Wahl zur verfassunggebenden preußischen Landesversammlung 1919

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Das Land Preußen in der Weimarer Republik. Schleswig-Holstein ist dort eine Provinz.

Die Wahl zur verfassunggebenden preußischen Landesversammlung fand am 26. Januar 1919 statt. Stärkste Partei wurde die MSPD mit 36,38 % der Stimmen. Die USPD kam nur auf 7,9 %.

Die preußische Landesversammlung war nach der Novemberrevolution zuständig für die Erarbeitung und Verabschiedung einer Verfassung für den Freistaat Preußen, zu dem auch die Provinz Schleswig-Holstein gehörte. Sie tagte zwischen 1919 und 1921 im heutigen Abgeordnetenhaus von Berlin. Sie war damit der Vorläufer des Landtags des Freistaats Preußen.

Ergebnis

Diese Wahl war die erste landesweite Wahl in Preußen, bei der nicht das Dreiklassenwahlrecht, sondern das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht für Männer und Frauen ab 20 Jahren galt. Das alte Wahlrecht hatte immer arme Menschen benachteiligt. Auf Grund dieses Wahlrechts konnte die SPD lange Zeit überhaupt keine Mandate gewinnen; erst in der Landtagswahl 1908 hatte sie zum ersten Mal sechs Mandate errungen. Bei der letzten Landtagswahl vor dem Ersten Weltkrieg waren es zehn Mandate gewesen. Bei dieser Wahl kam sie auf 145 Mandate.[1]

Der Lübecker Volksbote kommentierte:

"Das Ergebnis der preußischen Wahlen kann kurz dahin zusammengefaßt werden, daß die preußische Nationalversammlung fast genau dieselben Mehrheitsverhältnisse aufweisen wird wie die reichsdeutsche. Wir haben in Preußen wie im Reiche jetzt eine überragend starke sozialistische Mehrheitsfraktion, die zwar nicht die absolute Mehrheit, auch nicht mit der kleinen linksstehenden unabhängigen Gruppe zusammen, ausmacht, aber durch ihre Mächtigkeit und Geschlossenheit der Bildung jedweder gegen die Arbeiterschaft gerichteten Mehrheit hindernd im Weg steht. Die Reaktionäre aller Schattierungen zeigen plötzlich große Genügsamkeit. Sie jubeln bereits, weil sie nicht gänzlich von der Bildfläche verschwunden sind. Einstmals herrschten die Konservativen fast uneingeschränkt in Preußen, jetzt dünken ihnen einige 40 von 400 Mandaten bereits ein großer Erfolg ihrer Sache. Auf dem flachen Lande, ihrer eigentlichen Herrschaftsdomäne, sind die Konservativen gänzlich zusammengebrochen. Jedenfalls haben die Wahlen das neue Preußen als ein demokratisches Staatswesen gesichert. Zwischen ihm und dem alten Preußen wird in Zukunft nur noch die Namensgleichheit bestehen."[2]

Abgeordnete

MSPD-Abgeordnete aus Schleswig-Holstein:[1]

  1. Wilhelm Brecour, Kiel
  2. Max Richter, Neumünster
  3. Anna Mosegaard, Hadersleben
  4. Otto Jünger, Eckernförde
  5. Hermann Peters, Hochdonn
  6. Christian Regenfuß, Rendsburg
  7. Wilhelm Schulz, Kiel
  8. Wilhelm Sievert, Altona

Anna Mosegaard verzichtete auf das Mandat. Für sie zog Johann Clausen, Tönning, ein.[1] Für Berliner Wahlkreise wurden der frühere Bezirksvorsitzende Friedrich Bartels, der mittlerweile nach Berlin gezogen war, und der spätere Ministerpräsident Hermann Lüdemann.

An der Spitze der USPD-Liste aus Schleswig-Holstein standen Friedrich Hansen, Jürgen Jürgensen und der Genosse Kaulfers[1] (Kurt Kaulfers?). Keiner von ihnen wurde gewählt.

Ergebnisse aus den Kommunen

Der Lübecker Volksbote veröffentlicht in mehreren aufeinander folgenden Ausgaben die Ergebnisse aus den Kommunen:

Siehe auch

Links

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 64
  2. Lübecker Volksbote, 30.1.1919