Naturfreunde: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:NaturFreunde Emblem.jpg|260px|thumb|right|Das historische Emblem der NaturFreunde]]
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'''Die NaturFreunde''' sind die Organisation der Arbeiterbewegung, die sich um Freizeit, Urlaub, Erholung und den Schutz der Natur kümmert.
'''Die NaturFreunde''' sind die Organisation der Arbeiterbewegung, die sich um Freizeit, Urlaub, Erholung und den Schutz der Natur kümmert. Zu ihren Mitgliedern zählten und zählen prominente SPD-Mitglieder wie z.B. [[Paul Löbe]], [[Willy Brandt]] und [[Saskia Esken]]. 


Vor allem der Kampf gegen die politische Ausgrenzung und die soziale Verelendung prägten den Beginn der organisierten Arbeiterbewegung, der Parteien und Gewerkschaften. Wer aber unter elenden Bedingungen - sehr lange Arbeitszeiten, niedrige Löhne, menschenunwürdige Wohn- und Lebensverhältnisse litt - hatte in seiner knappen Freizeit Erholung besonders nötig. Als eine von vielen Organisationen der Arbeiterbewegung entstand der Touristenverein ''Die NaturFreunde''.
== Gründung ==
Vor allem der Kampf gegen politische Ausgrenzung und soziale Verelendung - sehr lange Arbeitszeiten, niedrige Löhne, menschenunwürdige Wohn- und Lebensverhältnisse - prägten den Beginn der organisierten Arbeiterbewegung, der Parteien und Gewerkschaften. Menschen, die unter solchen elenden Bedingungen litten, hatten in ihrer knappen Freizeit Erholung besonders nötig. Als eine von vielen Organisationen der Arbeiterbewegung entstand der Touristenverein ''Die NaturFreunde''.


[[1895]] gründeten der Schmied [[Alois Rohrauer]], der Jurastudent [[Karl Renner]] (später Bundespräsident Österreichs) und der Lehrer [[Georg Schmiedl]] in Wien den ''Touristenverein Die NaturFreunde'' mit dem Ruf "Berg frei!", der bis heute gilt. Die Wiener boten Bergwandern und klettern an. Nie ging es den Naturfreunden aber nur um Tourismus mit Natur und Erholung, sondern immer auch um Verstehen von Zusammenhängen zwischen Natur und Mensch. Mehr noch: das große Ziel dieser Bewegung war und ist die Überwindung einer Gesellschaftsordnung, die auf Ungerechtigkeit und Not basiert. Stattdessen wurde der Aufbau eines neuen Gemeinwesens, das als Grundgedanke die soziale Gemeinschaft aller schaffenden Menschen hat, angestrebt.  
Ihn gründeten [[1895]] in Wien der Schmied [[Alois Rohrauer]], der Jurastudent [[Karl Renner]] (später Bundespräsident Österreichs) und der Lehrer [[Georg Schmiedel]]; sein Ruf war "Berg frei!", der bis heute gilt. Die Wiener boten Bergwandern und Bergklettern an. Nie ging es den Naturfreunden aber nur um Tourismus mit Natur und Erholung, sondern immer auch um Verstehen von Zusammenhängen zwischen Natur und Mensch. Mehr noch: Das große Ziel dieser Bewegung war und ist die Überwindung einer Gesellschaftsordnung, die auf Ungerechtigkeit und Not basiert. Statt dessen wird der Aufbau eines neuen Gemeinwesens angestrebt, das als Grundgedanken die soziale Gemeinschaft aller schaffenden Menschen hat.  


Schon vor dem 1. Weltkrieg ging aus dem Wiener Verein eine mitgliederstarke internationale Organisation hervor. Auch in Deutschland wurde in den Mittelgebirgen und an den Küsten gewandert. [[1905]] gab es in München den ersten Naturfreundeverein in Deutschland. Am [[14. Februar]] [[1910]] erfolgte die Vereinsgründung in Kiel und am [[1. April]] in Hamburg als Landesverband ''Nordmark''. [[Datei:Naturfreunde Wanderung.jpg|260px|thumb|left|Naturfreunde auf Wanderschaft]]Für die Wanderungen in der Natur unter Gleichgesinnten zeigte sich ein Bedürfnis unter Mitgliedern, die sich aus allen Berufen und Altersklassen der arbeitenden Bevölkerung zusammensetzten.
Schon vor dem 1. Weltkrieg ging aus dem Wiener Verein eine mitgliederstarke internationale Organisation hervor. Auch in Deutschland wurde in den Mittelgebirgen und an den Küsten gewandert. [[1905]] gab es in München den ersten Naturfreundeverein in Deutschland. Am [[14. Februar]] [[1910]] gründete sich in Kiel, am [[1. April]] in Hamburg der Landesverband ''Nordmark'' der Naturfreunde. [[Datei:Naturfreunde Wanderung.jpg|260px|thumb|left|Naturfreunde auf Wanderschaft, 1920er Jahre]]Bei den Mitgliedern, die sich aus allen Berufen und Altersklassen der arbeitenden Bevölkerung zusammensetzten, bestand ein Bedürfnis nach Wanderungen in der Natur unter Gleichgesinnten.


In der Vereinszeitschrift ''Der Naturfreund'' wird [[1913]] vermerkt: "KIEL Am 31. Januar fand die dritte Jahreshauptversammlung statt. Im Berichtsjahr hat die Zahl der Mitglieder sich auf 51 erhöht. Es wurden 91 Ausflüge mit einer Teilnehmerzahl von 754 Personen durchgeführt".
In der Vereinszeitschrift ''Der Naturfreund'' wird [[1913]] vermerkt: "KIEL Am [[31. Januar]] fand die dritte Jahreshauptversammlung statt. Im Berichtsjahr hat die Zahl der Mitglieder sich auf 51 erhöht. Es wurden 91 Ausflüge mit einer Teilnehmerzahl von 754 Personen durchgeführt".


Die Ortsgruppe Flensburg beschloss [[1915]], "das diejenigen Mitglieder, die im Felde stehen ''Der Naturfreund'' für die Dauer des Krieges gratis zugestellt wird und die Kosten aus der Ortsgruppenkasse bestritten werden." Dies galt für viele Ortsgruppen.
Die Ortsgruppe Flensburg beschloss [[1915]], "das denjenigen Mitgliedern, die im Felde stehen, ''Der Naturfreund'' für die Dauer des Krieges gratis zugestellt wird und die Kosten aus der Ortsgruppenkasse bestritten werden." Dies galt für viele Ortsgruppen.


Der ''Naturfreund'' [[1916]]: KIEL "Das Vereinsleben ist auch während des Krieges ein reges geblieben. Die Mitgliederzahl stieg auf 137, die bis jetzt gebotenen Lichtbildvorträge hatten sich eines überaus starken Besuches zu erfreuen."
Der ''Naturfreund'' [[1916]]: "KIEL Das Vereinsleben ist auch während des Krieges ein reges geblieben. Die Mitgliederzahl stieg auf 137, die bis jetzt gebotenen Lichtbildvorträge hatten sich eines überaus starken Besuches zu erfreuen."


[[1920]] zählt die Ortsgruppe Kiel 200 Mitglieder, im Inflationsjahr [[1923]] sogar 248.
[[1920]] zählte die Ortsgruppe Kiel 200 Mitglieder, im Inflationsjahr [[1923]] sogar 248.


In dieser Zeit sah der Verein den "Hüttenbau" als seine wichtigste Aufgabe, aber die absurde Geldentwertung machte zunächst alle Pläne zunichte. Aber dann entstand unter heute kaum noch vorstellbaren Einsatz der Kieler Naturfreunde das Naturfreundehaus in Schönberg/Kalifornien, am Ausgang der Kieler Förde. Es erhielt den Namen ''Karl-Volkert-Heim'', nach dem österreichischen Sozialdemokraten, der sich u.a. in der [[Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde]] und den Naturfreunden engagierte.
In dieser Zeit sah der Verein den "Hüttenbau" als seine wichtigste Aufgabe, aber die absurde Geldentwertung machte zunächst alle Pläne zunichte. Aber dann entstand unter heute kaum noch vorstellbarem Einsatz der Kieler Ortsgruppe das Naturfreundehaus in [[Ortsverein Schönberg|Kalifornien/Schönberg]], am Ausgang der Kieler Förde. Es erhielt den Namen ''Karl-Volkert-Heim'', nach einem österreichischen Sozialdemokraten, der sich u.a. in der [[Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde]] und bei den Naturfreunden engagierte.


[[Datei:Kurt-Volkert-Heim 1930.jpg|260px|thumb|right|Das Naturfreundehaus in Kalifornien am Schönberger Strand 1930]]
[[Datei:Kurt-Volkert-Heim 1930.jpg|260px|thumb|right|Das Naturfreundehaus in Kalifornien am Schönberger Strand 1930]]Im 5. Heft ''Der Naturfreund'' von [[1926]] heißt es:
Im 5. Heft ''Der Naturfreund'' von [[1926]] heißt es: "Ein Naturfreundehaus an der Ostsee. Unser Gau Nordmark hat unter beträchtlichen Opfern am Schönberger Strand an der offenen Ostsee ein großes Naturfreundehaus errichtet und somit an den Gestaden des Meeres unsere Bewegung verankert. Das zweistöckige Haus wird in den Schlafsälen 60 bis 70 Betten zählen. Im Dachraum können ebenso viele Personen untergebracht werden. Gut eingerichtete Nebenräume ergänzen das prächtige Haus, das sich auch für Ferienaufenthalte vorzüglich eignet." In den Dokumenten über die Errichtung des Naturfreundehauses der Ortsgruppe Kiel wird ihr Selbstverständnis deutlich: Das Vorhaben konnte nur mit Idealismus, Opferbereitschaft und Gemeinsinn gelingen. Da viele Arbeiten von den Kieler Naturfreunden aus Geldnot selbst ausgeführt werden musste, galt für sie eine lange, bis zu drei Stunden dauernder Anreise, bis zum erreichen der "Arbeitsstelle". Dazu ein Zeitungsartikel von [[1930]], der Gästen beschreibt, wie sie zum attraktiven Naturfreundehaus kommen können: "Man erreicht das Heim von Kiel aus mit der Kleinbahn zum Schönberger Strand und dann 45 Minuten Gehzeit. Oder vom Städtchen Schönberg aus in 75 Minuten. Oder von Kiel aus mit dem Dampfer bis Laboe und über das alte Fischerdorf Stein in drei Stunden."<ref>Ursa Dörfer, Kronshagen, unveröffentlichtes Manuskript 2020</ref>
: "Ein Naturfreundehaus an der Ostsee. Unser Gau Nordmark hat unter beträchtlichen Opfern am Schönberger Strand an der offenen Ostsee ein großes Naturfreundehaus errichtet und somit an den Gestaden des Meeres unsere Bewegung verankert. Das zweistöckige Haus wird in den Schlafsälen 60 bis 70 Betten zählen. Im Dachraum können ebenso viele Personen untergebracht werden. Gut eingerichtete Nebenräume ergänzen das prächtige Haus, das sich auch für Ferienaufenthalte vorzüglich eignet."  
In den Dokumenten dazu wird das Selbstverständnis der Ortsgruppe Kiel deutlich: Das Vorhaben konnte nur mit Idealismus, Opferbereitschaft und Gemeinsinn gelingen. Viele Arbeiten mussten von den Kielern aus Geldnot selbst ausgeführt werden. Davor stand jeweils eine lange, bis zu drei Stunden dauernde Anreise zur "Arbeitsstelle".  


Nach der Machtübernahme [[1933]] durch die Nazis wurden die Gliederungen der Naturfreunde aufgelöst oder verboten. Das Vereinsvermögen wurde Nazi-Organisationen oder staatlichen Stellen zugeschlagen. Das Naturfreundehaus der Ortsgruppe Kiel in Kalifornien wurde unter dem Schutz der Behörden von der Hitlerjugend in Besitz genommen.
Ein Zeitungsartikel von [[1930]] beschreibt, wie Gäste zu dem attraktiven Haus kommen:
: "Man erreicht das Heim von Kiel aus mit der Kleinbahn zum Schönberger Strand und dann 45 Minuten Gehzeit. Oder vom Städtchen Schönberg aus in 75 Minuten. Oder von Kiel aus mit dem Dampfer bis Laboe und über das alte Fischerdorf Stein in drei Stunden."<ref>Ursa Dörfer, Kronshagen, unveröffentlichtes Manuskript 2020</ref>


Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches [[1945]] fanden die Mitglieder der Naturfreunde, so sie den Krieg überlebt hatten, nach wenigen Monaten wieder zusammen und begannen erneut mit dem Vereinsleben. So fanden bereits im Mai [[1946]] in Kiel wieder Wanderungen der Naturfreunde statt.<ref>Kieler Nachrichten vom 1.5.1946</ref>[[Datei:Touristenverein die Naturfreunde Registrierungs-Ausweis.jpg|260px|thumb|left|Der durch Feuer beschädigte Registrierungsausweis der Kieler Naturfreunde von 1946]]Der Touristenverein Die Naturfreunde wurde bereits [[1946]] von der englischen Besatzungsmacht registriert und zugelassen.
Unter dem Dach des Vereins konnten sich auch musische Interessen entfalten: [[1929]] fand sich ein Mandolinenorchester zusammen, in dem eine Zeitlang wohl auch [[Rosa Wallbaum|Rosa Obloch]] mitspielte.
Das Naturfreundehaus am Schönberger Strand gelangte erste nach zähen Verhandlungen [[1951]] wieder in den Besitz der Kieler Naturfreunde. Das Haus bietet in unmittelbarer strandnähe Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten, zur Erholung und insbesondere zur Umweltbildung. Der Landesverband der Naturfreunde verfügt auf dem Priwall in Lübeck über ein zweites Gästehaus.


[[Datei:Naturfreunde Mandolinenorchester.jpg|260px|thumb|right|Das Mandolinenorchester der Kieler NaturFreunde]]Das [[1929]] gegründete Mandolinenorchester der Kieler Naturfreunde entstand ebenfalls wieder. Ein Neubeginn gab es anläßlich eines Geburtstags von [[Ilse Zilz]], der langjährigen Vorsitzenden, vermutlich [[1947]], als 27 Leute mit ihren Instrumenten zum gratulieren kamen.   
Nach der Machtübernahme durch die Nazis wurden [[1933]] die Gliederungen der Naturfreunde aufgelöst oder verboten. Das Vereinsvermögen wurde Nazi-Organisationen oder staatlichen Stellen zugeschlagen. Das Naturfreundehaus in Kalifornien nahm unter dem Schutz der Behörden die Hitlerjugend in Besitz.
 
[[Datei:Touristenverein die Naturfreunde Registrierungs-Ausweis.jpg|260px|thumb|left|Der durch Feuer beschädigte Registrierungs-Ausweis der Kieler Naturfreunde von 1946]]Nur wenige Monate nach Ende der NS-Herrschaft kamen [[1945]] Mitglieder der Naturfreunde, so sie den 2. Weltkrieg überlebt hatten, wieder zusammen und begannen erneut mit dem Vereinsleben. Bereits im Mai [[1946]] fanden in Kiel wieder Wanderungen der Naturfreunde statt.<ref>''Kieler Nachrichten'', 1.5.1946</ref> Der Verein wurde am [[2. Dezember]] [[1946]] von der englischen Besatzungsmacht registriert und offiziell zugelassen.
 
Das Naturfreundehaus am Schönberger Strand gelangte erst nach zähen Verhandlungen [[1951]] wieder in den Besitz der Kieler Ortsgruppe. Heute bietet das Haus in unmittelbarer Strandnähe die Möglichkeit für Freizeitaktivitäten, zur Erholung und insbesondere zur Umweltbildung. Der Landesverband der Naturfreunde verfügt auf dem Priwall in Lübeck über ein zweites Gästehaus.
 
[[Datei:Naturfreunde Mandolinenorchester.jpg|260px|thumb|right|Das Mandolinenorchester der Kieler NaturFreunde]]Das Mandolinenorchester der Kieler Naturfreunde entstand ebenfalls wieder. Einen Neubeginn gab es anläßlich eines Geburtstags von [[Ilse Zilz]], der langjährigen Vorsitzenden, vermutlich [[1947]], als 27 Leute mit ihren Instrumenten zum Gratulieren kamen.   


"Kerngeschäft" der Kieler NaturFreunde neben dem Betrieb des Naturfreundehauses in Kalifornien war es, gemeinsam zu wandern. [[Rolf Rabusch]] war viele Jahre Wanderleiter der Kieler Ortsgruppe.  
"Kerngeschäft" der Kieler NaturFreunde neben dem Betrieb des Naturfreundehauses in Kalifornien war es, gemeinsam zu wandern. [[Rolf Rabusch]] war viele Jahre Wanderleiter der Kieler Ortsgruppe.  


Heute hat der kleine Verein seinen Schwerpunkt im Umweltschutz.
Heute hat der kleine Verein seinen Schwerpunkt im Umweltschutz.
Zu den Mitgliedern der Naturfreunde zählten und zählen über die gesamte Zeit prominente Sozialdemokraten wie z.B. [[Paul Löbe]], [[Willy Brandt]] und [[Saskia Esken]]. 


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Datei:Die Naturfreunde Mitgliedskarte Franz Pieper.jpg|Die Mitgliedskarte von Franz Pieper von 1958
Datei:Die Naturfreunde Mitgliedskarte Franz Pieper.jpg|Die Mitgliedskarte von Franz Pieper von 1958
Datei:Naturfreundehaus 1926 - 2001.jpg|Das Naturfreundehaus in Kalifornien am Schönberger Strand in den 1960-iger Jahren
Datei:Naturfreundehaus 1926 - 2001.jpg|Das Naturfreundehaus in Kalifornien - Titel der Broschüre von 2001
Datei:Naturfreundehaus Karl-Volkert-Heim.jpg|Das Naturfreundehaus ''Karl-Volkert-Heim'' etwa in den 1960igern in Kalifornien/Schönberger Strand
Datei:Naturfreundehaus Karl-Volkert-Heim.jpg|Das Naturfreundehaus ''Karl-Volkert-Heim'' etwa in den 1960ern
Datei:Naturfreunde OG Kiel Wanderung im Kaltenhofer Moor 2. v. rechts Rolf Rabusch.jpg| Wanderung durchs Kalthofer Moor, 2. v. rechts Wanderleiter Rolf Rabusch
Datei:Naturfreunde OG Kiel Wanderung im Kaltenhofer Moor 2. v. rechts Rolf Rabusch.jpg| Wanderung durchs Kaltenhofer Moor, 2. v.r. Wanderleiter Rolf Rabusch
Datei:Naturfreunde OG Kiel 80-Jahr Feier 1998 im Naturfreundehaus Kalifornien.jpg|260px|thumb|left|80-Jahr Feier der Ortsgruppe Kiel im Naturfreundehaus Kalifornien
Datei:Naturfreunde OG Kiel 80-Jahr Feier 1998 im Naturfreundehaus Kalifornien.jpg|260px|thumb|left|80-Jahr-Feier der Ortsgruppe Kiel im Naturfreundehaus Kalifornien
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== Literatur ==
== Literatur ==
*Franz Walter/Viola Denecke/Cornelia Regin ''Sozialistische Gesundheits- und Lebensreform- Verbände'', hier: Viola Denecke S. 241 ff. ''Der Touristenverein Die Naturfreunde'', J.H.W. Dietz Nachf. GmbH Bonn, 1991, ISBN 3-8012-4010-X
*Viola Denecke: ''Der Touristenverein Die Naturfreunde''. In: Franz Walter/Viola Denecke/Cornelia Regin ''Sozialistische Gesundheits- und Lebensreform-Verbände'' (Bonn 1991) ISBN 3-8012-4010-X, S. 241 ff.
*Jochen Zimmer (Hrsg.) ''Mit uns zieht die neue Zeit, Die Naturfreunde. Zur Geschichte eines alternativen Verbandes in der Arbeiterkulturbewegung''. Pahl-Rugenstein Verlag GmbH Köln, 1984, ISBN 3-7609-0927-2
*Jochen Zimmer (Hrsg.): ''Mit uns zieht die neue Zeit. Die Naturfreunde. Zur Geschichte eines alternativen Verbandes in der Arbeiterkulturbewegung'' (Köln 1984) ISBN 3-7609-0927-2


== Links ==
== Links ==

Version vom 19. März 2020, 01:50 Uhr

Das historische Emblem der NaturFreunde

Die NaturFreunde sind die Organisation der Arbeiterbewegung, die sich um Freizeit, Urlaub, Erholung und den Schutz der Natur kümmert. Zu ihren Mitgliedern zählten und zählen prominente SPD-Mitglieder wie z.B. Paul Löbe, Willy Brandt und Saskia Esken.

Gründung

Vor allem der Kampf gegen politische Ausgrenzung und soziale Verelendung - sehr lange Arbeitszeiten, niedrige Löhne, menschenunwürdige Wohn- und Lebensverhältnisse - prägten den Beginn der organisierten Arbeiterbewegung, der Parteien und Gewerkschaften. Menschen, die unter solchen elenden Bedingungen litten, hatten in ihrer knappen Freizeit Erholung besonders nötig. Als eine von vielen Organisationen der Arbeiterbewegung entstand der Touristenverein Die NaturFreunde.

Ihn gründeten 1895 in Wien der Schmied Alois Rohrauer, der Jurastudent Karl Renner (später Bundespräsident Österreichs) und der Lehrer Georg Schmiedel; sein Ruf war "Berg frei!", der bis heute gilt. Die Wiener boten Bergwandern und Bergklettern an. Nie ging es den Naturfreunden aber nur um Tourismus mit Natur und Erholung, sondern immer auch um Verstehen von Zusammenhängen zwischen Natur und Mensch. Mehr noch: Das große Ziel dieser Bewegung war und ist die Überwindung einer Gesellschaftsordnung, die auf Ungerechtigkeit und Not basiert. Statt dessen wird der Aufbau eines neuen Gemeinwesens angestrebt, das als Grundgedanken die soziale Gemeinschaft aller schaffenden Menschen hat.

Schon vor dem 1. Weltkrieg ging aus dem Wiener Verein eine mitgliederstarke internationale Organisation hervor. Auch in Deutschland wurde in den Mittelgebirgen und an den Küsten gewandert. 1905 gab es in München den ersten Naturfreundeverein in Deutschland. Am 14. Februar 1910 gründete sich in Kiel, am 1. April in Hamburg der Landesverband Nordmark der Naturfreunde.

Naturfreunde auf Wanderschaft, 1920er Jahre

Bei den Mitgliedern, die sich aus allen Berufen und Altersklassen der arbeitenden Bevölkerung zusammensetzten, bestand ein Bedürfnis nach Wanderungen in der Natur unter Gleichgesinnten.

In der Vereinszeitschrift Der Naturfreund wird 1913 vermerkt: "KIEL Am 31. Januar fand die dritte Jahreshauptversammlung statt. Im Berichtsjahr hat die Zahl der Mitglieder sich auf 51 erhöht. Es wurden 91 Ausflüge mit einer Teilnehmerzahl von 754 Personen durchgeführt".

Die Ortsgruppe Flensburg beschloss 1915, "das denjenigen Mitgliedern, die im Felde stehen, Der Naturfreund für die Dauer des Krieges gratis zugestellt wird und die Kosten aus der Ortsgruppenkasse bestritten werden." Dies galt für viele Ortsgruppen.

Der Naturfreund 1916: "KIEL Das Vereinsleben ist auch während des Krieges ein reges geblieben. Die Mitgliederzahl stieg auf 137, die bis jetzt gebotenen Lichtbildvorträge hatten sich eines überaus starken Besuches zu erfreuen."

1920 zählte die Ortsgruppe Kiel 200 Mitglieder, im Inflationsjahr 1923 sogar 248.

In dieser Zeit sah der Verein den "Hüttenbau" als seine wichtigste Aufgabe, aber die absurde Geldentwertung machte zunächst alle Pläne zunichte. Aber dann entstand unter heute kaum noch vorstellbarem Einsatz der Kieler Ortsgruppe das Naturfreundehaus in Kalifornien/Schönberg, am Ausgang der Kieler Förde. Es erhielt den Namen Karl-Volkert-Heim, nach einem österreichischen Sozialdemokraten, der sich u.a. in der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde und bei den Naturfreunden engagierte.

Das Naturfreundehaus in Kalifornien am Schönberger Strand 1930

Im 5. Heft Der Naturfreund von 1926 heißt es:

"Ein Naturfreundehaus an der Ostsee. Unser Gau Nordmark hat unter beträchtlichen Opfern am Schönberger Strand an der offenen Ostsee ein großes Naturfreundehaus errichtet und somit an den Gestaden des Meeres unsere Bewegung verankert. Das zweistöckige Haus wird in den Schlafsälen 60 bis 70 Betten zählen. Im Dachraum können ebenso viele Personen untergebracht werden. Gut eingerichtete Nebenräume ergänzen das prächtige Haus, das sich auch für Ferienaufenthalte vorzüglich eignet."

In den Dokumenten dazu wird das Selbstverständnis der Ortsgruppe Kiel deutlich: Das Vorhaben konnte nur mit Idealismus, Opferbereitschaft und Gemeinsinn gelingen. Viele Arbeiten mussten von den Kielern aus Geldnot selbst ausgeführt werden. Davor stand jeweils eine lange, bis zu drei Stunden dauernde Anreise zur "Arbeitsstelle".

Ein Zeitungsartikel von 1930 beschreibt, wie Gäste zu dem attraktiven Haus kommen:

"Man erreicht das Heim von Kiel aus mit der Kleinbahn zum Schönberger Strand und dann 45 Minuten Gehzeit. Oder vom Städtchen Schönberg aus in 75 Minuten. Oder von Kiel aus mit dem Dampfer bis Laboe und über das alte Fischerdorf Stein in drei Stunden."[1]

Unter dem Dach des Vereins konnten sich auch musische Interessen entfalten: 1929 fand sich ein Mandolinenorchester zusammen, in dem eine Zeitlang wohl auch Rosa Obloch mitspielte.

Nach der Machtübernahme durch die Nazis wurden 1933 die Gliederungen der Naturfreunde aufgelöst oder verboten. Das Vereinsvermögen wurde Nazi-Organisationen oder staatlichen Stellen zugeschlagen. Das Naturfreundehaus in Kalifornien nahm unter dem Schutz der Behörden die Hitlerjugend in Besitz.

Der durch Feuer beschädigte Registrierungs-Ausweis der Kieler Naturfreunde von 1946

Nur wenige Monate nach Ende der NS-Herrschaft kamen 1945 Mitglieder der Naturfreunde, so sie den 2. Weltkrieg überlebt hatten, wieder zusammen und begannen erneut mit dem Vereinsleben. Bereits im Mai 1946 fanden in Kiel wieder Wanderungen der Naturfreunde statt.[2] Der Verein wurde am 2. Dezember 1946 von der englischen Besatzungsmacht registriert und offiziell zugelassen.

Das Naturfreundehaus am Schönberger Strand gelangte erst nach zähen Verhandlungen 1951 wieder in den Besitz der Kieler Ortsgruppe. Heute bietet das Haus in unmittelbarer Strandnähe die Möglichkeit für Freizeitaktivitäten, zur Erholung und insbesondere zur Umweltbildung. Der Landesverband der Naturfreunde verfügt auf dem Priwall in Lübeck über ein zweites Gästehaus.

Das Mandolinenorchester der Kieler NaturFreunde

Das Mandolinenorchester der Kieler Naturfreunde entstand ebenfalls wieder. Einen Neubeginn gab es anläßlich eines Geburtstags von Ilse Zilz, der langjährigen Vorsitzenden, vermutlich 1947, als 27 Leute mit ihren Instrumenten zum Gratulieren kamen.

"Kerngeschäft" der Kieler NaturFreunde neben dem Betrieb des Naturfreundehauses in Kalifornien war es, gemeinsam zu wandern. Rolf Rabusch war viele Jahre Wanderleiter der Kieler Ortsgruppe.

Heute hat der kleine Verein seinen Schwerpunkt im Umweltschutz.

Literatur

  • Viola Denecke: Der Touristenverein Die Naturfreunde. In: Franz Walter/Viola Denecke/Cornelia Regin Sozialistische Gesundheits- und Lebensreform-Verbände (Bonn 1991) ISBN 3-8012-4010-X, S. 241 ff.
  • Jochen Zimmer (Hrsg.): Mit uns zieht die neue Zeit. Die Naturfreunde. Zur Geschichte eines alternativen Verbandes in der Arbeiterkulturbewegung (Köln 1984) ISBN 3-7609-0927-2

Links

Quellen

  1. Ursa Dörfer, Kronshagen, unveröffentlichtes Manuskript 2020
  2. Kieler Nachrichten, 1.5.1946