Richard Köhn
| Richard Köhn |
Richard Köhn, * 21. Februar 1877 in Hamburg; † 18. April 1971 in Hamburg-Eimsbüttel[1]; Sattler/Tapezierer, Lagerhalter, AOK-Direktor. SPD-Mitglied mindestens ab 1908.[2]
Leben & Beruf
Richard Köhn und seine drei Geschwister wurden von der Mutter allein großgezogen; der Vater starb früh. Seine Ausbildung zum Sattler und Tapezierer schloss er mit ausgezeichneten Leistungen ab. Er zog nach Elmshorn, wo er heiratete, und mit 30 Jahren, wohl 1907, nach Pinneberg. Der Konsumverein Elmshorn beschäftigte ihn dort als Lagerhalter (Leiter) eines "Konsum"-Ladens.
1926 übernahm er die Geschäftsführung der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Pinneberg.
NS-Herrschaft
Wie so viele andere verlor er nach der Machtübergabe an die Nazis alle seine Ämter und auch die berufliche Stellung. Weitere Maßnahmen der Machthaber sind zunächst - vielleicht aufgrund seines Alters - nicht feststellbar. Darüber, wovon er in dieser Zeit lebte, liegen uns keine Informationen vor. 1940 wurde der 63-Jährige jedoch verhaftet und im KZ Neuengamme festgehalten; wie lange, ist nicht ermittelt.
Er überlebte und stellte sich 1945 sofort für den politischen Wiederaufbau zur Verfügung.
In seinen letzten Lebensjahren kehrte er offenbar nach Hamburg zurück - mutmaßlich, weil er dort noch Familie hatte, die sich um den Hochbetagten kümmerte.
Partei & Politik
Richard Köhn muss vor 1908 in die SPD eingetreten sein, denn von 1908 bis 1910 war er Vorsitzender des Ortsvereins.[3]
Von 1919 bis 1933 gehörte er der Pinneberger Stadtvertretung an. Wohl in dieser Funktion war er Mitglied, zeitweise Vorstandsvorsitzender, der Kreissparkasse und der AOK. Am 6. Juli 1928 wurde er zum Stadtrat gewählt.
Bürgermeister
Nach Ende der NS-Herrschaft hatte die britische Militärverwaltung zunächst einen anderen Bürgermeister eingesetzt, der sich Ende 1945 jedoch für den Posten des Gemeinde-, später Stadtdirektors entschied. Der Stadtdirektor war Chef der Stadtverwaltung, der Bürgermeister hatte die ausschließlich repräsentative Rolle als Vorsitzender der Stadtvertretung. Mit diesen Vorgaben versuchte die britische Militärregierung in den ersten Jahren, die ihr vertraute kommunalpolitische Struktur auf ihre Verwaltungszone in Deutschland zu übertragen. Ab 1950 kehrte Schleswig-Holstein zur Struktur mit hauptamtlichen Bürgermeistern zurück.
Am 7. Januar 1946 ernannte die Militärregierung den fast 69-jährigen Ruheständler Richard Köhn zum ehrenamtlichen Bürgermeister, zunächst für zwölf Monate; er wurde auf der Sitzung der Stadtvertretung am 14. Januar in sein Amt eingeführt. Dass es in einem Presseartikel heißt, er sei am 14. Dezember 1945 von der Ratsversammlung zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt worden[4], muss dem nicht widersprechen. Die weitere Feststellung in dem Artikel, Pensionär Köhn habe das Rathaus in von Hunger und Aufbau geprägten Nachkriegsjahren geführt, lässt sich ebenfalls nicht abstreiten.

Jemand, der sein halbes Leben lang in politischer Verantwortung gestanden hatte, war wohl nicht auf eine repräsentative Rolle zu reduzieren. Der Stadtdirektor schied schon nach drei Monaten aus dem Amt. Als Ursache wurden Unstimmigkeiten zwischen ihm und Bürgermeister Köhn vermutet. Mit seinen Nachfolgern kam Richard Köhn offenbar besser zurecht. Die Ratsversammlung wählte ihn für eine volle Amtsperiode wieder. Mit der Rückkehr zum hauptamtlichen Bürgermeisteramt löste ihn am 24. April 1950 der Sozialdemokrat Henry Glissmann ab.
Ehrungen
Nach Richard Köhn ist in Pinneberg seit den 1950er Jahren die Richard-Köhn-Straße benannt.
Literatur & Links
- Daebeler, Andreas: Wer im Pinneberger Rathaus das Sagen hatte, Hamburger Abendblatt, 6.9.2018 (Bezahlschranke)
- VHS-Geschichtswerkstatt: Pinneberg 1945 (Pinneberg 1996), S. 98 f.
- Wikipedia: Richard Köhn
Einzelnachweise
- ↑ Lt. Sterbeurkunde Nr. 311/1971; Mitteilung des Stadtarchivs Pinneberg vom 10.2.2026
- ↑ Der vorliegende Eintrag beruht, soweit nicht anders angegeben, auf dem Lebensabriss von Richard Köhn in VHS-Geschichtswerkstatt: Pinneberg 1945 (Pinneberg 1996), S. 98 f.
- ↑ SPD Pinneberg: Geschichte des Ortsvereins, Homepage, seit 2025 nicht mehr abrufbar
- ↑ Daebeler, Andreas: Wer im Pinneberger Rathaus das Sagen hatte, Hamburger Abendblatt, 6.9.2018 (Bezahlschranke)

