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== Werdegang == | == Werdegang == | ||
Hermann Lüdemanns berufliche Biografie verlief nicht geradlinig. Über Realschule, Gewerbeschule und Ingenieurschule erwarb er die Voraussetzungen zum Besuch einer Technischen Hochschule. | Hermann Lüdemanns Eltern waren der Arbeiter Heinrich Lüdemann und seine Frau Catharina, Tochter eines Kleinbauern. Sie betrieben in Lübeck eine Gastwirtschaft. Sie waren evangelisch; ihr Sohn trat offenbar später aus der Kirche aus.<ref>In der [http://www.deutsche-biographie.de/sfz54899.html Deutschen Biografie] ist angegeben "evangelisch, später Dissident".</ref> | ||
Hermann Lüdemanns berufliche Biografie verlief nicht geradlinig. Über Realschule, Gewerbeschule, eine Maschinenbaulehre und die Ingenieurschule erwarb er die Voraussetzungen zum Besuch einer Technischen Hochschule. Anschließend fuhr er im Rahmen eines Praktikums sechs Monate als Maschinist zu See. Nach sechsjähriger Tätigkeit als Ingenieur wechselte er in die Gewerkschaftsarbeit; von [[1905]] bis [[1912]] führte er die Geschäfte des Bundes der technischen Angestellten und Beamten. Nach einigen Jahren als freier Schriftsteller wurde er [[1915]] Stellvertretender Abteilungsleiter bei der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft der deutschen Genossenschaften (ZEG). Von [[1919]] bis [[1920]] war er Referent im Reichsministerium für Arbeit, von [[1922]] bis [[1927]] Bezirksgeschäftsführer im Verband sozialer Baubetriebe. | |||
== Politische Funktionen in der Weimarer Republik == | == Politische Funktionen in der Weimarer Republik == | ||
Version vom 16. November 2014, 11:04 Uhr
| Hermann Lüdemann |
Hermann Lüdemann, * 5. August 1880 in Lübeck, † 27. Mai 1959 in Kiel; Ingenieur. Mitglied der SPD seit 1912. Er war vom 8. Mai 1947 bis 29. August 1949 Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein.
Werdegang
Hermann Lüdemanns Eltern waren der Arbeiter Heinrich Lüdemann und seine Frau Catharina, Tochter eines Kleinbauern. Sie betrieben in Lübeck eine Gastwirtschaft. Sie waren evangelisch; ihr Sohn trat offenbar später aus der Kirche aus.[1]
Hermann Lüdemanns berufliche Biografie verlief nicht geradlinig. Über Realschule, Gewerbeschule, eine Maschinenbaulehre und die Ingenieurschule erwarb er die Voraussetzungen zum Besuch einer Technischen Hochschule. Anschließend fuhr er im Rahmen eines Praktikums sechs Monate als Maschinist zu See. Nach sechsjähriger Tätigkeit als Ingenieur wechselte er in die Gewerkschaftsarbeit; von 1905 bis 1912 führte er die Geschäfte des Bundes der technischen Angestellten und Beamten. Nach einigen Jahren als freier Schriftsteller wurde er 1915 Stellvertretender Abteilungsleiter bei der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft der deutschen Genossenschaften (ZEG). Von 1919 bis 1920 war er Referent im Reichsministerium für Arbeit, von 1922 bis 1927 Bezirksgeschäftsführer im Verband sozialer Baubetriebe.
Politische Funktionen in der Weimarer Republik
- Fraktionsvorsitzender im Arbeiter- und Soldatenrat Berlin 1918-1919
- Mitglied der verfassunggebenden preußischen Landesversammlung 1919–1921
- Mitglied des preußischen Landtags 1921–1929, preußischer Finanzminister 29. März 1920-21. April 1921
- Regierungspräsident in Lüneburg 1927–1928
- Oberpräsident von Niederschlesien 1928–1933
Unter dem Nationalsozialismus
- Häftling in den KZs Dürrgoy, Esterwegen und Lichtenburg 1933–1935
- Verbindung zum Widerstandskreis um Wilhelm Leuschner, Julius Leber und Carlo Mierendorff, erneute Verhaftung im Zuge der Aktion Gitter, KZs Ravensbrück und Sachsenhausen 1944–1945
Politiker in Schleswig-Holstein
- Landtagsabgeordneter 1946–1958
- In der Wiederaufbauphase Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein 1946–1947
- Erster gewählter Ministerpräsident des Landes 1947–1949
- Mitglied des Parlamentarischen Rates 1948–1949
Seine politischen Schwerpunkte lagen in der Modernisierung der Wirtschaft und Infrastruktur des Landes, idealerweise durch ein Bundesland 'Unterelbe' (unter Einbeziehung von Hamburg und nördlichen Randgebieten Niedersachsens), in der Integration und Verbesserung der Lebensbedingungen der Flüchtlinge und Vertriebenen, die Schleswig-Holsteins Bevölkerungszahl nahezu verdoppelten, und im Ausgleich mit Dänemark und der südlich der Grenze lebenden dänischen Minderheit, eine Politik, die 1955 in den "Bonn-Kopenhagener Erklärungen" gipfelte.
Möwenhaus
Einen Skandal löste Lüdemann 1949 aus, als er den Ausbau eines Gästehauses, des "Möwenhauses" (in der "Seeburg" am Düsternbrooker Weg), seinem Schwiegersohn übertrugt und dabei das geplante Budget deutlich überzogen wurde. Die Opposition nutzte den Vorgang, um die SPD zu diskreditieren, was sogar Auswirkungen auf die Bundestagswahl 1949 hatte. Der SPIEGEL zitierte die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung:
- "Am Morgen nach der Wahl gab Lüdemanns Regierungsorgan die SPD-Wahlniederlage offen zu. Mit Hieb auf die Wähler: 'Man schämt sich beinahe, zu denken, daß in einer Wahl, die um das Schicksal Deutschlands ging, eine Angelegenheit, wie das Möwenhaus eine derartige Rolle spielen konnte. Nur muß eine Regierung, die sich in einer so schwierigen Lage befindet, Ungeschicklichkeiten besonders eifrig und sorgfältig vermeiden.'"[2]
Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss konnte jedoch ein Fehlverhalten des Ministerpräsidenten weder in finanzieller Hinsicht noch in der Beauftragung eines - entsprechend qualifizierten - Familienmitgliedes erkennen. Trotzdem wurde Lüdemann als Ministerpräsident von Bruno Diekmann abgelöst. Der Eindruck entstand, dass Andreas Gayk - dem "starken Mann" der Landes-SPD in dieser Zeit und Widerpart von Lüdemann - die Affäre nicht ungelegen kam, um den Ministerpräsidenten, mit dessen Politik er nicht einverstanden war, zu entmachten.[3]
Parteifunktionen
- Vorsitzender des Ortsvereins Preetz ab 1950
Privatleben
Hermann Lüdemann hatte aus zwei Ehen drei Töchter. Er galt als Genussmensch, was den Spiegel schon 1948 zu einem für damalige Zeiten ungewöhnlichen Seitenhieb[4] verleitete, obwohl dieser mit dem Gegenstand des Artikels nichts zu tun hatte.
Ehrungen
- Am 9. Mai 1953 erhielt Hermann Lüdemann aus der Hand von Bundespräsident Theodor Heuss das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die höchste Ehrung, die die junge Republik zu vergeben hatte.[5]
- 1954 verlieh ihm seine Geburtsstadt Lübeck zu seinem 75. Geburtstag die Ehrenplakette des Senats.[6]
- Die Trauerrede für Hermann Lüdemann hielt Prof. Carlo Schmid.
Literatur
- Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006)
Links
Quelle
- ↑ In der Deutschen Biografie ist angegeben "evangelisch, später Dissident".
- ↑ Möwenhaus-Wellen - Über den Wellen Ohrenschall in: DER SPIEGEL 34/1949
- ↑ Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006), S. 177 f.
- ↑ "Der stürmische Genosse", Der Spiegel, 17.1.1948 (oder hier)
- ↑ Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006), S. 186
- ↑ Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006), S. 186
MinisterpräsidentIn: Hermann Lüdemann (1947 - 1948) | Bruno Diekmann (1949 - 1950) | Björn Engholm (1988 - 1993) | Heide Simonis (1993 - 2005) | Torsten Albig (2012 - 2017)

