Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD)

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Signet der USPD, 1919

Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands ("USPD" oder "USP") war von 1917 bis 1924 eine Abspaltung der SPD.

Die USPD wurde am 6. April 1917 in Gotha gegründet, der Stadt des Vereinigungsparteitages, aus dem 1875 die SPD hervorging. Die Abspaltung war das Ergebnis der Unzufriedenheit von Teilen der SPD mit der als allzu kriegsfreundlich wahrgenommenen Politik der Parteiführung. Zu Vorsitzenden wurden Hugo Haase und Georg Ledebour gewählt; Luise Zietz gehörte dem Zentralkomitee an. In den wenigen Jahren ihres Bestehens wuchs die USPD zeitweise auf fast 900 000 Mitglieder an und sorgte auch in Schleswig-Holstein für heftige Auseinandersetzungen, etwa im Ortsverein Holtenau. Die Mitglieder der USPD sahen sich als Bewahrer der "wahren Sozialdemokratie".[1]

Gründung in Schleswig-Holstein

Portrait von Alfred Henke
Alfred Henke, vor 1910

Schleswig-Holstein gehörte zum USPD-Bezirk "Wasserkante". Vorsitzender war der Bremer Reichstagsabgeordnete Alfred Henke. Zu ihren besten Zeiten etwa 1920 hatte die USPD in Schleswig-Holstein ca. 20 000 Mitglieder.[2] Hochburgen der USPD in Schleswig-Holstein waren Kiel, Bordesholm, Altona, Flensburg, Schleswig und Eckernförde.[1] Die USPD gab in Schleswig-Holstein die Zeitung "Die Republik" heraus.

In Kiel hatte sich schon vorher ein Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Alter Richtung abgespalten. Lothar Popp war bereits hier im Vorstand gewesen. Aus diesem Verein mit schon gut 1000 Mitgliedern ging die Kieler USPD hervor.[3] Zu ihren Gründungsmitgliedern gehörten Wilhelm Schweizer[4] und Friedrich Hansen. Wichtige Mitglieder waren Lothar Popp und Karl Artelt - sie spielten beim Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand im Jahr 1918 eine maßgebliche Rolle.[5][3] Vorsitzender in Kiel war der Metallarbeiter Max Güth. Nach eigener Aussage gehörte auch von Januar 1918 bis zu seinem Wechsel nach Hamburg ein Jahr später der unbekannte Student Richard Sorge der USPD an. Er wurde später Journalist und war im 2. Weltkrieg in Japan als Agent und Spion für den sowjetischen Militärgeheimdienst tätig.[6]

Der USPD-Ortsverein Tönning wurde von Paul Dölz mitgegründet, in Eckernförde war Richard Vosgerau führend.

Zusammenarbeit

Es gab in manchen Orten eine enge Zusammenarbeit der beiden Parteien; auch die Anhängerschaft nahm sie oft weiterhin als zusammengehörig wahr:

In Hamburg sammelten Werftarbeiter im Februar 1919 Spenden für beide Parteien, die jedoch trotz der unterschiedlichen Mitgliedszahlen hälftig zwischen beiden aufgeteilt wurden.[7]

Zur Kommunalwahl 1919 traten der Ortsverein Wandsbek und die USPD auf deren Antrag, der aber offenbar ohne große Diskussion angenommen wurde, mit verbundenen Listen an.[8]

Im Mai 1919 entschied sich der Ortsverein Wentorf bei Hamburg nach „sehr eingehender Aussprache“ mit Mehrheit, eine gemeinsame Mitgliederversammlung mit der Ortsgruppe der USPD durchzuführen.[9]

Diese Beispiele stehen in Widerspruch zu den oft diffamierenden und hämischen Berichten in den Parteizeitungen beider Richtungen.

Ortsgruppen

Die Ortsvereine hießen bei der USPD oft Ortsgruppen. Manchmal wurde dieser Begriff nach der Wiedervereinigung wohl in die SPD mitgebracht, zum Beispiel in Suchsdorf. Im USPD-Blatt Hamburger Volkszeitung wird aber meist die Bezeichnung Ortsverein genutzt.[10]

Im Oktober 1920 gab es im Verbreitungsgebiet der Kieler USPD-Zeitung Die Republik Ortsgruppen (mindestens) in Kiel, Holtenau, Friedrichsort, Flensburg, Eckernförde, Kopperpahl, Neumünster, Laboe, Elmschenhagen, Büdelsdorf, Meimersdorf, Heide, Schleswig, Dietrichsdorf, Bordesholm, Dänischenhagen, Tönning, Lägerdorf, Brunsbüttelkoog, Itzehoe, Heiligenhafen, Wankendorf, St. Michaelisdonn, Rieseby, Karby, Lunden, Vogelsang, Kappeln, Stein, Gelting, Averlak, Bredenbek, Krempe, Raisdorf, St. Margarethen, Burg auf Fehmarn, Segeberg, Wittenwurth, Nortorf, Breklum, Klausdorf (Schwentine), Boostedt und Rendsburg.[11]

An weiteren Ortgruppen sind bekannt: Sülfeld, Altona, Wandsbek, Escheburg, Wentorf bei Hamburg, Bosau, Hamwarde, Besenhorst, Geesthacht, Stellingen-Langenfelde, Bramfeld, Sasel-Wellingsbüttel, Schnelsen, Lokstedt, Niendorf, Eidelstedt.

Viele Ortsgruppen im ländlichen Raum und in kleinen Städten wurden nach der überraschend schlecht ausgegangenen Wahl zur Nationalversammlung 1919 gegründet. Bis dahin war die Partei organisatorisch eine Metropolenpartei gewesen.[12][13]

Die nur schwach ausgeprägte Organisation der Partei lässt sich beispielsweise daran ablesen, dass schon im direkten Umfeld Hamburgs, in Stellingen-Langenfelde, eine Gründung erst im Mai zustande kam.[14]

In Krempe sprach erst am 21. August 1919 mit Fritz Hansen zum ersten Mal ein Vertreter der USPD.

"In großen Zügen entrollte dieser ein Bild des Werdegangs und des Wollens der U.S.P. und erbrachte dabei für das arbeiterverräterische Verhalten der S.P.D. Beweis an Beweis. An der Diskussion beteiligten sich zwei Rechtssozialisten, deren Einwände im Schlußwort durch Genossen Hansen spielend leicht widerlegt wurden."

Die Ortsgruppe wurde am Ende der Versammlung gegründet, mit 10 Neueintritten und 30 Übertritten, was um so höher bewertet wurde, als auch die KPD dort schon Versammlungen abgehalten hatte.[15]

Noch eine Abspaltung 1920

Die USPD konnte aber keinen dauerhaften politischen Erfolg erreichen. Sie zerfiel nach Kriegsende und dem Parteitag von Halle 1920, der mit der Abspaltung einer großen Gruppe "Neukommunisten" endete[16], die später die KPD gründeten. Friedrich Hansen und Max Güth berichteten in Kiel auf einem Kreisparteitag vom USPD-Parteitag. Die Versammlung begrüßte die "Scheidung" von den Neukommunisten. Nur wenige USPD-Mitglieder schlossen sich den Neukommunisten an, in Flensburg 150 Mitglieder von 1400, in Schleswig von 450 nur 16. Die "alte USPD" konnte verhindern, dass Die Republik zu den Neukommunisten wechselte. Sie verlor allerdings 2000 Abonnenten.[16]

Am 24. Oktober 1920 veranstalteten die Neukommunisten, die sich selbst "rechtmäßige USPD" nannten, eine erste Bezirkskonferenz in Neumünster.

Wiedervereinigung mit der SPD

Zunächst verschärfte sich der Konflikt mit der MSPD[17], aber 1922 vereinigte sich ein Teil der verbliebenen USPD wieder mit der SPD. Der Rest ging zur KPD oder schloss sich ab 1931 der SAP an, einer weiteren Abspaltung von der SPD, der sich unter anderen der junge Willy Brandt anschloss.

In Schleswig-Holstein stimmte der MSPD-Bezirksparteitag von 1922 der Vereinbarung mit der USPD zu, nach der Mitglieder der USPD in verschiedenen Gremien der Gesamtpartei vertreten sein sollten.[18] Friedrich Hansen wurde Parteisekretär.[19] Die meisten schleswig-holsteinischen Mitglieder schlossen sich daraufhin wieder der SPD an. So kehrten von den acht USPD-Kandidaten zur Wahl zur Nationalversammlung 1919 sieben wieder zurück zur SPD. Nur Karl Artelt ging zur KPD. Es blieb nur eine kleine Rest-USPD übrig. In einer Versammlung in Kiel mahnte Georg Ledebour die verbliebenen Mitglieder, "an ihrem Starrsinn festzuhalten".[19].

Parteitage

Jahr Art Ort Beschlüsse
1922 Bezirksparteitag Neumünster USPD; Vorbereitung der Wiedervereinigung mit der MSPD in Schleswig-Holstein
9.1.1921 Bezirksparteitag ? USPD ("alte" USPD); Vorstandswahlen
27.10.1920 Bezirksparteitag Kiel USPD ("alte" USPD); Vorstandswahlen
24.10.1920 Bezirksparteitag Neumünster USPD ("rechtmäßige" USPD, "Neukommunisten")
1918 Provinzkonferenz Kiel USPD

Literatur

Links

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Schulte, Rolf / Weber, Jürgen: Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) in Schleswig-Holstein, Demokratische Geschichte 3(1988), S. 307-317
  2. Wheeler, Robert F.: USPD und Internationale. Sozialistischer Internationalismus in der Zeit der Revolution (Frankfurt a.M. 1975), S.248. Zitiert nach: Schulte, Rolf / Weber, Jürgen: Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) in Schleswig-Holstein, Demokratische Geschichte 3(1988), S. 307-317
  3. 3,0 3,1 Ullrich, Volker: Interview-Notizen Lothar Popp. Aufbewahrt in der Forschungsstelle für Zeitgeschichte, auch als pdf verfügbar.
  4. Sauerbrei, Wolfram: Wilhelm Schweizer - ein demokratisches Urgestein, in: Heimat-Jahrbuch 2021 des Landkreises Neuwied, S. 274
  5. Schulte / Weber, S. 308
  6. Deakin, F.W. / Storry, G.R.: Richard Sorge. Die Geschichte eines großen Doppelspiels (Gütersloh o.J. [1965]), S. 22-24
  7. Parteinachrichten, Hamburger Volkszeitung, 21.2.1919, S. 6
  8. Wandsbeck und Umgegend, Hamburger Echo, 15.2.1919, S. 2
  9. Schleswig-Holstein. Wentorf, Hamburger Echo, 27.5.1919, S. 3
  10. Vgl. etwa Anzeige der U.S.P., Ortsvereine Stellingen-Langenfelde, Eidelstedt, Lokstedt, Niendorf und Schnelsen, Hamburger Volkszeitung, 6.6.1919, S. 4
  11. Für und gegen Moskau, Hamburger Echo, 7.10.1920, S. 3
  12. Wikipedia: Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, abgerufen 12.4.2025
  13. Engelmann, Dieter / Naumann, Horst: Zwischen Spaltung und Vereinigung (1993), S. 32
  14. Stellingen-Langenfelde, Hamburger Volkszeitung, 7.5.1919, S. 7
  15. Itzehoe, Hamburger Volkszeitung, 25.8.1919, S. 7
  16. 16,0 16,1 Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 72 f.
  17. Wettig, Klaus: Warum sich USPD und KPD vor 100 Jahren zusammenschlossen, in: vorwaerts.de, 19.10.2020
  18. Lösung der Krise, Lübecker Volksbote, 18.7.1922, S. 1
  19. 19,0 19,1 Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 75