Max Richter

Max Richter
Max Richter
Geboren: 16. September 1881
Gestorben: 3. Mai 1945

Max Richter, * 16. September 1881 in Crimmitschau/Sachsen, † 3. Mai 1945 in der Neustädter Bucht beim Untergang der Cap Arcona. Evangelisch. Weißgerber, Gewerkschaftsfunktionär, Mitglied des Reichstags. Mitglied der SPD seit 1900.

Leben und Beruf

Max Richter besuchte die Volksschule in Crimmitschau (Sachsen), arbeitete danach in seinem erlernten Beruf als Weißgerber. Schon 1900 trat er der SPD und den freien Gewerkschaften bei. Von 1903 bis 1905 leistete er seinen Militärdienst ab und wurde 1906 - offenbar ehrenamtlich - Vorsitzender des Gewerkschaftskartells in Metzingen (BW). 1911 wechselte er als hauptamtlicher Geschäftsführer der Verwaltungsstelle des Deutschen Lederarbeiterverbandes nach Neumünster.

Zu Beginn des 1. Weltkriegs wurde er im August 1914 zum Kriegsdienst eingezogen, an der Ostfront verwundet und 1916 als Kriegsbeschädigter aus der Armee entlassen. Er kehrte auf seine Stelle nach Neumünster zurück. Zeitweilig übernahm er auch hier den Vorsitz des Gewerkschaftskartells bzw. des ADGB-Ortsausschusses.

Über seine Familienverhältnisse wurde bisher nichts ermittelt.

In der Novemberrevolution wählte ihn der Neumünsteraner Arbeiter- und Soldatenrat am 9. November 1918 zu seinem Vorsitzenden.[1] Von dort wurde er in den Volksrat für die Provinz Schleswig-Holstein gewählt und nahm am ersten Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte vom 16. bis 20. Dezember 1918 in Berlin teil.

1919 wurde Max Richter zum Mitglied der verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung gewählt und gehörte von 1921 bis 1924 dem Preußischen Landtag an. Im Dezember 1924 wurde er für den Wahlkreis 13 (Schleswig-Holstein) in den Reichstag gewählt[2], dem er bis zum Ende 1933 angehörte.

Von den Nationalsozialisten seiner Stellung beraubt, machte er sich wie so viele andere mit einem Zigarrenladen selbstständig, der einen Lebensunterhalt abwarf und gleichzeitig relativ unauffällige Kontakte zu den alten Genossinnen und Genossen erlaubte. Schon 1943 war er aus politischen Gründen in Haft, vermutlich mehrere Monate. Im Rahmen der Gewitteraktion gehörte er am 22. August 1944 zu den in Neumünster Verhafteten, die ins KZ Neuengamme gebracht wurden. Er starb am 3. Mai 1945 bei der Cap Arcona-Katastrophe.

Ehrungen

Seit dem 26. Februar 1992 erinnern in Berlin vor dem Reichstag 96 Gedenktafeln an von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete; eine davon ist Max Richter gewidmet.

Außerdem liegt für ihn ein Stolperstein vor seiner letzten Wohnung in der Christianstraße 22 in Neumünster.

Literatur & Links

  • Rudi Goguel: Cap Arcona. Report über den Untergang der Häftlingsflotte in der Lübecker Bucht am 3. Mai 1945 (2. Auflage Frankfurt/M. 1982) ISBN 3-87682-756-6
  • Franz Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus. Verstorbene Persönlichkeiten Bd. 1. (Hannover 1960); Eintrag zu Max Richter S. 240–249
  • Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation (3., erheblich erweiterte und überarbeitete Auflage, Düsseldorf 1994) ISBN 3-7700-5183-1
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Hrsg.): Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert (Marburg 2000) ISBN 3-89472-173-1, Eintrag zu Max Richter S. 270.
  • Wikipedia: Max Richter (Politiker, 1881), dem ein großer Teil der Informationen in diesem Eintrag entstammen.

Quellen

  1. SPD Neumünster: "Festschrift zum 60-jährigen Bestehen der Sozialdemokratischen Parteiorganisation Neumünster" von 1927 (Nachdruck Neumünster 1987 anläßlich des 120jährigen Bestehens der SPD Neumünster)
  2. Büro des Reichstags (Hg.): Reichstagshandbuch 8. Wahlperiode Berlin 1933), S. 233