Nordstern

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Der Nordstern war ab 1862 die Zeitung des Hamburger Arbeiterbildungsvereins. Sie hatte als solche einen Einfluss auf die Entwicklung der frühen Sozialdemokratie im Hamburger Umland. So war ihr Redakteur Karl von Bruhn einer der führenden Köpfe der Agitation im Kreis Pinneberg[1].

Hervorgegangen ist der Nordstern aus einer Zeitschrift mit dem Namen Ipecacuanha die ab dem 1. Januar 1860 viermal erschienen war. Sie wurde initiiert von einer Gruppe von Kommunisten im Hamburger Arbeiterbildungsverein. Ihr Ziel war es, die Arbeit des Vereins wieder zu politisieren. Ab der fünften Ausgabe hieß die Zeitung dann Nordstern. Der Name geht vermutlich auf den "Northern Star" der britischen Chartisten zurück - eine politische Reformbewegung am Anfang des 19. Jahrhunderts in Großbritannien.[2]

Die Wochenzeitung erschien zu seiner Blütezeit mit einer Auflage von nur 400 Exemplaren. Für den Nordstern schrieben auch bekannte Sozialdemokraten wie Ferdinand Lassalle und Wilhelm Liebknecht. Der Nordstern ging 1866 trotz einmaliger finanzieller Unterstützung durch Ferdinand Lassalle persönlich und einem statuenwidrigen Griff in die Vereinskasse wieder ein. Schuld daran war offenbar die schlechte Redaktionsführung Karl von Bruhns und daraus resultierend ein Rückgang der Verkaufszahlen. Außerdem war die Funktion des Blattes umstitten - Vereinsorgan oder Zeitung mit einer erweiterten Zielgruppe? Das spiegelte sich im wechselnden Untertitel des Nordstern wider:

  • Februar-März 1863 - "Organ für Arbeiter und Arbeit"
  • bis Marz 1865 - "Organ für das Deutsche Volk"
  • bis August 1865 - "Organ der social-demokratischen Partei und Allgemeines Arbeiterblatt"
  • bis Februar 1866 - "des Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins"[3]

Karl von Bruhn nutzte die Zeitung darüber hinaus, um einen persönlichen Machtkampf gegen den Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) Bernhard Becker zu führen. In fast jeder Ausgabe in der ersten Hälfte des Jahres 1865 finden sich Beschwerden und Aufrufe gegen Bernhard Becker. Karl von Bruhn brachte in diesem Streit sogar einige ADAV-Gemeinden in Schleswig-Holstein dazu aus dem ADAV auszutreten. Erst nachdem Carl Wilhelm Tölcke ADAV-Präsident wurde, traten sie wieder ein.[4]

Durch die schlechten Erfahrungen mit dem Nordstern scheute sich Ferdinand Lassalle, das finanzielle Risiko einer Zeitung für den ADAV einzugehen.

Links

Quellen

  1. SPD-Ortsverein Elmshorn: 100 Jahre SPD-Ortsverein Elmshorn (Elmshorn 1963)
  2. Trautmann, Günter Liberalismus, Arbeiterbewegung und Staat in Hamburg und Schleswig-Holstein 1862 - 1869 In: Archiv für Sozialgeschichte, Band 15 (1975) Seite 51 - 110
  3. Andréas, Bert: Zur Agitation und Propaganda des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863/64 In: Archiv für Sozialgeschichte, Band 3 (1963) Seite 297 - 423
  4. Roger Morgan: The German Social Democrats and the First International: 1864–1872. (Cambridge, 1965) Seite 37, 42ff