Siegfried Berger
| Siegfried Berger |
Karl Siegfried Berger, * 24. Juli 1918 in Sebnitz/Sachsen; † 29. Januar 2002 in Kiel; Ingenieur. 1953 einer der Führer des Volksaufstandes in der DDR. Verheiratet mit Thea Berger, ? Kinder. Mitglied der SPD seit vor 1933.
Werdegang
Siegfried Berger war der Sohn eines Metallarbeiters und Bäckers. 1920 trat er in die KPD ein, wechselte später aber offenbar zur SPD, denn er gehörte der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde, dem Arbeitersportverein, dem Arbeiter-Mandolinenbund und der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ) an. 1930 schloss er die Höhere Versuchsschule Dresden ab und machte eine Lehre als Elektro-Maschinenbauer. Von 1938 bis 1940 studierte er Ingenieurwesen, wurde danach als Zivilingenieur dienstverpflichtet. Als solcher internierten ihn 1945 die amerikanischen Streitkräfte, entließen ihn aber bereits im Oktober 1945.
Ab November 1946 war er wieder als Ingenieur tätig, vor seinem Wechsel nach Ost-Berlin zuletzt im "Sachsenwerk" in Radeberg/Sachsen. Nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED ging er in den Widerstand. Er übernahm die Leitung einer - nach DDR-Gesetzen illegalen - vom Ostbüro der SPD geführten sozialdemokratischen Gruppe; als SPD-Mitglied war er in Neukölln (West-Berlin) registriert.[1] Im September 1950 wechselte er als Entwicklungsingenieur ins VEB Funkwerk Köpenick (Ost-Berlin), wo er seine Widerstandstätigkeit weiterführte. Das Ostbüro der SPD beschaffte ihm Funkgeräte und andere Logistik, die er in die DDR schmuggelte.
Beim Volksaufstand am 17. Juni 1953 stand er im Funkwerk Köpenick an der Spitze des Streiks. Am 20. Juni wurde er verhaftet und am 2. Juli durch ein sowjetisches Militärtribunal zu sieben Jahren Arbeitslager verurteilt, von denen er ab Mai 1954 anderthalb Jahre im Arbeitslager Workuta/Sibirien verbüßte. Im Oktober 1955 konnte er nach West-Berlin zurückkehren. Als er erfuhr, dass wegen der Arbeit für das Ostbüro der SPD die Verhaftung durch das Ministerium für Staatssicherheit drohte, kehrte er nicht in die DDR zurück. Er zog zunächst nach Hamburg, später nach Kiel und arbeitete wieder als Ingenieur.
1996 wurde er von den russischen Behörden als "Opfer politischer Repression" rehabilitiert.
Er blieb in der SPD und war vor allem im Arbeitskreis der politischen Häftlinge in der SBZ/DDR in Kiel aktiv, außerdem bei den Juso 22. Er und seine Frau Thea gehörten dem Ortsverein Schilksee an, übernahmen dort aber, so weit feststellbar, keine Funktionen; nur wenige GenossInnen erinnern sich noch an sie.
Es heißt, nach 1998, als in Mecklenburg-Vorpommern die erste Landesregierung mit PDS-Beteiligung gebildet wurde, seien Bergers aus der SPD ausgetreten. Dies konnte bisher nicht geklärt werden.
Ehrungen
Am Haus am Römerweg 40 in Berlin-Karlshorst, in dem er von 1951 bis zu seiner Verhaftung 1953 lebte, ist eine Gedenktafel angebracht.[2]
Werke
- "Ich nehme das Urteil nicht an". Ein Berliner Streikführer des 17. Juni vor dem sowjetischen Militärtribunal (Berlin 2007, 4. durchges. Auflage), 978-3-934085-10-7
Literatur & Links
- Torsten Diedrich: Waffen gegen das Volk. Der 17. Juni 1953 in der DDR (München 2003) ISBN=3-486-56735-7
- Bernd Eisenfeld, Ilko-Sascha Kowalczuk, Ehrhart Neubert: Die verdrängte Revolution. Der Platz des 17. Juni in der deutschen Geschichte (Bremen 2004) ISBN=3-86108-387-6
- Stefan Heym: Fünf Tage im Juni (Berlin 1989) ISBN=3-371-00244-6
- Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe, Band 1: ISK (Ilko-Sascha Kowalczuk): Siegfried Berger (Onlineversion bei der Bundesstiftung Aufarbeitung, abgerufen 20.12.2017)
- Wikipedia: Siegfried Berger (Bürgerrechtler) (Keine zusätzlichen Informationen gegenüber "Wer war wer ...")
- Gedenktage der Berliner SPD 2017
Quellen
- ↑ Gedenktage der Berliner SPD (scrollen bis 2017), abgerufen 20.12.2017
- ↑ Gedenktage der Berliner SPD (scrollen bis 2017), abgerufen 20.12.2017

