Uwe Harder

Uwe Harder
Uwe Harder
Geboren: 15. November 1923
Gestorben: 8. Februar 2016

Dr. Uwe Harder, * 2. November 1923 in Kiel; † 8. Februar 2016 in Neumünster. Jurist und Oberbürgermeister von Neumünster. Verheiratet, zwei Kinder. Mitglied der SPD seit dem 1. September 1947.

Leben & Beruf

Zunächst besuchte Uwe Harder in Kiel das Reform-Real-Gymnasium, machte sein Abitur aber 1942 an der Paul-von-Hindenburg-Schule in Kassel, wohin die Familie umgezogen war.

Für das Studium von Jura und Volkswirtschaftslehre kehrte er 1942 nach Kiel zurück und wurde später im Jahr zum Kriegsdienst eingezogen. Nach Kriegsende setzte er sein Studium in Kiel fort[1] und legte 1949 sein erstes juristisches Staatsexamen ab.

1951 trat er in den Dienst des Landes Schleswig-Holstein. 1953 promovierte er über ein staats- und völkerrechtliches Thema, 1955 legte er sein zweites Staatsexamen ab. Weitere berufliche Stationen waren die Finanzverwaltung des Landes und eine Anwalts- und Notarskanzlei, bevor er 1958 als Assistent zum Völkerrechtler Eberhard Menzel an die Kieler Universität zurückkehrte.

In Kiel engagierte sich Uwe Harder in der Kommunalpolitik und vertrat die SPD in verschiedenen Ausschüssen. Er liebte aber auch das gute Leben: "Als erster fuhr er durch [...] Kiel mit einem offenen Cabriolet. Er trank guten Wein, liebte eine ausgesuchte Küche, verreiste gern."[2]

1960 wechselte er wieder in die juristische Praxis und wurde Vorsitzender des Arbeitsgerichts in Rendsburg. 1962 wählte man ihn zum Beigeordneten und Stadtkämmerer in Castrop-Rauxel. Dort wurde er 1968 einstimmig zum Oberstadtdirektor gewählt.

Jochen Steffen holte Uwe Harder wieder nach Schleswig-Holstein. Er wurde als Nachfolger von Walther Lehmkuhl zum Oberbürgermeister von Neumünster vorgeschlagen und gewählt, wechselte aber mit großer Skepsis in das neue Amt. Der Slogan "Neumünster, Liebe auf den zweiten Blick" sei noch geschönt gewesen. "Die Stadt brauchte eine längere Zeit, um zu wissen: Wir sind wer."[3].

Oberbürgermeister

Am 1. Juni 1970 trat Uwe Harder sein Amt an. 1981 wurde er für weitere sechs Jahre gewählt. Am 31. Mai 1988 ging er in den Ruhestand. Sein Amtsantritt fiel in die Zeit, als das deutsche Wirtschaftswunder deutliche Risse zu zeigen begann.

"Die Berufung Uwe Harders machte einen Generationswechsel und auch einen Mentalitätswechsel deutlich, wie er kaum krasser sein konnte. Intellektuelle Weltläufigkeit löste rustikale Bodenständigkeit ab. Harder stürzte sich von der ersten Sekunde an mit Freude in die neue Aufgabe, ohne zu verbergen, dass ihm die Grenzen einer kreisfreien Stadt in der Norddeutschen Tiefebene eigentlich zu eng waren, genauso wie der kulturelle Anspruch, den er in seiner Umgebung vorfand. Nicht zuletzt war es deshalb für ihn ein Glücksfall, dass die Gebietsreform die Stadtfläche just in seinem Antrittsjahr verdoppelte, und das auch noch in dem Moment, als der Fernverkehr über die A7 an der Stadt vorbeigeführt wurde.
Uwe Harder verlor sich nicht im Kleinen, sondern suchte sich zielstrebig die großen Felder wie Ansiedlungspolitik, Stadtgestaltung, Architektur und Kultur, und das mit einer Geschwindigkeit, bei der der durchschnittliche Holsteiner anfangs kaum mithalten konnte."[4]

Bereits nach einem halben Jahr im Amt schaffte es der neue Oberbürgermeister in die überregionale Presse: Nachdem das Mitteilungsblatt des Kreisverbandes der vertriebenen Deutschen e.V. sich verunglimpfend über die Ehefrau von Bundeskanzler Willy Brandt geäußert und der Vorstand sich nicht klar davon distanziert hatte, strich Uwe Harder dem Verband den öffentlichen Zuschuss.[5]

Die Wirtschaft hatte er besonders im Blick:

"Den Auflösungserscheinungen der angestammten, traditionellen Industrien Textil, Leder und auch Maschinenbau in den 70er-Jahren begegnete er mit der Ankurbelung von Neuansiedlungen im Industriegebiet Süd. Ihm war keine Distanz zu groß, um nicht selbst um die halbe Welt zu fliegen, um die Investoren von Neumünster zu überzeugen. Schnell füllte er in gemeinsamer Arbeit mit seinem Kämmerer das Industriegebiet. Waren die Unternehmen erst einmal da, hielt er auch in der Folge immer den Kontakt zu seinen Ansiedlungen."[6]

Mit der Ausweisung des Industriegebietes und seinem Einsatz, aber auch mit anderem habe der Oberbürgermeister "den Grundstein gelegt für Großprojekte, von denen wir noch heute in Neumünster profitieren."[7]

1975 schrieb die ZEIT: "Neumünster – das ist mal etwas ganz anderes, eine negative Sehenswürdigkeit, ein gesichtsloses Monstrum, eine Spitzenkandidatin im Wettbewerb um Deutschlands häßlichste Stadt."[8] Uwe Harder beschwerte sich daraufhin bei dem Blatt und lud den Autor nach Neumünster ein. Der schrieb nach einer Führung durch den Oberbürgermeister: "Da gibt es in der Tat viele schöne Eigenheim-Siedlungen, preisgekrönt in vielen Bundeswettbewerben. Da gibt es die schönen Wanderwege an den Flüßchen Stör und Schwale, da ist der Tierpark und der Einfelder See, und selbst die Industriegebiete im Norden und im Süden sind weiträumig hübsch im Grünen angelegt und beinahe schön zu nennen. [Aus Besuchersicht] bleibe ich auch nach Besichtigung der Außenbezirke bei meiner Empfehlung, die Touristen mögen keine Erwartungen an einen Besuch von Neumünster knüpfen. Die Sache mit der 'häßlichsten Stadt' aber möchte ich als fahrlässige Übertreibung zurücknehmen."[9]

Uwe Harder machte sich nicht nur Freunde: Er organisierte die Verwaltung neu und senkte vor allem die Personalkosten, um die Schulden der Stadt in den Griff zu bekommen. In seine Amtszeit fielen andererseits teure Projekte wie die Sanierung der Innenstadt, der Neubau des Rathauses und der Bau der Stadthalle, die er gegen Beschlüsse der Kreispartei durchsetzen konnte:

"Ende 1981 sprach sich die Ratsversammlung für den Bau des Neuen Rathauses und gleichzeitig für den Bau der Stadthalle auf dem Kleinflecken aus. Ein SPD-Parteitag hatte sich damals dem Projekt eines "Kulturpalastes für die oberen Zehntausend" verweigert, doch drei Abgeordnete scherten im Rat aus. Der damalige Kulturdezernent Karl-Heinz Harbeck, der damalige Fraktionsvorsitzende Jürgen Oldenburg und die junge Ratsfrau Helga Hein stimmten mit der CDU, um endlich das ersehnte Theater zu bekommen."[10]

Unterstützt wurde das Projekt Stadthalle auch von den Jusos, den sogenannten "Jungtürken", allen voran ein späterer Nachfolger von Uwe Harder, Hartmut Unterlehberg, und ein späterer Kreisvorsitzender, Volker Andresen.[11]

Als Kompromiss sollte zunächst jeweils nur ein erster Bauabschnitt für das Rathaus und die Stadthalle umgesetzt werden. Dabei blieb es - bis heute. Mittlerweile werden Stadthalle und Theater als positiver Faktor im städtischen Leben gesehen.[12]

Neumünster verdanke ihm und auch seiner Frau Kriemhild Harder, "einer strahlenden und klugen Persönlichkeit, gerade auch durch kulturelle Impulse einiges", sagte Propst Stefan Block in seiner Trauerrede. "Und noch im hohen Alter fuhr er mit seinem alten Mercedes – manchmal eher halsbrecherisch – durch die Stadt. Spazierte über den Wochenmarkt – immer zu einem freundlichen Gespräch bereit, und immer mit einem schönen Einstecktuch im Jackett."[13] Block, der Uwe Harder gut kannte, hob hervor, er sei ein "freiheitsliebender Mann" gewesen.

Uli Wachholtz, Präsident des Unternehmerverbands Nord, ergänzt diesen Einblick aus seiner Sicht:

"Mit [Kriemhild, genannt] "Krümel" tauchte jemand in der Neumünsteraner Gesellschaft auf, die der Sozialdemokratie ein anderes Gesicht gab, [sie] war elegant, farbig, strahlend, ja, und immer unüberhörbar. Ihr Lachen war ansteckend, man wusste immer, wenn sie im Raume war, und immer kam gute Laune auf. Kontaktpflege beherrschte sie wie keine Zweite, sie war eine exzellente Gastgeberin, sie zupfte Uwe noch schnell das Einstecktuch zurecht, bevor er das Haus verließ.
Die jährlichen Geburtstagseinladungen werden allen in bester Erinnerung bleiben, waren es doch gesellschaftliche Höhepunkte in Neumünster. Die Gästeschar handverlesen und sorgfältig zusammengestellt aus Kultur, Politik und Wirtschaft und Gesellschaft."[14]

Kriemhild Harder starb einige Jahre vor ihrem Mann.

Weitere Ämter

Neben amtsüblichen Ehrenämtern wie dem Vorsitz des Verwaltungsrates der Stadtsparkasse Neumünster und des Aufsichtsrates der städtischen Wohnungsbau GmbH engagierte sich Uwe Harder auch überregional. Vom 13. Mai 1971 bis 2. September 1988 saß er dem Verband kommunaler Arbeitgeber vor - auch hier als Nachfolger von Walther Lehmkuhl.[15] Zeitweise war er Mitglied des Verwaltungsrates der Landesbank Schleswig-Holstein und gehörte verschiedenen weiteren Vorständen an - Dt. Städtetag auf Bundes- und Landesebene, Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt), Verein für Kommunalwirtschaft und Kommunalpolitik, Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein. Außerdem wirkte er als ehrenamtlicher Richter beim 2. Senat des Bundesarbeitsgerichts in Kassel.

Ehrungen

  • 1989 erhielt Uwe Harder das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.[16]
  • Im Neumünsteraner Rathaus hängt ein Gemälde von ihm in der "Ahnengalerie" der Oberbürgermeister, gemalt vom Berliner Künstler Johannes Grützke.
  • Zu seinem 90. Geburtstag richtete die Stadt Neumünster ihm einen Empfang aus.[17]
  • Im März 2016 fasste der Aufsichtsrat der Holstenhallen den einstimmigen Beschluss, die Stadthalle nach Uwe Harder umzubenennen.[18] Sie trägt jetzt an der Fassagde den Schriftzug "Dr-Uwe-Harder-Stadthalle".

Stimmen

Als einen "Mann schneller und klarer – und wenn notwendig auch mutiger und unbequemer – Entscheidungen" charakterisierte Stadtpräsident Helmut Loose 1988 den scheidenden Verwaltungschef.[19]

Der Nachruf der SPD bescheinigte ihm, sein Amt mit "großem Engagement bei allgemeiner Anerkennung" versehen zu haben: "Dr. Uwe Harder war ein herausragender Mensch, der seit fast 70 Jahren [...] treu zu unseren Grundwerten gestanden hat. [...] Für ihn war immer wichtig, dass die Verwaltung der Stadt schlank aufgestellt war, bürgerfreundlich agierte und sparsam mit den öffentlichen Mitteln umging. Wir verlieren mit [ihm] einen herausragenden Sozialdemokraten, langjährigen politischen Weggefährten und Freund, der in unseren Herzen immer einen festen Platz behalten wird."[20]

Selbst die CDU widmete ihm eine Anzeige und versuchte ihn ein wenig für sich zu vereinnahmen: "Dr. Harder machte Kommunalpolitik weitsichtig und zielstrebig über Parteigrenzen hinweg. Er war ein von Überzeugungen getragener Vordenker und auch unser entschlossener Mitstreiter bei vielen für die Stadtentwicklung wichtigen Entscheidungen."[21]

Die Lokalzeitung schließlich zog einen großen Vergleich: "Harder hat viele in den letzten Jahren ein bisschen an Helmut Schmidt erinnert. Auch Harder war ein Mann der Tat. Er stand dafür, seine Entscheidungen durchzuziehen, auch mal gegen die Linie der eigenen Partei, aber trotzdem bis zum letzten Atemzug ein Sozialdemokrat zu bleiben. Seine Taten und Überzeugungen werden bleiben."[22]

Links

Quellen

  1. Tim Radtke: Bundestagswahl 1949: Stimmen aus Ruinen, ndr.de, 16.9.2013
  2. Propst Stefan Block in seiner Traueransprache, zit. in Thorsten Geil: Würdevoller Abschied von Dr. Uwe Harder, Holsteinischer Courier, 20.2.2016
  3. Rolf Ziehm: Er war ein Diener dieser Stadt, Holsteinischer Courier, 9.11.2013
  4. Uli Wachholtz: Er hat unsere Stadt größer gemacht, Holsteinischer Courier, 10.2.2016
  5. Personalien, DER SPIEGEL, 21.12.1970
  6. Uli Wachholtz: Er hat unsere Stadt größer gemacht, Holsteinischer Courier, 10.2.2016
  7. Todesanzeige der Stadt Neumünster, Holsteinischer Courier, 13.2.2016
  8. Ulrich Schmidt: Sommerfrische nach alter Art, DIE ZEIT, 11.4.1975
  9. Ulrich Schmidt: Gute Wohnstadt, aber..., DIE ZEIT, 22.8.1975
  10. ca: 1981 bei der Stadthalle gab es drei SPD-Abweichler, Holsteinischer Courier, 20.3.2013
  11. ca: 1981 bei der Stadthalle gab es drei SPD-Abweichler, Holsteinischer Courier, 20.3.2013
  12. Uli Wachholtz: Er hat unsere Stadt größer gemacht, Holsteinischer Courier, 10.2.2016
  13. Thorsten Geil: Würdevoller Abschied von Dr. Uwe Harder, Holsteinischer Courier, 20.2.2016
  14. Uli Wachholtz: Er hat unsere Stadt größer gemacht, Holsteinischer Courier, 10.2.2016
  15. Kommunaler Arbeitgeberverband: Die Geschichte der Arbeitgeberverbände, abgerufen 29.10.2016
  16. Bundesanzeiger vom 13.6.1989, S. 2889
  17. Rolf Ziehm: Er war ein Diener dieser Stadt, Holsteinischer Courier, 9.11.2013
  18. Thorsten Geil: Stadthalle soll bald Harder-Halle heißen, Holsteinischer Courier, 18.3.2016
  19. Rolf Ziehm: Er war ein Diener dieser Stadt, Holsteinischer Courier, 9.11.2013
  20. Todesanzeige des SPD-Kreisverbandes, der Ratsfraktion Neumünster und des Ortsvereins Schwale, Holsteinischer Courier, 13.2.2016
  21. Todesanzeige des CDU-Kreisverbandes und der CDU-Ratsfraktion Neumünster, Holsteinischer Courier, 13.2.2016
  22. Thorsten Geil: Dann nehmen wir eben die Daisy-Duck-Straße, Holsteinischer Courier, 21.2.2016