Bernhard Rausch
| Bernhard Rausch |
Bernhard Rausch, * 4. Dezember 1887 in Lyk (Westpreussen), heute zu Polen gehörig; † 1981 in Wennigsen. [1] Mitglied der SPD seit ?, ausgetreten 1923.[2] War u.a. Chefredakteur der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung.
Beruf und Politik

Über seinen Werdegang ist wenig bekannt. Er war wohl Akademiker und Pädagoge. Vor dem 1. Weltkrieg betätigte er sich als sozialistischer Wanderlehrer. Im 1. Weltkrieg diente er als Reserveleutnant der Artillerie an der Westfront.[3] Im letzten Kriegsjahr kommt ihm die Erkenntnis: "Es ist genug mit diesem Krieg!". 1918 wird er zunächst Redakteur, dann als Nachfolger von Eduard Adler Chefredakteur der Schleswig-Holsteinische Volkszeitung.[4] Wie er den Weg nach Kiel gefunden hat, ist nicht bekannt.
1919 folgt er Gustav Noske als persönlicher Referent nach Berlin.[5]
Für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein nimmt er im April 1919 als Delegierter am 2. Reichsrätekongress in Berlin für die MSPD-Fraktion als Schriftführer teil. [6]
Nach Niederschlagung des Kapp-Lüttwitz-Putsch ernannte Reichspräsident Friedrich Ebert den Sozialdemokraten Christian Stock zum parlamentarischen Staatssekretär und stellvertretenden Reichswehrminister und Bernhard Rausch zum Unterstaatssekretär und Stellvertreter Christian Stocks. Beide Sozialdemokraten "waren nicht nur die Köpfe eines Untersuchungsausschusses über das Verhalten von Offizieren während des Putsches, sondern auch von dem Wunsch getrieben, alles zu tun, um einen weiteren Putsch zu verhindern und die Armee zu demokratisieren", so Christian Lübcke. Bernhard Rausch plante die Einführung eines Lehrheftes mit dem Titel "Soldat und Verfassungstreue". Dieses Lehrheft sollte jeder Reichswehrangehörige erhalten. Dazu kam es aber nicht. Reichswehrminister Geßler lehnte die Verbreitung des Lehrheftes ab. Daraufhin räumte Bernhard Rausch am 31. Mai 1920 seinen Posten.[7] Sein Abschiedsschreiben wurde damals von mehreren Zeitungen veröffentlicht. Darin heißt es u.a.: "Es ist heute schlimmer als je zuvor. Gewiss gibt es in der Truppe und namentlich im Reichswehrministerium eine ganze Anzahl einsichtsvoller, loyal denkender Offiziere, die hohe Achtung und absolutes Vertrauen verdienen. In der Masse sind sie aber weiße Raben und bedeutungslos gegenüber der geschlossenen Phalanx einer bewussten, staatsfeindlichen Reaktion. Aus zahlreichen Einzelerfahrungen bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass verfassungstreue republikanische Elemente nun erst recht, konsequent und zäh, in bewusster und unbewusster Solidarität aus der Reichswehr entfernt werden und das demgegenüber die Zentralstelle zurzeit so gut wie machtlos ist."[8]
Danach hat Bernhard Rausch Redakteursposten bei verschiedenen Zeitungen, u.a. bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung, inne.
1923 tritt er aus der SPD aus.[9]
Politisch vollzieht er einen Schwenk nach rechts. Er nimmt in den folgenden Jahren führende Funktionen im "Stahlhelm" - Bund der Frontsoldaten - einem Wehrverband, der der demokratiefeindlichen Deutschnationalen Volkspartei DNVP nahesteht und später der SA -Sturmabteilung - dem paramilitärischen Verband der NSDAP, ein.
Von 1940 - 1943 ist er als Hauptmann der Luftwaffe im Oberkommando der Wehrmacht, Abt. Wehrmachtsverlustwesen, tätig, Einsatz in Stalingrad.
Letzter bekannter Dienstgrad: Major.
Wie und wo er das Kriegsende erlebt hat, ist nicht bekannt.
1951 sechs Monate ERP-Angestellter (?) beim Institut für Völkerrecht.[10] Weitere konnte zu seinem Leben in der Nachkriegszeit bisher nicht in Erfahrung gebracht werden.
Am Springquell der Revolution


Bernhard Rausch verfasste noch im November 1918 die Broschüre Am Springquell der Revolution. Im Vorwort vom 25. November 1918 schreibt er: "in dieser Schrift wird die erste zusammenfassende Darstellung des Kieler Matrosenaufruhrs gegeben. Sie umfasst die Ereignisse vom Ursprung der Erhebung bis zur Bestattung der Revolutionsopfer." Sie erscheint bei Chr. Haase u. Co, dem Verlag der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung.
Als Reaktion darauf veröffentlichten der USPD-Politiker und erster Vorsitzender des Kieler Soldatenrats, Lothar Popp, unter Mitarbeit von Karl Artelt, im Dezember 1918 die Schrift Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918.
Einzelnachweise
- ↑ Nachlass Major Rausch, ebay-Angebot
- ↑ Schleswig-Holsteinische Volkszeitung v. 5. November 1923
- ↑ portal-militärgeschichte.de: Christian Lübcke, Versuche der Bindung der Reichswehr an die Weimarer Republik in den Jahren 1919 bis 1921 - II. Teil: "Neue Forschungen zur Reichswehr. Veröffentlicht am 12. Dezember 2022
- ↑ Schleswig-Holsteinische Volkszeitung v. 16. Juni 1927
- ↑ Christian Lübcke, Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rausch Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920, in Andreas Braune/Sebastian Eisbach/Ronny Noak (Hrsg), Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik, Stuttgart 2022, S. 95-109
- ↑ Sabine Roß: Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 11)
- ↑ portal-militärgeschichte.de: Christian Lübcke, Versuche der Bindung der Reichswehr an die Weimarer Republik in den Jahren 1919 bis 1921 - II. Teil: "Neue Forschungen zur Reichswehr. Veröffentlicht am 12. Dezember 2022
- ↑ Berliner Börsenzeitung Nr. 231 v. 1. Juni 1920
- ↑ Schleswig-Holsteinische Volkszeitung v. 5. November 1923
- ↑ Nachlass Major Rausch, ebay-Angebot
