SDAP-Parteitag 1869, Eisenach

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Der Parteitag 1869 in Eisenach vom 7. bis 9. August 1869 war der Kongress, auf dem die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) gegründet und das Eisenacher Programm beschlossen wurde.

Hintergrund

Der Kongress wurde von Vertretern der sächsischen Volkspartei und des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) einberufen, die sich unter Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht von der Politik Ferdinand Lassalles distanzierten. Die Versammlung stand unter dem Einfluss der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA)] und sollte eine klassenkämpferische, internationalistische Alternative zum ADAV schaffen.

Ablauf und Themen

Insgesamt nahmen 262 Delegierte sowie 110 Anhänger von Johann Baptist von Schweitzer vom ADAV teil. Zu Beginn fand die Versammlung im Gasthof "Goldener Löwe" statt. Nachdem der Parteitag von einigen ADAV-Anhängern zunächst gesprengt wurde, trat die Versammlung im Hotel "Zum Mohren" erneut zusammen.[1]

Beschlüsse

Programm und Organisation

Der Kongress beschloss die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). Das neue Programm erklärte die Partei ausdrücklich als Zweig der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA). Kernpunkte des Eisenacher Programms waren:

  • Der Kampf für die Befreiung der arbeitenden Klassen als Kampf für gleiche Rechte und Pflichten und die Abschaffung aller Klassenherrschaft.
  • Die ökonomische Abhängigkeit der Arbeiter von den Kapitalisten wurde als Grundlage der Knechtschaft in jeder Form benannt.
  • Als Ziel wurde die Abschaffung der bestehenden Produktionsweise und die Errichtung des "Freien Volksstaates" formuliert, in dem der volle Arbeitsertrag jedem Arbeiter zustehen sollte.

Sofortforderungen

Als nächste Schritte in der Agitation wurden folgende Forderungen beschlossen:

  • Allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht für alle Männer ab dem 20. Lebensjahr für Parlament und Landtage der Einzelstaaten.
  • Diäten für gewählte Vertreter.
  • Direkte Gesetzgebung durch das Volk.
  • Ersetzung des stehenden Heeres durch eine Miliz.
  • Trennung von Staat und Kirche.
  • Abschaffung aller indirekten Steuern.
  • Koalitions-, Vereins- und Pressefreiheit.
  • Einführung des Normalarbeitstags.
  • Einschränkung der Frauenarbeit und Verbot der Kinderarbeit.
  • Staatliche Förderung des Genossenschaftswesens und Staatskredite für freie Produktionsgenossenschaften unter demokratischen Garantien.

Parteiorgan und -struktur

Als Parteiorgan wurde das "Demokratische Wochenblatt" bestimmt, das ab dem 1. Oktober 1869 dreimal wöchentlich unter dem Titel "Der Volksstaat" erschien. Der "Volksstaat" war Eigentum der Partei; Abonnenten wurden von der Parteibeitragspflicht befreit.

Die Organisation der Partei beruhte auf dem Vertrauensmännersystem. Mitglieder waren verpflichtet, überall aufgrund des Parteiprogramms sozialdemokratische Arbeitervereine zu gründen.

An der Spitze der Partei stand ein fünfköpfiger Ausschuss (mit Sitz in Braunschweig) und eine elfköpfige Kontrollkommission (mit Sitz in Hamburg), die die Geschäftsleitung des Ausschusses kontrollierte. Oberste Instanz war der Parteikongress, der mindestens einmal jährlich stattfinden musste.

Gewerkschaften

Der Kongress beschloss, dass es Pflicht der Parteimitglieder sei, auf eine Einigung der Gewerkschaften hinzuwirken. Zudem wurde die Bildung von Gewerksgenossenschaften auf internationaler Grundlage empfohlen.

Mitglieder des Parteiausschusses

In den ersten Parteiausschuss (Parteivorstand) wurden gewählt:

Bedeutung

Der Parteitag in Eisenach markierte die Gründung der ersten sozialdemokratischen Partei Deutschlands und legte den Grundstein für die spätere Vereinigung mit dem ADAV 1875 zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP). Die SDAP vertrat eine marxistisch geprägte, internationalistische Linie und setzte sich für die politische und soziale Emanzipation der Arbeiterklasse ein.

Literatur

  • Osterroth, Franz: Chronik der deutschen Sozialdemokratie, Band 1, Berlin 1975.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Chronik der deutschen Sozialdemokratie / Franz Osterroth ; Dieter Schuster. - [Electronic ed.]. - Berlin [u.a.] 1. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. 2., neu bearb. und erw. Aufl. 1975. Electronic ed.: Bonn : FES Library, 2001