Gustav Niendorf: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Gustav Niendorf''', * [[1. September]] [[1867]] | '''Gustav Friedrich Niendorf''', * [[1. September]] [[1867]] in Hamburg, † [[1946]] in ?; Zigarrenarbeiter, Gewerkschaftssekretär. Mitglied der SPD seit [[1884]]. | ||
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==Leben & Beruf== | ==Leben & Beruf== | ||
Gustav Niendorf wurde als unehelicher Sohn eines Dienstmädchens geboren. Er wuchs bei ungeliebten Pflegeeltern auf.<ref>''Jahrbuch des Kreises Pinneberg 2022'', S. 16</ref> Von [[1873]] bis [[1881]] besuchte er die Volksschule in [[Ortsverein Altona|Altona]]. Anschließend wurde er Zigarrenarbeiter und ging auf Wanderschaft; zuletzt arbeitete er bis [[1900]] als Zigarrensortierer. Er musste keinen Wehrdienst leisten.<ref>Die Mehrheit der Angaben stammt aus der Kurzbiografie in Schröder, Wilhelm Heinz: [https://www.jstor.org/stable/pdf/23032833.pdf?refreqid=fastly-default%3Aabd34fec39277e85a87153d22581a31f&ab_segments=&origin=&initiator=&acceptTC=1 ''Arbeit und Organisationsverhalten der Zigarrenarbeiter in Deutschland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Erklärung der Führungsrolle der Zigarrenarbeiter in der frühen politischen Arbeiterbewegung]'', in: ''Historische Sozialforschung'', Supplement, (2011), No. 23: ''Kollektivbiographie als interdisziplinäre Methode in der Historischen Sozialforschung: Eine persönliche Retrospektive'' ((2011)), pp. 195-251, hier S. 251</ref> | |||
Von [[1900]] bis [[1904]] war er Arbeitersekretär in Altona<ref> | Von [[1900]] bis [[1904]] war er Arbeitersekretär in Altona. Zunächst gehörte er der Kommission an, die mit der Einrichtung des Arbeitersekretariats beauftragt wurde.<ref>''[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_18991117/page/5 Altona - Eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung]'', ''Hamburger Echo'', 17.11.1899</ref> Gewählt wurde im Februar [[1900]] jemand anders.<ref> ''[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19000302/page/5 Das Altona-Ottensener Gewerkschaftskartell]'', ''Hamburger Echo'', 2.3.1900]</ref> Schon zwei Monate später scheint klar geworden zu sein, dass eine Stelle nicht ausreichen würde. Über die Diskussion wurde im ''Hamburger Echo'' ausführlich berichtet<ref>[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19000909/page/6 ''Hamburger Echo'', 9.9.1900]</ref>, allerdings wird nicht klar, ob und wann eine zweite Stelle eingerichtet wurde oder wann und wie sie mit Gustav Niendorf selbst besetzt wurde. | ||
Nach [[1904]] wechselte er als Gewerkschaftssekretär des Tabakarbeiterverbands nach [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiel]], wo er bis [[1911]] blieb und sich auch kommunalpolitisch engagierte.<ref>''[http://library.fes.de/gewerkzs/tabakarbeiter/1908/pdf/1908-013.pdf Der Tabak-Arbeiter. Organ der Tabakarbeiter und =arbeiterinnen Deutschlands]'', 29.3.1908, S. 12</ref> | |||
Von April [[1911]] bis Oktober [[1919]] redigierte er das Verbandsorgan des Tabakarbeiterverbandes, ''Der Tabak-Arbeiter'' mit Sitz in Bremen. | |||
Er nahm an den Kongressen der Tabakarbeiter-Gewerkschaft von [[1892]], [[1911]] und [[1914]] teil. | |||
Von Haus aus evangelisch, trat er später aus der Kirche aus. Nicht geklärt ist bislang, ob er verheiratet war, möglicherweise mit [[Theodora Niendorf]]. Sie war [[1906]]<ref name=":0">''[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19060807/page/5 Konferenz der sozialdemokratischen Frauen des siebten schleswig-holsteinischen Reichstagswahlkreises]'', ''Hamburger Echo'', 7.8.1906</ref> und [[1908]] [[Vertrauensperson]] der Frauen für den 7. Wahlkreis. Ob und wie sie zusammengehören, ist ungeklärt.<ref>''[https://mets.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19080728&tx_dlf/page/5 Dritte Konferenz der sozialdemokratischen Frauen des siebten schleswig-holsteinischen Reichstagswahlkreises]'', ''Hamburger Echo'', 28.7.1908, S. 5-6]</ref> Sie nahm auch am Parteitag [[1906]] in Mannheim teil.<ref>[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19060927/page/5 ''Hamburger Echo'', 27.9.1906]</ref> [[1914]], als er schon in Bremen war, gibt es im Kieler Adressbuch jedenfalls keine Niendorfs. | |||
==Politik== | ==Partei & Politik== | ||
Bis [[1892]] war er SPD-Funktionär in Liegnitz und Posen, bis [[1900]] Bezirks- und Distriktsführer | Gustav Niendorf trat [[1884]] in die SPD ein. Bis [[1892]] war er SPD-Funktionär in Liegnitz und Posen, bis [[1900]] Bezirks- und Distriktsführer, ab [[1897]] auch Vorsitzender der SPD in [[Ortsverein Ottensen|Ottensen]]<ref>''[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_18970328/page/5 Der Vorstand des sozialdemokratischen Vereins von Ottensen]'', ''Hamburger Echo'', 28.3.1897</ref>. Im selben Jahr war er Schriftführer des Provinzialparteitages<ref>''Hamburger Echo'', 7.9.1897</ref>, von [[1900]] bis [[1904]] Mitglied der Pressekommission des ''[[Hamburger Echo]]''<ref>Bickelmann, Hartmut: ''[https://books.google.com/books/about/Ferdinand_Vieth_1869_1946.html?hl=de&id=eA5QDwAAQBAJ Ferdinand Vieth 1869-1946. Leben und Wirken eines Genossenschafters in Selbstzeugnissen und Beiträgen]'' (Hamburg 2018), S. 25</ref> und engagierte sich auch im örtlichen [[Arbeiterbildungsverein]].<ref>''[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19001111/page/13 Der Arbeiter-Bildungsverein für Altona-Ottensen]'', ''Hamburger Echo'', 11.11.1900</ref> | ||
[[1906]] gehörte er dem Zentralvorstand für den 7. Reichstagswahlkreis an.<ref>[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/ | Um [[1906]] gehörte er dem Zentralvorstand für den 7. Reichstagswahlkreis an. <ref name=":0" />, von [[1907]]<ref>[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19071127/page/6 ''Hamburger Echo'', 27.11.1907]</ref> bis [[1911]] auch der [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete|Stadtverordnetenversammlung in Kiel]]. | ||
Von [[1916]] bis Ende [[1919]] war er dann Redakteur der (mehrheitssozialdemokratischen) ''Bremischen Correspondenz''. | |||
===Reichstag=== | |||
[[1907]] und [[1912]] kandidierte er im 1. schleswig-holsteinischen Wahlkreis für den Reichstag, Delegierter zum SPD-Parteitag [[1909]].<ref>https://library.fes.de/parteitage/pdf/register/1909.pdf</ref> | |||
=== Landrat === | |||
Am [[23. September]] [[1919]] wurde er zum kommissarischen, im März [[1920]] dann zum regulären Landrat des Kreises Pinneberg ernannt.<ref>Sachse, Udo: ''Die Ära Niendorf'', in:''Jahrbuch des Kreises Pinneberg 1990'', S. 55</ref> Vermutlich von [[1921]] bis [[1933]] gehörte er dem Provinziallandtag an. Von [[1923]] bis [[1926]] war er Stellvertreter im preußischen Staatsrat. Zum [[1. Mai]] [[1932]] ging er beim Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand. | |||
Vermutlich von [[1921]] bis [[1933]] gehörte er dem Provinziallandtag an. | |||
== Literatur == | == Literatur == | ||
Version vom 28. August 2025, 11:35 Uhr
| Gustav Niendorf |
Gustav Friedrich Niendorf, * 1. September 1867 in Hamburg, † 1946 in ?; Zigarrenarbeiter, Gewerkschaftssekretär. Mitglied der SPD seit 1884.
Ein Foto liegt vor in der Online-Galerie der Pinneberger Landräte.
Leben & Beruf
Gustav Niendorf wurde als unehelicher Sohn eines Dienstmädchens geboren. Er wuchs bei ungeliebten Pflegeeltern auf.[1] Von 1873 bis 1881 besuchte er die Volksschule in Altona. Anschließend wurde er Zigarrenarbeiter und ging auf Wanderschaft; zuletzt arbeitete er bis 1900 als Zigarrensortierer. Er musste keinen Wehrdienst leisten.[2]
Von 1900 bis 1904 war er Arbeitersekretär in Altona. Zunächst gehörte er der Kommission an, die mit der Einrichtung des Arbeitersekretariats beauftragt wurde.[3] Gewählt wurde im Februar 1900 jemand anders.[4] Schon zwei Monate später scheint klar geworden zu sein, dass eine Stelle nicht ausreichen würde. Über die Diskussion wurde im Hamburger Echo ausführlich berichtet[5], allerdings wird nicht klar, ob und wann eine zweite Stelle eingerichtet wurde oder wann und wie sie mit Gustav Niendorf selbst besetzt wurde.
Nach 1904 wechselte er als Gewerkschaftssekretär des Tabakarbeiterverbands nach Kiel, wo er bis 1911 blieb und sich auch kommunalpolitisch engagierte.[6]
Von April 1911 bis Oktober 1919 redigierte er das Verbandsorgan des Tabakarbeiterverbandes, Der Tabak-Arbeiter mit Sitz in Bremen.
Er nahm an den Kongressen der Tabakarbeiter-Gewerkschaft von 1892, 1911 und 1914 teil.
Von Haus aus evangelisch, trat er später aus der Kirche aus. Nicht geklärt ist bislang, ob er verheiratet war, möglicherweise mit Theodora Niendorf. Sie war 1906[7] und 1908 Vertrauensperson der Frauen für den 7. Wahlkreis. Ob und wie sie zusammengehören, ist ungeklärt.[8] Sie nahm auch am Parteitag 1906 in Mannheim teil.[9] 1914, als er schon in Bremen war, gibt es im Kieler Adressbuch jedenfalls keine Niendorfs.
Partei & Politik
Gustav Niendorf trat 1884 in die SPD ein. Bis 1892 war er SPD-Funktionär in Liegnitz und Posen, bis 1900 Bezirks- und Distriktsführer, ab 1897 auch Vorsitzender der SPD in Ottensen[10]. Im selben Jahr war er Schriftführer des Provinzialparteitages[11], von 1900 bis 1904 Mitglied der Pressekommission des Hamburger Echo[12] und engagierte sich auch im örtlichen Arbeiterbildungsverein.[13]
Um 1906 gehörte er dem Zentralvorstand für den 7. Reichstagswahlkreis an. [7], von 1907[14] bis 1911 auch der Stadtverordnetenversammlung in Kiel.
Von 1916 bis Ende 1919 war er dann Redakteur der (mehrheitssozialdemokratischen) Bremischen Correspondenz.
Reichstag
1907 und 1912 kandidierte er im 1. schleswig-holsteinischen Wahlkreis für den Reichstag, Delegierter zum SPD-Parteitag 1909.[15]
Landrat
Am 23. September 1919 wurde er zum kommissarischen, im März 1920 dann zum regulären Landrat des Kreises Pinneberg ernannt.[16] Vermutlich von 1921 bis 1933 gehörte er dem Provinziallandtag an. Von 1923 bis 1926 war er Stellvertreter im preußischen Staatsrat. Zum 1. Mai 1932 ging er beim Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand.
Literatur
Sachse, Udo: Die Ära Niendorf, in: Jahrbuch des Kreises Pinneberg 1990, S. 53 ff.
Einzelnachweise
</references >
- ↑ Jahrbuch des Kreises Pinneberg 2022, S. 16
- ↑ Die Mehrheit der Angaben stammt aus der Kurzbiografie in Schröder, Wilhelm Heinz: Arbeit und Organisationsverhalten der Zigarrenarbeiter in Deutschland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Erklärung der Führungsrolle der Zigarrenarbeiter in der frühen politischen Arbeiterbewegung, in: Historische Sozialforschung, Supplement, (2011), No. 23: Kollektivbiographie als interdisziplinäre Methode in der Historischen Sozialforschung: Eine persönliche Retrospektive ((2011)), pp. 195-251, hier S. 251
- ↑ Altona - Eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung, Hamburger Echo, 17.11.1899
- ↑ Das Altona-Ottensener Gewerkschaftskartell, Hamburger Echo, 2.3.1900]
- ↑ Hamburger Echo, 9.9.1900
- ↑ Der Tabak-Arbeiter. Organ der Tabakarbeiter und =arbeiterinnen Deutschlands, 29.3.1908, S. 12
- ↑ 7,0 7,1 Konferenz der sozialdemokratischen Frauen des siebten schleswig-holsteinischen Reichstagswahlkreises, Hamburger Echo, 7.8.1906
- ↑ Dritte Konferenz der sozialdemokratischen Frauen des siebten schleswig-holsteinischen Reichstagswahlkreises, Hamburger Echo, 28.7.1908, S. 5-6]
- ↑ Hamburger Echo, 27.9.1906
- ↑ Der Vorstand des sozialdemokratischen Vereins von Ottensen, Hamburger Echo, 28.3.1897
- ↑ Hamburger Echo, 7.9.1897
- ↑ Bickelmann, Hartmut: Ferdinand Vieth 1869-1946. Leben und Wirken eines Genossenschafters in Selbstzeugnissen und Beiträgen (Hamburg 2018), S. 25
- ↑ Der Arbeiter-Bildungsverein für Altona-Ottensen, Hamburger Echo, 11.11.1900
- ↑ Hamburger Echo, 27.11.1907
- ↑ https://library.fes.de/parteitage/pdf/register/1909.pdf
- ↑ Sachse, Udo: Die Ära Niendorf, in:Jahrbuch des Kreises Pinneberg 1990, S. 55

