Fritz Sänger: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Fritz Sänger''', * [[24. Dezember]] [[1901]] in Stettin (heute Polen), † [[30. Juli]] [[1984]] in München; . Mitglied der SPD seit [[1920]].
'''Fritz Paul Sänger''', * [[24. Dezember]] [[1901]] in Stettin (heute Polen), † [[30. Juli]] [[1984]] in München; Journalist, Bundestagsabgeordneter. Mitglied der SPD ab [[1920]].


== Weblinks ==
==Leben & Beruf==
*Landtagsinformationssystem: [http://lissh.lvn.ltsh.de/cgi-bin/starfinder/0?path=samtflmore.txt&id=fastlink&pass=&search=ID%3D2692&format=WEBVOLLLANG Fritz Sänger]
Fritz Sänger wuchs zusammen mit drei Geschwistern in Stettin in einem evangelischen, zunächst gut situierten Elternhaus auf. Als der Vater, ein Großhandels-Exportkaufmann, [[1908]] starb, war jedoch bald kein Vermögen mehr vorhanden und die Mutter musste die Familie durch ihre eigene Arbeit ernähren. Die finanziellen Verhältnisse waren sehr knapp.
 
Er schloss die Schule [[1918]] mit dem Einjährigen-Freiwilligenzeugnis ab und besuchte dann als Stipendiat das Lehrerseminar in Pyritz (Pommern).
 
Er engagierte sich als Geschäftsführer des Verbandes Preußischer Seminaristen und wurde am [[1. Juli]] [[1920]] Redakteur der vom Preußischen Lehrerverein herausgegebenen Halbmonatsschrift ''Der Ruf''. Im September [[1921]] legte er die Lehrerprüfung ab, erlangte auch Abitur und Hochschulreife, entschied sich jedoch für den Beruf des Journalisten. Volontariat und anschließende Redakteurstätigkeit leistete er vom Oktober [[1921]] bis November [[1922]] beim ''Generalanzeiger für Stettin und Pommern''.
 
Eine andere berufliche Erfahrung erwarb er danach bis April [[1927]] als Sekretär des Provinzkartells Pommern des Deutschen Beamtenbundes (DBB). Nebenher arbeitete er auch für Publikationen der SPD. Letzteres machte seine Position im DBB mit der Zeit schwierig, und seine Ernennung zum Bundessekretär Anfang [[1927]] wurde nicht dauerhaft wirksam. Er zog es vor, ab Mai [[1927]] als Redakteur die ''Preußische Lehrerzeitung'' des Preußischen Lehrervereins zu leiten. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde er am [[18. April]] [[1933]] vom Preußischen Lehrerverein (dem er ohnehin politisch zu "einseitig" war) fristlos entlassen.
 
=== NS-Herrschaft ===
Das von ihm mit begründete Pressebüro ''Die Brücke'' nutzte Fritz Sänger, um den Zusammenhalt unter den Angehörigen der ehemaligen sozialdemokratischen Lehrerbewegung und unter sozialistischen Redakteuren zu fördern. Er half in vielen Fällen, NS-Verfolgte in Sicherheit zu bringen, so im Fall des sozialdemokratischen Schulstadtrats von Neukölln, [[Kurt Löwenstein]], und der jüdischen Ehefrauen der Journalistenkollegen Dolf Sternberger und [[Otto Suhr]].
 
Da die Korrespondenzen der ''Brücke'' finanziell nichts einbrachten, war er im Juni [[1935]] mittellos. Eine Aushilfsstelle als Pressestenograph beim Deutschen Nachrichtenbüro verlor er bereits im September [[1935]] wegen seiner politischen Vergangenheit wieder. Sein Lebensunterhalt war erst gesichert, als ihn die Berliner Redaktion der ''Frankfurter Zeitung'' zum [[1. Oktober]] [[1935]] aufnahm.
 
Während dieser Tätigkeit sammelte er systematisch Informationen, Weisungen für die gleichgeschaltete Presse usw., schon im Hinblick auf eine Überlieferung für die Zeit nach einem Ende des NS-Systems.<ref>[https://www.ifz-muenchen.de/archiv/zs/zs-1403.pdf ''Eidesstattliche Erklärung''], 16.10.1947, in: ''Archiv für Zeitgeschichte'' (München) Signatur: ZS 1403</ref> Seine Erfahrungen mit dem NS-Pressewesen schilderte er später in einigen seiner Bücher. Als zum [[31. August]] [[1943]] die linksliberale ''Frankfurter Zeitung'' verboten wurde, fand Fritz Sänger ein Unterkommen bei der Berliner Redaktion des ''Neuen Wiener Tagblatts''.
 
In Berlin kam er bald mit Widerstandskreisen in Kontakt, zum einen über seinen Rechtsanwalt [[Walter Menzel]], den späteren Innenminister von Nordrhein-Westfalen, zum anderen über die Kontakte aus der ''Brücke''. Nach der Entlassung [[Carlo Mierendorff|Carlo Mierendorffs]] aus dem KZ lernte Fritz Sänger durch ihn [[Theodor Haubach]] und durch diesen [[1942]] [[Julius Leber]] kennen. Mit dieser Gruppe sprach er über die geistigen und politischen Grundlagen einer möglichen Opposition gegen die NS-Herrschaft. Er lieferte den [[Widerstand in der NS-Zeit|Widerstandskreisen]] aus seiner beruflichen Kenntnis Informationen über den Regierungs- und Propagandaapparat. Schließlich wurde er für den Fall eines Sturzes des NS-Regimes als neuer Chef des Deutschen Nachrichtenbüros vorgesehen.
 
=== Neubeginn ===
Nach der militärischen Zerschlagung des "Dritten Reiches" [[1945]] half Fritz Sänger in Gifhorn, wohin es ihn und seine Familie verschlagen hatte, als Sonderbeauftragter für die Betreuung der NS-Verfolgten. Schon am [[6. Oktober]] [[1945]] holte ihn die britische Besatzungsmacht als Chefredakteur der ''Braunschweiger Neuen Presse'' (später ''Braunschweiger Zeitung'') zurück in den Journalismus. Ab Mai [[1946]] baute Sänger mit anderen zuerst nebenberuflich, dann hauptberuflich den ''Sozialdemokratischen Pressedienst'' wieder auf, dessen Chefredakteur er bis Juli [[1947]] blieb.
 
Anschließend wurde er Chefredakteur und Geschäftsführer des ''Deutschen Pressedienstes'', der ursprünglich unter britischer Leitung gegründeten Presseagentur in der britischen Besatzungszone. Sein Landtagsmandat legte er nieder. Nach Zusammenlegung der Agenturen der westlichen Besatzungszonen zur ''Deutschen Presseagentur'' wurde er auch hier Chefredakteur und bis [[1955]] einer der Geschäftsführer. Den Chefredakteursposten gab er am [[31. Mai]] [[1959]] unfreiwillig auf, letztlich aufgrund des Drucks der Bundesregierung.
 
Zu seiner beruflichen und politischen Tätigkeit trat Mitgliedschaft oder Vorstandstätigkeit in zahlreichen Verbänden und Gremien. Genannt seien nur der Rundfunkrat des NDR, Rundfunkrat des Deutschlandfunks, Deutscher Presserat, das Kuratorium "Freunde des Israel-Aufbaus", Kuratorium der Friedrich-Ebert-Stiftung und das Kuratorium der Stiftung "Hilfswerk 20. Juli". [[1958]] wurde er in die Hamburger Freimaurerloge ''Die Brückenbauer'' aufgenommen. Schon [[1956]] trat er vom Deutschen Journalistenverband in die Deutsche Journalistenunion im DGB / IG Druck und Papier über. Aus dem Kuratorium für den Theodor-Wolff-Preis zog er sich wegen dessen zu enger Bindung an das Haus Springer zurück.
 
Nach dem Verlassen der aktiven Politik widmete sich Fritz Sänger wieder freier journalistischer Tätigkeit, wirkte dabei aber auch bis [[1972]] als Herausgeber des von SPD und DGB getragenen Informationsdienstes ''Funkreport''. Zu Sängers 80. Geburtstag stiftete der Parteivorstand der SPD den alle zwei Jahre zu verleihenden "Fritz-Sänger-Preis für mutigen Journalismus".
 
Er schrieb auch unter den Pseudonymen Günther Friebe, Matthias Monten und Paul Pommer.
 
Er war dreimal verheiratet. Von seiner ersten Frau Charlotte (geb. Hintze), mit der er einen Sohn hatte, ließ er sich scheiden, um [[1936]] seine zweite Frau Susanne (geb. Kühne) zu heiraten. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor. Nach dem Tod von Susanne Sänger [[1981]] heiratete er im März [[1984]] die Dolmetscherin Irmgard (geb. Schäfer) in München. Dort starb er am [[30. Juli]] [[1984]].
 
Zeitweise lebte er in [[Ortsverein Wedel|Wedel]], am Erlenweg 28.<ref>Dies ist seine letzte unter {{LIS|2692}} verzeichnete Adresse.</ref>                                                                                 
 
==Partei & Politik==
Durch einen Schulfreund, dssen Vater Sekretär des Metallarbeiterverbandes war, kam Fritz Sänger in Verbindung mit sozialdemokratischem Gedankengut und trat am [[1. April]] [[1920]] der SPD bei. Er arbeitete nebenberuflich beim ''Vorwärts'' und beim ''Sozialdemokratische Pressedienst'' mit und engagierte sich auch in der [[Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer (AsL)|Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer]] und im Ausschuss für Jugendfragen des Provinziallandtags.
 
[[1946]] wurde Fritz Sänger Mitglied des Gemeinderates von Gifhorn und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag. Ab August [[1946]] gehörte er dem hannoverschen bzw. dann niedersächsischen Landtag an.
 
Später lehnte er Angebote zur Übernahme von Ministerien in Niedersachsen oder Hessen ab. Als ihm [[Erich Ollenhauer]] aber antrug, den Entwurf für das neue Parteiprogramm der SPD zur Beschlussreife zu redigieren, griff er zu. Als Mitglied der Redaktionskommission des Parteivorstands und schließlich als deren Sekretär auf dem Godesberger Parteitag im November [[1959]] konnte er entscheidenden Einfluss auf die Formulierung des Programms nehmen. Aus dieser Tätigkeit entstand [[1960]] die Veröffentlichung ''Grundsatzprogramm der SPD. Kommentar'', die [[1964]] in dritter Auflage unter dem Titel ''Soziale Demokratie. Bemerkungen zum Grundsatzprogramm der SPD'' erschien.
 
Ab Januar [[1960]] widmete sich Fritz Sänger freier journalistischer Tätigkeit. In den Monaten vor der [[Bundestagswahl 1961]] war er in Bonn Sekretär der "Zentralen Wahlkampfleitung", die den Wahlkampf [[Willy Brandt|Willy Brandts]] koordinierte. Über die [[Landesparteitag 1961, Mölln|Landesliste Schleswig-Holstein]] zog er nach der Kandidatur im Wahlkreis 14 (Herzogtum Lauenburg) [[Bundestagswahl 1961|1961]] und noch einmal [[Bundestagswahl 1965|1965]] - jetzt Wahlkreis 10 (Stormarn–Herzogtum Lauenburg) - in den [[Landesgruppe|Bundestag]] ein. Hier war er in den Ausschüssen für Kulturpolitik und Publizistik, für Gesamtdeutsche und Berliner Fragen, im Auswärtigen Ausschuss sowie im Postausschuss aktiv. Sein Hauptaugenmerk als Abgeordneter galt der Presse- und Medienpolitik, besonders der Pressegesetzgebung. Während der Diskussion um die Notstandsgesetze sorgte er, so weit möglich, für die Berücksichtigung der Belange der Presse auch im Notstandsfall.
 
Auf eine Kandidatur zur [[Bundestagswahl 1969]] verzichtete er.
 
Den Bundestag hatte Fritz Sänger schon von Anfang an mit seiner Arbeit begleitet: Zum Zusammentritt des ersten Bundestages im September [[1949]] hatte er unter dem Titel ''Die Volksvertretung'' die erste Auflage eines Handbuches des deutschen Bundestages herausgegeben, das Auskunft über die Abgeordneten, die Organisation und Arbeitsweise des Parlaments und die rechtlichen Grundlagen gab.
 
Die vierte Auflage erschien zum Zusammentritt des dritten Bundestags [[1957]]. Für die Vermittlung der Arbeit des Parlaments gegenüber den Wählern ebenso wichtig war sein ''"Wahlhandbuch 1965"'', eine Sammlung von Texten, Daten, Dokumenten zu Wahlrecht, Wahlkampf, Wahlergebnisse und Wahlkreisen.
 
==Ehrungen==
*Am [[26. Juni]] [[1969]] wurde Fritz Sänger mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
*Zu seinem 80. Geburtstag [[1981]] stiftete der Parteivorstand den ''Fritz-Sänger-Preis für mutigen Journalismus''. Der Preis wurden bis [[1998]] vergeben.
 
==Veröffentlichungen==
*''Der Freiheit dienen'' (Steidl 1985)
*''Der Deutschen Fernsehens unglückliche Liebe zur Kartographie'' (1984?)
*''Verborgene Fäden'' (Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1978)
*''Politik der Täuschungen'' (Europaverlag, Wien 1975)
*''Politik für Deutschland'' (Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Bonn 1964)
*''Soziale Demokratie'' (Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Hannover 1962)
*''Grundsatzprogramm der SPD'' (J. H. W. Dietz Nachf., Berlin 1960)
 
==Archive==
*Archiv der Sozialen Demokratie - Signatur: 1/FSAC, Laufzeit: 1921 - 1984, Umfang: 10,40 lfm - Korrespondenz; Publikationen; Unterlagen zu Presse, Rundfunk, Fernsehen (u.a. Presserecht, Pressefreiheit, Konzentration im Pressewesen); Deutscher Presserat; Spiegel-Affäre; Notstandsgesetzgebung; Prozesse betr. Kurt Ziesel und "Deutschland-Stiftung"; SPD; SPD-Programmatik; Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung (u.a. Bundespresse- und Informationsamt); Bundestagswahlkampf 1961; Stiftung "Hilfswerk 20. Juli 1944"
*Institut für Zeitgeschichte, München - [http://archiv.ifz-muenchen.de/hzeig.FAU?sid=4F447E7921&dm=1&ind=2&zeig=ED+140 Signatur: ED 140]
*Deutsche Nationalbibliothek - [https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118604791 Literatur von und über Fritz Sänger]
*Bundesarchiv - Signatur: [https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/17d5d32b-070c-4eab-a9fd-893d96b2c834/ N 1261]
 
==Literatur==
*Frei, Norbert: ''Sänger, Fritz Paul.'' In: ''Neue Deutsche Biographie'' (NDB). Band 22  (Duncker & Humblot, Berlin 2005) <nowiki>ISBN 3-428-11203-2</nowiki>, S. 350 f. ([https://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016410/images/index.html?seite=364 Digitalisat]).
*Henkels, Walter: ''99 Bonner Köpfe'' (durchgesehene und ergänzte Ausgabe, Fischer-Bücherei, Frankfurt am Main 1965) S. 207 ff.
*Rätsch, Birgit: ''„Der Tätige ist stets wichtiger als der Tote oder auch nur der Gefesselte.“ Das Dilemma Fritz Sängers zwischen Mittun und Opposition''. In: Studt, Christoph [Hrsg.]: ''„Diener des Staates“ oder „Widerstand zwischen den Zeilen“? : Die Rolle der Presse im „Dritten Reich“''. XVIII. Königswinterer Tagung Februar 2005. (Königswinter 2005, Schriftenreihe der Forschungsgemeinschaft 20. Juli); 8, 2007, S. 183–194
*Simon, Barbara: ''Abgeordnete in Niedersachsen 1946–1994. Biographisches Handbuch.'' Hrsg. vom Präsidenten des Niedersächsischen Landtages (Niedersächsischer Landtag, Hannover 1996), S. 320
*Volmerich, Oliver: ''Widerstand oder Propaganda? : zur Beurteilung journalistischer Ethik im Dritten Reich - am Beispiel der ''Frankfurter Zeitung'' und des Streits um den "Fritz-Sänger-Preis"'' (Dortmund 1992)
*Wendt, Eckhard: ''Stettiner Lebensbilder'' (= ''Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern'', Reihe V, Band 40. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2004) <nowiki>ISBN 3-412-09404-8</nowiki>, S. 393–395
 
==Weblinks==
*{{LIS|2692}}
*{{Wikipedia}}
*{{Wikipedia}}


==Einzelnachweise==
<references />


[[Kategorie:Kreisverband Pinneberg|Sänger, Fritz]]
[[Kategorie:Kreisverband Pinneberg]]
[[Kategorie:Vervollständigen|Sänger, Fritz]]
[[Kategorie:Kreisverband Herzogtum Lauenburg]]
[[Kategorie:Widerstand]]
[[Kategorie:JournalistIn]]

Aktuelle Version vom 19. Februar 2026, 11:23 Uhr

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Fritz Sänger
Geboren: 24. Dezember 1901
Gestorben: 30. Juli 1984

Fritz Paul Sänger, * 24. Dezember 1901 in Stettin (heute Polen), † 30. Juli 1984 in München; Journalist, Bundestagsabgeordneter. Mitglied der SPD ab 1920.

Leben & Beruf

Fritz Sänger wuchs zusammen mit drei Geschwistern in Stettin in einem evangelischen, zunächst gut situierten Elternhaus auf. Als der Vater, ein Großhandels-Exportkaufmann, 1908 starb, war jedoch bald kein Vermögen mehr vorhanden und die Mutter musste die Familie durch ihre eigene Arbeit ernähren. Die finanziellen Verhältnisse waren sehr knapp.

Er schloss die Schule 1918 mit dem Einjährigen-Freiwilligenzeugnis ab und besuchte dann als Stipendiat das Lehrerseminar in Pyritz (Pommern).

Er engagierte sich als Geschäftsführer des Verbandes Preußischer Seminaristen und wurde am 1. Juli 1920 Redakteur der vom Preußischen Lehrerverein herausgegebenen Halbmonatsschrift Der Ruf. Im September 1921 legte er die Lehrerprüfung ab, erlangte auch Abitur und Hochschulreife, entschied sich jedoch für den Beruf des Journalisten. Volontariat und anschließende Redakteurstätigkeit leistete er vom Oktober 1921 bis November 1922 beim Generalanzeiger für Stettin und Pommern.

Eine andere berufliche Erfahrung erwarb er danach bis April 1927 als Sekretär des Provinzkartells Pommern des Deutschen Beamtenbundes (DBB). Nebenher arbeitete er auch für Publikationen der SPD. Letzteres machte seine Position im DBB mit der Zeit schwierig, und seine Ernennung zum Bundessekretär Anfang 1927 wurde nicht dauerhaft wirksam. Er zog es vor, ab Mai 1927 als Redakteur die Preußische Lehrerzeitung des Preußischen Lehrervereins zu leiten. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde er am 18. April 1933 vom Preußischen Lehrerverein (dem er ohnehin politisch zu "einseitig" war) fristlos entlassen.

NS-Herrschaft

Das von ihm mit begründete Pressebüro Die Brücke nutzte Fritz Sänger, um den Zusammenhalt unter den Angehörigen der ehemaligen sozialdemokratischen Lehrerbewegung und unter sozialistischen Redakteuren zu fördern. Er half in vielen Fällen, NS-Verfolgte in Sicherheit zu bringen, so im Fall des sozialdemokratischen Schulstadtrats von Neukölln, Kurt Löwenstein, und der jüdischen Ehefrauen der Journalistenkollegen Dolf Sternberger und Otto Suhr.

Da die Korrespondenzen der Brücke finanziell nichts einbrachten, war er im Juni 1935 mittellos. Eine Aushilfsstelle als Pressestenograph beim Deutschen Nachrichtenbüro verlor er bereits im September 1935 wegen seiner politischen Vergangenheit wieder. Sein Lebensunterhalt war erst gesichert, als ihn die Berliner Redaktion der Frankfurter Zeitung zum 1. Oktober 1935 aufnahm.

Während dieser Tätigkeit sammelte er systematisch Informationen, Weisungen für die gleichgeschaltete Presse usw., schon im Hinblick auf eine Überlieferung für die Zeit nach einem Ende des NS-Systems.[1] Seine Erfahrungen mit dem NS-Pressewesen schilderte er später in einigen seiner Bücher. Als zum 31. August 1943 die linksliberale Frankfurter Zeitung verboten wurde, fand Fritz Sänger ein Unterkommen bei der Berliner Redaktion des Neuen Wiener Tagblatts.

In Berlin kam er bald mit Widerstandskreisen in Kontakt, zum einen über seinen Rechtsanwalt Walter Menzel, den späteren Innenminister von Nordrhein-Westfalen, zum anderen über die Kontakte aus der Brücke. Nach der Entlassung Carlo Mierendorffs aus dem KZ lernte Fritz Sänger durch ihn Theodor Haubach und durch diesen 1942 Julius Leber kennen. Mit dieser Gruppe sprach er über die geistigen und politischen Grundlagen einer möglichen Opposition gegen die NS-Herrschaft. Er lieferte den Widerstandskreisen aus seiner beruflichen Kenntnis Informationen über den Regierungs- und Propagandaapparat. Schließlich wurde er für den Fall eines Sturzes des NS-Regimes als neuer Chef des Deutschen Nachrichtenbüros vorgesehen.

Neubeginn

Nach der militärischen Zerschlagung des "Dritten Reiches" 1945 half Fritz Sänger in Gifhorn, wohin es ihn und seine Familie verschlagen hatte, als Sonderbeauftragter für die Betreuung der NS-Verfolgten. Schon am 6. Oktober 1945 holte ihn die britische Besatzungsmacht als Chefredakteur der Braunschweiger Neuen Presse (später Braunschweiger Zeitung) zurück in den Journalismus. Ab Mai 1946 baute Sänger mit anderen zuerst nebenberuflich, dann hauptberuflich den Sozialdemokratischen Pressedienst wieder auf, dessen Chefredakteur er bis Juli 1947 blieb.

Anschließend wurde er Chefredakteur und Geschäftsführer des Deutschen Pressedienstes, der ursprünglich unter britischer Leitung gegründeten Presseagentur in der britischen Besatzungszone. Sein Landtagsmandat legte er nieder. Nach Zusammenlegung der Agenturen der westlichen Besatzungszonen zur Deutschen Presseagentur wurde er auch hier Chefredakteur und bis 1955 einer der Geschäftsführer. Den Chefredakteursposten gab er am 31. Mai 1959 unfreiwillig auf, letztlich aufgrund des Drucks der Bundesregierung.

Zu seiner beruflichen und politischen Tätigkeit trat Mitgliedschaft oder Vorstandstätigkeit in zahlreichen Verbänden und Gremien. Genannt seien nur der Rundfunkrat des NDR, Rundfunkrat des Deutschlandfunks, Deutscher Presserat, das Kuratorium "Freunde des Israel-Aufbaus", Kuratorium der Friedrich-Ebert-Stiftung und das Kuratorium der Stiftung "Hilfswerk 20. Juli". 1958 wurde er in die Hamburger Freimaurerloge Die Brückenbauer aufgenommen. Schon 1956 trat er vom Deutschen Journalistenverband in die Deutsche Journalistenunion im DGB / IG Druck und Papier über. Aus dem Kuratorium für den Theodor-Wolff-Preis zog er sich wegen dessen zu enger Bindung an das Haus Springer zurück.

Nach dem Verlassen der aktiven Politik widmete sich Fritz Sänger wieder freier journalistischer Tätigkeit, wirkte dabei aber auch bis 1972 als Herausgeber des von SPD und DGB getragenen Informationsdienstes Funkreport. Zu Sängers 80. Geburtstag stiftete der Parteivorstand der SPD den alle zwei Jahre zu verleihenden "Fritz-Sänger-Preis für mutigen Journalismus".

Er schrieb auch unter den Pseudonymen Günther Friebe, Matthias Monten und Paul Pommer.

Er war dreimal verheiratet. Von seiner ersten Frau Charlotte (geb. Hintze), mit der er einen Sohn hatte, ließ er sich scheiden, um 1936 seine zweite Frau Susanne (geb. Kühne) zu heiraten. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor. Nach dem Tod von Susanne Sänger 1981 heiratete er im März 1984 die Dolmetscherin Irmgard (geb. Schäfer) in München. Dort starb er am 30. Juli 1984.

Zeitweise lebte er in Wedel, am Erlenweg 28.[2]

Partei & Politik

Durch einen Schulfreund, dssen Vater Sekretär des Metallarbeiterverbandes war, kam Fritz Sänger in Verbindung mit sozialdemokratischem Gedankengut und trat am 1. April 1920 der SPD bei. Er arbeitete nebenberuflich beim Vorwärts und beim Sozialdemokratische Pressedienst mit und engagierte sich auch in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und im Ausschuss für Jugendfragen des Provinziallandtags.

1946 wurde Fritz Sänger Mitglied des Gemeinderates von Gifhorn und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag. Ab August 1946 gehörte er dem hannoverschen bzw. dann niedersächsischen Landtag an.

Später lehnte er Angebote zur Übernahme von Ministerien in Niedersachsen oder Hessen ab. Als ihm Erich Ollenhauer aber antrug, den Entwurf für das neue Parteiprogramm der SPD zur Beschlussreife zu redigieren, griff er zu. Als Mitglied der Redaktionskommission des Parteivorstands und schließlich als deren Sekretär auf dem Godesberger Parteitag im November 1959 konnte er entscheidenden Einfluss auf die Formulierung des Programms nehmen. Aus dieser Tätigkeit entstand 1960 die Veröffentlichung Grundsatzprogramm der SPD. Kommentar, die 1964 in dritter Auflage unter dem Titel Soziale Demokratie. Bemerkungen zum Grundsatzprogramm der SPD erschien.

Ab Januar 1960 widmete sich Fritz Sänger freier journalistischer Tätigkeit. In den Monaten vor der Bundestagswahl 1961 war er in Bonn Sekretär der "Zentralen Wahlkampfleitung", die den Wahlkampf Willy Brandts koordinierte. Über die Landesliste Schleswig-Holstein zog er nach der Kandidatur im Wahlkreis 14 (Herzogtum Lauenburg) 1961 und noch einmal 1965 - jetzt Wahlkreis 10 (Stormarn–Herzogtum Lauenburg) - in den Bundestag ein. Hier war er in den Ausschüssen für Kulturpolitik und Publizistik, für Gesamtdeutsche und Berliner Fragen, im Auswärtigen Ausschuss sowie im Postausschuss aktiv. Sein Hauptaugenmerk als Abgeordneter galt der Presse- und Medienpolitik, besonders der Pressegesetzgebung. Während der Diskussion um die Notstandsgesetze sorgte er, so weit möglich, für die Berücksichtigung der Belange der Presse auch im Notstandsfall.

Auf eine Kandidatur zur Bundestagswahl 1969 verzichtete er.

Den Bundestag hatte Fritz Sänger schon von Anfang an mit seiner Arbeit begleitet: Zum Zusammentritt des ersten Bundestages im September 1949 hatte er unter dem Titel Die Volksvertretung die erste Auflage eines Handbuches des deutschen Bundestages herausgegeben, das Auskunft über die Abgeordneten, die Organisation und Arbeitsweise des Parlaments und die rechtlichen Grundlagen gab.

Die vierte Auflage erschien zum Zusammentritt des dritten Bundestags 1957. Für die Vermittlung der Arbeit des Parlaments gegenüber den Wählern ebenso wichtig war sein "Wahlhandbuch 1965", eine Sammlung von Texten, Daten, Dokumenten zu Wahlrecht, Wahlkampf, Wahlergebnisse und Wahlkreisen.

Ehrungen

  • Am 26. Juni 1969 wurde Fritz Sänger mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
  • Zu seinem 80. Geburtstag 1981 stiftete der Parteivorstand den Fritz-Sänger-Preis für mutigen Journalismus. Der Preis wurden bis 1998 vergeben.

Veröffentlichungen

  • Der Freiheit dienen (Steidl 1985)
  • Der Deutschen Fernsehens unglückliche Liebe zur Kartographie (1984?)
  • Verborgene Fäden (Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1978)
  • Politik der Täuschungen (Europaverlag, Wien 1975)
  • Politik für Deutschland (Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Bonn 1964)
  • Soziale Demokratie (Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Hannover 1962)
  • Grundsatzprogramm der SPD (J. H. W. Dietz Nachf., Berlin 1960)

Archive

  • Archiv der Sozialen Demokratie - Signatur: 1/FSAC, Laufzeit: 1921 - 1984, Umfang: 10,40 lfm - Korrespondenz; Publikationen; Unterlagen zu Presse, Rundfunk, Fernsehen (u.a. Presserecht, Pressefreiheit, Konzentration im Pressewesen); Deutscher Presserat; Spiegel-Affäre; Notstandsgesetzgebung; Prozesse betr. Kurt Ziesel und "Deutschland-Stiftung"; SPD; SPD-Programmatik; Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung (u.a. Bundespresse- und Informationsamt); Bundestagswahlkampf 1961; Stiftung "Hilfswerk 20. Juli 1944"
  • Institut für Zeitgeschichte, München - Signatur: ED 140
  • Deutsche Nationalbibliothek - Literatur von und über Fritz Sänger
  • Bundesarchiv - Signatur: N 1261

Literatur

  • Frei, Norbert: Sänger, Fritz Paul. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22 (Duncker & Humblot, Berlin 2005) ISBN 3-428-11203-2, S. 350 f. (Digitalisat).
  • Henkels, Walter: 99 Bonner Köpfe (durchgesehene und ergänzte Ausgabe, Fischer-Bücherei, Frankfurt am Main 1965) S. 207 ff.
  • Rätsch, Birgit: „Der Tätige ist stets wichtiger als der Tote oder auch nur der Gefesselte.“ Das Dilemma Fritz Sängers zwischen Mittun und Opposition. In: Studt, Christoph [Hrsg.]: „Diener des Staates“ oder „Widerstand zwischen den Zeilen“? : Die Rolle der Presse im „Dritten Reich“. XVIII. Königswinterer Tagung Februar 2005. (Königswinter 2005, Schriftenreihe der Forschungsgemeinschaft 20. Juli); 8, 2007, S. 183–194
  • Simon, Barbara: Abgeordnete in Niedersachsen 1946–1994. Biographisches Handbuch. Hrsg. vom Präsidenten des Niedersächsischen Landtages (Niedersächsischer Landtag, Hannover 1996), S. 320
  • Volmerich, Oliver: Widerstand oder Propaganda? : zur Beurteilung journalistischer Ethik im Dritten Reich - am Beispiel der Frankfurter Zeitung und des Streits um den "Fritz-Sänger-Preis" (Dortmund 1992)
  • Wendt, Eckhard: Stettiner Lebensbilder (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern, Reihe V, Band 40. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2004) ISBN 3-412-09404-8, S. 393–395

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eidesstattliche Erklärung, 16.10.1947, in: Archiv für Zeitgeschichte (München) Signatur: ZS 1403
  2. Dies ist seine letzte unter Landtagsinformationssystem: Fritz Sänger verzeichnete Adresse.