Hermann Lüdemann

Aus SPD Geschichtswerkstatt
Hermann Lüdemann
Hermann Lüdemann
Hermann Lüdemann
Geboren: 5. September 1880
Gestorben: 27. Mai 1959

Hermann Lüdemann, * 5. August 1880 in Lübeck, † 27. Mai 1959 in Kiel; Ingenieur. Er war vom 8. Mai 1947 bis 29. August 1949 Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein.

Werdegang

Hermann Lüdemanns berufliche Biografie verlief nicht geradlinig. Über Realschule, Gewerbeschule und Ingenieurschule erwarb er die Voraussetzungen zum Besuch einer Technischen Hochschule. Daran schloss er eine Maschinenbaulehre an und fuhr anschließend als Maschinist zu See. Nach sechsjähriger Tätigkeit als Ingenieur führte er von 1905 bis 1912 die Geschäfte des Bundes der technischen Angestellten und Beamten. Nach einigen Jahren als freier Schriftsteller wurde er 1915 Stellvertretender Abteilungsleiter bei der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft der deutschen Genossenschaften (ZEG). Von 1919 bis 1920 war er Referent im Reichsministerium für Arbeit, von 1922 bis 1927 Bezirksgeschäftsführer im Verband sozialer Baubetriebe.

Politische Funktionen in der Weimarer Republik

  • Fraktionsvorsitzender im Arbeiter- und Soldatenrat Berlin 1918-1919
  • Mitglied der verfassunggebenden preußischen Landesversammlung 1919–1921
  • Mitglied des preußischen Landtags 1921–1929, preußischer Finanzminister 29. März 1920-21. April 1921
  • Regierungspräsident in Lüneburg 1927–1928
  • Oberpräsident von Niederschlesien 1928–1933

Unter dem Nationalsozialismus

Politiker in Schleswig-Holstein

  • Landtagsabgeordneter 1946–1958
  • In der Wiederaufbauphase Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein 19461947
  • Erster gewählter Ministerpräsident des Landes 1947–1949
  • Mitglied des Parlamentarischen Rates 1948–1949

Seine politischen Schwerpunkte lagen in der Modernisierung der Wirtschaft und Infrastruktur des Landes, idealerweise durch ein Bundesland 'Unterelbe' (unter Einbeziehung von Hamburg und nördlichen Randgebieten Niedersachsens), in der Integration und Verbesserung der Lebensbedingungen der Flüchtlinge und Vertriebenen, die Schleswig-Holsteins Bevölkerungszahl nahezu verdoppelten, und im Ausgleich mit Dänemark und der südlich der Grenze lebenden dänischen Minderheit, eine Politik, die 1955 in den "Bonn-Kopenhagener Erklärungen" gipfelte.

Möwenhaus

Einen Skandal löste Lüdemann 1949 aus, als er den Ausbau eines Gästehauses, des "Möwenhauses" (in der "Seeburg" am Düsternbrooker Weg), seinem Schwiegersohn übertrugt und dabei das geplante Budget deutlich überzogen wurde. Die Opposition nutzte den Vorgang, um die SPD zu diskreditieren, was sogar Auswirkungen auf die Bundestagswahl 1949 hatte. Der SPIEGEL zitierte die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung:

"Am Morgen nach der Wahl gab Lüdemanns Regierungsorgan die SPD-Wahlniederlage offen zu. Mit Hieb auf die Wähler: 'Man schämt sich beinahe, zu denken, daß in einer Wahl, die um das Schicksal Deutschlands ging, eine Angelegenheit, wie das Möwenhaus eine derartige Rolle spielen konnte. Nur muß eine Regierung, die sich in einer so schwierigen Lage befindet, Ungeschicklichkeiten besonders eifrig und sorgfältig vermeiden.'"[1]

Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss konnte jedoch ein Fehlverhalten des Ministerpräsidenten weder in finanzieller Hinsicht noch in der Beauftragung eines - entsprechend qualifizierten - Familienmitgliedes erkennen. Trotzdem wurde Lüdemann als Ministerpräsident von Bruno Diekmann abgelöst. Der Eindruck entstand, dass Andreas Gayk - dem "starken Mann" der Landes-SPD in dieser Zeit und Widerpart von Lüdemann - die Affäre nicht ungelegen kam, um den Ministerpräsidenten, mit dessen Politik er nicht einverstanden war, zu entmachten.[2]

Parteifunktionen

Privatleben

Hermann Lüdemann hatte aus zwei Ehen drei Töchter. Er galt als Genussmensch, was den Spiegel schon 1948 zu einem für damalige Zeiten ungewöhnlichen Seitenhieb[3] verleitete, obwohl dieser mit dem Gegenstand des Artikels nichts zu tun hatte.

Ehrungen

  • Am 9. Mai 1953 erhielt Hermann Lüdemann aus der Hand von Bundespräsident Theodor Heuss das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die höchste Ehrung, die die junge Republik zu vergeben hatte.[4]
  • 1954 verlieh ihm seine Geburtsstadt Lübeck zu seinem 75. Geburtstag die Ehrenplakette des Senats.[5]
  • Die Trauerrede für Hermann Lüdemann hielt Prof. Carlo Schmid.
  • Seit 2006 ist in Preetz, wo er von 1947 bis zu seinem Tod 1959 lebte, eine Straße nach ihm benannt.

Literatur

  • Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006)

Links

Quelle

  1. Möwenhaus-Wellen - Über den Wellen Ohrenschall in: DER SPIEGEL 34/1949
  2. Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006), S. 177 f.
  3. "Der stürmische Genosse", Der Spiegel, 17.1.1948 (oder hier)
  4. Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006), S. 186
  5. Rolf Fischer: Hermann Lüdemann und die deutsche Demokratie (Neumünster 2006), S. 186