Gustav Radbruch: Unterschied zwischen den Versionen

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Siehe {{Wikipedia}}
{{Person
| Titel = Prof. Dr. jur.
| Vorname = Gustav
| Nachname = Radbruch
| geboren = 18781121
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}}'''Gustav Radbruch''' * [[21. November]] [[1878]] in Lübeck; † [[23. November]] [[1949]] in Heidelberg; Jurist, Rechtsphilosoph. Mitglied der SPD seit [[1918]].


== Stimmen ==
== Leben & Beruf ==
:"[Während der Weimarer Republik gehörten der juristischen Fakultät der CAU] Rechtswissenschaftler an, denen bis heute ein internationaler Rang zukommt. Dies gilt vor allem für Gustav Radbruch und seinen Freund [[Hermann Kantorowicz]], der ihm auf seinem strafrechtlichen Lehrstuhl nachfolgte [...]. In die Kieler Jahre Radbruchs fällt auch seine zweimalige Tätigkeit als Reichsjustizminister. Mit Kantorowicz wurde einer der Wortführer der Freirechtsbewegung nach Kiel berufen. [...] [Die beiden] vertraten fachliche, aber auch politische Positionen, die sie an vielen Fakultäten zu Außenseitern gemacht hätten."<ref>Rudolf Meyer-Pritzl: [http://www.doctoresiuris.jura.uni-kiel.de/de/kc_2015 ''Ein Streifzug durch die Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel''], ''Kielconnect'' 12 (2015), S. 6</ref>
Gustav Radbruch entstammte einer großbürgerlichen Lübecker Kaufmannsfamilie. Nach dem Abitur am Katharineum zu Lübeck studierte er auf Wunsch des Vaters Rechtswissenschaften in München, Leipzig und Berlin. [[1902]] promovierte er bei Franz von Liszt, dessen soziologische Strafrechtslehre ihn nachhaltig prägte. Unterbrochen wurde seine akademische Karriere mit Stationen in Heidelberg und Königsberg durch den [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]], in dem er ab Mitte [[1916]] als Soldat kämpfte und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde.<ref>Gustav Radbruch: Brief an Lydia Radbruch vom 30. Juli 1916, abgedruckt in: Derselbe: ''Briefe I (1898–1918)'' (= ''Gustav Radbruch. Gesamtausgabe.'' Band 17). C. F. Müller, Heidelberg 1991, <nowiki>ISBN 3-8114-0690-6</nowiki>, Brief Nr. 223.</ref> [[1919]] wurde Gustav Radbruch als ordentlicher Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an die Christian-Albrechts-Universität Kiel berufen.<ref name="danker">Uwe Danker: *Gustav Radbruch in Kiel. Eine vorsichtige Annäherung an den Politiker*. In: *Demokratische Geschichte. Band 20*, Kiel 2009, S. 7–117.</ref>


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== Partei & Politik ==
Gustav Radbruch zeigte bereits früh eine starke Affinität zur SPD. Bereits [[1913]] nahm er an der Beerdigung von August Bebel in Zürich teil und veröffentlichte anonym einen Artikel über die Totenfeier in den ''Heidelberger Neuesten Nachrichten''. Aufgrund der damaligen politischen Verhältnisse - eine SPD-Mitgliedschaft hätte das sofortige Ende seiner akademischen Karriere bedeutet - trat er der Partei jedoch erst [[1918]] offiziell bei. Sein politisches Engagement war geprägt von der [[Novemberrevolution]] und der Verteidigung der jungen Weimarer Republik.


== Quellen ==
=== Kieler Jahre (1919–1926) ===
In [[Kreisverband Kiel - 70 Jahre Wiedergründung|Kiel]] engagierte sich Gustav Radbruch intensiv in der lokalen SPD und der Arbeiterbewegung. Er war Mitbegründer der Kieler Volkshochschule und setzte sich für die politische Bildung der Arbeiterschaft ein. Seine Schrift ''"Ihr jungen Juristen"'' ([[1919]]) forderte eine "Sozialisierung des Geistes" und eine Reform des Jurastudiums.<ref name="danker" />
 
Während des [[Kapp-Lüttwitz-Putsch|Kapp-Lüttwitz-Putsches]] [[1920]] vermittelte Radbruch zwischen aufständischen Arbeitern und Putschisten, um Blutvergießen zu verhindern. Trotz eigener Verhaftung und Todesdrohung setzte er sich für die Entwaffnung der Soldaten ein und hielt später die Grabrede für die gefallenen Arbeiter.<ref name="danker" /> Wegen dieses Einsatzes setzte ihn die SPD bei der anstehenden [[Reichstagswahl 1920]] auf Platz 2 der Wahlliste. Als einziger Jurist wurde er in die SPD-Reichstagsfraktion gewählt.<ref name="danker" /> Als Abgeordneter setzte er sich bspw. für die Straffreiheit von Abtreibungen ein.<ref>Vgl. Alfred Grotjahn, Gustav Radbruch: ''Die Abtreibung der Leibesfrucht. 2 Gutachten.'' J. H. W. Dietz Nachf., Stuttgart 1921.</ref>
 
=== Reichsjustizminister ===
Als Reichsjustizminister ([[1921]]–[[1923]]) trieb Gustav Radbruch die Strafrechtsreform voran. Sein Entwurf eines Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuchs ([[1922]]) sah die Abschaffung der Todesstrafe und Zuchthausstrafe vor und betonte die Resozialisierung von Straftätern. Gustav Radbruch setzte sich auch für die [[Frauen- und Gleichstellungspolitik|Gleichberechtigung von Frauen]] in der Justiz ein.<ref name="danker" />
 
=== Abschied aus Kiel ===
[[1926]] verließ Gustav Radbruch Kiel, um einen Ruf an die Universität Heidelberg anzunehmen. Die Kieler Arbeiterbewegung verabschiedete ihn mit einem Fackelzug. In seiner Abschiedsrede betonte er die Bedeutung der Republik und des "[[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold|Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold]]" als Symbol der demokratischen Verteidigung.<ref name="danker" />
 
==Stimmen==
<blockquote>"[Während der Weimarer Republik gehörten der juristischen Fakultät der CAU] Rechtswissenschaftler an, denen bis heute ein internationaler Rang zukommt. Dies gilt vor allem für Gustav Radbruch und seinen Freund [[Hermann Kantorowicz]], der ihm auf seinem strafrechtlichen Lehrstuhl nachfolgte [...]. In die Kieler Jahre Radbruchs fällt auch seine zweimalige Tätigkeit als Reichsjustizminister. [...] [Die beiden] vertraten fachliche, aber auch politische Positionen, die sie an vielen Fakultäten zu Außenseitern gemacht hätten."<ref>Meyer-Pritzl, Rudolf: [http://www.doctoresiuris.jura.uni-kiel.de/de/kc_2015 ''Ein Streifzug durch die Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel''], ''Kielconnect'' 12 (2015), S. 6</ref></blockquote>
 
==Ehrungen==
In Schleswig-Holstein ist Kiel-Klausbrook eine Straße und in Lübeck ein Platz nach ihm benannt.
 
Die jüngste zahlreicher Ehrungen erfuhr Gustav Radbruch in Kiel, wo am neuen Gebäude der Juristischen Fakultät, dem Juridicum, nächtlich von 21 bis 24 Uhr sein Ausspruch von [[1945]]: "Recht ist Wille zur Gerechtigkeit!" als Leuchtschrift an der Fassade erscheint. <blockquote>"Mit dem Zitat möchte die juristische Fakultät auf der einen Seite zeigen, welche Lehre man aus der Vergangenheit und dem NS-Regime gezogen habe und zudem auch die Wichtigkeit eines anspruchsvollen rechtsethischen Selbstverständnisses zeigen."<ref>''Juridicum fängt an zu leuchten'', ''Kieler Nachrichten'', 10.5.2024</ref></blockquote>
 
== Literatur & Links ==
 
* Uwe Danker: Gustav Radbruch in Kiel. Eine vorsichtige Annäherung an den Politiker*. In: *Demokratische Geschichte. Band 20*, Kiel 2009.
* Arthur Kaufmann: *Gustav Radbruch. Rechtsdenker, Philosoph, Sozialdemokrat*. Piper, München 1987.
* {{Wikipedia|Gustav Radbruch}}
 
==Einzelnachweise==
<references />
<references />
 
[[Kategorie:Kreisverband Kiel|Radbruch, Gustav]]
[[Kategorie:Weiterleitung|Radbruch, Gustav]]
[[Kategorie:MdR|Radbruch, Gustav]]
[[Kategorie:ReichsministerIn]]

Aktuelle Version vom 20. Februar 2026, 19:54 Uhr

Gustav Radbruch
Gustav Radbruch
Gustav Radbruch
Geboren: 21. November 1878
Gestorben: 23. November 1949

Gustav Radbruch * 21. November 1878 in Lübeck; † 23. November 1949 in Heidelberg; Jurist, Rechtsphilosoph. Mitglied der SPD seit 1918.

Leben & Beruf

Gustav Radbruch entstammte einer großbürgerlichen Lübecker Kaufmannsfamilie. Nach dem Abitur am Katharineum zu Lübeck studierte er auf Wunsch des Vaters Rechtswissenschaften in München, Leipzig und Berlin. 1902 promovierte er bei Franz von Liszt, dessen soziologische Strafrechtslehre ihn nachhaltig prägte. Unterbrochen wurde seine akademische Karriere mit Stationen in Heidelberg und Königsberg durch den Ersten Weltkrieg, in dem er ab Mitte 1916 als Soldat kämpfte und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde.[1] 1919 wurde Gustav Radbruch als ordentlicher Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an die Christian-Albrechts-Universität Kiel berufen.[2]

Partei & Politik

Gustav Radbruch zeigte bereits früh eine starke Affinität zur SPD. Bereits 1913 nahm er an der Beerdigung von August Bebel in Zürich teil und veröffentlichte anonym einen Artikel über die Totenfeier in den Heidelberger Neuesten Nachrichten. Aufgrund der damaligen politischen Verhältnisse - eine SPD-Mitgliedschaft hätte das sofortige Ende seiner akademischen Karriere bedeutet - trat er der Partei jedoch erst 1918 offiziell bei. Sein politisches Engagement war geprägt von der Novemberrevolution und der Verteidigung der jungen Weimarer Republik.

Kieler Jahre (1919–1926)

In Kiel engagierte sich Gustav Radbruch intensiv in der lokalen SPD und der Arbeiterbewegung. Er war Mitbegründer der Kieler Volkshochschule und setzte sich für die politische Bildung der Arbeiterschaft ein. Seine Schrift "Ihr jungen Juristen" (1919) forderte eine "Sozialisierung des Geistes" und eine Reform des Jurastudiums.[2]

Während des Kapp-Lüttwitz-Putsches 1920 vermittelte Radbruch zwischen aufständischen Arbeitern und Putschisten, um Blutvergießen zu verhindern. Trotz eigener Verhaftung und Todesdrohung setzte er sich für die Entwaffnung der Soldaten ein und hielt später die Grabrede für die gefallenen Arbeiter.[2] Wegen dieses Einsatzes setzte ihn die SPD bei der anstehenden Reichstagswahl 1920 auf Platz 2 der Wahlliste. Als einziger Jurist wurde er in die SPD-Reichstagsfraktion gewählt.[2] Als Abgeordneter setzte er sich bspw. für die Straffreiheit von Abtreibungen ein.[3]

Reichsjustizminister

Als Reichsjustizminister (19211923) trieb Gustav Radbruch die Strafrechtsreform voran. Sein Entwurf eines Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuchs (1922) sah die Abschaffung der Todesstrafe und Zuchthausstrafe vor und betonte die Resozialisierung von Straftätern. Gustav Radbruch setzte sich auch für die Gleichberechtigung von Frauen in der Justiz ein.[2]

Abschied aus Kiel

1926 verließ Gustav Radbruch Kiel, um einen Ruf an die Universität Heidelberg anzunehmen. Die Kieler Arbeiterbewegung verabschiedete ihn mit einem Fackelzug. In seiner Abschiedsrede betonte er die Bedeutung der Republik und des "Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold" als Symbol der demokratischen Verteidigung.[2]

Stimmen

"[Während der Weimarer Republik gehörten der juristischen Fakultät der CAU] Rechtswissenschaftler an, denen bis heute ein internationaler Rang zukommt. Dies gilt vor allem für Gustav Radbruch und seinen Freund Hermann Kantorowicz, der ihm auf seinem strafrechtlichen Lehrstuhl nachfolgte [...]. In die Kieler Jahre Radbruchs fällt auch seine zweimalige Tätigkeit als Reichsjustizminister. [...] [Die beiden] vertraten fachliche, aber auch politische Positionen, die sie an vielen Fakultäten zu Außenseitern gemacht hätten."[4]

Ehrungen

In Schleswig-Holstein ist Kiel-Klausbrook eine Straße und in Lübeck ein Platz nach ihm benannt.

Die jüngste zahlreicher Ehrungen erfuhr Gustav Radbruch in Kiel, wo am neuen Gebäude der Juristischen Fakultät, dem Juridicum, nächtlich von 21 bis 24 Uhr sein Ausspruch von 1945: "Recht ist Wille zur Gerechtigkeit!" als Leuchtschrift an der Fassade erscheint.

"Mit dem Zitat möchte die juristische Fakultät auf der einen Seite zeigen, welche Lehre man aus der Vergangenheit und dem NS-Regime gezogen habe und zudem auch die Wichtigkeit eines anspruchsvollen rechtsethischen Selbstverständnisses zeigen."[5]

Literatur & Links

  • Uwe Danker: Gustav Radbruch in Kiel. Eine vorsichtige Annäherung an den Politiker*. In: *Demokratische Geschichte. Band 20*, Kiel 2009.
  • Arthur Kaufmann: *Gustav Radbruch. Rechtsdenker, Philosoph, Sozialdemokrat*. Piper, München 1987.
  • Wikipedia: Gustav Radbruch

Einzelnachweise

  1. Gustav Radbruch: Brief an Lydia Radbruch vom 30. Juli 1916, abgedruckt in: Derselbe: Briefe I (1898–1918) (= Gustav Radbruch. Gesamtausgabe. Band 17). C. F. Müller, Heidelberg 1991, ISBN 3-8114-0690-6, Brief Nr. 223.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Uwe Danker: *Gustav Radbruch in Kiel. Eine vorsichtige Annäherung an den Politiker*. In: *Demokratische Geschichte. Band 20*, Kiel 2009, S. 7–117.
  3. Vgl. Alfred Grotjahn, Gustav Radbruch: Die Abtreibung der Leibesfrucht. 2 Gutachten. J. H. W. Dietz Nachf., Stuttgart 1921.
  4. Meyer-Pritzl, Rudolf: Ein Streifzug durch die Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Kielconnect 12 (2015), S. 6
  5. Juridicum fängt an zu leuchten, Kieler Nachrichten, 10.5.2024