Volksverein: Unterschied zwischen den Versionen

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Diese Organisationsform war nötig geworden, weil bereits [[1870]] in Schleswig-Holstein die lokalen Gemeinden/Sektionen des [[ADAV]] als “Zweigvereine“ verboten worden waren.<ref>''Altonaer Mercur'', 20.5.1870, S. 3</ref>  
Diese Organisationsform war nötig geworden, weil bereits [[1870]] in Schleswig-Holstein die lokalen Gemeinden/Sektionen des [[ADAV]] als “Zweigvereine“ verboten worden waren.<ref>''Altonaer Mercur'', 20.5.1870, S. 3</ref>  


Volksvereine gab es in Schleswig-Holstein u.a. in [[Ortsverein Wandsbek|Wandsbek]]<ref>''Hamburg-Altonaer Volksblatt, 22.7.1877, S. 4</ref>, [[Ortsverein Ottensen|Ottensen]], [[Ortsverein Altona|Altona]]<ref>z.B. ''Bergedorfer Zeitung und Anzeiger'' 16.06.1878, S. 1</ref>, [[Kreisverband Flensburg|Flensburg]]<ref>''Harburger Anzeigen und Nachrichten'', 28.10.1878, S. 1</ref>, [[Kreisverband Neumünster|Neumünster]]<ref>''Harburger Anzeigen und Nachrichten'' 12.11.1878, S. 1</ref> und [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiel]]<ref>''Hamburgischer Correspondent'', 12.10.1878, S. 3</ref>, einen Wahlverein zum Beispiel in [[Ortsverein Rendsburg|Rendsburg]]<ref>''Harburger Anzeigen und Nachrichten'', 28.10.1878, S. 1</ref>. Diese Vereine waren formell unabhängig, da (noch bis [[1899]]) ein überörtliches Verbindungsverbot für politische Vereine bestand. Ihre politische Ausrichtung war jedoch jedermann bekannt und wurde auch in der bürgerlichen Presse genannt. Sie stellten (erfolglos) Kandidaten für die Kommunalwahlen auf, z.B. [[1877]] in Altona und Kiel.<ref>''[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1762960893_18771106/page/3 Hamburg-Altonaer Volksblatt]'', 6.11.1877, S. 3, Sp. 4</ref> Auch die liberalen und konservativen Parteien waren auf diese Art organisiert, sie wurden allerdings nicht so streng hinsichtlich möglicher Verstöße überwacht.
Die Gründung eigenständiger örtlicher Organisationen gehörte allerdings ohnehin schon zu den Vorstellungen der „Eisenacher“, also von [[Wilhelm Liebknecht]] und [[August Bebel]] als Vorsitzendern der [[SDAP|Sozial-Demokratischen Arbeiterpartei]] - zum Missfallen der [[ADAV]]-Führung. Mehr dazu [[Ortsverein#Vorgeschichte|auf der Seite Ortsverein: Vorgeschichte]].


Nach [[1890]] nannten sich die örtlichen Organisationen meist ''Sozialdemokratischer Verein'', aber mancherorts schienen weiterhin „beschönigende“ Bezeichnungen angeraten, weil dort der Repressionsdruck besonders hoch war, beispielsweise der [[Ortsverein Glückstadt|Allgemeine Arbeiterverein für Glückstadt und Umgegend]].
Volksvereine gab es in Schleswig-Holstein bis zu ihrem Verbot durch das [[Sozialistengesetz]] [[1878]] u.a. in [[Ortsverein Wandsbek|Wandsbek]]<ref>''Hamburg-Altonaer Volksblatt, 22.7.1877, S. 4</ref>, [[Ortsverein Ottensen|Ottensen]], [[Ortsverein Altona|Altona]]<ref>z.B. ''Bergedorfer Zeitung und Anzeiger'' 16.06.1878, S. 1</ref>, [[Kreisverband Flensburg|Flensburg]]<ref>''Harburger Anzeigen und Nachrichten'', 28.10.1878, S. 1</ref>, [[Kreisverband Neumünster|Neumünster]]<ref>''Harburger Anzeigen und Nachrichten'' 12.11.1878, S. 1</ref> und [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiel]]<ref>''Hamburgischer Correspondent'', 12.10.1878, S. 3</ref>, einen Wahlverein zum Beispiel in [[Ortsverein Rendsburg|Rendsburg]]<ref>''Harburger Anzeigen und Nachrichten'', 28.10.1878, S. 1</ref>.  


Die Volks- oder Wahlvereine können als direkte Vorläufer der heutigen ''[[Ortsverein|Ortsvereine]]'' (bzw. in den kreisfreien Städten der [[Kreisverband|Kreisverbände]]) betrachtet werden.  
Diese Vereine waren formell unabhängig, da (noch bis [[1899]]) ein überörtliches Verbindungsverbot für politische Vereine bestand. Ihre politische Ausrichtung war jedoch jedermann bekannt und wurde auch in der bürgerlichen Presse genannt. Sie stellten (erfolglos) Kandidaten für die Kommunalwahlen auf, z.B. [[1877]] in Altona und Kiel.<ref>''[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1762960893_18771106/page/3 Hamburg-Altonaer Volksblatt]'', 6.11.1877, S. 3, Sp. 4</ref> Auch die liberalen und konservativen Parteien waren auf diese Art organisiert, sie wurden allerdings nicht so streng hinsichtlich möglicher Verstöße überwacht.
 
== Nachfolge ==
Nach [[1890]] nannten sich die örtlichen Organisationen meist ''Sozialdemokratischer Verein'', aber mancherorts schienen weiterhin „beschönigende“ Bezeichnungen angeraten, weil dort der Repressionsdruck besonders hoch war, beispielsweise der [[Ortsverein Glückstadt|Allgemeine Arbeiterverein für Glückstadt und Umgegend]]. Auch vor der Gründung des [[Sozialdemokratischer Verein Kiel und Umgegend|Sozialdemokratischen Vereins Kiel und Umgegend]] gab es Diskussionen, ob man sich nicht lieber „nur“ Wahlverein oder Arbeiterverein nennen solle.
 
Die Volksvereine und Wahlvereine können als direkte Vorläufer der heutigen ''[[Ortsverein|Ortsvereine]]'' (bzw. in den kreisfreien Städten der [[Kreisverband|Kreisverbände]]) betrachtet werden.  


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==

Version vom 28. April 2025, 20:43 Uhr

Volksverein oder (zuletzt wohl seltener) Wahlverein war eine bis zum Verbot der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands durch das Sozialistengesetz 1878 übliche Bezeichnung für eine lokale sozialdemokratische Organisation.

Diese Organisationsform war nötig geworden, weil bereits 1870 in Schleswig-Holstein die lokalen Gemeinden/Sektionen des ADAV als “Zweigvereine“ verboten worden waren.[1]

Die Gründung eigenständiger örtlicher Organisationen gehörte allerdings ohnehin schon zu den Vorstellungen der „Eisenacher“, also von Wilhelm Liebknecht und August Bebel als Vorsitzendern der Sozial-Demokratischen Arbeiterpartei - zum Missfallen der ADAV-Führung. Mehr dazu auf der Seite Ortsverein: Vorgeschichte.

Volksvereine gab es in Schleswig-Holstein bis zu ihrem Verbot durch das Sozialistengesetz 1878 u.a. in Wandsbek[2], Ottensen, Altona[3], Flensburg[4], Neumünster[5] und Kiel[6], einen Wahlverein zum Beispiel in Rendsburg[7].

Diese Vereine waren formell unabhängig, da (noch bis 1899) ein überörtliches Verbindungsverbot für politische Vereine bestand. Ihre politische Ausrichtung war jedoch jedermann bekannt und wurde auch in der bürgerlichen Presse genannt. Sie stellten (erfolglos) Kandidaten für die Kommunalwahlen auf, z.B. 1877 in Altona und Kiel.[8] Auch die liberalen und konservativen Parteien waren auf diese Art organisiert, sie wurden allerdings nicht so streng hinsichtlich möglicher Verstöße überwacht.

Nachfolge

Nach 1890 nannten sich die örtlichen Organisationen meist Sozialdemokratischer Verein, aber mancherorts schienen weiterhin „beschönigende“ Bezeichnungen angeraten, weil dort der Repressionsdruck besonders hoch war, beispielsweise der Allgemeine Arbeiterverein für Glückstadt und Umgegend. Auch vor der Gründung des Sozialdemokratischen Vereins Kiel und Umgegend gab es Diskussionen, ob man sich nicht lieber „nur“ Wahlverein oder Arbeiterverein nennen solle.

Die Volksvereine und Wahlvereine können als direkte Vorläufer der heutigen Ortsvereine (bzw. in den kreisfreien Städten der Kreisverbände) betrachtet werden.

Einzelnachweise

  1. Altonaer Mercur, 20.5.1870, S. 3
  2. Hamburg-Altonaer Volksblatt, 22.7.1877, S. 4
  3. z.B. Bergedorfer Zeitung und Anzeiger 16.06.1878, S. 1
  4. Harburger Anzeigen und Nachrichten, 28.10.1878, S. 1
  5. Harburger Anzeigen und Nachrichten 12.11.1878, S. 1
  6. Hamburgischer Correspondent, 12.10.1878, S. 3
  7. Harburger Anzeigen und Nachrichten, 28.10.1878, S. 1
  8. Hamburg-Altonaer Volksblatt, 6.11.1877, S. 3, Sp. 4