Ortsverein Wankendorf/Stolpe und Umland

Aus SPD Geschichtswerkstatt

Der Ortsverein Wankendorf/Stolpe und Umland ist eine Gliederung im Kreisverband Plön. Er entstand wohl spätestens 2011[1] aus dem Zusammenschluss früherer Ortsvereine in Wankendorf und Stolpe. Allerdings reicht die gemeinsame Geschichte der SPD in den beiden Orten bis vor den 1. Weltkrieg zurück.

Vorsitzende ist seit 1998 - also wohl schon im Ortsverein Wankendorf - Sabine Friedel, ihr Stellvertreter 2025 Falk Salisch. Die Kassenwartin und vier Beisitzer machen den Vorstand komplett.[2]

Geschichte

Die Geschichte der beiden Ortsvereine zu verfolgen, ist nicht ganz einfach, da sie in der Berichterstattung teilweise zusammengefasst wurden, oft aber auch nicht. So hieß es im Vorstandsbericht des 9. Wahlkreises von 1910 an einer Stelle, "Wankendorf-Stolpe" habe 46 Mitglieder, an einer anderen (zur Lokalfrage):

"So wurde die für Stolpe angemeldete Versammlung inhibiert. Dabei ist zu bemerken, daß Stolpe sowie Wankendorf, die dicht zusammen liegen, bei letzter Wahl 352 Wähler hatten; davon gaben 311 ihre Stimme ab, und zwar für Genossen Weinheber 167, für den Liberalen 87 und für den Konservativen 57."[3]

Wankendorf

Eine Gliederung der SPD existierte hier mindestens ab 1909.[4] Er hatte aber mit viel Widerstand von seiten der örtlichen Behörden zu kämpfen, die sich auf das Vereinsgesetz beriefen. 1911 wurde deshalb der Name in Ortsgruppe geändert.[5]

Bereits 1892 gab es in Wankendorf einen Arbeiterverein, für den ein Delegierter am schleswig-holsteinischen Parteitag teilnahm. Dieser Genosse Straßburger wurde allerdings zugleich der SPD Gaarden zugerechnet, auf anderen Parteitagen der SPD Neumünster.[6] 1893 war offenbar der Zimmerer Wegner Vorsitzender.[7]

Schon 1874 hatten 10 Personen den Neuen Social-Demokrat, die Zeitung des ADAV, abonniert.[8]

Stolpe

Eine kurze Geschichte der SPD Stolpe hat Theresia Künstler aufgeschrieben.[9]. Dort heißt es:

"In Stolpe taucht der Name SPD in der Schulchronik zur Reichstagswahl am 31.7.1932 auf, existierte jedoch sicher schon früher im Dorf. Die SPD erhielt damals in Stolpe 135 Stimmen. Bei der noch im selben Jahr durchgeführten Reichstagswahl am 6. November erhielt die SPD nur noch 105, die NSDAP 150 und die KPD 88 Stimmen. Stolpe war also insgesamt ein in der Mehrheit links eingestelltes Dorf. In der Gemeinderatswahl vom 12.3.1933, also schon nach der Machtergreifung Hitlers, erhielt die SPD wiederum 105, die Rote Arbeiterliste 49 und die Bürgerliche Einheitsliste 206 Stimmen. Der Wind hatte sich gedreht. Es traten an für die SPD: der Landarbeiter Wilhelm Uebe, der Invalide Anton Matthiesen und der Landarbeiter Johannes Plüß."

Danach gab es nur noch eine Einheitsliste für den Wahlkreis Schleswig-Holstein: 375 Stimmen für die Nazis, ein Ja oder Nein war nicht vorgesehen. In Stolpe wurden 49 Stimmzettel ungültig gemacht.

Während des Verbots unter dem Nationalsozialismus trafen sich SPD-Mitglieder heimlich in der Tischlerwerkstatt von Heinrich Riecken.

Hermann Rohwedder

"Bei der ersten Gemeinderatswahl nach dem Krieg [und der NS-Herrschaft], im Jahr 1948, traten die Sozialdemokraten wieder zur Wahl an. Im Wahlbezirk I waren dies Rudolf Hansen (96 Stimmen), Hermann Lucht (110) und Erich Riecken (101). Im Wahlbezirk II im Stolper Außenbereich: Gustav Jäger (77), Hermann Rohwedder (71) und Albert Vagt (68). Zum ersten Bürgermeister wurde der Pensionär Hermann Lucht gewählt. Die erste Bundestagswahl am 14.8.1949 ergab folgende Stimmenverteilung: SPD 194, CDU 259, Radikal-Soziale Freiheitspartei (RSF) 7.

Die Bürgermeister Nr. 4, der Elektriker Karl Stender (bis 1952) und die Nr. 5, der Schuhmacher Albert Vagt (bis 1954), wurden noch einmal von der SPD gestellt, dann folgten nur noch Bürgermeister von CDU und WGS. Hermann Rohwedder war über viele Jahre stellvertretender Bürgermeister und Ende 1964 für 12 Tage Interimsbürgermeister nach dem Tod Richard Schimkats.

Gisela Schwenke

Die SPD stellte weiterhin bei jeder neuen Kommunalwahl ihre Vertreter in der Gemeindevertretung. In den 1970er Jahren trat eine neue Generation mit Johannes Bestmann, Gerhard Gerlach und den Gebrüdern Gerhard und Gustav Wessel an. 1982 kam dann die Sozialarbeiterin Gisela Schwenke in die Gemeindevertretung. Sie prägte über viele Jahre das Gesicht der SPD in Stolpe.

Sie übergab den Staffelstab 1994 an Jürgen Ziehmer. Unter ihm holte die SPD besonders viele Stimmen, sodass neben ihm Thomas Sievers, Christian Vorbau-Artmeyer und wieder Gisela Schwenke in den Gemeinderat gewählt wurden. Eine Koalition mit der WGS, die zu einem SPD/WGS-Bürgermeister geführt hätte, scheiterte. 1997 gab es drei Austritte der SPD-Linken: Thomas Sievers, Christian Vorbau-Artmeyer sowie Christian Schubert. Ursel Sievers rückte für ihren Ehemann bis zur Kommunalwahl 1998 nach, während Christian-Vorbau-Artmeyer mit der Grünen-Vertreterin Theresia Künstler bis zum Ende der Legislaturperiode die Freie und Grüne Fraktion bildete.

In der folgenden Zeit stellten sich in der Bevölkerung und insbesondere bei den Jugendlichen immer mehr Politikverdrossenheit und auch die Abkehr vom Ehrenamt ein. Die Mitgliederzahlen sanken und neue Leute waren nicht zu gewinnen. Nachdem Jürgen Ziehmer nach der Kommunalwahl 2008 nur noch als Einzelkämpfer in der Gemeindevertretung saß, trat die SPD infolge ihrer Altersstruktur zur Kommunalwahl 2013 nicht mehr an."

Einzelnachweise