Ortsverein: Unterschied zwischen den Versionen

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Ein '''Ortsverein''' ist die kleinste, eigenständige Gliederungsebene der SPD.
Ein '''Ortsverein''' ist in Schleswig-Holstein die kleinste eigenständige Gliederungsebene der SPD.


In Schleswig-Holstein gibt es meist pro Kommune einen Ortsverein. Nur in den kreisfreien Städten gibt es mehrere Ortsvereine. Grundsätzlich sind alle SPD-Mitglieder, die im Einzugsbereich eines Ortsvereins wohnen, Mitglied in diesem Ortsverein. Auf Antrag, kann man in einen anderen Ortsverein Mitglied wechseln.  
== Organisation ==
Grundsätzlich sind alle SPD-Mitglieder, die im Einzugsbereich eines Ortsvereins wohnen, Mitglied in diesem Ortsverein. Auf Antrag ist jedoch der Wechsel in einen anderen Ortsverein grundsätzlich möglich.  


Ortsvereine schließen sich auf Ebene der Kreis zu Kreisverbänden zusammen.
Es gibt pro Kommune einen Ortsverein. Sie schließen sich auf Ebene der Kreise zu [[Kreisverband|Kreisverbänden]] zusammen. Nur in den kreisfreien Städten, die wegen der Mitgliederzahl jeweils einen Kreisverband bilden, gibt es mehrere Ortsvereine.  


Ortsvereine wählen sich einen eigenen Vorstand und haben eine eigene Kasse. In Kommunen ohne Ortsverein können benachbarte Ortsvereine [[Stützpunkt]]e gründen. Die haben keine eigene Kasse.
Jeder Ortsverein wählt einen eigenen Vorstand und hat eine eigene Kasse. In Kommunen ohne Ortsverein können benachbarte Ortsvereine [[Stützpunkt]]e gründen. Die haben keine eigene Kasse.


== Zahlen ==
== Zahlen ==
Vor [[1933]] muss es etwas über 200 Ortsvereine in Schleswig-Holstein gegeben haben. [[1945]] werden viele von ihnen wiedergegründet. Die SPD konnte beim Aufbau der Partei an die Erfahrungen aus der Weimarer Zeit anschließen und hatte dadurch einen Vorteil gegenüber CDU und FDP, die sich erst finden mussten, berichtet [[Wilhelm Käber]].<ref>Lubowitz, Frank: ''Wilhelm Käber - Regierung und Opposition''. Neuer Malik Verlag, Kiel 1986, ISBN: 3-89029-906-7</ref> Bereits im Oktober sind es wieder 109 Ortsvereine.<ref>Martens, Holger: ''SPD in Schleswig-Holstein 1945-1959'' (Malente 1998), Bd. 1, S. 56</ref> Im März [[1946]] sind es 315 Ortsvereine.<ref>Schilf, Ulrich / Schulte, Rolf / Weber, Jürgen / Wilke, Uta: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay42.pdf Der Wiederaufbau der SPD nach dem Krieg]'', in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 537-558</ref> Der Höchststand wurde im Sommer 1949 mit über 780 Ortsvereinen erreicht.<ref>Schilf, Ulrich / Schulte, Rolf / Weber, Jürgen / Wilke, Uta: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay42.pdf Der Wiederaufbau der SPD nach dem Krieg]'', in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 537-558</ref> Die SPD in Schleswig-Holstein hatte zu dieser Zeit über 90.000 [[Mitgliederentwicklung|Mitglieder]]. Die SPD in Schleswig-Holstein verlor dann bis zum [[1. Januar]] [[1955]] so viele Mitglieder, dass nur knapp über 40.000 blieben. Das brachte viele Ortsvereine in Existenznot.
Vor [[1933]] muss es etwas mehr als 200 Ortsvereine in Schleswig-Holstein gegeben haben.  
 
[[1945]] wurden viele von ihnen wiedergegründet. Die SPD konnte beim Aufbau der Partei an die Erfahrungen aus der Weimarer Zeit anschließen und hatte dadurch einen Vorteil gegenüber CDU und FDP, die sich erst finden mussten, berichtet [[Wilhelm Käber]].<ref>Lubowitz, Frank: ''Wilhelm Käber - Regierung und Opposition''. (Kiel 1986) ISBN 3-89029-906-7, S. ?</ref> Bereits im Oktober gab es wieder 109 Ortsvereine<ref>Martens, Holger: ''SPD in Schleswig-Holstein 1945-1959'' (Malente 1998), Bd. 1, S. 56</ref>, im März [[1946]] 315. Der Höchststand wurde im Sommer [[1949]] mit über 780 Ortsvereinen erreicht.<ref>Schilf, Ulrich / Schulte, Rolf / Weber, Jürgen / Wilke, Uta: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay42.pdf Der Wiederaufbau der SPD nach dem Krieg]'', in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 537-558</ref> Die SPD in Schleswig-Holstein hatte zu dieser Zeit über 90.000 [[Mitgliederentwicklung|Mitglieder]].  
 
Diese Zahl reduzierte sich bis zum [[1. Januar]] [[1955]] auf gut 40.000 Mitglieder. Das brachte viele Ortsvereine in Existenznot. Ursachen waren vor allem die Gründung einer Partei, die ausdrücklich Flüchtlinge ansprach ("Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten" - BHE), sowie der Wegzug vieler Flüchtlinge aus Schleswig-Holstein.


[[2019]] hat die SPD Schleswig-Holstein 451 Ortsvereine.
[[2019]] hat die SPD Schleswig-Holstein 451 Ortsvereine.
== Zusammenarbeit ==
Die Ortsvereine bzw. die Vorsitzenden treffen sich auf Kreisebene, auf Landesebene und gelegentlich auch darüber hinaus. So fand am [[28. September]] [[1974]] in der Stormarnhalle in [[Ortsverein Bad Oldesloe|Bad Oldesloe]] eine gemeinsame Arbeitstagung der Ortsvorsitzenden aus Schleswig-Holstein und Hamburg mit etwa 800 Teilnehmenden statt. Dazu reisten nicht nur die [[Landesvorsitzende/r|Landesvorsitzenden]] an, sondern auch Bundeskanzler [[Helmut Schmidt]], Parteivorsitzender [[Willy Brandt]], [[Egon Bahr]] und Bundesgeschäftsführer [[Holger Börner]].<ref>Kreisarchiv Stormarn: ''[http://www.deutsche-digitale-bibliothek.de//item/QWFOIS23PBAZAJPCHX5CBIIZ2FS56VCL Vorl. Nr.: 32475 I1/36/4/11/1a]''</ref>


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==

Version vom 21. April 2019, 01:44 Uhr

Ein Ortsverein ist in Schleswig-Holstein die kleinste eigenständige Gliederungsebene der SPD.

Organisation

Grundsätzlich sind alle SPD-Mitglieder, die im Einzugsbereich eines Ortsvereins wohnen, Mitglied in diesem Ortsverein. Auf Antrag ist jedoch der Wechsel in einen anderen Ortsverein grundsätzlich möglich.

Es gibt pro Kommune einen Ortsverein. Sie schließen sich auf Ebene der Kreise zu Kreisverbänden zusammen. Nur in den kreisfreien Städten, die wegen der Mitgliederzahl jeweils einen Kreisverband bilden, gibt es mehrere Ortsvereine.

Jeder Ortsverein wählt einen eigenen Vorstand und hat eine eigene Kasse. In Kommunen ohne Ortsverein können benachbarte Ortsvereine Stützpunkte gründen. Die haben keine eigene Kasse.

Zahlen

Vor 1933 muss es etwas mehr als 200 Ortsvereine in Schleswig-Holstein gegeben haben.

1945 wurden viele von ihnen wiedergegründet. Die SPD konnte beim Aufbau der Partei an die Erfahrungen aus der Weimarer Zeit anschließen und hatte dadurch einen Vorteil gegenüber CDU und FDP, die sich erst finden mussten, berichtet Wilhelm Käber.[1] Bereits im Oktober gab es wieder 109 Ortsvereine[2], im März 1946 315. Der Höchststand wurde im Sommer 1949 mit über 780 Ortsvereinen erreicht.[3] Die SPD in Schleswig-Holstein hatte zu dieser Zeit über 90.000 Mitglieder.

Diese Zahl reduzierte sich bis zum 1. Januar 1955 auf gut 40.000 Mitglieder. Das brachte viele Ortsvereine in Existenznot. Ursachen waren vor allem die Gründung einer Partei, die ausdrücklich Flüchtlinge ansprach ("Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten" - BHE), sowie der Wegzug vieler Flüchtlinge aus Schleswig-Holstein.

2019 hat die SPD Schleswig-Holstein 451 Ortsvereine.

Zusammenarbeit

Die Ortsvereine bzw. die Vorsitzenden treffen sich auf Kreisebene, auf Landesebene und gelegentlich auch darüber hinaus. So fand am 28. September 1974 in der Stormarnhalle in Bad Oldesloe eine gemeinsame Arbeitstagung der Ortsvorsitzenden aus Schleswig-Holstein und Hamburg mit etwa 800 Teilnehmenden statt. Dazu reisten nicht nur die Landesvorsitzenden an, sondern auch Bundeskanzler Helmut Schmidt, Parteivorsitzender Willy Brandt, Egon Bahr und Bundesgeschäftsführer Holger Börner.[4]

Siehe auch

Quellen

  1. Lubowitz, Frank: Wilhelm Käber - Regierung und Opposition. (Kiel 1986) ISBN 3-89029-906-7, S. ?
  2. Martens, Holger: SPD in Schleswig-Holstein 1945-1959 (Malente 1998), Bd. 1, S. 56
  3. Schilf, Ulrich / Schulte, Rolf / Weber, Jürgen / Wilke, Uta: Der Wiederaufbau der SPD nach dem Krieg, in: Demokratische Geschichte 3(1988), S. 537-558
  4. Kreisarchiv Stormarn: Vorl. Nr.: 32475 I1/36/4/11/1a