Ortsverein Stolpe: Unterschied zwischen den Versionen

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Der '''Ortsverein Stolpe''' war eine Gliederung im [[Kreisverband Plön]]. Er wurde oft mit dem [[Ortsverein Wankendorf]] zusammen gesehen. Nähere Informationen finden sich im Eintrag zum [[Ortsverein Wankendorf/Stolpe und Umland]].
Der '''Ortsverein Stolpe''' war eine Gliederung im [[Kreisverband Plön]]. Wann er gegründet wurde, ist bisher nicht ermittelt. Er wurde wegen der räumlichen Nähe oft mit dem [[Ortsverein Wankendorf]] zusammen gesehen. Den gemeinsamen [[Ortsverein Wankendorf/Stolpe und Umgebung]] gibt es wohl seit mindestens [[2011]].<ref>''[https://wankendorf.de/satzungen-protokolle.html?file=files/exklusiv/downloads/flyer/Broschuere%20„Willkommen%20in%20Wankendorf“.pdf Willkommen in Wankendorf]'', S. 27 (nicht mehr abrufbar)</ref> Allerdings reicht die gemeinsame Geschichte der SPD in den beiden Orten bis vor den 1. Weltkrieg zurück.
 
== Kommunalpolitik ==
Eine kurze Geschichte der SPD Stolpe hat Theresia Künstler aufgeschrieben.<ref name=":0">''[https://stolpe-am-see.de/2023/12/die-geschichte-der-spd-in-stolpe/ Geschichte der SPD in Stolpe]'' (mit Fotos)</ref>. Dort heißt es zur Geschichte nach der NS-Herrschaft:
<blockquote>"Bei der ersten Gemeinderatswahl nach dem Krieg, im Jahr [[Kommunalwahl 1948|1948]], traten die Sozialdemokraten wieder zur Wahl an. Im Wahlbezirk I waren dies [[Rudolf Hansen]] (96 Stimmen), [[Hermann Lucht]] (110) und [[Erich Riecken]] (101). Im Wahlbezirk II im Stolper Außenbereich: [[Gustav Jäger]] (77), [[Hermann Rohwedder]] (71) und [[Albert Vagt]] (68). Zum ersten Bürgermeister wurde der Pensionär [[Hermann Lucht]] gewählt. Die erste [[Bundestagswahl 1949|Bundestagswahl]] am [[14. August|14.8.]][[1949]] ergab folgende Stimmenverteilung: SPD 194, CDU 259, Radikal-Soziale Freiheitspartei (RSF) 7. [...]
 
[[Datei:1990 c Gisela Schwenke SPD Stolpe.png|thumb|right|150px|Gisela Schwenke]]Die SPD stellte weiterhin bei jeder neuen Kommunalwahl ihre Vertreter in der Gemeindevertretung. In den 1970er Jahren trat eine neue Generation mit [[Johannes Bestmann]], [[Gerhard Gerlach]] und den Gebrüdern [[Gerhard Wessel|Gerhard]] und [[Gustav Wessel]] an. [[1982]] kam dann die Sozialarbeiterin [[Gisela Schwenke]] in die Gemeindevertretung. Sie prägte über viele Jahre das Gesicht der SPD in Stolpe.
 
Sie übergab den Staffelstab [[1994]] an [[Jürgen Ziehmer]]. Unter ihm  holte die SPD besonders viele Stimmen, sodass neben ihm [[Thomas Sievers]], [[Christian Vorbau-Artmeyer]] und wieder [[Gisela Schwenke]] in den Gemeinderat gewählt wurden. Eine Koalition mit der WGS, die zu einem SPD/WGS-Bürgermeister geführt hätte, scheiterte.
 
[[1997]] gab es drei Austritte der SPD-Linken: [[Thomas Sievers]], [[Christian Vorbau-Artmeyer]] sowie [[Christian Schubert]]. [[Ursel Sievers]] rückte für ihren Ehemann bis zur [[Kommunalwahl 1998]] nach, während [[Christian-Vorbau-Artmeyer]] mit der Grünen-Vertreterin Theresia Künstler bis zum Ende der Legislaturperiode die Freie und Grüne Fraktion bildete.
 
In der folgenden Zeit stellten sich in der Bevölkerung und insbesondere bei den Jugendlichen immer mehr Politikverdrossenheit und auch die Abkehr vom Ehrenamt ein. Die Mitgliederzahlen sanken und neue Leute waren nicht zu gewinnen. Nachdem [[Jürgen Ziehmer]] nach der [[Kommunalwahl 2008]] nur noch als Einzelkämpfer in der Gemeindevertretung saß, trat die SPD infolge ihrer Altersstruktur zur [[Kommunalwahl 2013]] nicht mehr an."</blockquote>
 
=== Bürgermeister*innen ===
In Stolpe übten zumindest seit dem Ende der NS-Herrschaft mehrere Sozialdemokraten das Bürgermeisteramt aus:
[[Datei:1960 c Hermann-Rohwedder SPD Stolpe.png|thumb|right|150px|Hermann Rohwedder]]
*[[Hermann Rohwedder]] (Interimsbürgermeister [[18. Dezember|18.]]-[[30. Dezember]] [[1964]])
Hermann Rohwedder wurde am [[8. August]] [[1913]] in Neumünster geboren und wuchs in Stolpe auf. Sein Vater war im 1. Weltkrieg gefallen, und so blieb er ein Einzelkind. Er heiratete Hertha Magdalena Jäger. Das Ehepaar hatte drei Töchter: Ingrid, Elke und Helga. Ab [[1939]] bewohnte die Familie ein selbst gebautes Siedlungshaus in der Kampsiedlung, heute Kampstraße 16. Im 2. Weltkrieg geriet Hermann Rohwedder in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er äußerst krank zurückkehrte. <br>
Nach dem Ende der NS-Herrschaft arbeitete er einige Jahre auf Gut Depenau beim Holzschlagen, zusammen mit [[Rudolf Hansen]] und anderen. Danach wechselte er zur Kleinbahn Kiel–Segeberg, wo er Eisenbahnschwellen legte. Etwa ab [[1951]] war er bei der Kieler AOK tätig, bis er [[1978]] nach 27 Jahren das Rentenalter erreichte. <br>
Er war gewerkschaftlich sehr aktiv. Jeden Freitag fuhr er mit Anzug und Aktentasche nach Kiel ins [[Gewerkschaftshaus Kiel|Gewerkschaftshaus]] in der [[Carl Legien|Legienstraße]]. <br>
Lange Jahre gehörte er dem Gemeinderat von Stolpe an. Vom [[16. Mai]] [[1955]] bis zum [[23. November]] [[1964]] war er stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde. Nach dem plötzlichen Tod des amtierenden Bürgermeisters wurde er zum Interimsbürgermeister für 12 Tage ernannt. Er verstarb nach schwerer Krankheit am [[18. Juli]] [[1983]] in Stolpe.<ref>Nach Künstler, Theresia: ''[https://stolpe-am-see.de/2015/06/hermann-rohwedder-interimsbuergermeister-fuer-12-tage/ Bürgermeister nach 1945. Hermann Rohwedder - Interimsbürgermeister für 12 Tage]'', Homepage der Gemeinde Stolpe, Juni 2015, abgerufen 29.8.2025</ref>
 
*[[Albert Vagt]] ([[16. Mai]] [[1952]]-[[22. Februar]] [[1954]])
Albert Vagt wurde am [[8. Mai]] [[1896]] in Kemnitzerhagen bei Greifswald geboren. Von dort flüchtete er mit seinen Geschwistern Erich, Elisabeth (Lisbeth) und Auguste nach Stolpe. Von Beruf war er Schuhmacher. Seine Werkstatt befand sich in einem Behelfsbau, heute Dorfstraße 2. Sie war ein geselliger Treffpunkt. Hierher brachten die Stolper ihre Schriftstücke für den Kreis Plön, denn sein Neffe war bei der Kreisverwaltung beschäftigt. Albert Vagt und seine Frau hatten selbst keine Kinder. So adoptierten sie Hildegard an Kindes statt.<br>
Albert Vagts Herz schlug schon immer für die SPD. So wurde er Bürgermeister der Gemeinde Stolpe. Als er schwer krank wurde, zog er zu seiner Tochter nach [[Kreisverband Neumünster|Neumünster]], die inzwischen eine verheiratete Tietgen war. Hier verstarb er am [[22. Februar]] [[1954]]. Und in Neumünster wurde er auch begraben.<ref>Nach Künstler, Theresia: ''[https://stolpe-am-see.de/2015/06/albert-vagt-buergermeister-von-1952-54/ Bürgermeister nach 1945. Albert Vagt - Bürgermeister von 1952–54]'', Homepage der Gemeinde Stolpe, Juni 2015, abgerufen 29.8.2025</ref>
 
[[Datei:Karl Stender, Bürgermeister Stolpe.jpg|thumb|right|150px|Karl Stender]]
*[[Karl Stender]] ([[17. Januar]] [[1951]]-[[26. Juli]] [[1952]])
Karl Stender wurde am [[7. August 1906]] in Kiel geboren. Nach dem Besuch der Mittelschule erlernte er das Elektrohandwerk. Er wurde Mitglied im Deutschen Metallarbeiter-Verband und trat [[1928]] der SPD bei. Im April [[1933]] wurde er deswegen als „politisch unzuverlässig“ vom Marinearsenal Kiel, seiner Arbeitsstelle, entlassen. Nach kurzer Tätigkeit bei den Deutschen Werken Kiel wurde er im Oktober [[1935]] wieder im Marinearsenal eingestellt, wo er bis zur Schließung [[1946]] als Technischer Angestellter verblieb. <br>
Im August [[1944]] wurde sein Elternhaus in Kiel bei einem der zahlreichen Bombenangriffe total zerstört. So kam er mit Ehefrau Else und den Kindern Klaus und Elke nach Stolpe. Nach der Währungsreform bezog die Familie eine Wohnung in der Bahnhofstraße. <br>
In den 40er Jahren machte Karl Stender eine schwere Lungen-Tbc durch, von der er sich aber gut erholte. <br>
Sehr engagiert brachte er sich in die Stolper Kommunalpolitik ein, was schließlich zu seiner Wahl  zum Bürgermeister führte. Der Kandidat der CDU war vorher durch Losentscheid zum Bürgermeister bestimmt worden. Nach heftigen Protesten der SPD wurde die Wahl wiederholt, und Karl Stender wurde Bürgermeister. Überraschend starb er am [[26. Juli]] [[1952]] nach kurzem Krankenlager an Spätfolgen der früheren Eingriffe. Seine Witwe Else zog mit den Kindern, inzwischen 18 und 12 Jahre alt, ein Jahr später wieder nach [[Kreisverband Kiel|Kiel]].<ref>Nach Künstler, Theresia: ''[https://stolpe-am-see.de/2015/06/karl-stender-buergermeister-von-1951-bis-1952/ Bürgermeister nach 1945. Karl Stender – Bürgermeister von 1951 bis 1952]'', Homepage der Gemeinde Stolpe, Juni 2015, abgerufen 29.8.2025</ref>
 
*[[Hermann Lucht]] ([[15. September]] [[1946]]-[[12. November]] [[1948]])
Hermann Lucht wurde am [[20. Dezember]] [[1883]] in Stolpe geboren. Seine Familie besaß von [[1828]] bis [[1898]] den Hof ''Op de Wach'' (später KfZ-Werkstatt Möller). Er trat in die SPD ein und war der erste Bürgermeister der Gemeinde Stolpe nach dem 2. Weltkrieg. <br>
Er wohnte mit seiner Frau zurückgezogen im Haus Dorfstr. 52a, dem Altenteilerhaus des Hofes ''Op de Wach''. Er war grundehrlich und bescheiden. Die Ehe blieb kinderlos, aber das Ehepaar nahm einen Jungen an Kindes statt an. <br>
Hermann Lucht war in einem Büro oder einer Behörde in [[Kreisverband Kiel|Kiel]] tätig. Er pendelte täglich mit der Kleinbahn Kiel-Segeberg. Als er [[1946]] Bürgermeister wurde, war er mit 62 Jahren schon im Ruhestand - "ein besonnener älterer Herr, der täglich mit seiner Aktentasche durchs Dorf ging". Er verstarb am [[2. Juli]] [[1965]].<ref>Nach Künstler, Theresia: ''[https://stolpe-am-see.de/2015/06/hermann-lucht-erster-buergermeister-nach-1945/ Bürgermeister nach 1945. Hermann Lucht - erster Bürgermeister nach 1945]'', Homepage der Gemeinde Stolpe, Juni 2015, abgerufen 29.8.2025</ref>
 
== Geschichte ==
Zur früheren Geschichte der SPD Stolpe<ref name=":0" /> weiß Theresia Künstler Folgendes zu berichten:
<blockquote>"In Stolpe taucht der Name SPD in der Schulchronik zur [[Reichstagswahl 1932 (Juli)|Reichstagswahl]] am [[31. Juli|31.7.]][[1932]] auf, existierte jedoch sicher schon früher im Dorf. Die SPD erhielt damals in Stolpe 135 Stimmen. Bei der noch im selben Jahr durchgeführten [[Reichstagswahl 1932 (November)|Reichstagswahl]] am [[6. November]] erhielt die SPD nur noch 105, die NSDAP 150 und die KPD 88 Stimmen. Stolpe war also insgesamt ein in der Mehrheit links eingestelltes Dorf.
 
In der [[Kommunalwahl 1933|Gemeinderatswahl]] vom [[12. März|12.3.]][[1933]], also schon nach der Machtergreifung Hitlers, erhielt die SPD wiederum 105, die Rote Arbeiterliste 49 und die Bürgerliche Einheitsliste 206 Stimmen. Der Wind hatte sich gedreht. Es traten an für die SPD: der Landarbeiter [[Wilhelm Uebe]], der Invalide [[Anton Matthiesen]] und der Landarbeiter [[Johannes Plüß]]."</blockquote>
 
Danach gab es nur noch eine Einheitsliste für den Wahlkreis Schleswig-Holstein: 375 Stimmen für die Nazis, ein Ja oder Nein war nicht vorgesehen. In Stolpe wurden 49 Stimmzettel ungültig gemacht.
 
Während des Verbots unter dem Nationalsozialismus trafen sich SPD-Mitglieder heimlich in der Tischlerwerkstatt von [[Heinrich Riecken]].
 
== Einzelnachweise ==
<references />
 


[[Kategorie:Ehemaliger Ortsverein|Stolpe]]
[[Kategorie:Ehemaliger Ortsverein|Stolpe]]
[[Kategorie:Kreisverband Plön|Stolpe]]
[[Kategorie:Kreisverband Plön|Stolpe]]

Version vom 29. August 2025, 14:31 Uhr

Der Ortsverein Stolpe war eine Gliederung im Kreisverband Plön. Wann er gegründet wurde, ist bisher nicht ermittelt. Er wurde wegen der räumlichen Nähe oft mit dem Ortsverein Wankendorf zusammen gesehen. Den gemeinsamen Ortsverein Wankendorf/Stolpe und Umgebung gibt es wohl seit mindestens 2011.[1] Allerdings reicht die gemeinsame Geschichte der SPD in den beiden Orten bis vor den 1. Weltkrieg zurück.

Kommunalpolitik

Eine kurze Geschichte der SPD Stolpe hat Theresia Künstler aufgeschrieben.[2]. Dort heißt es zur Geschichte nach der NS-Herrschaft:

"Bei der ersten Gemeinderatswahl nach dem Krieg, im Jahr 1948, traten die Sozialdemokraten wieder zur Wahl an. Im Wahlbezirk I waren dies Rudolf Hansen (96 Stimmen), Hermann Lucht (110) und Erich Riecken (101). Im Wahlbezirk II im Stolper Außenbereich: Gustav Jäger (77), Hermann Rohwedder (71) und Albert Vagt (68). Zum ersten Bürgermeister wurde der Pensionär Hermann Lucht gewählt. Die erste Bundestagswahl am 14.8.1949 ergab folgende Stimmenverteilung: SPD 194, CDU 259, Radikal-Soziale Freiheitspartei (RSF) 7. [...]

Gisela Schwenke

Die SPD stellte weiterhin bei jeder neuen Kommunalwahl ihre Vertreter in der Gemeindevertretung. In den 1970er Jahren trat eine neue Generation mit Johannes Bestmann, Gerhard Gerlach und den Gebrüdern Gerhard und Gustav Wessel an. 1982 kam dann die Sozialarbeiterin Gisela Schwenke in die Gemeindevertretung. Sie prägte über viele Jahre das Gesicht der SPD in Stolpe.

Sie übergab den Staffelstab 1994 an Jürgen Ziehmer. Unter ihm holte die SPD besonders viele Stimmen, sodass neben ihm Thomas Sievers, Christian Vorbau-Artmeyer und wieder Gisela Schwenke in den Gemeinderat gewählt wurden. Eine Koalition mit der WGS, die zu einem SPD/WGS-Bürgermeister geführt hätte, scheiterte.

1997 gab es drei Austritte der SPD-Linken: Thomas Sievers, Christian Vorbau-Artmeyer sowie Christian Schubert. Ursel Sievers rückte für ihren Ehemann bis zur Kommunalwahl 1998 nach, während Christian-Vorbau-Artmeyer mit der Grünen-Vertreterin Theresia Künstler bis zum Ende der Legislaturperiode die Freie und Grüne Fraktion bildete.

In der folgenden Zeit stellten sich in der Bevölkerung und insbesondere bei den Jugendlichen immer mehr Politikverdrossenheit und auch die Abkehr vom Ehrenamt ein. Die Mitgliederzahlen sanken und neue Leute waren nicht zu gewinnen. Nachdem Jürgen Ziehmer nach der Kommunalwahl 2008 nur noch als Einzelkämpfer in der Gemeindevertretung saß, trat die SPD infolge ihrer Altersstruktur zur Kommunalwahl 2013 nicht mehr an."

Bürgermeister*innen

In Stolpe übten zumindest seit dem Ende der NS-Herrschaft mehrere Sozialdemokraten das Bürgermeisteramt aus:

Hermann Rohwedder

Hermann Rohwedder wurde am 8. August 1913 in Neumünster geboren und wuchs in Stolpe auf. Sein Vater war im 1. Weltkrieg gefallen, und so blieb er ein Einzelkind. Er heiratete Hertha Magdalena Jäger. Das Ehepaar hatte drei Töchter: Ingrid, Elke und Helga. Ab 1939 bewohnte die Familie ein selbst gebautes Siedlungshaus in der Kampsiedlung, heute Kampstraße 16. Im 2. Weltkrieg geriet Hermann Rohwedder in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er äußerst krank zurückkehrte.
Nach dem Ende der NS-Herrschaft arbeitete er einige Jahre auf Gut Depenau beim Holzschlagen, zusammen mit Rudolf Hansen und anderen. Danach wechselte er zur Kleinbahn Kiel–Segeberg, wo er Eisenbahnschwellen legte. Etwa ab 1951 war er bei der Kieler AOK tätig, bis er 1978 nach 27 Jahren das Rentenalter erreichte.
Er war gewerkschaftlich sehr aktiv. Jeden Freitag fuhr er mit Anzug und Aktentasche nach Kiel ins Gewerkschaftshaus in der Legienstraße.
Lange Jahre gehörte er dem Gemeinderat von Stolpe an. Vom 16. Mai 1955 bis zum 23. November 1964 war er stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde. Nach dem plötzlichen Tod des amtierenden Bürgermeisters wurde er zum Interimsbürgermeister für 12 Tage ernannt. Er verstarb nach schwerer Krankheit am 18. Juli 1983 in Stolpe.[3]

Albert Vagt wurde am 8. Mai 1896 in Kemnitzerhagen bei Greifswald geboren. Von dort flüchtete er mit seinen Geschwistern Erich, Elisabeth (Lisbeth) und Auguste nach Stolpe. Von Beruf war er Schuhmacher. Seine Werkstatt befand sich in einem Behelfsbau, heute Dorfstraße 2. Sie war ein geselliger Treffpunkt. Hierher brachten die Stolper ihre Schriftstücke für den Kreis Plön, denn sein Neffe war bei der Kreisverwaltung beschäftigt. Albert Vagt und seine Frau hatten selbst keine Kinder. So adoptierten sie Hildegard an Kindes statt.
Albert Vagts Herz schlug schon immer für die SPD. So wurde er Bürgermeister der Gemeinde Stolpe. Als er schwer krank wurde, zog er zu seiner Tochter nach Neumünster, die inzwischen eine verheiratete Tietgen war. Hier verstarb er am 22. Februar 1954. Und in Neumünster wurde er auch begraben.[4]

Karl Stender

Karl Stender wurde am 7. August 1906 in Kiel geboren. Nach dem Besuch der Mittelschule erlernte er das Elektrohandwerk. Er wurde Mitglied im Deutschen Metallarbeiter-Verband und trat 1928 der SPD bei. Im April 1933 wurde er deswegen als „politisch unzuverlässig“ vom Marinearsenal Kiel, seiner Arbeitsstelle, entlassen. Nach kurzer Tätigkeit bei den Deutschen Werken Kiel wurde er im Oktober 1935 wieder im Marinearsenal eingestellt, wo er bis zur Schließung 1946 als Technischer Angestellter verblieb.
Im August 1944 wurde sein Elternhaus in Kiel bei einem der zahlreichen Bombenangriffe total zerstört. So kam er mit Ehefrau Else und den Kindern Klaus und Elke nach Stolpe. Nach der Währungsreform bezog die Familie eine Wohnung in der Bahnhofstraße.
In den 40er Jahren machte Karl Stender eine schwere Lungen-Tbc durch, von der er sich aber gut erholte.
Sehr engagiert brachte er sich in die Stolper Kommunalpolitik ein, was schließlich zu seiner Wahl zum Bürgermeister führte. Der Kandidat der CDU war vorher durch Losentscheid zum Bürgermeister bestimmt worden. Nach heftigen Protesten der SPD wurde die Wahl wiederholt, und Karl Stender wurde Bürgermeister. Überraschend starb er am 26. Juli 1952 nach kurzem Krankenlager an Spätfolgen der früheren Eingriffe. Seine Witwe Else zog mit den Kindern, inzwischen 18 und 12 Jahre alt, ein Jahr später wieder nach Kiel.[5]

Hermann Lucht wurde am 20. Dezember 1883 in Stolpe geboren. Seine Familie besaß von 1828 bis 1898 den Hof Op de Wach (später KfZ-Werkstatt Möller). Er trat in die SPD ein und war der erste Bürgermeister der Gemeinde Stolpe nach dem 2. Weltkrieg.
Er wohnte mit seiner Frau zurückgezogen im Haus Dorfstr. 52a, dem Altenteilerhaus des Hofes Op de Wach. Er war grundehrlich und bescheiden. Die Ehe blieb kinderlos, aber das Ehepaar nahm einen Jungen an Kindes statt an.
Hermann Lucht war in einem Büro oder einer Behörde in Kiel tätig. Er pendelte täglich mit der Kleinbahn Kiel-Segeberg. Als er 1946 Bürgermeister wurde, war er mit 62 Jahren schon im Ruhestand - "ein besonnener älterer Herr, der täglich mit seiner Aktentasche durchs Dorf ging". Er verstarb am 2. Juli 1965.[6]

Geschichte

Zur früheren Geschichte der SPD Stolpe[2] weiß Theresia Künstler Folgendes zu berichten:

"In Stolpe taucht der Name SPD in der Schulchronik zur Reichstagswahl am 31.7.1932 auf, existierte jedoch sicher schon früher im Dorf. Die SPD erhielt damals in Stolpe 135 Stimmen. Bei der noch im selben Jahr durchgeführten Reichstagswahl am 6. November erhielt die SPD nur noch 105, die NSDAP 150 und die KPD 88 Stimmen. Stolpe war also insgesamt ein in der Mehrheit links eingestelltes Dorf. In der Gemeinderatswahl vom 12.3.1933, also schon nach der Machtergreifung Hitlers, erhielt die SPD wiederum 105, die Rote Arbeiterliste 49 und die Bürgerliche Einheitsliste 206 Stimmen. Der Wind hatte sich gedreht. Es traten an für die SPD: der Landarbeiter Wilhelm Uebe, der Invalide Anton Matthiesen und der Landarbeiter Johannes Plüß."

Danach gab es nur noch eine Einheitsliste für den Wahlkreis Schleswig-Holstein: 375 Stimmen für die Nazis, ein Ja oder Nein war nicht vorgesehen. In Stolpe wurden 49 Stimmzettel ungültig gemacht.

Während des Verbots unter dem Nationalsozialismus trafen sich SPD-Mitglieder heimlich in der Tischlerwerkstatt von Heinrich Riecken.

Einzelnachweise

  1. Willkommen in Wankendorf, S. 27 (nicht mehr abrufbar)
  2. 2,0 2,1 Geschichte der SPD in Stolpe (mit Fotos)
  3. Nach Künstler, Theresia: Bürgermeister nach 1945. Hermann Rohwedder - Interimsbürgermeister für 12 Tage, Homepage der Gemeinde Stolpe, Juni 2015, abgerufen 29.8.2025
  4. Nach Künstler, Theresia: Bürgermeister nach 1945. Albert Vagt - Bürgermeister von 1952–54, Homepage der Gemeinde Stolpe, Juni 2015, abgerufen 29.8.2025
  5. Nach Künstler, Theresia: Bürgermeister nach 1945. Karl Stender – Bürgermeister von 1951 bis 1952, Homepage der Gemeinde Stolpe, Juni 2015, abgerufen 29.8.2025
  6. Nach Künstler, Theresia: Bürgermeister nach 1945. Hermann Lucht - erster Bürgermeister nach 1945, Homepage der Gemeinde Stolpe, Juni 2015, abgerufen 29.8.2025