Elly Linden

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Elly Linden
Elly Linden
Geboren: 25. April 1895
Gestorben: 23. Januar 1987

Dr. Emma Hulda Otti 'Elly' Linden (geb. Brodführer), * 25. April 1895 in Plaue/Thüringen, † 23. Januar 1987 in Lübeck; Diplom-Handelslehrerin. Seit 1927 Mitglied der SPD.

Leben & Beruf

Emma Hulda Otti Linden, genannt Elly, war das einzige Kind des Statistischen Assistenten Hans Markus Brodführer und seiner Frau Helene Bertha.[1] Als sie sieben war, starb der Vater und sie wurde zur Großmutter nach Weimar geschickt, bei der sie aufwuchs.[2] Sie besuchte das Oberlyzeum und wurde zunächst in Erfurt zur Volksschullehrerin ausgebildet. Dort unterrichtete sie auch 1915/1916. 1917 erwarb sie die Hochschulreife und studierte anschließend in Jena, Göttingen und Marburg Geschichte, Geographie und Pädagogik. 1921 schloss sie ihr Studium mit der Promotion zum Dr. phil. und dem Staatsexamen für das Lehramt an höheren Schulen ab.[2] Neben ihrer Lehrtätigkeit an einem Lyzeum studierte sie dann in Berlin Wirtschaftswissenschaften, erwarb 1923 ihr Diplom als Handelslehrerin und konnte damit auch an Berufsschulen unterrichten.

An der Lübecker Öffentlichen Handelslehranstalt, an der sie seit 1. April 1923 tätig war, unterrichtete sie auf allen Ebenen.

"Durch ihr freundliches, aber bestimmtes Auftreten und durch ihre umfangreichen Fachkenntnisse, die sie gut darzubieten weiß, wird sie von Schülerinnen und Kollegen gleichermaßen geachtet."[3]

Dort lernte sie den aus Offenbach stammenden Studienrat Dr. Wilhelm Linden kennen, den sie im August 1925 heiratete. Die Ehe blieb kinderlos; Wilhelm Linden brachte jedoch einen elfjährigen Sohn aus erster Ehe mit. Nach ihrer Heirat gab Elly Linden, wie damals üblich, ihre Vollzeittätigkeit auf. Dabei habe wohl mitgewirkt, "daß für sie damals keine ihrer Qualifikation entsprechende Stelle an der Handelslehranstalt eingerichtet werden konnte, während ihr Ehemann dort als Studienrat fest angestellt war."[1] Sie arbeitete aber als Dozentin an der Lübecker Volkshochschule und verfasste offenbar auch Fachschriften.

"Sie setzte sich dabei besonders für die effektive Erwachsenenbildung ein. Auch heute noch finden zahlreiche pädagogische Publikationen von ihr große Beachtung."[4]

Zudem vertrat sie einige Wochen lang ihren Mann im Schuldienst, als dieser noch 1925 erkrankte. 1938 zog er sich ein schweres Herzleiden zu, wurde im Jahr darauf vorzeitig pensioniert und starb schon 1950 mit 63 Jahren.[3] Sie blieb in ihrem Lübecker Haus in der Goethestraße 10 wohnen, wo sie auch ihren Lebensabend verbrachte[5] - "einsam, zurückgezogen und lange kränkelnd"[6].

Partei & Politik

Elly Linden trat Anfang 1927[1] im Kreisverband Lübeck in die SPD ein und arbeitete dort bis zum Beginn der NS-Herrschaft als Referentin für Frauenarbeit.[3] Während der NS-Herrschaft zog sie sich aus der Politik zurück.[3] Die Studie von Danker/Lehmann-Himmel ordnet ihre Grundorientierung unter den fünf möglichen Kategorien als "angepasst/ambivalent"[7] und sie darin als "Innere Emigrantin" ein[8]

1946 erneuerte sie ihre Parteimitgliedschaft und engagierte sich als Referentin für die Lübecker SPD-Frauengruppen. Bis 1948 war sie außerdem ehrenamtliches Mitglied im Kulturausschuss der Stadt. Zur Kommunalwahl 1948 kandidierte ihr bis dahin parteiloser Ehemann - offenbar ohne Erfolg - für die SPD. Von 1959 bis 1962 gehörte sie dem städtischen Finanzausschuss an. Einen Sitz in der Lübecker Bürgerschaft strebte sie allerdings nicht an; sie wollte sich auf ihr Landtagsmandat konzentrieren und lehnte darüber hinaus Ämterhäufung ab.<ref name=":2">

Seit mindestens 1959 gehörte sie dem Landesvorstand an, aus dem sie 1967 ausschied.

Landtag

In der Landtagswahl 1947 wurde sie im Wahlkreis 37 (Lübeck I) direkt in den Landtag gewählt. Den Wahlkampf ging sie mit Vorträgen über Themen wie "Sozialistische Erziehung", "Elternbeirat und Schulreform" und "Die Frau und ihre Gegenwartsaufgaben" an und vertrat als ihr bildungspolitisches Ziel, "eine Schule zu schaffen, die auf der Grundlage der sozialen Gerechtigkeit freie Persönlichkeiten" erziehe.[5]

1950 und 1954 erhielt sie ihren Sitz über die Landesliste; in der 2. Wahlperiode 1950-1954 war sie in der SPD-Fraktion bis zum späten Nachrücken von Berta Wirthel im Januar 1954 die einzige Frau. 1958 und 1962 wurde sie im Wahlkreis 35 (Lübeck-Nord) erneut direkt gewählt. 1967 trat sie vermutlich nicht wieder an. Sie war aktiv im Innen-, Finanz- und Agrarausschuss, in den Ausschüssen für Volksbildung und Erziehung (später Volksbildungsausschuss, 1949/1950 als Vorsitzende), für Gesundheitswesen, für Aufbau, für Jugendfragen, für die Wahrung der Rechte der Volksvertretung sowie im Untersuchungsausschuss 'Kieler Nachrichten' und im Landesausschuss für Landesplanung. Von 1954 bis 1962 gehörte sie dem Fraktionsvorstand an. "Während ihrer langjährigen Abgeordnetentätigkeit widmete sich E. L. vor allem der Bildungspolitik, für die sie aufgrund ihres beruflichen Werdegangs besonders qualifiziert war. Sie setzte sich für die Schulgeld- und Lernmittelfreiheit sowie für die sechsjährige Grundschulzeit ein, von der sie sich eine Verminderung der Benachteiligung von Schülern aus sozial schlechter gestellten Bevölkerungsschichten versprach."[5]

1949 vertrat sie die SPD in der 1. Bundesversammlung, die Bundespräsident Theodor Heuss wählte.

Landesregierung

Der Landesregierung gehörte sie in den Kabinetten von Hermann Lüdemann und Bruno Diekmann in den Jahren 1949 und 1950 als Parlamentarische Vertreterin des Ministers für Volksbildung, Wilhelm Siegel, an.

Ehrungen

Am 5. November 1965 wurde Elly Linden mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Literatur & Links

  • Danker, Uwe / Lehmann-Himmel, Sebastian: Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuität nach 1945 in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive (Schleswig-Holsteinischer Landtag 2016) (Drucksache 18/4464)
  • Jebens-Ibs, Sabine / Zachow-Ortmann, Maria: Schleswig-Holsteinische Politikerinnen der Nachkriegszeit. Lebensläufe (Kiel 1994) ISBN 3-88312-048-0, S. 29–31
  • Jebens-Ibs, Sabine: Linden, Emma Hulda Otti 'Elly'. In: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck, Band 12/2006 (Wachholtz, Kiel/Hamburg 2020), S. 1631 f.
  • Landtagsinformationssystem: Elly Linden
  • Wikipedia: Elly Linden

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Jebens-Ibs: Linden, S. 1631
  2. 2,0 2,1 Jebens-Ibs / Zachow-Ortmann: Politikerinnen, S. 29
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Jebens-Ibs / Zachow-Ortmann: Politikerinnen, S. 30
  4. Wir in Schleswig-Holstein, Februar 1987
  5. 5,0 5,1 5,2 Jebens-Ibs: Linden, S. 1632
  6. Jebens-Ibs / Zachow-Ortmann: Politikerinnen, S. 31
  7. Vgl. Danker/Lehmann-Himmel, S. 173. Die fünf Kategorien lauten "exponiert nationalsozialistisch", "systemtragend/karrieristisch", "ns-sozialisiert", "angepasst/ambivalent" und "oppositionell/'gemeinschaftsfremd'".
  8. Danker/Lehmann-Himmel, S. 279. Grundlage ihrer Einordnung sind eine Akte im Archiv der Hansestadt Lübeck (AHL), Entnazifizierung "Unbetroffen" Nr. 5390, sowie der Eintrag im Biographischen Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck (SHBL), Band 12 (2006), S. 291-293.