Arbeitersport in Elmshorn

Der Arbeitersport in Elmshorn wurde wie in vielen anderen Städten von sportbegeisterte Arbeitern organisiert.

Freie Turn- und Sportvereinigung FTSV-Elmshorn

Bereits im September 1890 wurde im damaligen Vereinslokal des Elmshorner Arbeiterbildungsvereins am Flamweg beim SPD-Vorsitzenden Krause eine Turnabteilung ins Leben gerufen, so heißt es in der Chronik der SPD Elmshorn[1]. Das wäre damit noch in den letzten Tagen der Gültigkeit des Sozialistengesetzes gewesen, das erst am 30. September 1890 auslief. Der Verein dürfte damit einer der ersten in Deutschland gewesen sein.

Die "Freie Turnersohaft" erhielt die Erlaubnis, einmal wöchentlich die Turnhalle in der Kirchenstraße zu benutzen. Rasch stießen neue Mitglieder zu dem Turnverein. Schon 1895 suchte man ein eigenes Vereinslokal, damit weitere Turnstunden angeboten werden konnten.

Im März 1895 trat die Elmshorner "Freie Turnerschaft" dem "Deutschen Arbeiter Turn- und Sportbund" (ATSB) bei. Damit war der Kontakt zu anderen Arbeitersportlern hergestellt.

Die dem ATSB angeschlossenen Vereine grenzten sich entschieden vom "bürgerlichen" Sportbetrieb ab. Der Nationalismus, der in diesen Sportvereinen herrschte, wurde von den Arbeitersportlern abgelehnt. Die Arbeitersportler setzten sich bereits für den Breitensport ein; Ziel der sportlichen Betätigung sollte nicht der Hochleistungssport einzelner, sondern die körperliche Ertüchtigung vieler arbeitender Menschen sein. Die Arbeitersportler bemühten sich besonders um die Jugendlichen. Sie sollten ferngehalten werden von den Kneipen und Tanzsälen, sollten ein gesundes Leben ohne Alkohol und Nikotin führen. Körperertüchtigung, Gemeinsamkeit mit Gleichgesinnten, Liebe zur Natur aber auch die Vermittlung des sozialistischen Gedankenguts bestimmten die Aktivitäten der Arbeitersportvereine.

Fast jeder Arbeitersportverein hatte einen eigenen Spielmannszug. Das "Trommler- und Pfeiferkorps" der "Freien Turnerschaft" in Elmshorn wurde dann folgerichtig auch schon im Jahre 1900 gegründet.

1906 hatte der Verein auch eine Frauenriege, der Jugendsport wurde verstärkt gefördert.

Einen Rückschlag in der Entwicklung der "Freien Turnerschaft" gab es durch den 1. Weltkrieg. Viele der aktiven Sportler mußten in den Krieg ziehen. Der Sportbetrieb konnte während der Kriegsjahre nur mühevoll aufrecht erhalten werden.

Doch nach dem Kriegsende trafen sich die Überlebenden erneut. Nach 1919 wurde von fußballbegeisterten Arbeitersportlern in Elmshorn der "Verein für Rasensport" gegründet. Doch der neue Verein war nicht lebensfähig. So schlossen sich nach langwierigen Verhandlungen im April 1923 die "Freie Turnerschaft" und "Rasensport" zusammen. Die FTSV erhielt ihren Namen: Freie Turn- und Sportvereinigung Elmshorn von 1890

Turnen, Fußball, aber auch Leichtathletik, Schlagball und bald auch Handball konnten bei der FTSV betrieben werden.

An der 1.Internationalen Abrbeiter-Olympiade, die vom 24.-26. Juli 1925 in Frankfurt stattfand, nahmen auch 38 Mitglieder des FTSV teil. Neben diesem großen Ereignis des Arbeitersports gab es natürlich viele Begegnungen und Wettkämpfe zwischen den Arbeitersportvereinen in Schleswig-Holstein und Hamburg.

Ein Höhepunkt im Vereinsleben der FTSV war das jährliche Stiftungsfest. 1927 fand es erstmals auf dem Gelände an der Wilhelmstraße statt. Der Grund: Die Traditionsstätte an der Rennbahn wurde der FTSV verweigert.

Die Arbeitersportler der FTSV konnten viele sportliche Erfolge erringen. Aber auch das gesellschaftliche Vereinsleben kam nicht zu kurz. Wanderungen, Familienausflüge und Maskeraden wurden organisiert und mit Begeisterung aufgenommen.

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten kam auch für die FTSV das “Aus“. Am 28. Februar 1933 wurde die FTSV auf dem Zwangswege aufgelöst und am 21. Juni 1934 von "Amts wegen" aus dem Vereinsregister gelöscht.[2]

"Auf Grund des 5 1 des Gesetzes über die Einziehung kommunistischen Vermögens vom 26.5.33 - R.G.Bl.I S.293 - in Verbindung mit dem Gesetze über die Einziehung staats- und volksfeindlichen Vermögens vom 16.7.33 -R.G.Bl.I 3.479 - und der Preuss. Ausführungsverordnung vom 31.5.33 - G.S. S.207 - werden die nachstehend bezeichneten Sachen und Rechte unter Bestätigung der polizeilichen Beschlagnahme zugunsten des Landes Preussen, vertreten durch den Regierungspräsidenten in Schleswig-Holstein eingezogen:
"Kreis Pinneberg: Sportverein Nordstern Barmstedt, Sportverein Freiheit Barmstedt, Freie Turn- und Sportvereinigung Elmshorn, Arb. Bad- und Kraftfahrerbund Solidarität Elmshorn, Arb.-Athletenklub Einigkeit Elmshorn, Arb. Athleten-Verein Doppeleiche Pinneberg, Freie Turnerschaft Pinneberg, dieselbe in Uetersen, Arb. Sportkartell Wedel, Bhdfahrerbund Solidarität Wedel, Arb. Turnverein Wedel"[3]

Doch die Zerstörung ging noch weiter. Um die Gedanken an die Arbeit und die Leistungen der FTSV in Elmshorn auszulöschen, wurde die Sportanlage an der Wilhelmstraße eingeebnet und das Gelände später als Schrebergartenanlage genutzt.

Zwölf Jahre lang gab es keinen Arbeitersportverein in Elmshorn. Aber noch während der Zeit der britischen Besatzung trafen sich am 3. Mai 1946 zahlreiche ehemalige Sportler, um die Wiederbelebung der FTSV zu betreiben. Vermögen gab es nicht, Sportanlagen waren nicht vorhanden. Aber die FTSV existierte.

Vorsitzender wurde bald nach der Neugründung des Sportvereins Willy Fehrs.

1949 konnte mit dem Wiederaufbau der Sportanlage an der Wilhelmstraße begonnen werden. Die Spielfelder wurden wieder hergerichtet, als Waschgelegenheit gab es Blechschüsseln in einer Nissenhütte. Die Grundlagen für den Sportbetrieb der FTSV waren aber gelegt.

Die FTSV hat sich im Laufe der Jahre gewandelt; sie ist gewiß nicht mehr die klassenbewußte "Freie Turnerschaft" von 1890. Aber auch weiterhin bestanden vielfältige Beziehungen zwischen der FTSV und der Elmshorner SPD. Viele Sozialdemokraten sind Mitglieder ihres "Traditionsvereins" und Willy Fehrs war Ehrenvorsitzender.

Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität Elmshorn

Auch wenn bestimmt nicht jeder Arbeiter ein Fahrrad hatte und es nicht billig war, sich ein Fahrrad zu leisten: Der Arbeiter—Radfahrerbund Solidarität war in der Weimarer Zeit der größte Radsportverband der Welt. Über 280 000 Mitglieder zählte er in seinen Reihen. Gegründet 1896, waren die "roten Radfahrer" im Kaiserreich "wie Verbrecher" behandelt und von den Behörden keineswegs gut gelitten. Dies sollte sich erst bessern, als die Kaiserzeit durch die Republik abgelöst worden war.

Auch in Elmshorn gründete sich 1918 eine Gruppe des Radfahrerbundes Solidarität. Die Leitung dieser Gruppe lag beim Schuster Heinrich Burmeister in der Schillerstraße und beim Genossen Möller, der auf dem Gerlingweg wohnte. Kassierer war Johann Hahn, der Vater unseres Genossen Ernst Hahn aus der Goethestraße. Die Beiträge waren sehr niedrig und trotzdem entfaltete der Verein ein reges Vereinsleben und gewann einen festen Kreis von Mitgliedern. Zu nennen sind insbesondere die Familien Rheder, Stade, Rathlau, die fest zum Verein hielten und sehr aktiv waren. Schnell wuchs die Gruppe auf über 50 Mitglieder, die sich zu vielerlei Unternehmen trafen.

Vor allen Dingen Radtouren standen auf dem Programm. Der Wettkampfsport wurde nicht so bitterernst verfolgt. Das war mehr Freude an Spiel und an Zusammensein. Dann wurde auch Radball gespielt, mit Sechser-Mannschaften auf Rasen und einige Sportler übten sich im Schul- und Kunstreigenfahren. Dem Elmshorner Verein standen hierfür 8 Saalräder zur Verfügung, die Eigentum der Ortsgruppe "Frisch—Auf" waren. Geübt und gespielt wurde im Klosterhof, dem jetzigen Stadttheater, einem bekannten damaligen Elmshorner Tanzlokal, das Heimstatt für viele Kulturvereine der Arbeiterbewegung bildete.

Der Arbeiter—Radfahrerbund Solidarität war ein fester Bestandteil der sozialdemokratischen Arbeiterkultur, der nach den genossenschaftlichen Prinzipien organisiert war und sich um eine besondere Ansprache und Förderung der Arbeiter bemühte. Dazu gehörte ein eigenes Fahrradhaus und eine eigene Fahrradfabrik. "Frischauf" in Offenbach arbeitete unter Ausschaltung privatkapitalistischer Gewinnerzielung nur im Interesse der Mitglieder. Zahlreiche Elmshorner Arbeiter konnten es sich nur über dieses gemeinwirtschaftliche Unternehmen leisten, ein Fahrrad zu erwerben.

Die Elmshorner Arbeiter—Radsportler waren nicht die einzigen im Kreis Pinneberg. Auch in Wedel gab es einen Radfahrerbund Solidarität. In Hörnerkirchen existierte der Arbeiter—Radfahrverein "Vorwärts" und in Bielenberg an der Elbe gab es einen Radfahrerverein, der als einziger aus der Vielzahl der Radfahrervereine aus der Arbeiterbewegung auch heute noch existiert und eingen aufweist.

Auch für den Radfahrerbund Solidarität sollte der Faschismus eine gewaltsane Unterbrechung seiner Arbeit bringen. Die Räder und das Vermögen des Clubs wurden 1933 von den Nazis beschlagnahmt und vernichtet; der Verein wurde verboten. Nach dem Krieg kam es für einige Jahre zu einer Wiederbelebung des Vereins, auch wenn das Interesse nicht mehr so stark war. Die Reigenfahrer und die Kunstfahrergruppe traten noch zu verschiedenen Anlässen auf, wie z.B. bei Sportfesten der beiden anderen Arbeitersportvereine FTSV und Fortuna Langelohne. Der Schwerpunkt lag auch in diesen Jahren bei den geselligen Unternehmungen, zu denen auch befreundete Vereine kamen. 1955 ist der Verein dann aufgelöst worden, nachden die Bemühungen vergeblich gewesen waren, die alten Aktivitäten neu zu beleben.[4]

Arbeiterschützenbund in Lieth

Auch bei den Schützen, vor allen Dingen in den kleineren Gemeinden, die von vielen Arbeitern bewohnt wurden, bildeten sich eigene Vereine. In Elmshorn und seiner Umgebung war dies z.B. in Klein—Nordende/Lieth der Fall, das mit Langelohe und Hainholz zu den Arbeitersiedlungen im Umland zählte und immer eine Mehrheit für die Arbeiterparteien SPD und KPD hatte.

Der Arbeiterschützenbund in Lieth wurde nach dem 1.Weltkrieg gegründet. Es wurde in Eigenarbeit ein Schießstand mit Schützenhalle in Lieth südlich der Gaststätte Rasmussen aufgebaut. Besondere Förderungsmittel und Zuschüsse gab es damals nicht. Dafür war der Einsatz und handwerkliche Können der Arbeiterschützen umso größer. Aus dem Vereinsleben dieses Arbeiterschützenvereins wissen wir dagegen wenig, auch wenn sich viele ältere Genossinnen und Genossen noch gerne an die großen Arbeiterschützenfeste in Lieth bei Rasmussen erinnern.

Die Nationalsozialisten sollten dann auch diesem eigenständigen Verein ein Ende setzen. Einige Mitglieder sind in die damals schon bestehende Schützenbrüderschaft Weidmannsheil übergetreten, während der größere Teil nicht mitgegangen ist. Die Schützenbrüderschaft Weidmannsheil sollte fortan auch den Schießstand baut hatten.[5]

Siehe auch

Links

Quellen

  1. SPD-Ortsverein Elmshorn: 120 Jahre SPD Elmshorn. Eine Chronik (Elmshorn 1983)
  2. SPD-Ortsverein Elmshorn: 120 Jahre SPD Elmshorn. Eine Chronik (Elmshorn 1983)
  3. SPD-Ortsverein Elmshorn: 120 Jahre SPD Elmshorn. Eine Chronik (Elmshorn 1983)
  4. SPD-Ortsverein Elmshorn: 120 Jahre SPD Elmshorn. Eine Chronik (Elmshorn 1983)
  5. SPD-Ortsverein Elmshorn: 120 Jahre SPD Elmshorn. Eine Chronik (Elmshorn 1983)