Schleswig-Holstein-Post

Die Schleswig-Holstein-Post war in den 1950er und 1960er Jahren das Mitteilungsblatt der SPD Schleswig-Holstein für ihre Mitglieder.

Schleswig-Holstein-Post, 1972

Zunächst erschien sie monatlich und wurde bei der Hauskassierung verteilt, führte zwischendurch auch den Titel Der Weckruf. Dann erschien sie zweimonatlich, zum Schluss nur noch unregelmäßig viermal im Jahr.

1974 wurde sie eingestellt und durch die monatlich erscheinende Mitgliederzeitschrift WIR ersetzt.

Der Weckruf

Im Jahrbuch 1955/1956 wurde dem "von Franz Osterroth glänzend redigierten Mitteilungsblatt, dem 'Weckruf'" hohes Lob zuteil: Es sei - neben der Mitgliederversammlung des Ortsvereins - das "wichtigste Bindemittel innerhalb unserer Organisation". "In einem gewissen Umfang wurde das monatlich erscheinende Bezirksmitteilungsblatt 'Der Weckruf' (Schleswig-Holstein-Post) in den Dienst unserer Bildungs- und Kulturarbeit gestellt."[1] Das entsprach den Interessen des Redakteurs, denn Franz Osterroth war für den Bildungs- und Kulturbereich im Landesverband verantwortlich.

Ab Juni 1960 erhielt das Blatt ein größeres Format und einen neuen Kopf.[2]

Zwei Jahre später hieß es: "'Der Weckruf' erfuhr in der Berichtszeit eine grundlegende Umgestaltung. Zunächst wurde der Umfang von acht auf 12 und später auf 16 Seiten erweitert und beginnend mit der Juni-Ausgabe 1962 erhielt die Zeitschrift wieder den Haupttitel 'Schleswig-Holstein-Post'. Die äußere Gestaltung und die Auswahl des Stoffes paßten sich der Veränderung an."[3]

Schleswig-Holstein-Post

Ein weiterer Jahresbericht erläuterte die Funktion des Blattes:

"Eine gänzlich anders gelagerte Aufgabe [...] erfüllt das vom Referat Presse redigierte Mitteilungsblatt "Schleswig-Holstein-Post". Hier handelt es sich nicht darum, eine Werbewirkung in der Öffentlichkeit zu erzielen, sondern die schleswig-holsteinischen Mitglieder der SPD über Vorgänge in der Landes- und Kommunalpolitik zu informieren. Der Streit darüber, ob dieses Blatt ein Informationsorgan oder ein Diskussionsforum sein soll, ist nicht neu und wird vermutlich anhalten. Vom Landesvorstand lag der Auftrag vor, die Tätigkeit der SPD-Landtagsfraktion und Probleme der Landespolitik breiter zu behandeln, um der Unkenntnis vieler Mitglieder auf diesem Gebiet zu begegnen. Schwierigkeiten in der Zustellung -— das Blatt wird von den Parteikassierern ins Haus gebracht - zwangen jetzt dazu, vom monatlichen zum zweimonatlichen Erscheinen überzugehen. Viele Mitglieder haben sich auf eine bargeldlase Überweisung der Beiträge umgestellt, bei anderen wieder wird nur einige Male im Jahr kassiert. Dadurch wäre bei monatlichem Erscheinen die laufende Zustellung nicht mehr gesichert. Unter solchen Voraussetzungen ist es sehr schwierig, im Blatt von der Information zur Diskussion überzugehen, weil sich eine Diskussion über Zeiträume erstrecken würde, in denen die Aktualität einfach nicht mehr gegeben ist."[4]

Auf dem Landesparteitag 1967 wurde beschlossen, dass in der Schleswig-Holstein-Post mehr Landespolitik stattfinden solle. Der Rechenschaftsbericht berichtet von den Fortschritten:

"In den elf Ausgaben der Schleswig-Holstein-Post, die seit dem Kieler Parteitag l967 erschienen sind, wurde in rund sechzehn Seiten über schleswig-holsteinische Landespolitik berichtet beziehungsweise kommentiert. Seit der Umgestaltung der Schleswig-Holstein-Post, Ende 1967, erscheint eine ständige Rubrik "Aus der Landespolitik".[5]

Neben Inhalten sprach der Jahresbericht auch organisatorische Probleme an:

"Durch eine organisatorische Umstellung, den Wechsel von Harald Schneider vom Landesverband zur Landtagsfraktion, ist eine Änderung in der Verantwortlichkeit der Schleswig-Holstein-Post eingetreten. Seit Anfang 1968 zeichnet Rolf Selzer verantwortlich für die Zeitung. Seit dieser Zeit sind (mit der Nummer 2/69) elf Ausgaben der Zeitung erschienen. Die Schleswig-Holstein-Post bringt in ihrer Berichterstattung einen Querschnitt durch sozialdemokratische Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik. Unter der Rubrik 'Die SPD in der Bundesregierung' haben die sozialdemokratischen Bundesminister Herbert Wehner, Lauritz Lauritzen, Gustav Heinemann und Georg Leber über die Arbeit ihrer Ressorts berichtet. Außerdem wurde ein Porträt des damals neu eingetretenen Bundesministers Erhard Eppler gebracht. Weitere Beiträge sozialdemokratischer Bundesminister befinden sich in Vorbereitung. Besondere Beachtung fand das Thema 'Landespolitik'. Auch hierüber wurde eine ständige Rubrik eingerichtet. Im Mittelpunkt [...] stehen die Stellungnahmen unserer Fraktion zu anliegenden landespolitischen Entscheidungen. Etwas schwieriger ist naturgemäß die Berichterstattung aus der Kommunalpolitik, weil es hier ganz spezifische Probleme gibt. Beiträge prominenter Bundespolitiker zu Themen der Finanzreform, des Wohnungswesens und Städtebaues streiften Grundsatzprobleme der Kommunalpolitik. Es ist in der Schleswig-Holstein-Post der Versuch unternommen werden, von Zeit zu Zeit Kurzberichterstattungen aus dem Landesverband und der Organisation zu bringen. Briefe bestätigen uns, daß in derartigen Kurzberichten wertvolle Anregungen für die Arbeit im Ortsverein enthalten sind. Die Schleswig-Holstein-Post stellt sich außerdem als Diskussionsorgan der Partei zur Verfügung. Gewiß ist dieses Vorhaben mit dem Handicap belastet, daß die Zeitung nur neunmal im Jahr erscheint und somit angerissene Diskussionsthemen durch die weit auseinanderliegende Erscheinungsfolge an Aktualität verlieren. Eine Fragebogenaktion zur Zustellung und inhaltlichen Gestaltung brachte aufschlußreiche Ergebnisse. Tatsache ist, daß die Schleswig-Holstein-Post eine teils mangelhafte Zustellung zum Mitglied erfährt. Es sind uns Fälle bekanntgeworden, in denen die Zeitung monatelang an einer Stelle liegenbleibt, um dann mit einem Packen anderen Materials zugestellt zu werden; schlimmer noch sind die Fälle, in denen die Schleswig-Holstein-Post Überhaupt nicht zugestellt wird. Die Zeitung erscheint in einer Auflage von 33000 Exemplaren; sie müßte also in die Hand jeden Mitglieds gelangen. Anregungen, wie die Verteilung zu verbessern ist, wurden von uns mehrmals in Artikeln gegeben. Sie wurden leider nicht überall aufgegriffen. Die Schleswig—Holstein-Post ist trotz dieser Mängel das direkte Bindeglied zwischen der Partei und den einzelnen Mitgliedern. Gerade in letzter Zeit häufen sich die Nachfragen nach der Zeitung. Politische Kommentare und Informationen geben den Mitgliedern Orientierungshilfen. Immer mehr gehen verschiedene Ortsvereine dazu über, die Schleswig-Holstein-Post als Werbematerial unter die Bevölkerung zu bringen. Dies sind erfreuliche Tatsachen, die aber leider von den oben erwähnten Mängeln überschattet werden. Wenn das Problem der Zustellung unserer Schleswig-Holstein-Post gelöst ist und wenn sich noch mehr Mitglieder unserer Partei mit Beiträgen an der Zeitung beteiligen, kann die Schleswig-Holstein-Post noch wesentlich verbessert werden. Wir sind für jede Anregung dankbar."[6]

Auf dem Landesparteitag 1969 in Tönning wurde beschlossen, die Schleswig-Holstein-Post einzustellen. Im nächsten Rechenschaftsbericht hieß es:

"Der Antrag [...] konnte bisher noch nicht voll realisiert werden. Sobald das Anzeigen—Volumen erschöpft ist (es liegen mehrere langfristige Aufträge vor), wird die Schleswig-Holstein-Post eingestellt. Seit dem Tönninger Parteitag erschienen folgende Ausgaben der Schleswig-Holstein-Post: Nr. 3/69, Nr. 4/69, Nr. 1/70, Nr. 2/70, Nr. 1/71. Finanzielle Verpflichtungen für den Landesverband entstanden aus diesen Ausgaben nicht."[7]

1972 erschien die Schleswig-Holstein-Post nur noch viermal. Es wurden Wege gesucht, sie mindestens achtmal im Jahr erscheinen zu lassen[8], aber 1974 wurde die Einstellung umgesetzt.

Quellen

  1. Jahrbuch 1955/1956
  2. Jahrbuch 1959/1960
  3. Jahrbuch 1961/1962
  4. Jahresbericht 1965/1966
  5. Jahresbericht 1967/1968
  6. Jahresbericht 1967/1968
  7. Politik und Organisation 1969/1971
  8. Politik und Organisation 1971/1973