Otto Passarge

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Otto Passarge
Geboren: 12. November 1891
Gestorben: 16. Mai 1976

Otto Passarge, * 12. November 1891 in Lübeck; † 16. Mai 1976 Lübeck; Maurer, Stuckateur, Bürgermeister von Lübeck; Mitglied der SPD seit 1908[1].

Leben & Beruf

Nach der Volksschule machte Otto Passarge eine Lehre als Maurer. Von 1914-1918 war er Soldat im Ersten Weltkrieg.

1933 wurde er von den Nazis verhaftet und ins KZ Fuhlbüttel gebracht. 1936 wurde er erneut verhaftet. 1939/1940 kam er ins KZ Sachsenhausen. Ab 1935 hat sich Otto Passarge immer wieder illegal betätigt, bis er 1944 zum Kriegsdienst verpflichtet wird.[1]

Otto Passarge war verheiratet, hatte keine Kinder und stirbt 1976 mit 84 Jahren in Lübeck.

Partei & Politik

Mit 17 Jahren trat Otto Passarge 1908 in die SPD ein und gründete mit anderen die Sozialistische Arbeiterjugend in Lübeck, deren Leiter er bis 1924 ist. 1911-1913 ist er Präsident des Deutschen Arbeitervereins in Basel.

Mit 30 Jahren wurde Otto Passarge 1921 in die Lübecker Bürgerschaft gewählt und blieb ihr Mitglied mit zur Machtübernahme der Nazis 1933. Ab 1930 war Otto Passarge Fraktionsvorsitzender.[1] Er ist bürgerlicher Deputierter der Bau-, Finanzbehörde, des Jugendamtes und im Polizeibeirat[2].

1929 ist Otto Passarge Delegierter beim SPD-Parteitag in Magdeburg[3].

Otto Passarge war Leiter des Reichsbanners in Lübeck und dessen technischer Leiter im Gau Mecklenburg-Lübeck.

Von Anfang August 1945 berief der eingesetzte Oberbürgermeister Emil Helms den früheren Otto Passarge, mit Zustimmung des britischen Gouverneurs zum Polizeipräsidenten[4].

"Von 1933 an war Passarge aus politischen Gründen mehrmals verhaftet und in Konzentrationslager gebracht worden, da er Kontakte zu Dr. Julius Leber hatte und in Berlin aus der Sicht der Nationalsozialisten illegalen Tätigleiten nachgegangen war. Während seiner Haft im Konzentrationslager lernte Passarge den Sohn des französischen Sozialisten Leon Blum kennen, der 1945 als Offizier der Militärregierung in Lübeck tätig war. Aufgrund dieses Kontaktes gelang es Passarge, eine gute Verbindung zu Oberstleutnant Munro herzustellen und so Zugang zur britischen Militärregierung zu finden."[5]

1946 wird Otto Passarge selbst von der Bürgerschaft mit 41 zu 9 Stimmen[5] zum Bürgermeister von Lübeck gewählt.

"Viele Probleme, mit denen Emil Helms sich konfrontiert gesehen hatte, waren auch in der Amtszeit von Passarge bei weitem noch nicht gelöst. Eine zentrale Rolle spielte immer noch die Unterbringung der Flüchtlinge, die eine Verbesserung der Versorgung mit Wohnraum dringend erforderlich machte, gleichzeitig wurde auch mit dem Aufbau der zerstörten Altstadt Lübecks begonnen. Ein großes Verdienst errang Passarge dadurch, dass er die Sprengung der elf Hochbunker verhinderte, die die Briten forderten, obwohl damit weiterer Wohnraum in der Altstadt gefährdet worden wäre. Zudem nutzte Passarge seine guten Beziehungen zur Militärregierung, um die Demontage einiger Großbetriebe zu verhindern, so dass eine Grundlage für den wirtschaftlichen Wiederaufbau in der Stadt erhalten blieb."[5]

In der Landtagswahl 1947 wurde Otto Passarge für den Wahlkreis 40 Lübeck IV in den Landtag gewählt. Er war Mitglied im Polizeiausschuss, im Wirtschaftssausschuss und im Ausschuss für die Wahrung der Rechte der Volksvertretung. Außerdem nahm er als Mitglied des Landtags der Wahl des Bundespräsidenten 1949 Teil.

1950 wurde er dann für sechs Jahre zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. Mit 65 Jahren geht er danach in den Ruhestand.

Ehrungen

  • 1956: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
  • Otto Passarge erhielt mit der Gedenkmünze Bene Merenti die höchste Auszeichnung der Stadt Lübeck.
  • Nach Otto Passarge sind in Lübeck eine Schule, eine Straße und der Otto-Passarge-Saal benannt.

Literatur

  • Gaul, Gerhard: Ein Mann der ersten Stunde. Zum Gedenken an Otto Passarge. In: Lübeckische Blätter, Nr. 11 vom 29.5.1976.
  • Hemmie, Dagmar: Otto Passarge (1891-1976). Leben und Wirken für Lübeck. Lübeck 2011.
  • Seggern, Jessica von: Demokratischer Neubeginn in Lübeck: Emil Helms und Otto Passarge als oberste Repräsentanten der Stadt nach 1945. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 86 (2006), S. 229-242. (Digitalisat)
  • Karl-Ernst Sinner: Tradition und Fortschritt. Senat und Bürgermeister der Hansestadt Lübeck 1918-2007, Band 46 der Reihe B der Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck herausgegeben vom Archiv der Hansestadt Lübeck, Lübeck 2008, S. 186–189
  • Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon: Bd. 11 (2000), S. 310-312
  • Archiv der Hansestadt Lübeck: Entnazifizierung, "Ohne Kosten" Nr. 449
  • Archiv der Hansestadt Lübeck: Hauptamt Nr. 431

Links

  • Landtagsinformationssystem: Otto Passarge
  • Wikipedia: Otto Passarge
  • Biografie von Otto Passarge. In: Wilhelm H. Schröder: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1876–1933 (BIOSOP)

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 Martens, Holger: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein 1945 - 1959 (Malente 1998), ISBN 3-933862-24-8 Seite 558
  2. vgl.: Landtagsinformationssystem: Otto Passarge
  3. Biografie von Otto Passarge. In: Wilhelm H. Schröder: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1876–1933 (BIOSOP)
  4. Lübeck und Artikel 29 Abs. 2 des Grundgesetzes der Bundesepublik Deutschland. Akten und Urteil im Beschwerdeverfahren der Vaterstädtischen Vereinigung Lübeck e. V. vor dem Bundesverfassungsgericht. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde, Band 27 (1957), Seite 62
  5. 5,0 5,1 5,2 Seggern, Jessica von: Demokratischer Neubeginn in Lübeck: Emil Helms und Otto Passarge als oberste Repräsentanten der Stadt nach 1945. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 86 (2006), S. 229-242. (Digitalisat)