Hans Fick

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Hans Fick
Hans Fick
Hans Fick
Geboren: 18. April 1903
Gestorben: 8. März 1934

Johannes "Hans" Martin Georg Fick * 18. April 1903 in Lübeck, † 8. März 1934 in Lübeck; Nieter, Kutscher. Mitglied der SPD.[1]

Leben & Beruf

Geboren wurde Hans Fick als Sohn der Näherin Minna Carola Catharina Fick. Er wuchs in schwierigen sozialen Verhältnissen auf. Sein Vater ist nicht bekannt, und auch über seine Kindheit und Jugend fehlen nähere Informationen. Schon in jungen Jahren geriet er in Konflikt mit dem Gesetz und verbüßte mehrmals kurze Haftstrafen. Seine Lebenssituation war unstet: Er zog oft um und lebte zeitweise in Bremen und Hamburg, bevor er wieder nach Lübeck zurückkehrte.

Sein Leben änderte sich jedoch durch seine Heirat mit der gleichaltrigen Doris, geb. Schubert. Gemeinsam hatten sie zwei Söhne, Hans Theodor Ernst (* 1926) und Harald Franz Siegfried (* 1933). Die Familie lebte in der Margarethentraße 15 in Lübeck, und Hans engagierte sich in der SPD und im Reichsbanner. Dies brachte ihn in direkte Opposition zu den aufstrebenden Nationalsozialisten.

NS-Herrschaft

Im Juli 1932 gerieten Hans Fick und ein Bekannter, der Reichsbanner-Mann Karl Kaehding, in Lübeck in eine gewalttätige Auseinandersetzung mit einem SA-Mitglied, in deren Folge der SA-Mann starb. Alle Beteiligten waren alkoholisiert. Sie gerieten ins Visier der Ermittlungen, doch wurde kein Schuldiger festgestellt. Im Juli 1933 kehrte Hans Fick von beruflicher Wanderschaft zurück nach Lübeck, wo die Nazis mittlerweile die Macht übernommen hatten. Im Sommer wurden er und Karl Kaehding verhaftet und angeklagt, den SA-Mann vorsätzlich getötet zu haben. Es war ein reiner Schauprozess, die Anklage beruhte auf einer Denunziation.[2]

Karl Kaehding wurde nach der Urteilsverkündung am 18. September 1933 im Untersuchungsgefängnis Lübeck erhängt in seiner Zelle gefunden. Hans Fick ging in die Revision, das Urteil wurde aber vom Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg bestätigt, ein Gnadengesuch an den Reichsjustizminister abgelehnt. Am 8. März 1934 morgens um 6:30 Uhr wurde Hans Fick im Gefängnishof des Lübecker Burgklosters mit dem Fallbeil enthauptet.[2]

Postume Revision

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Urteil gegen Hans Fick als ungerecht erkannt und schließlich aufgehoben. Er hätte nach juristischen Maßstäben allenfalls wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden dürfen. Seine Familie erhielt eine Entschädigung, wenngleich diese bescheiden ausfiel.[2]

Hans Ficks Witwe heiratete 1940 erneut, verlor ihren zweiten Mann jedoch im selben Jahr an der Front und verstarb 1953 im Alter von 50 Jahren. Ihr älterer Sohn Hans wurde noch 1944 eingezogen, geriet in britische Kriegsgefangenschaft und blieb in Großbritannien, wo er eine Engländerin heiratete. Der noch minderjährige Harald absolvierte eine Ausbildung als Klempner und war später im Bergbau tätig.[3]

Ehrungen

Der Künstler Gunter Demnig verlegte vor der Margarethentraße 15 in Lübeck einen Stolperstein für Hans Fick.

Archive

  • Archiv der Hansestadt Lübeck (AHL)
  • AHL Neues Senatsarchiv (NSA) VIII Nr. 219
  • Adressbücher und Meldekartei
  • Lübecker General-Anzeiger vom 2.8.1933 - 9.3.1934
  • Landesarchiv Schleswig-Holstein (LAS), Abteilung 352
  • Staatsanwaltschaft am Landgericht Lübeck Akte Nr. 1495, 1496, 1497

Literatur

  • Imberger, Elke: Widerstand von "unten". Widerstand und Dissenz aus den Reihen der Arbeiterbewegung und der Zeugen Jehovas in Lübeck und Schleswig-Holstein 1933 - 1945 (Neumünster 1991).
  • Petrowsky, Werner und Arbeitskreis „Geschichte der Lübecker Arbeiterbewegung“: Lübeck - Eine andere Geschichte. Einblick in Widerstand und Verfolgung in Lübeck 1933-1945, hrsg. vom Zentrum, Jugendamt der Hansestadt Lübeck (Lübeck 1986)
  • Petrowsky, Werner und Arbeitskreis „Geschichte der Lübecker Arbeiterbewegung“: Alternativer Stadtführer zu den Stätten der Lübecker Arbeiterbewegung, des Widerstandes und der nationalsozialistischen Verfolgung, hrsg. vom Zentrum, Jugendamt der Hansestadt Lübeck (Lübeck 1986)
  • Wilke, Marianne und Günther: Lübeck unterm Hakenkreuz. Wegweiser zu den Stätten des Widerstandes und der Verfolgung in Lübeck 1933 - 1945, hrsg. von der Vereinigung der Verfolgten des Nationalsozialismus – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), o.O., o.J. (Lübeck 2008).

Einzelnachweise

  1. Dieser Lebenslauf basiert auf den Recherchen, die für seinen Stolperstein angestellt wurden.
  2. 2,0 2,1 2,2 Fiebig, Sebastian: Feier für die Opfer des Faschismus 1945 - Online-Anmerkungen zum Artikel aus der Lübecker Post vom 19.9.1945
  3. Archiv der Hansestadt Lübeck (AHL), Bestand Kreissonderhilfsausschuss, Akte Nr. 577 FICK, Harald