Sozialdemokratische Partei Flensburgs (SPF)

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Die Sozialdemokratischen Partei Flensburgs (SPF) war von 1946 bis 1954 eine von der SPD unabhängige Partei, die aus dem Flensburger SPD Kreisverband entstand. Die Flensburger Parteiorganisation war Mitte 1946 wegen ihrer Politik, die auf einen Anschluss an Dänemark abzielte, aus der Partei ausgeschlossen worden. 1954 vereinigten sich SPF und SPD wieder.

Geschichte

Nach der Kapitulation, die den Zweiten Weltkrieg am 8. Mai 1945 beendete, erfolgte in Flensburg bereits im August 1945 die Gründung eines SPD-Kreisvereins. Die britische Militärregierung genehmigte den Kreisverein am 4. Januar 1946. Bei der Anhörung hatte der Vorstand erklärt, dass die Grenzfrage keine Parteiangelegenheit sei, sondern von jedem Mitglied persönlich entschieden werden müssen.[1]

Im schleswig-holsteinischen Landesteil Schleswig (dem Süden und der Mitte des historischen Herzogtums Schleswig) gab es jedoch eine starke dänische Bewegung, welche den Anschluss des Landesteils an Dänemark oder wenigstens die Abtrennung von Holstein forderte. Diese neue Bewegung bestand vor allem aus einheimischen Südschleswigern, die an die Ideen der Eiderdänen anknüpften. Die Bewegung fand auch in großen Teilen der wieder gegründeten lokalen SPD unter dem Kreisvorsitzenden Friedrich Drews Widerhall, der 19451955 Flensburgs Stadtoberhaupt war. Die Partikularisten gerieten damit in Gegensatz zur schleswig-holsteinischen Parteiführung, aber auch zur überregionalen SPD-Organisation, die sich in den westlichen Besatzungszonen unter Kurt Schumacher formierte. Drews wurde bereits 1945 durch Nicolaus Reiser abgelöst, einen aus Sicht des Bezirksvorstandes zuverlässigeren Vorsitzenden [2].

Obwohl die prodänische Haltung des Flensburger Sozialdemokraten Hermann Olson allgemein bekannt war, wählten die Delegierten des ersten Bezirksparteitages ihn als Beisitzer in den Bezirksvorstand.[3]

Am Freitag, 5. Juli 1946, kam es zu einer Mitgliederversammlung im Flensburger Gewerkschafthaus, an der aus Kiel die Vorstandsmitglieder Andreas Gayk, Karl Ratz und Heinrich Fischer teilnahmen. Zur Diskussion und Abstimmung stand der Entwurf einer Resolution mit folgendem auszugsweisen Wortlaut:

"Der Sozialdemokratische Kreisverein Flensburg-Stadt lehnt es ab, auf seine Mitglieder in nationalpolitischer Hinsicht einen Druck auszuüben. Er stellt es vielmehr jedem Parteignossen frei, sich in nationalpolitischer Hinsicht nach eigenem Ermessen frei zu entscheiden… Eine endgültige Regelung der Südschleswig-Frage kann nur auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Grenzbewohner durch eine Volksabstimmung erfolgen, nach der auch die in wirtschaftlicher Hinsicht verfehlte Grenzziehung vom Jahre 1920 eine Korrektur erfahren kann."[4]

Mit einer Mehrheit von 386 gegen 96 Stimmen wurde die Resolution von der Parteiversammlung angenommen. Die offizielle Reaktion folgte jedoch bereits zwei Tage später am Sonntag, 7. Juli 1946, auf einer öffentlichen Kundgebung in Husum durch den Vorsitzenden Kurt Schumacher. Er sagte:

"Mit Zustimmung und im Einverständnis mit dem Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Partei Schleswig-Holsteins erkläre ich als erster Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der Sozialdemokratische Verein Flensburg ist hiermit aufgelöst und wird neu gegründet. Die Argumentation, mit der operiert wird, ist doch einfach kläglich… Wann dieses Land einmal dänisch war, ist uns gleichgültig. Es ist heute dem Empfinden seiner Bewohner nach und dem Volkstum seiner Bewohner nach deutsch… Sie (die Gründer der SPF) haben sich außerhalb ganzer Stuhlreihen niedergesetzt."[5]

Zur Kommunalwahl 1946 am 13. Oktober 1946 hatte die SPF mit dem Sydslesvigsk Forening (SSF) ein Wahlabkommen geschlossen, das die Kandidatenaufstellung regelte. Von den 39 Sitzen in der neuen Flensburger Ratsversammlung erhielt die gemeinsame Liste von SSF und SPF insgesamt 33 Sitze, wogegen auf die SPD nur 2 Sitze entfielen.[6]

Doch trotz anfänglicher Erfolge zeigte es sich, dass die Sozialdemokratie in Dänemark über die Jahre die SPF distanziert behandelte, obwohl die Sozialdemokratische Partei Flensburgs in den acht Jahren ihrer Existenz eng mit dem dänisch orientierten SSW zusammenarbeitete.

Die Bemühungen, u.a. des Schleswiger Bürgermeisters Hermann Clausen, auch im übrigen Südschleswig eine dänisch orientierte sozialdemokratische Partei aufzubauen, scheiterten jedoch an der britischen Besatzungsmacht.

Im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl 1953 gelang es den beiden Parteivorsitzenden Hans Hedtoft (Dänemark) und Erich Ollenhauer (Deutschland), im März 1953 nochmals die verbindliche Bedeutung der Kieler Erklärung, die die Landesregierung am 29. September 1949 abgegeben hatte, zu betonen. Auf der Basis dieser Erklärung wollten beide Parteien in Schleswig-Holstein zur Bundestagswahl gemeinsam auftreten.[7] Auf dem Bezirksparteitag im Juli 1954 vereinigte sich die SPF schließlich wieder mit der schleswig-holsteinischen SPD.[8] Einige ihrer Mitglieder wechselten jedoch in den SSW.

Literatur

  • W. L. Christiansen: Meine Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Flensburg. Sozialdemokraten zwischen Deutsch und Dänisch 1945-1954. Redaktion: Johann Runge. Herausgeber: Studieafdelingen an der Dansk Centralbibliotek für Sydslesvig, Flensburg 1993 ISBN 87-89178-12-2.

Links

Einzelnachweise

  1. Christiansen: Meine Geschichte. S. 26.
  2. Martens, Holger: SPD in Schleswig-Holstein 1945-1959. Malente 1998, S. 119
  3. Christiansen: Meine Geschichte. S. 43.
  4. Ebenda, S. 58.
  5. Ebenda, S. 61f.
  6. Ebenda, S.72ff.
  7. Schleswig-Holsteinische Volkszeitung v. 14. März 1953, Nr. 62, o.S.
  8. Jensen u. Rickers: Andreas Gayk. Neumünster 1974, S. 249.


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