Kampf dem Atomtod

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Version vom 30. Januar 2026, 00:18 Uhr von Skw (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Sondermarke der SPD gegen die nukleare Aufrüstung

Kampf dem Atomtod war in den 1950er Jahren eine Kampagne gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr. An ihr beteiligte sich auch die SPD. Kampf dem Atomtod war die erste größere Protestwelle in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und gilt als Vorläufer späterer Protestbewegungen wie etwa der Ausrufung atomwaffenfreier Zonen in vielen Gemeinden und des Widerstandes auch gegen die zivile Nutzung von Atomkraft.

"Begonnen hatte der wachsende Widerstand in der bundesdeutschen Bevölkerung durch eine Aussage des Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Dieser betonte, er würde in den Atomwaffen nicht mehr erkennen als die Weiterentwicklung der Artillerie und daher würde die Bewaffnung der Bundesrepublik dieser Entwicklung folgen.

Diese Aussage klang nicht nur für den Bürger, der die Kriegszeit miterlebt hatte, wie blanker Hohn. Auch in der Wissenschaft löste die öffentliche Verharmlosung der atomaren Gefahr große Bestürzung aus und brachte die westdeutschen Kernphysiker, unter ihnen Otto Hahn und Carl Friedrich von Weizsäcker dazu, einen Appell zu formulieren[, die] „Göttinger Erklärung“ über das Gefahrenpotential von Nuklearwaffen für den Weltfrieden, und forderten den öffentlichen Verzicht auf die Herstellung, die Erprobung und den Einsatz von Atomwaffen.
Dennoch sprach sich der Bundestag am 25.03.1958 dafür aus, die Bundeswehr mit Trägersystemen für Atomwaffen aufzurüsten. Nach diesem Beschluss rollte eine Welle der Empörung über Deutschland. In vielen deutschen Städten gründeten sich Ortgruppen der außerparlamentarischen Kampagne „Kampf dem Atomtod“, die durch die SPD, die Kirchen und Gewerkschaften unterstützt wurden. Die durchgeführten Protestaktionen wie Schweigemärsche, Kundgebungen und Arbeitsniederlegungen trafen auf großes Einverständnis seitens der Bevölkerung. Allein bei der Großkundgebung am 19.04.1958 in Hamburg gingen 120 000 Menschen auf die Straße.
[...] Doch die Bundesregierung war nicht zu einer Umkehr vom eingeschlagenen Weg zu bringen. Als die SPD-regierten Bundesländer versuchten, einzelne Volksbefragungen zur Atombewaffnung durchzuführen, rief die Bundesregierung das Bundesverfassungsgericht an und ließ die Befragung für verfassungswidrig erklären. Die „Kampf dem Atomtod“-Bewegung wurde von der Regierungspartei als „kommunistisch gesteuert“ bezeichnet.
Nachdem das höchste deutsche Gericht das Urteil darüber gesprochen hatte, zogen sich wichtige Sympathisanten zurück. Die Bewegung verlor an Dynamik und verlief sich u. a. auch dadurch, als Ende 1958 bekannt wurde, dass die Bundeswehr keine eigenen Atomwaffen erhalten sollte.

[...] Dass diese Angst [vor kommunistischer Steuerung] nicht ganz unberechtigt war, zeigte sich im Februar 1959. Rundfunkmedien aus der DDR berichteten umfangreich [...]."[1]

Landesausschussvorsitzender der Kampagne für Schleswig-Holstein war seit 1959 der junge Rechtsanwalt Hans-Ulrich Brand.[2]

Literatur

  • Appelius, Stefan: Pazifismus in Westdeutschland. Die deutsche Friedensgesellschaft 1945-1968 (Mainz 1991)
  • Rupp, Hans Karl: Außerparlamentarische Opposition in der Ära Adenauer. Der Kampf gegen die Atombewaffnung in den fünfziger Jahren (Köln 1971)
  • „Kampf dem Atomtod!“ Die Protestbewegung 1957/58 in zeithistorischer und gegenwärtiger Perspektive, in: Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg  (Hrsg.): Hamburger Zeitspuren, Bd. 6 (Hamburg 2009)

Links

Einzelnachweise

  1. Stadt Wedel: Kampf dem Atomtod, abgerufen 29.1.2026
  2. Landtagsinformationssystem: Brand, Hans-Ulrich Dr.