Luise Klinsmann: Unterschied zwischen den Versionen

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== Werdegang ==
== Werdegang ==
*[[1916]]-[[1922]] Studium der Germanistik, Geschichte und Wirtschaftsgeschichte in München, Heidelberg und Kiel; Promotion mit einer Arbeit über "Die Industrialisierung Lübecks".
Luise Schmidt kam in der Lübeckischen Enklave Tramm im Kreis Herzogtum Lauenburg als Tochter des Bezirkslehrers Georg Schmidt ([[1869]]-[[1957]]) und seiner Ehefrau Auguste (geb. Möller, [[1868]]-[[1936]]) zur Welt. Ihr Vater übernahm später die Leitung der Lübecker Taubstummenschule.<ref name=":2">Jebens-Ibs, ''Politikerinnen'', S. 25</ref> Sie besuchte die Ernestinenschule für Höhere Töchter und das Johanneum in Lübeck.<ref name=":0">{{Wikipedia}}, abgerufen 24.2.2026</ref> Nach dem Abitur [[1916]] studierte sie bis [[1922]] Germanistik, Geschichte und Wirtschaftsgeschichte an den Universitäten München, Heidelberg und Kiel; dort wurde sie im selben Jahr mit einer Arbeit über ''Die Industrialisierung Lübecks'' zur Dr. rer. pol. promoviert. [[1927]] begann sie ein zweijähriges Volontariat als Bibliothekarin, [[1929]] wurde sie Dozentin an der Volkshochschule Lübeck.
*[[1927]]-[[1929]] Volontariat als Bibliothekarin
 
*1929-[[1933]] Dozentin an der Volkshochschule Lübeck
Ihre erste Ehe schloss sie [[1922]] mit dem Arzt Josef Kons, mit dem sie in Kiel und Hamburg lebte. Sie besuchte unter anderem Vorlesungen in Chemie, Physik und Englisch und engagierte sich im Vaterländischen Frauenverein.<ref name=":2" /> Nach der Scheidung [[1928]] heiratete sie [[1929]] den Lübecker Studienrat Dr. Wilhelm Klinsmann. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor, die offenbar mit einer Behinderung geboren war. [[1933]] gab sie ihre Berufstätigkeit auf und kümmerte sich vorrangig um die Tochter.<ref name=":0" /> Ihr Mann starb [[1943]].<ref name=":3">Jebens-Ibs, ''Politikerinnen'', S. 26</ref>
*1933-[[1945]] Hausfrau und Mutter eines Kindes; vermutlich Kriegerwitwe
 
*Referentin der SPD
Zur Zeit ihres Landtagsmandats lebte sie in der Ratzeburger Allee 8. Sie starb nach längerer Bettlägerigkeit an einem schweren Herzleiden.<ref name=":4">Jebens-Ibs, ''Politikerinnen'', S. 27</ref>
 
== Partei & Politik ==
Schon vor der NS-Herrschaft stand das Ehepaar Klinsmann der SPD nahe und war Schikanen der Machthaber ausgesetzt. Wilhelm Klinsmann wurde "wegen kritischer politischer Äußerungen mehrmals denunziert und Disziplinarmaßnahmen unterworfen." Unter anderem wurde er trotz Krankheit noch [[1942]] zur Betreuung von Flakhelfern in Travemünde herangezogen.<ref name=":3" />
 
Luise Klinsmann trat [[1945]] in die SPD ein und war später als Referentin für die Partei tätig. Über diese Tätigkeit ist nichts Näheres ermittelt.
 
Im Juli [[1948]] richtete der Parteivorstand in [[Kreisverband Lübeck|Lübeck]] eine ''Kulturpolitische Jahreskonferenz der deutschen Sozialdemokratie'' aus, im Rahmen einer von Luise Klinsmann und [[Lorenz Petersen]] organisierten ''Kulturpolitischen Woche''.
 
Mindestens [[1951]] gehörte sie dem Vorstand der [[Kreisverband Lübeck - Vorstände|SPD Lübeck]] als Beisitzerin an. Für die vorhergehenden und folgenden Jahre sind die Vorstände nicht vollständig ermittelt, und [[1961]] ist sie nicht mehr aufgeführt.
 
== Kommunalpolitik ==
Von [[1946]] bis zu ihrem Tod [[1964]] war sie Mitglied der Lübecker Bürgerschaft, gleichzeitig ehrenamtliche Senatorin (Kultussenatorin), zwischen [[1950]] und [[1955]] auch 2. stellv. Bürgermeisterin von Lübeck. Sie war die erste Frau, die in den Senat gewählt wurde.<ref name=":0" /> Sie habe für das Senatorenamt ein fachliches Rüstzeug mitgebracht, "das sie befähigte, dem kulturellen Leben Lübecks in den Jahren seit dem Kriegsausgang ein besonderes Gewicht zu geben"<ref name=":1" />, heißt es in einem Nachruf - wobei das Amt neben dem Theater auch die Zuständigkeit für Schulen, Jugend und Sport einschloss.<ref name=":3" />
 
Als Kultussenatorin setzte sie ihre Kräfte für den Wiederaufbau aller kulturellen Einrichtungen ein, besonders für den Ausbau der Museen, der Büchereien, des Archivs, der Volkshochschule und des überregional bedeutenden Theaters, für das sie mehr Landesmittel forderte.
<blockquote>"Eines ihrer wesentlichen Ziele für das Theater ist, die noch abseitsstehenden Bevölkerungskreise wie Flüchtlinge und Schüler an diese Institution heranzuführen [...]."<ref name=":3" /></blockquote>
Ihr Einsatz für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Thomas Mann und [[1961]] für die Aufführung der Komödie ''Pauken und Trompeten'' von Bertolt Brecht unter einem DDR-Regisseur führten zu harten Kontroversen in der Lübecker Bürgerschaft. Die CDU warf der Senatorin in Zusammenhang mit der durch Mehrheitsbeschluss verhinderten Aufführung schuldhaftes Pflichtversäumnis vor und stellte einen Antrag auf ihre Abwahl. Der Antrag wurde zurückgezogen, aber Luise Klinsmann verlor die Zuständigkeit für das ihr am Herzen liegende Theater.<ref name=":4" />
 
Sie förderte die "Nordischen Tage", die heute als "Nordische Filmtage" weiter bestehen. Für die Kontakte, die sie damit nach Skandinavien, vor allem nach Dänemark schuf, verlieh ihr der dänische Staat das Ritterkreuz des Danebrog-Ordens.<ref name=":4" /> Sie gehörte dem Kulturausschuss des Deutschen Städtetages an und war in zahlreichen kulturellen Organisationen tätig. So unterstützte sie die Arbeit des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde und setzte sich für Denkmalpflege ein.
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Dieses Zitat mag die Haltung des Autors wiedergeben, macht aber deutlich, dass auch Luise Klinsmann über diese hanseatische Haltung verfügte, die sie Lübeck und seine Bürgerinnen und Bürger als etwas Herausgehobenes empfinden ließ. Er fährt fort:
<blockquote>"Frau Senator Dr. Klinsmann ein ehrendes und dankbares Gedächtnis zu bewahren, ist Verpflichtung für den Einzelnen [...] in Würdigung einer jetzt abgeschlossenen, aus dem Kulturleben der Stadt nicht wegzudenkenden Leistung."<ref name=":1" /></blockquote>
Ihre Leistungen wurden über Lübeck hinaus anerkannt; man bescheinigte ihr, dass sie mit
<blockquote>"Fleiß, Zähigkeit und leidenschaftlicher Einsatzbereitschaft für ihre Ziele eintrat, [...] aber sowohl auf der politischen Ebene als auch in ihrem Verwaltungsbereich als nicht bequem, zuweilen auch als unnahbar und distanziert erschien."<ref name=":4" /></blockquote>


== Landtag ==
== Landtag ==
[[8. Mai]] [[1947]]-[[31. Mai]] [[1950]] Mitglied des Landtages über die Landesliste, aktiv im Innenausschuss sowie in den Ausschüssen für Volksbildung und Erziehung, für Entnazifizierung und für Verfassung und Geschäftsordnung
Am [[8. Mai]] [[1947]] zog sie über die Landesliste in den Landtag ein. Sie war aktiv im Innenausschuss sowie in den Ausschüssen für Volksbildung und Erziehung, für Entnazifizierung und für Verfassung und Geschäftsordnung.
Auch hier setzte sie sich vorrangig für das bildungspolitische Konzept ihrer Partei ein - Schulgeld- und Lernmittelfreiheit, den Rechtsanspruch auf Förderung begabter Kinder mittelloser Eltern, die sechsjährige Grundschule - und forderte darüber hinaus für Lehrerinnen und Lehrer eine dreijährige gemeinsame pädagogische und wissenschaftliche Grundausbildung, um das Niveau der Volksschulen zu heben und gleichzeitig das pädagogische Element an Gymnasien zu stärken.<ref name=":3" /> Diese Reformen wurden nach [[1950]] von der konservativen Landesregierung sofort wieder zurückgenommen.<ref name=":4" />


== Kommunalpolitik ==
Zur [[Landtagswahl 1950]] kandidierte sie erneut, erreichte jedoch wegen der großen Verluste der SPD kein Mandat.<ref name=":4" />
*[[1946]]-[[1964]] Mitglied der Lübecker Bürgerschaft, gleichzeitig erste ehrenamtliche Senatorin Lübecks (Kultussenatorin)
*[[1950]]-[[1955]] 2. stellv. Bürgermeisterin von Lübeck
Als Kultussenatorin setzte sie sich u. a. für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Thomas Mann ein und förderte die "Nordischen Tage", die heute als "Nordische Filmtage" weiter bestehen.


== Ehrungen ==
== Ehrungen ==
*[[1963]] Verleihung des Ritterkreuzes des dänischen Danebrog-Ordens
*[[1963]] wurde ihr das Ritterkreuz des dänischen Danebrog-Ordens verliehen.
*[[1964]] Freiherr-vom-Stein-Medaille des Landes Schleswig-Holstein
*[[1964]] erhielt sie die Freiherr-vom-Stein-Medaille des Landes Schleswig-Holstein für ihr kommunalpolitisches Engagement.
*Das Gebäude der Lübecker Volkshochschule an der Hüxstraße ist nach Luise Klinsmann benannt
*Das Gebäude der Lübecker Volkshochschule an der Hüxstraße trägt Luise Klinsmanns Namen.
*Seit [[1985]] ist in Lübeck eine Straße nach Luise Klinsmann benannt
*Seit [[1985]] ist in Lübeck eine Straße nach Luise Klinsmann benannt.
 
== Literatur ==
*Lipp, Christine: ''Dr. Luise Klinsmann – Nachkriegspolitikerin und erste Senatorin Lübecks.'' In: ''Frauen in der Lübecker Geschichte.'' (Hrsg. Frauenbüro der Hansestadt Lübeck, Lübeck 2005), S. 52 f.
*Jebens-Ibs, Sabine: ''Dr. Luise Klinsmann.'' In: Jebens-Ibs, Sabine / Zachow-Ortmann, Maria: ''Schleswig-Holsteinische Politikerinnen der Nachkriegszeit'' (Landeszentrale für Politische Bildung Schleswig-Holstein, Kiel 1994 - ''Gegenwartsfragen'' 73), ISBN 3-88312-048-0, S. 25–27 (zit. als Jebens-Ibs, ''Politikerinnen'')
*Jebens-Ibs, Sabine: ''Klinsmann, Luise.'' In: Bruns, Alken (Hrsg.): ''Lübecker Lebensläufe aus neun Jahrhunderten'' (Wachholtz, Neumünster 1993), ISBN 3-529-02729-4, S. 205 ff.
*Neugebauer, Werner: ''Nachruf Dr. Luise Klinsmann''. In: ''[https://vlga.de/file/zvlga_44_1964.pdf Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde]'', Band 44 (1964), S. 157 f.


== Links ==
== Links ==
*[http://lissh.lvn.parlanet.de/cgi-bin/starfinder/0?path=samtflmore.txt&id=fastlink&pass=&search=R%3D338&format=WEBVOLLLANG Landtagsinformationssystem]
*{{LIS|338}}
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Luise_Klinsmann Wikipedia]
*{{Wikipedia}}
 
== Einzelnachweise ==
<references />
 
[[Kategorie:Kreisverband Lübeck]]
[[Kategorie:Bildungspolitik]]

Aktuelle Version vom 24. Februar 2026, 17:54 Uhr

Luise Klinsmann
Luise Klinsmann
Luise Klinsmann
Geboren: 10. Mai 1896
Gestorben: 9. Juni 1964

Dr. Luise Klinsmann (geb. Schmidt), * 10. Mai 1896 in Tramm (b. Lübeck), † 9. Juni 1964 in Lübeck; Lehrerin. Mitglied der SPD seit 1945.

Werdegang

Luise Schmidt kam in der Lübeckischen Enklave Tramm im Kreis Herzogtum Lauenburg als Tochter des Bezirkslehrers Georg Schmidt (1869-1957) und seiner Ehefrau Auguste (geb. Möller, 1868-1936) zur Welt. Ihr Vater übernahm später die Leitung der Lübecker Taubstummenschule.[1] Sie besuchte die Ernestinenschule für Höhere Töchter und das Johanneum in Lübeck.[2] Nach dem Abitur 1916 studierte sie bis 1922 Germanistik, Geschichte und Wirtschaftsgeschichte an den Universitäten München, Heidelberg und Kiel; dort wurde sie im selben Jahr mit einer Arbeit über Die Industrialisierung Lübecks zur Dr. rer. pol. promoviert. 1927 begann sie ein zweijähriges Volontariat als Bibliothekarin, 1929 wurde sie Dozentin an der Volkshochschule Lübeck.

Ihre erste Ehe schloss sie 1922 mit dem Arzt Josef Kons, mit dem sie in Kiel und Hamburg lebte. Sie besuchte unter anderem Vorlesungen in Chemie, Physik und Englisch und engagierte sich im Vaterländischen Frauenverein.[1] Nach der Scheidung 1928 heiratete sie 1929 den Lübecker Studienrat Dr. Wilhelm Klinsmann. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor, die offenbar mit einer Behinderung geboren war. 1933 gab sie ihre Berufstätigkeit auf und kümmerte sich vorrangig um die Tochter.[2] Ihr Mann starb 1943.[3]

Zur Zeit ihres Landtagsmandats lebte sie in der Ratzeburger Allee 8. Sie starb nach längerer Bettlägerigkeit an einem schweren Herzleiden.[4]

Partei & Politik

Schon vor der NS-Herrschaft stand das Ehepaar Klinsmann der SPD nahe und war Schikanen der Machthaber ausgesetzt. Wilhelm Klinsmann wurde "wegen kritischer politischer Äußerungen mehrmals denunziert und Disziplinarmaßnahmen unterworfen." Unter anderem wurde er trotz Krankheit noch 1942 zur Betreuung von Flakhelfern in Travemünde herangezogen.[3]

Luise Klinsmann trat 1945 in die SPD ein und war später als Referentin für die Partei tätig. Über diese Tätigkeit ist nichts Näheres ermittelt.

Im Juli 1948 richtete der Parteivorstand in Lübeck eine Kulturpolitische Jahreskonferenz der deutschen Sozialdemokratie aus, im Rahmen einer von Luise Klinsmann und Lorenz Petersen organisierten Kulturpolitischen Woche.

Mindestens 1951 gehörte sie dem Vorstand der SPD Lübeck als Beisitzerin an. Für die vorhergehenden und folgenden Jahre sind die Vorstände nicht vollständig ermittelt, und 1961 ist sie nicht mehr aufgeführt.

Kommunalpolitik

Von 1946 bis zu ihrem Tod 1964 war sie Mitglied der Lübecker Bürgerschaft, gleichzeitig ehrenamtliche Senatorin (Kultussenatorin), zwischen 1950 und 1955 auch 2. stellv. Bürgermeisterin von Lübeck. Sie war die erste Frau, die in den Senat gewählt wurde.[2] Sie habe für das Senatorenamt ein fachliches Rüstzeug mitgebracht, "das sie befähigte, dem kulturellen Leben Lübecks in den Jahren seit dem Kriegsausgang ein besonderes Gewicht zu geben"[5], heißt es in einem Nachruf - wobei das Amt neben dem Theater auch die Zuständigkeit für Schulen, Jugend und Sport einschloss.[3]

Als Kultussenatorin setzte sie ihre Kräfte für den Wiederaufbau aller kulturellen Einrichtungen ein, besonders für den Ausbau der Museen, der Büchereien, des Archivs, der Volkshochschule und des überregional bedeutenden Theaters, für das sie mehr Landesmittel forderte.

"Eines ihrer wesentlichen Ziele für das Theater ist, die noch abseitsstehenden Bevölkerungskreise wie Flüchtlinge und Schüler an diese Institution heranzuführen [...]."[3]

Ihr Einsatz für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Thomas Mann und 1961 für die Aufführung der Komödie Pauken und Trompeten von Bertolt Brecht unter einem DDR-Regisseur führten zu harten Kontroversen in der Lübecker Bürgerschaft. Die CDU warf der Senatorin in Zusammenhang mit der durch Mehrheitsbeschluss verhinderten Aufführung schuldhaftes Pflichtversäumnis vor und stellte einen Antrag auf ihre Abwahl. Der Antrag wurde zurückgezogen, aber Luise Klinsmann verlor die Zuständigkeit für das ihr am Herzen liegende Theater.[4]

Sie förderte die "Nordischen Tage", die heute als "Nordische Filmtage" weiter bestehen. Für die Kontakte, die sie damit nach Skandinavien, vor allem nach Dänemark schuf, verlieh ihr der dänische Staat das Ritterkreuz des Danebrog-Ordens.[4] Sie gehörte dem Kulturausschuss des Deutschen Städtetages an und war in zahlreichen kulturellen Organisationen tätig. So unterstützte sie die Arbeit des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde und setzte sich für Denkmalpflege ein.

"Die nunmehr gesetzlich verankerte relative Selbständigkeit Lübecks auf dem Gebiet der Denkmalpflege wäre undenkbar ohne das zielbewußte und von der Überzeugung eigener lübeckischer Leistung durchdrungene Auftreten von Frau Senator Dr. Klinsmann am 16. August 1949 bei einer Besprechung im Landeskultusministerium, in der sie es im Auftrag des Senats durchsetzte, daß das lübeckische Denkmalschutzgesetz trotz der Einverleibung nach Schleswig-Holstein als rechtswirksam weiterbestehend anerkannt wurde."[5]

Dieses Zitat mag die Haltung des Autors wiedergeben, macht aber deutlich, dass auch Luise Klinsmann über diese hanseatische Haltung verfügte, die sie Lübeck und seine Bürgerinnen und Bürger als etwas Herausgehobenes empfinden ließ. Er fährt fort:

"Frau Senator Dr. Klinsmann ein ehrendes und dankbares Gedächtnis zu bewahren, ist Verpflichtung für den Einzelnen [...] in Würdigung einer jetzt abgeschlossenen, aus dem Kulturleben der Stadt nicht wegzudenkenden Leistung."[5]

Ihre Leistungen wurden über Lübeck hinaus anerkannt; man bescheinigte ihr, dass sie mit

"Fleiß, Zähigkeit und leidenschaftlicher Einsatzbereitschaft für ihre Ziele eintrat, [...] aber sowohl auf der politischen Ebene als auch in ihrem Verwaltungsbereich als nicht bequem, zuweilen auch als unnahbar und distanziert erschien."[4]

Landtag

Am 8. Mai 1947 zog sie über die Landesliste in den Landtag ein. Sie war aktiv im Innenausschuss sowie in den Ausschüssen für Volksbildung und Erziehung, für Entnazifizierung und für Verfassung und Geschäftsordnung. Auch hier setzte sie sich vorrangig für das bildungspolitische Konzept ihrer Partei ein - Schulgeld- und Lernmittelfreiheit, den Rechtsanspruch auf Förderung begabter Kinder mittelloser Eltern, die sechsjährige Grundschule - und forderte darüber hinaus für Lehrerinnen und Lehrer eine dreijährige gemeinsame pädagogische und wissenschaftliche Grundausbildung, um das Niveau der Volksschulen zu heben und gleichzeitig das pädagogische Element an Gymnasien zu stärken.[3] Diese Reformen wurden nach 1950 von der konservativen Landesregierung sofort wieder zurückgenommen.[4]

Zur Landtagswahl 1950 kandidierte sie erneut, erreichte jedoch wegen der großen Verluste der SPD kein Mandat.[4]

Ehrungen

  • 1963 wurde ihr das Ritterkreuz des dänischen Danebrog-Ordens verliehen.
  • 1964 erhielt sie die Freiherr-vom-Stein-Medaille des Landes Schleswig-Holstein für ihr kommunalpolitisches Engagement.
  • Das Gebäude der Lübecker Volkshochschule an der Hüxstraße trägt Luise Klinsmanns Namen.
  • Seit 1985 ist in Lübeck eine Straße nach Luise Klinsmann benannt.

Literatur

  • Lipp, Christine: Dr. Luise Klinsmann – Nachkriegspolitikerin und erste Senatorin Lübecks. In: Frauen in der Lübecker Geschichte. (Hrsg. Frauenbüro der Hansestadt Lübeck, Lübeck 2005), S. 52 f.
  • Jebens-Ibs, Sabine: Dr. Luise Klinsmann. In: Jebens-Ibs, Sabine / Zachow-Ortmann, Maria: Schleswig-Holsteinische Politikerinnen der Nachkriegszeit (Landeszentrale für Politische Bildung Schleswig-Holstein, Kiel 1994 - Gegenwartsfragen 73), ISBN 3-88312-048-0, S. 25–27 (zit. als Jebens-Ibs, Politikerinnen)
  • Jebens-Ibs, Sabine: Klinsmann, Luise. In: Bruns, Alken (Hrsg.): Lübecker Lebensläufe aus neun Jahrhunderten (Wachholtz, Neumünster 1993), ISBN 3-529-02729-4, S. 205 ff.
  • Neugebauer, Werner: Nachruf Dr. Luise Klinsmann. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde, Band 44 (1964), S. 157 f.

Links

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Jebens-Ibs, Politikerinnen, S. 25
  2. 2,0 2,1 2,2 Wikipedia: Luise Klinsmann, abgerufen 24.2.2026
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Jebens-Ibs, Politikerinnen, S. 26
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Jebens-Ibs, Politikerinnen, S. 27
  5. 5,0 5,1 5,2 Neugebauer, Werner: Nachruf Dr. Luise Klinsmann. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde, Band 44 (1964), S. 157 f.