Vorsitzende der SPD sind Paul Singer und August Bebel. In der Provinz Schleswig-Holstein und in Hamburg werden die Verbindungen bisher durch Vertrauenspersonen und durch eine Agitationskommission aufrecht erhalten. Hamburg fasst den Beschluss aus der der gemeinsamen Organisation mit Schleswig-Holstein auszuscheiden.
Staatsoberhaupt ist Kaiser Wilhelm II., Reichskanzler Bernhard von Bülow.
Die SPD professionalisiert sich. Sie beschließt ein Organisationsstatut, das die Partei in Bezirke und Landesorganisation, Wahlkreisvereine und Ortsvereine gliedert. Bereits seit dem Vorjahr ist den Bezirken freigestellt, Parteisekretäre anzustellen.
Ein zentrales Ereignis des Jahres ist der große Bergarbeiterstreik, der viel Solidarität weckt. Auf Einladung der Agitationskommission bereisen drei Vertreter der Streikenden auch Schleswig-Holstein und stellen in 26 Volksversammlungen Ursache und Ziele ihres Streiks vor.
Auch die Revolution in Russland wird in vielen Volksversammlungen leidenschaftlich diskutiert und mit Geldsammlungen unterstützt.
23. Juli - Konferenz der Sozialdemokratischen Partei des 9. Schleswig-Holsteinischen Reichstagswahlkreises in Neustadt. Eigentlich soll sie in Grömitz stattfinden, wird dort aber verboten.
August
September
17.-23. September - SPD-Parteitag in Jena. Er verabschiedet ein Organisationsstatut, das den Wahlkreisverein zur Grundlage der Organisation macht. Es lässt bei Bedarf Ortsvereine zu und sieht den Zusammenschluss zu Bezirksverbänden und Landesorganisationen vor. Die selbstständige Führung der Geschäfte darf jedoch nicht in Widerspruch zum Statut der Gesamtpartei stehen.
Oktober
Die SPD sucht einen neuen Parteisekretär15./16. Oktober - Provinzialparteitag in Elmshorn. Kurz vor dem Provinzialparteitag fasst Hamburg den Beschluss, aus der der gemeinsamen Organisation mit Schleswig-Holstein auszuscheiden. Außerdem kündigt am zweiten Tag der Parteisekretär E. Saalfeld aus persönlichen Gründen.
Im Fürstentum Lübeck gibt es 571 organisierte Genossen, in fünf Gemeinderäten sind Sozialdemokraten vertreten, im Gemeinderat von Schwartau hat die SPD die Mehrheit.