückgang der Verkaufszahlen. Außerdem war die Funktion des Blattes umstitten - Vereinsorgan oder Zeitung mit einer erweiterten Zielgruppe? Das spiegelte sich im wechselnden Untertitel des Nordstern wider: | ||
* Februar-März [[1863]] - "Organ für Arbeiter und Arbeit" | * Februar-März [[1863]] - "Organ für Arbeiter und Arbeit" | ||
* bis Marz [[1865]] - "Organ für das Deutsche Volk" | * bis Marz [[1865]] - "Organ für das Deutsche Volk" | ||
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* bis Februar [[1866]] - "des Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins"<ref name="Bert">Andréas, Bert: ''[http://library.fes.de/jportal/receive/jportal_jparticle_00010010 Zur Agitation und Propaganda des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863/64]'' In: Archiv für Sozialgeschichte, Band 3 (1963) Seite 297 - 423</ref> | * bis Februar [[1866]] - "des Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins"<ref name="Bert">Andréas, Bert: ''[http://library.fes.de/jportal/receive/jportal_jparticle_00010010 Zur Agitation und Propaganda des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863/64]'' In: Archiv für Sozialgeschichte, Band 3 (1963) Seite 297 - 423</ref> | ||
[[Karl von Bruhn]] nutzte die Zeitung darüber hinaus, um einen persönlichen Machtkampf gegen den Präsidenten des [[Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein|Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins]] (ADAV) [[Bernhard Becker]] zu führen. In fast jeder Ausgabe in der ersten Hälfte des Jahres [[1865]] finden sich Beschwerden und Aufrufe gegen [[Bernhard Becker]]. [[Karl von Bruhn]] brachte in diesem Streit sogar einige ADAV-Gemeinden in Schleswig-Holstein dazu aus dem ADAV auszutreten. Erst | [[Karl von Bruhn]] nutzte die Zeitung darüber hinaus, um einen persönlichen Machtkampf gegen den Präsidenten des [[Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein|Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins]] (ADAV) [[Bernhard Becker]] zu führen. In fast jeder Ausgabe in der ersten Hälfte des Jahres [[1865]] finden sich Beschwerden und Aufrufe gegen [[Bernhard Becker]]. [[Karl von Bruhn]] brachte in diesem Streit sogar einige ADAV-Gemeinden in Schleswig-Holstein dazu aus dem ADAV auszutreten. Erst nachdem [[Carl Wilhelm Tölcke]] ADAV-Präsident wurde, traten sie wieder ein.<ref>Roger Morgan: ''[https://books.google.de/books?id=MPOlPyHxo-wC&lpg=PR1&dq=Roger%20Morgan%3A%20The%20German%20Social%20Democrats%20and%20the%20First%20International&hl=de&pg=PA37#v=onepage&q=bruhn&f=false The German Social Democrats and the First International: 1864–1872.]'' (Cambridge, 1965) Seite 37, 42ff</ref> | ||
Durch die schlechten Erfahrungen mit dem Nordstern scheute sich [[Ferdinand Lassalle]], das finanzielle Risiko einer Zeitung für den [[ADAV]] einzugehen. | Durch die schlechten Erfahrungen mit dem Nordstern scheute sich [[Ferdinand Lassalle]], das finanzielle Risiko einer Zeitung für den [[ADAV]] einzugehen. | ||
Version vom 21. Dezember 2015, 00:50 Uhr
Der Nordstern war ab 1862 die Zeitung des Hamburger Arbeiterbildungsvereins. Sie hatte als solche einen Einfluss auf die Entwicklung der frühen Sozialdemokratie im Hamburger Umland. So war ihr Redakteur Karl von Bruhn einer der führenden Köpfe der Agitation im Kreis Pinneberg[1].
Hervorgegangen ist der Nordstern aus einer Zeitschrift mit dem Namen Ipecacuanha die ab dem 1. Januar 1860 viermal erschienen war. Sie wurde initiiert von einer Gruppe von Kommunisten im Hamburger Arbeiterbildungsverein. Ihr Ziel war es, die Arbeit des Vereins wieder zu politisieren. Ab der fünften Ausgabe hieß die Zeitung dann Nordstern. Der Name geht vermutlich auf den "Northern Star" der britischen Chartisten zurück - eine politische Reformbewegung am Anfang des 19. Jahrhunderts in Großbritannien.[2]
Die Wochenzeitung erschien zu seiner Blütezeit mit einer Auflage von nur 400 Exemplaren. Für den Nordstern schrieben auch bekannte Sozialdemokraten wie Ferdinand Lassalle und Wilhelm Liebknecht. Der Nordstern ging 1866 trotz einmaliger finanzieller Unterstützung durch Ferdinand Lassalle persönlich und einem statuenwidrigen Griff in die Vereinskasse wieder ein. Schuld daran war offenbar die schlechte Redaktionsführung Karl von Bruhns und daraus resultierend ein Rückgang der Verkaufszahlen. Außerdem war die Funktion des Blattes umstitten - Vereinsorgan oder Zeitung mit einer erweiterten Zielgruppe? Das spiegelte sich im wechselnden Untertitel des Nordstern wider:
- Februar-März 1863 - "Organ für Arbeiter und Arbeit"
- bis Marz 1865 - "Organ für das Deutsche Volk"
- bis August 1865 - "Organ der social-demokratischen Partei und Allgemeines Arbeiterblatt"
- bis Februar 1866 - "des Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins"[2]
Karl von Bruhn nutzte die Zeitung darüber hinaus, um einen persönlichen Machtkampf gegen den Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) Bernhard Becker zu führen. In fast jeder Ausgabe in der ersten Hälfte des Jahres 1865 finden sich Beschwerden und Aufrufe gegen Bernhard Becker. Karl von Bruhn brachte in diesem Streit sogar einige ADAV-Gemeinden in Schleswig-Holstein dazu aus dem ADAV auszutreten. Erst nachdem Carl Wilhelm Tölcke ADAV-Präsident wurde, traten sie wieder ein.[3]
Durch die schlechten Erfahrungen mit dem Nordstern scheute sich Ferdinand Lassalle, das finanzielle Risiko einer Zeitung für den ADAV einzugehen.
Links
- Wikipedia: Der Nordstern (Zeitung)
Quellen
- ↑ SPD-Ortsverein Elmshorn: 100 Jahre SPD-Ortsverein Elmshorn (Elmshorn 1963)
- ↑ 2,0 2,1 Andréas, Bert: Zur Agitation und Propaganda des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863/64 In: Archiv für Sozialgeschichte, Band 3 (1963) Seite 297 - 423
- ↑ Roger Morgan: The German Social Democrats and the First International: 1864–1872. (Cambridge, 1965) Seite 37, 42ff
