Ortsverein Ahrensbök: Unterschied zwischen den Versionen

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Der '''Ortsverein Ahrensbök''' ist eine Gliederung im [[Kreisverband Ostholstein]]. Er wurde [[1906]]/[[1907|07]] gegründet.<ref>So im Bericht des Vorsitzenden [[Heinrich Fick]] für das Jahr 1906/07 an die ''[http://library.fes.de/luebeck/pdf/1907/1907-174.pdf Generalversammlung des sozialdemokratischen Zentralvereins für das Fürstentum Lübeck]'' in Sereetz, ''[[Lübecker Volksbote]]'', 28.7.1907, S.3</ref> Seit April 2025 bilden [[Maik Wittenberg]] und [[Sandra Gandl]] als [[Doppelspitze]] den Vorsitz des [[Ortsverein|Ortsvereins]].
Der '''Ortsverein Ahrensbök''' ist eine Gliederung im [[Kreisverband Ostholstein]]. Er wurde [[1906]]/[[1907|07]] gegründet. Seit April [[2025]] sind [[Sandra Gandl]] und [[Maik Wittenberg]] als [[Doppelspitze]] die Vorsitzenden. Ihre Vorgängerin war um Mai [[2023]] [[Gudrun Ott]].<ref name=":1" />


==Kommunalpolitik==
==Kommunalpolitik==
Nach der [[Kommunalwahl 2018]] hielt die SPD (32 %) als zweitstärkste Kraft sieben der 22 Sitze im Gemeinderat.<ref>{{Wikipedia|NAME=Ahrensbök}}, abgerufen 21.5.2023</ref> Fraktionsvorsitzende war im Mai [[2023]] [[Gudrun Ott]].<ref name=":1">[https://www.spd-ahrensboek.de/ SPD Ahrensbök], abgerufen 21.5.2023</ref> Auch den OV-Vorsitz hatte im Mai [[2023]] [[Gudrun Ott]].<ref name=":1" />
Nach der [[Kommunalwahl 2018]] hielt die SPD (32 %) als zweitstärkste Kraft sieben der 22 Sitze im Gemeinderat.<ref>{{Wikipedia|NAME=Ahrensbök}}, abgerufen 21.5.2023</ref> Fraktionsvorsitzende war im Mai [[2023]] [[Gudrun Ott]].<ref name=":1">[https://www.spd-ahrensboek.de/ SPD Ahrensbök], abgerufen 21.5.2023</ref>  


==Aus der Geschichte==
==Aus der Geschichte==
Der Ortsverein wurde [[1906]] oder [[1907]] gegründet, laut Bericht des Vorsitzenden des Zentralvereins [[Heinrich Fick]].<ref>''[https://library.fes.de/luebeck/pdf/1907/1907-174.pdf Generalversammlung des Zentralvereins der sozialdemokratischen Partei für das Fürstentum Lübeck]'', ''Lübecker Volksbote'', 29.7.1907, S. 3</ref>
Bei der ersten demokratischen [[Kommunalwahlen im Fürstentum Lübeck 1919-1933|Gemeinderatswahl]] [[1919]] erhielt die SPD 3 von 6 Sitzen.<ref>''[http://library.fes.de/luebeck/pdf/1919/1919-082.pdf Aus Lübeck und den Nachbargebieten]'', ''[[Lübecker Volksbote]]'', 7.4.1919, S. 3</ref>
Bei der ersten demokratischen [[Kommunalwahlen im Fürstentum Lübeck 1919-1933|Gemeinderatswahl]] [[1919]] erhielt die SPD 3 von 6 Sitzen.<ref>''[http://library.fes.de/luebeck/pdf/1919/1919-082.pdf Aus Lübeck und den Nachbargebieten]'', ''[[Lübecker Volksbote]]'', 7.4.1919, S. 3</ref>
Am [[5. September|5.]]/[[6. September|6.9.]][[1925]] hielt der IV. Bezirk des [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold|Reichsbanners]], der offenbar Ostholstein abdeckte, in Ahrensbök eine große republikanische Bezirkskundgebung mit Fahnenweihe ab.<ref>Gemeinde Schmalensee: ''[http://www.gemeinde-schmalensee.de/seite/276474.html Jahreschronik 1925]'', 05.-06.09.1925</ref>


Bei der [[Kommunalwahlen im Fürstentum Lübeck 1919-1933|Kommunalwahl 1930]] konnte die SPD 3 von 9 Sitzen erzielen, genau so viele wie drei Jahre zuvor. Im heutigen [[Ortsverein Gnissau|Ortsteil Gnissau]] erhielt sie mit 165 Stimmen exakt gleich viele wie die einzige Konkurrenz, die „Haus- und Grundbesitzerliste“ - ebenfalls ein Spiegelbild der [[Kommunalwahlen im Fürstentum Lübeck 1919-1933|Kommunalwahl 1927]].
Bei der [[Kommunalwahlen im Fürstentum Lübeck 1919-1933|Kommunalwahl 1930]] konnte die SPD 3 von 9 Sitzen erzielen, genau so viele wie drei Jahre zuvor. Im heutigen [[Ortsverein Gnissau|Ortsteil Gnissau]] erhielt sie mit 165 Stimmen exakt gleich viele wie die einzige Konkurrenz, die „Haus- und Grundbesitzerliste“ - ebenfalls ein Spiegelbild der [[Kommunalwahlen im Fürstentum Lübeck 1919-1933|Kommunalwahl 1927]].


===NS-Zeit & Widerstand===
===NS-Zeit & Widerstand===
Der [[Fürstentum Lübeck|Landesteil Lübeck]], zu dem Ahrensbök gehörte, war früh nationalsozialistische Hochburg geworden und der SA-Führer und spätere Regierungspräsident Johann Heinrich Böhmcker ("Latten-Böhmcker") war zentrale Figur des Regimes. Die SPD setzte sich unter anderem mit dem [[Reichsbanner]] zur Wehr.
Der [[Fürstentum Lübeck|Landesteil Lübeck]], zu dem Ahrensbök gehörte, war früh nationalsozialistische Hochburg geworden und der SA-Führer und spätere Regierungspräsident Böhmcker ("Latten-Böhmcker") war zentrale Figur des Regimes. Die SPD setzte sich unter anderem mit dem [[Reichsbanner]] zur Wehr.
 
Am [[5. September|5.]]/[[6. September|6.9.]] [[1925]] hielt der IV. Bezirk des [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold|Reichsbanners]], der offenbar Ostholstein abdeckte, in Ahrensbök eine große republikanische Bezirkskundgebung mit Fahnenweihe ab.<ref>Gemeinde Schmalensee: ''[http://www.gemeinde-schmalensee.de/seite/276474.html Jahreschronik 1925]'', 05.-06.09.1925</ref>


====Vom FAD-Lager zum KZ====
====Vom FAD-Lager zum KZ====
[[1931]] führte die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung den Freiwillige Arbeitsdienst (FAD) ein. Junge, arbeitslose Menschen sollten sich freiwillig in einem Arbeitslager zusammenfinden, um von hier aus für eine befristete Zeit einer Tätigkeit nachzugehen, die für die Allgemeinheit einen Nutzen stiftete und andererseits den Betroffenen das Gefühl gab, gebraucht zu werden.<ref name=":0">Stokes, Lawrence D.: [https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1979_4_3_stokes.pdf ''Das Eutiner Schutzhaftlager 1933/34 (Zur Geschichte  eines „wilden“ Konzentrationslagers)''], in:  Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, DVA Stuttgart, 27.Jg., Heft 4 (1979)</ref>   
[[1931]] führte die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung den Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) ein. Arbeitslose junge Menschen sollten sich freiwillig in einem Arbeitslager zusammenfinden, um von hier aus für eine befristete Zeit einer Tätigkeit nachzugehen, die für die Allgemeinheit einen Nutzen stiftete und andererseits den Betroffenen das Gefühl gab, gebraucht zu werden.<ref name=":0">Stokes, Lawrence D.: [https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1979_4_3_stokes.pdf ''Das Eutiner Schutzhaftlager 1933/34 (Zur Geschichte  eines „wilden“ Konzentrationslagers)''], in:  ''Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte'', 27. Jg., Heft 4 (1979), S. 576</ref>   


Im Jahr [[1932]] mietete die Regierung des Landesteils Lübeck Teile ein Gelände in Holstendorf. Hier sollte ein Lager des FAD entstehen, in dem 40 bis 60 Mitglieder des [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold|Reichsbanners]] arbeiten sollten. Das [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold|Reichsbanner]] war gleichzeitig Träger des Dienstes in Ahrensbök. Diese Mitglieder, meist arbeitslose Jugendliche aus der Arbeiterschicht, wurden unter anderem zur Vollendung des Weges von Holstendorf nach Havekost eingesetzt. Das Lager wurde am [[1. November]] [[1932]] eröffnet.<ref name=":2">[https://web.archive.org/web/20180801005111/http://denktag2006.denktag-archiv.de/Das-Ahrensboeker-KZ.1203.0.html Das KZ Ahrensbök]</ref>
Im Jahr [[1932]] mietete die Regierung des [[Fürstentum Lübeck|Landesteils Lübeck]] Teile ein Gelände in Holstendorf. Hier sollte ein Lager des FAD entstehen, in dem 40 bis 60 Mitglieder des [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold|Reichsbanners]] arbeiten sollten. Dieses war gleichzeitig Träger des Dienstes in Ahrensbök. Diese Mitglieder, meist arbeitslose Jugendliche aus der Arbeiterschicht, wurden unter anderem zum Bau eines Weges von Holstendorf nach Havekost eingesetzt. Das Lager wurde am [[1. November]] [[1932]] eröffnet.<ref name=":2">''[https://web.archive.org/web/20180801005111/http://denktag2006.denktag-archiv.de/Das-Ahrensboeker-KZ.1203.0.html Das KZ Ahrensbök]''</ref>


Die Errichtung des FAD-Lagers führte zu erheblichen politischen Spannungen in Ahrensbök. Die Gemeinde stand unter nationalsozialistischer Führung, und viele Einwohner waren Anhänger der NSDAP. Die Präsenz eines von der SPD unterstützten Arbeitslagers führte zu Konflikten zwischen den Arbeitern und den nationalsozialistischen Anhängern.<ref name=":2" />  
Die Errichtung des FAD-Lagers führte zu erheblichen politischen Spannungen in Ahrensbök. Die Gemeinde stand unter nationalsozialistischer Führung, und viele Einwohner waren Anhänger der NSDAP. Die Präsenz eines von der SPD unterstützten Arbeitslagers führte zu Konflikten zwischen den Arbeitern und den Einwohnern.<ref name=":2" />  


Die Arbeiter des FAD-Lagers riefen dazu auf, bei der anstehenden [[Reichstagswahl 1933|Reichstagswahl]] die SPD zu wählen, um einen Wahlsieg der NSDAP zu verhindern. Diese politische Aktivität führte zur Schließung des Lagers am [[16. März]] [[1933]] durch die nationalsozialistische Regierung.  
Als die FAD-Gruppe dazu aufrief, bei der anstehenden [[Reichstagswahl 1933|Reichstagswahl]] am [[5. März]] [[1933]] die SPD zu wählen, um einen Wahlsieg der NSDAP zu verhindern, schloss die mittlerweile nationalsozialistische Regierung das Lager am [[16. März]].  


Nach der Schließung des FAD-Lagers wurde das Gelände ab Oktober [[1933]] als wildes Konzentrationslager genutzt, dessen 50 bis 70 Häftlinge den Wegebau von Holstendorf nach Havekost bis Dezember weiterführten.<ref name=":2" /> Das Konzentrationslager wurde praktisch als "privates" Lager des mittlerweile zum Regierungspräsidenten beförderten Eutiner SA-Führer Johann Heinrich Böhmcker betrieben. Er nutzte als Regierungspräsident seine relative Unabhängigkeit von der Landesregierung in Oldenburg, um in dem Konzentrationslager arbeitslose SA-Männer als Wachmannschaften zu beschäftigen. Er ließ wohlhabende Bürger verhaften, die sich nach Misshandlungen bei ihm persönlich freikaufen konnten.<ref name=":2" /> Die ärmeren Insassen des Lagers mussten nach ihrer Freilassung die Kosten ihrer Haftzeit abarbeiten.<ref name=":0" />
Danach wurde das Gelände ab Oktober [[1933]] als wildes Konzentrationslager genutzt, dessen 50 bis 70 Häftlinge den Wegebau von Holstendorf nach Havekost bis Dezember weiterführten.<ref name=":2" /> Das Konzentrationslager wurde praktisch als "privates" Lager des mittlerweile zum Regierungspräsidenten beförderten "Latten-Böhmcker" betrieben. Er nutzte im neuen Amt seine relative Unabhängigkeit von der Landesregierung in Oldenburg, um in dem Konzentrationslager arbeitslose SA-Männer als Wachmannschaften zu beschäftigen. Er ließ wohlhabende Bürger verhaften, die sich nach Misshandlungen bei ihm persönlich freikaufen konnten.<ref name=":2" /> Die ärmeren Insassen des Lagers mussten nach ihrer Freilassung die Kosten ihrer Haftzeit abarbeiten.<ref name=":0" />


Am [[22. Juni]] [[1933]] wurde die SPD im gesamten Reich verboten und als "volks- und staatsfeindliche Partei" deklariert. Bis dahin hatte es keine Hinweise auf organisierten Widerstand seitens der SPD gegeben, weshalb die nationalsozialistischen Machthaber nach einem Vorwand für Verhaftungen suchten. Unter dem Deckmantel der "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" wurden SPD-Anhänger festgenommen. Ziel war es, die Parteimitglieder einzuschüchtern, damit sie die Errichtung des NS-Regimes widerstandslos hinnahmen. Diese Strategie erwies sich größtenteils als erfolgreich. Der größte der Teil der Häftlinge im KZ Ahrensbök waren Kommunisten und zu 14 % Sozialdemokraten, Reichsbanner-Leute und Gewerkschafter.<ref name=":0" />
Am [[22. Juni]] [[1933]] wurde die SPD im gesamten Reich verboten und als "volks- und staatsfeindliche Partei" deklariert. Bis dahin hatte es keine Hinweise auf organisierten Widerstand seitens der SPD gegeben, so dass die nationalsozialistischen Machthaber nach Vorwanden für Verhaftungen suchen mussten. Unter dem Deckmantel der "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" wurden SPD-Anhänger festgenommen, so der letzte Kassierer des [[Ortsverein Eutin|Ortsvereins Eutin]] dem Besitz von Sprengstoff vorgeworfen wurde, obwohl er einen Sprengschein hatte. Der Vorsitzende [[Paul Hensel]] wurde wegen angeblicher Korruption in Schutzhaft genommen. Mehrere ehemalige [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold|Reichsbannerführer]] und andere Funktionäre wurden ohne konkrete Anklagepunkte inhaftiert, um die Parteimitglieder einzuschüchtern und die Errichtung der NS-Diktatur zu erleichtern. Diese Strategie erwies sich größtenteils als erfolgreich. Der größte der Teil der Häftlinge im KZ Ahrensbök waren Kommunisten; 14 % waren Sozialdemokraten, [[Reichsbanner]]-Leute und Gewerkschafter.<ref name=":0" />


So wurde der letzte Kassierer des [[Ortsverein Eutin|Ortsvereins Eutin]] wegen Besitzes von Sprengstoff festgenommen, obwohl er einen Sprengschein hatte. Der Vorsitzende [[Paul Hensel]] wurde wegen angeblicher Korruption in Schutzhaft genommen. Mehrere ehemalige [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold|Reichsbannerführer]] und andere Funktionäre wurden ohne konkrete Anklagepunkte inhaftiert, um die Parteimitglieder einzuschüchtern und die Errichtung der NS-Diktatur zu erleichtern.
Im Dezember zogen die Häftlinge in den Ahrensböker Ortskern. Das örtliche [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold|Jungbanner]] hatte sich seit [[1932]] in dem Gebäude in der Plöner Straße Nr. 21 getroffen, in dem die Nazis nun  das "Schutzhaftlager Ahrensbök" einrichteten.<ref>Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten (Hrsg.): ''[https://gedenkstaetten-sh.de/file/gedenkstaetten-wegweiser-schleswig-holstein_online-fassung.pdf Gedenkstätten und Erinnerungsorte zur Geschichte des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein. Wegweiser und Bildungsangebote]'' (Husum Druck und Verlagsgesellschaft, Rendsburg 2021, Redaktion: Harald Schmid)</ref> Dort wurden vom Dezember [[1933]] bis Mai [[1934]] willkürlich Verhaftete untergebracht und misshandelt.<ref name=":2" />
 
Im Dezember zogen die Häftlinge des Konzentrationslagers in den Ahrensböker Ortskern. Das örtliche [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold|Jungbanner]] hatte sich in dem Gebäude in der Plöner Straße Nr. 21 seit [[1932]] getroffen, in dem die Nazis im Dezember [[1933]] das "Schutzhaftlager Ahrensbök" einrichteten.<ref>Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten (Hrsg.): ''Gedenkstätten und Erinnerungsorte zur Geschichte des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein. Wegweiser und Bildungsangebote'', Redaktion: Harald Schmid, Husum Druck und Verlagsgesellschaft, Rendsburg 2021, Online-Fassung: https://gedenkstaetten-sh.de/file/gedenkstaetten-wegweiser-schleswig-holstein_online-fassung.pdf</ref> Dort wurden [[1933]] bis Mai [[1934]] willkürlich Verhaftete untergebracht und misshandelt.<ref name=":2" />


==Literatur==
==Literatur==
 
*Stokes, Lawrence D.: [https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1979_4_3_stokes.pdf ''Das Eutiner Schutzhaftlager 1933/34 (Zur Geschichte  eines „wilden“ Konzentrationslagers)''], in: ''Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte'', 27.Jg., Heft 4 (1979), S. 570-625
*Stokes, Lawrence D.: [https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1979_4_3_stokes.pdf ''Das Eutiner Schutzhaftlager 1933/34 (Zur Geschichte  eines „wilden“ Konzentrationslagers)''], in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, DVA Stuttgart, 27.Jg., Heft 4 (1979)
*Stokes, Lawrence D.: ''Kleinstadt im Nationalsozialismus'', Neumünster (1984)
*Stokes, Lawrence D.: ''Kleinstadt im Nationalsozialismus'', Neumünster (1984)
*Wollenberg, Jörg: ''Ahrensbök - Eine Kleinstadt im Nationalsozialismus'', Bremen, Edition Temmen, (2001)
*Wollenberg, Jörg: ''Ahrensbök - Eine Kleinstadt im Nationalsozialismus'' (Edition Temmen, Bremen 2001)
*Wollenberg (2001), Jörg: ''Unsere Schule war ein KZ'', Bremen, Edition Temmen, (2001)
*Wollenberg, Jörg: ''Unsere Schule war ein KZ'' (Edition Temmen, Bremen 2001)


==Links==
==Links==

Aktuelle Version vom 22. Dezember 2025, 10:13 Uhr

Der Ortsverein Ahrensbök ist eine Gliederung im Kreisverband Ostholstein. Er wurde 1906/07 gegründet. Seit April 2025 sind Sandra Gandl und Maik Wittenberg als Doppelspitze die Vorsitzenden. Ihre Vorgängerin war um Mai 2023 Gudrun Ott.[1]

Kommunalpolitik

Nach der Kommunalwahl 2018 hielt die SPD (32 %) als zweitstärkste Kraft sieben der 22 Sitze im Gemeinderat.[2] Fraktionsvorsitzende war im Mai 2023 Gudrun Ott.[1]

Aus der Geschichte

Der Ortsverein wurde 1906 oder 1907 gegründet, laut Bericht des Vorsitzenden des Zentralvereins Heinrich Fick.[3]

Bei der ersten demokratischen Gemeinderatswahl 1919 erhielt die SPD 3 von 6 Sitzen.[4]

Am 5./6.9.1925 hielt der IV. Bezirk des Reichsbanners, der offenbar Ostholstein abdeckte, in Ahrensbök eine große republikanische Bezirkskundgebung mit Fahnenweihe ab.[5]

Bei der Kommunalwahl 1930 konnte die SPD 3 von 9 Sitzen erzielen, genau so viele wie drei Jahre zuvor. Im heutigen Ortsteil Gnissau erhielt sie mit 165 Stimmen exakt gleich viele wie die einzige Konkurrenz, die „Haus- und Grundbesitzerliste“ - ebenfalls ein Spiegelbild der Kommunalwahl 1927.

NS-Zeit & Widerstand

Der Landesteil Lübeck, zu dem Ahrensbök gehörte, war früh nationalsozialistische Hochburg geworden und der SA-Führer und spätere Regierungspräsident Böhmcker ("Latten-Böhmcker") war zentrale Figur des Regimes. Die SPD setzte sich unter anderem mit dem Reichsbanner zur Wehr.

Vom FAD-Lager zum KZ

1931 führte die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung den Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) ein. Arbeitslose junge Menschen sollten sich freiwillig in einem Arbeitslager zusammenfinden, um von hier aus für eine befristete Zeit einer Tätigkeit nachzugehen, die für die Allgemeinheit einen Nutzen stiftete und andererseits den Betroffenen das Gefühl gab, gebraucht zu werden.[6]

Im Jahr 1932 mietete die Regierung des Landesteils Lübeck Teile ein Gelände in Holstendorf. Hier sollte ein Lager des FAD entstehen, in dem 40 bis 60 Mitglieder des Reichsbanners arbeiten sollten. Dieses war gleichzeitig Träger des Dienstes in Ahrensbök. Diese Mitglieder, meist arbeitslose Jugendliche aus der Arbeiterschicht, wurden unter anderem zum Bau eines Weges von Holstendorf nach Havekost eingesetzt. Das Lager wurde am 1. November 1932 eröffnet.[7]

Die Errichtung des FAD-Lagers führte zu erheblichen politischen Spannungen in Ahrensbök. Die Gemeinde stand unter nationalsozialistischer Führung, und viele Einwohner waren Anhänger der NSDAP. Die Präsenz eines von der SPD unterstützten Arbeitslagers führte zu Konflikten zwischen den Arbeitern und den Einwohnern.[7]

Als die FAD-Gruppe dazu aufrief, bei der anstehenden Reichstagswahl am 5. März 1933 die SPD zu wählen, um einen Wahlsieg der NSDAP zu verhindern, schloss die mittlerweile nationalsozialistische Regierung das Lager am 16. März.

Danach wurde das Gelände ab Oktober 1933 als wildes Konzentrationslager genutzt, dessen 50 bis 70 Häftlinge den Wegebau von Holstendorf nach Havekost bis Dezember weiterführten.[7] Das Konzentrationslager wurde praktisch als "privates" Lager des mittlerweile zum Regierungspräsidenten beförderten "Latten-Böhmcker" betrieben. Er nutzte im neuen Amt seine relative Unabhängigkeit von der Landesregierung in Oldenburg, um in dem Konzentrationslager arbeitslose SA-Männer als Wachmannschaften zu beschäftigen. Er ließ wohlhabende Bürger verhaften, die sich nach Misshandlungen bei ihm persönlich freikaufen konnten.[7] Die ärmeren Insassen des Lagers mussten nach ihrer Freilassung die Kosten ihrer Haftzeit abarbeiten.[6]

Am 22. Juni 1933 wurde die SPD im gesamten Reich verboten und als "volks- und staatsfeindliche Partei" deklariert. Bis dahin hatte es keine Hinweise auf organisierten Widerstand seitens der SPD gegeben, so dass die nationalsozialistischen Machthaber nach Vorwanden für Verhaftungen suchen mussten. Unter dem Deckmantel der "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" wurden SPD-Anhänger festgenommen, so der letzte Kassierer des Ortsvereins Eutin dem Besitz von Sprengstoff vorgeworfen wurde, obwohl er einen Sprengschein hatte. Der Vorsitzende Paul Hensel wurde wegen angeblicher Korruption in Schutzhaft genommen. Mehrere ehemalige Reichsbannerführer und andere Funktionäre wurden ohne konkrete Anklagepunkte inhaftiert, um die Parteimitglieder einzuschüchtern und die Errichtung der NS-Diktatur zu erleichtern. Diese Strategie erwies sich größtenteils als erfolgreich. Der größte der Teil der Häftlinge im KZ Ahrensbök waren Kommunisten; 14 % waren Sozialdemokraten, Reichsbanner-Leute und Gewerkschafter.[6]

Im Dezember zogen die Häftlinge in den Ahrensböker Ortskern. Das örtliche Jungbanner hatte sich seit 1932 in dem Gebäude in der Plöner Straße Nr. 21 getroffen, in dem die Nazis nun das "Schutzhaftlager Ahrensbök" einrichteten.[8] Dort wurden vom Dezember 1933 bis Mai 1934 willkürlich Verhaftete untergebracht und misshandelt.[7]

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 SPD Ahrensbök, abgerufen 21.5.2023
  2. Wikipedia: Ahrensbök, abgerufen 21.5.2023
  3. Generalversammlung des Zentralvereins der sozialdemokratischen Partei für das Fürstentum Lübeck, Lübecker Volksbote, 29.7.1907, S. 3
  4. Aus Lübeck und den Nachbargebieten, Lübecker Volksbote, 7.4.1919, S. 3
  5. Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1925, 05.-06.09.1925
  6. 6,0 6,1 6,2 Stokes, Lawrence D.: Das Eutiner Schutzhaftlager 1933/34 (Zur Geschichte eines „wilden“ Konzentrationslagers), in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 27. Jg., Heft 4 (1979), S. 576
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 Das KZ Ahrensbök
  8. Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten (Hrsg.): Gedenkstätten und Erinnerungsorte zur Geschichte des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein. Wegweiser und Bildungsangebote (Husum Druck und Verlagsgesellschaft, Rendsburg 2021, Redaktion: Harald Schmid)