Ortsverein Ahrensbök
Der Ortsverein Ahrensbök ist eine Gliederung im Kreisverband Ostholstein. Er wurde 1906/07 gegründet. Seit April 2025 sind Sandra Gandl und Maik Wittenberg als Doppelspitze die Vorsitzenden. Ihre Vorgängerin war um Mai 2023 Gudrun Ott.[1]
Kommunalpolitik
Nach der Kommunalwahl 2018 hielt die SPD (32 %) als zweitstärkste Kraft sieben der 22 Sitze im Gemeinderat.[2] Fraktionsvorsitzende war im Mai 2023 Gudrun Ott.[1]
Aus der Geschichte
Der Ortsverein wurde 1906 oder 1907 gegründet, laut Bericht des Vorsitzenden des Zentralvereins Heinrich Fick.[3]
Bei der ersten demokratischen Gemeinderatswahl 1919 erhielt die SPD 3 von 6 Sitzen.[4]
Am 5./6.9.1925 hielt der IV. Bezirk des Reichsbanners, der offenbar Ostholstein abdeckte, in Ahrensbök eine große republikanische Bezirkskundgebung mit Fahnenweihe ab.[5]
Bei der Kommunalwahl 1930 konnte die SPD 3 von 9 Sitzen erzielen, genau so viele wie drei Jahre zuvor. Im heutigen Ortsteil Gnissau erhielt sie mit 165 Stimmen exakt gleich viele wie die einzige Konkurrenz, die „Haus- und Grundbesitzerliste“ - ebenfalls ein Spiegelbild der Kommunalwahl 1927.
NS-Zeit & Widerstand
Der Landesteil Lübeck, zu dem Ahrensbök gehörte, war früh nationalsozialistische Hochburg geworden und der SA-Führer und spätere Regierungspräsident Böhmcker ("Latten-Böhmcker") war zentrale Figur des Regimes. Die SPD setzte sich unter anderem mit dem Reichsbanner zur Wehr.
Vom FAD-Lager zum KZ
1931 führte die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung den Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) ein. Arbeitslose junge Menschen sollten sich freiwillig in einem Arbeitslager zusammenfinden, um von hier aus für eine befristete Zeit einer Tätigkeit nachzugehen, die für die Allgemeinheit einen Nutzen stiftete und andererseits den Betroffenen das Gefühl gab, gebraucht zu werden.[6]
Im Jahr 1932 mietete die Regierung des Landesteils Lübeck Teile ein Gelände in Holstendorf. Hier sollte ein Lager des FAD entstehen, in dem 40 bis 60 Mitglieder des Reichsbanners arbeiten sollten. Dieses war gleichzeitig Träger des Dienstes in Ahrensbök. Diese Mitglieder, meist arbeitslose Jugendliche aus der Arbeiterschicht, wurden unter anderem zum Bau eines Weges von Holstendorf nach Havekost eingesetzt. Das Lager wurde am 1. November 1932 eröffnet.[7]
Die Errichtung des FAD-Lagers führte zu erheblichen politischen Spannungen in Ahrensbök. Die Gemeinde stand unter nationalsozialistischer Führung, und viele Einwohner waren Anhänger der NSDAP. Die Präsenz eines von der SPD unterstützten Arbeitslagers führte zu Konflikten zwischen den Arbeitern und den Einwohnern.[7]
Als die FAD-Gruppe dazu aufrief, bei der anstehenden Reichstagswahl am 5. März 1933 die SPD zu wählen, um einen Wahlsieg der NSDAP zu verhindern, schloss die mittlerweile nationalsozialistische Regierung das Lager am 16. März.
Danach wurde das Gelände ab Oktober 1933 als wildes Konzentrationslager genutzt, dessen 50 bis 70 Häftlinge den Wegebau von Holstendorf nach Havekost bis Dezember weiterführten.[7] Das Konzentrationslager wurde praktisch als "privates" Lager des mittlerweile zum Regierungspräsidenten beförderten "Latten-Böhmcker" betrieben. Er nutzte im neuen Amt seine relative Unabhängigkeit von der Landesregierung in Oldenburg, um in dem Konzentrationslager arbeitslose SA-Männer als Wachmannschaften zu beschäftigen. Er ließ wohlhabende Bürger verhaften, die sich nach Misshandlungen bei ihm persönlich freikaufen konnten.[7] Die ärmeren Insassen des Lagers mussten nach ihrer Freilassung die Kosten ihrer Haftzeit abarbeiten.[6]
Am 22. Juni 1933 wurde die SPD im gesamten Reich verboten und als "volks- und staatsfeindliche Partei" deklariert. Bis dahin hatte es keine Hinweise auf organisierten Widerstand seitens der SPD gegeben, so dass die nationalsozialistischen Machthaber nach Vorwanden für Verhaftungen suchen mussten. Unter dem Deckmantel der "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" wurden SPD-Anhänger festgenommen, so der letzte Kassierer des Ortsvereins Eutin dem Besitz von Sprengstoff vorgeworfen wurde, obwohl er einen Sprengschein hatte. Der Vorsitzende Paul Hensel wurde wegen angeblicher Korruption in Schutzhaft genommen. Mehrere ehemalige Reichsbannerführer und andere Funktionäre wurden ohne konkrete Anklagepunkte inhaftiert, um die Parteimitglieder einzuschüchtern und die Errichtung der NS-Diktatur zu erleichtern. Diese Strategie erwies sich größtenteils als erfolgreich. Der größte der Teil der Häftlinge im KZ Ahrensbök waren Kommunisten; 14 % waren Sozialdemokraten, Reichsbanner-Leute und Gewerkschafter.[6]
Im Dezember zogen die Häftlinge in den Ahrensböker Ortskern. Das örtliche Jungbanner hatte sich seit 1932 in dem Gebäude in der Plöner Straße Nr. 21 getroffen, in dem die Nazis nun das "Schutzhaftlager Ahrensbök" einrichteten.[8] Dort wurden vom Dezember 1933 bis Mai 1934 willkürlich Verhaftete untergebracht und misshandelt.[7]
Literatur
- Stokes, Lawrence D.: Das Eutiner Schutzhaftlager 1933/34 (Zur Geschichte eines „wilden“ Konzentrationslagers), in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 27.Jg., Heft 4 (1979), S. 570-625
- Stokes, Lawrence D.: Kleinstadt im Nationalsozialismus, Neumünster (1984)
- Wollenberg, Jörg: Ahrensbök - Eine Kleinstadt im Nationalsozialismus (Edition Temmen, Bremen 2001)
- Wollenberg, Jörg: Unsere Schule war ein KZ (Edition Temmen, Bremen 2001)
Links
- Homepage: SPD Ahrensbök
- Homepage: Gedenkstätte Ahrensbök
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 SPD Ahrensbök, abgerufen 21.5.2023
- ↑ Wikipedia: Ahrensbök, abgerufen 21.5.2023
- ↑ Generalversammlung des Zentralvereins der sozialdemokratischen Partei für das Fürstentum Lübeck, Lübecker Volksbote, 29.7.1907, S. 3
- ↑ Aus Lübeck und den Nachbargebieten, Lübecker Volksbote, 7.4.1919, S. 3
- ↑ Gemeinde Schmalensee: Jahreschronik 1925, 05.-06.09.1925
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Stokes, Lawrence D.: Das Eutiner Schutzhaftlager 1933/34 (Zur Geschichte eines „wilden“ Konzentrationslagers), in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 27. Jg., Heft 4 (1979), S. 576
- ↑ 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 Das KZ Ahrensbök
- ↑ Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten (Hrsg.): Gedenkstätten und Erinnerungsorte zur Geschichte des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein. Wegweiser und Bildungsangebote (Husum Druck und Verlagsgesellschaft, Rendsburg 2021, Redaktion: Harald Schmid)
Ortsvereine: Ahrensbök | Bad Schwartau | Beschendorf | Bosau | Damlos | Eutin | Fehmarn | Goehl | Gremersdorf | Grömitz-Kellenhusen-Dahme-Grube | Großenbrode | Hansühn | Harmsdorf | Heiligenhafen | Heringsdorf | Kabelhorst-Schwienkuhl | Kasseedorf | Lensahn | Malente | Neukirchen | Neustadt | Oldenburg | Gemeinde Ratekau | Riepsdorf | Scharbeutz | Schashagen | Schönwalde | Sierksdorf | Stockelsdorf | Gemeinde Süsel | Timmendorfer Strand
