Bezirksverband Schleswig-Holstein: Unterschied zwischen den Versionen

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Der '''Bezirksverband Schleswig-Holstein''' war die Vorgängerorganisation des [[Landesverband|Landesverbandes]]. Er umfasste das Gebiet des Landesverbandes ohne [[Kreisverband Lübeck|Lübeck]], aber mit den Städten [[Ortsverein Altona|Altona]] und [[Ortsverein Wandsbek|Wandsbek]] im Randgebiet von Hamburg sowie dem Gebiet, das nach der Volksabstimmung von [[1920]] dauerhaft [[Minderheitenpolitik|dänisch]] wurde.
{{Zeitabschnitt
 
|Bezeichnung = Bezirksverband Schleswig-Holstein
== Entwicklung der Strukturen ==
|Beginn = 1905
Schleswig-Holstein war im Wesentlichen durch Vertreter der in Hamburg schon weiter entwickelten Parteiorganisation für die Sozialdemokratie geworben worden. Vor [[1905]] bestand daher eine gemeinsame Parteiorganisation für Hamburg und Schleswig-Holstein, der sogenannte "Agitationsbezirk". Seine Strukturen waren noch an den Erfordernissen der Illegalität unter dem [[Sozialistengesetz]] und des "Vereinigungsverbotes" orientiert. [[1899]] fiel das "Vereinigungsverbot" - künftig war die Bildung überörtlicher, eine ganze Region umfassender Parteistrukturen erlaubt.
|Ende = 1914
 
|VorgängerSeite =Agitationskommission
[[1904]] begann [[Eduard Adler]] aus Kiel die Diskussion über die Reorganisation des bisherigen "Agitationsbezirks". [[1905]] wurden mit einer Organisationsreform zeitgemäße Strukturen eingeführt, die Parteiorganisation in Bezirke eingeteilt. Im selben Jahr trennte sich Schleswig-Holstein von Hamburg und gründete einen eigenen Bezirksverband. 
|VorgängerBeschriftung =  Agitationskommission (1890-1905)
 
|NachfolgerSeite =Erster Weltkrieg
: "Schleswig-Holstein ist der Stolz der Gesamtpartei." - [[Hans Vogel]]<ref>Jacobsen, Jens-Christian (1988) ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay17.pdf 'Der Stolz der Gesamtpartei'? Die SPD Schleswig-Holstein 1918-1933]'', in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 211</ref>
|NachfolgerBeschriftung =Erster Weltkrieg (1914-1918)
 
|Bild = PrSleeswijk-Holstein.png
== Kaiserreich ==
|BildBeschriftung = Schleswig-Holstein als Teil von Preußen
Bereits nach der gescheiterten [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Revolution_1848/1849 Märzrevolution 1848/1849] begannen Handwerker und Arbeiter sich zu organisieren. [[Stephan Born]] gründete die [https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Deutsche_Arbeiterverbr%C3%BCderung Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung]. Allerdings hatte die Industrialisierung Deutschland noch nicht wirklich erreicht; es gab also noch keine größere Arbeiterschaft.
 
=== Gründung ===
Die Sozialdemokratie breitete sich mit der Arbeiterbewegung langsam aus und kam aus Hamburg, wo sich bereits [[1862]] ein Arbeiterkommitee gegründet hatte, nach Schleswig-Holstein. Der Hamburger Parteiorganisator [[Theodor Yorck|Theodor Yorck]] und der Redakteur des [[Nord-Stern]] [[Karl von Bruhn]] waren zum Beispiel die führenden Köpfe der Agitation im [[Kreisverband Pinneberg|Kreis Pinneberg]].<ref>[[Ortsverein Elmshorn|SPD-Ortsverein Elmshorn]]: ''100 Jahre SPD-Ortsverein Elmshorn'' (Elmshorn 1963)</ref>
[[Datei:Theodor Yorck.jpg|180px|thumb|right|Theodor Yorck]]
: "Am Gründungskongreß des [[ADAV|Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins]] (ADAV) am [[23. Mai|23. 5.]] [[1863]], dem Ausgangspunkt der organisierten Sozialdemokratie in Deutschland, nahmen drei Delegierte aus Hamburg teil. Die Hamburger Gemeinde des [[ADAV]] brachte [[Ferdinand Lassalle|lassalleanische]] Ideen nach Schleswig-Holstein. Bis [[1905]] stellten Hamburg und Schleswig-Holstein einen gemeinsamen Agitationsbezirk der Sozialdemokratie dar [...]".<ref>Danker, Uwe: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay03.pdf Die Geburt der Doppelstrategie in der "Roten Hochburg" - Arbeiterbewegung in Schleswig-Holstein 1863-1918]'', in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 31</ref>.
 
In seinem Grußwort an den SPD-Reichsparteitag [[1927]] in Kiel berichtete der Bezirksvorsitzende von Schleswig-Holstein, [[Willy Verdieck]], dass bereits in den 1860er Jahren in vielen Orten der Provinz Ableger des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" gegründet worden seien. Er zählt dort [[Ortsverein Altona|Altona]] und [[Ortsverein Wandsbek|Wandsbek]] auf, die bis [[1938]] bzw. [[1937]] zu Schleswig-Holstein gehörten, [[Ortsverein Krempe|Krempe]], [[Ortsverein Itzehoe|Itzehoe]], [[Ortsverein Pinneberg|Pinneberg]], [[Kreisverband Kiel|Kiel]], [[Ortsverein Elmshorn|Elmshorn]], [[Kreisverband Neumünster|Neumünster]], [[Kreisverband Flensburg|Flensburg]], [[Ortsverein Eutin|Eutin]], [[Ortsverein Rendsburg|Rendsburg]], [[Ortsverein Plön|Plön]] und [[Ortsverein Glückstadt|Glückstadt]] auf. Und auch die Anhänger der anderen Wurzel der SPD, der [[SDAP|Sozialdemokratischen Arbeiterpartei]], gründeten einige Vereine - allerdings viel weniger. [[1875]] vereinigten sich beide Richtungen zur [[SAP|Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP)]].<ref>''Sozialdemokratischer Parteitag Kiel 1927'', o.O.u.J</ref>.
 
=== Sozialistengesetz ===
{{Hauptartikel
|Seite=Sozialistengesetz
}}
}}
[[Datei:FB002461.jpg|thumb|right|280px|Hausdurchsuchung im Rahmen des Sozialistengesetzes, um 1879]]
Der '''Bezirksverband Schleswig-Holstein''' war die Vorgängerorganisation des [[Landesverband|Landesverbandes]]. Er umfasste von [[1905]] bis zum Verbot der SPD durch die Nazis [[1933]] das Gebiet des Landesverbandes ohne die [[Kreisverband Lübeck|Freie und Hansestadt Lübeck]], aber mit den Städten [[Ortsverein Altona|Altona]] und [[Ortsverein Wandsbek|Wandsbek]] im Randgebiet von Hamburg sowie dem Gebiet, das nach der Volksabstimmung von [[1920]] dauerhaft [[Minderheitenpolitik|dänisch]] wurde. Auch das [[Fürstentum Lübeck]] zählte dazu, obwohl der Landesteil verwaltungsmäßig nicht zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein, sondern zum Großherzogtum Oldenburg gehörte.
War die Arbeit der Sozialisten vorher schon durch Bürgertum und Obrigkeit nicht besonders gern gesehen, wurde sie zwischen [[1878]] und [[1890]] komplett verboten. Das [[Sozialistengesetz|Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie]] zerstörte die mühsam aufgebaute Parteiorganisation, die jedoch in der Illegalität durch [[Vertrauensperson|Vertrauensmänner]] aufrecht erhalten wurde. Sozialdemokraten wurden verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt oder zur Emigration gezwungen.  


Selbst diese Unterdrückung konnte nichts ändern an der Attraktivität der Idee der Sozialdemokratie. Als das Gesetz im September [[1890]] endlich offiziell aufgehoben wurde, war in der Partei der Boden für eine Periode des politischen Machtzuwachses bereitet. In Halle gab [[SAP|sie]] sich ein neues Organisationsstatut, und sie nahm ihren endgültigen Namen an: Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).
Nach der Neugründung [[1945]] trug der Verband - jetzt in den heutigen Grenzen Schleswig-Holsteins - zunächst weiter die Bezeichnung "[[Bezirk|Bezirksverband]]".


=== Wilhelminismus ===
[[Datei:Deutsches_Reichsgesetzblatt_1899_048_699.jpg|mini|Lex Hohenlohe im Reichsgesetzblatt, 1899]]
[[Datei:Louise Zietz.jpg|thumb|180px|left|Luise Zietz]]
Das Verbindungsverbot wurde kurz vor der Jahrhundertwende aufgehoben. Die "Lex Hohenlohe", das Gesetz, mit dem dieses Verbot beendet wurde, ging auf den Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst zurück und hieß eigentlich ''Gesetz betreffend das Vereinswesen''. Es trat am [[11. Dezember]] [[1899]] (RGBl. S. 699) in Kraft und enthielt nur einen einzigen Artikel:
Aber auch nach [[1890]] wurden viele, die sich für Sozialdemokratie oder Gewerkschaften einsetzten, weiter behindert und schikaniert. Die rechtliche Ausgrenzung wurde aufgehoben, die gesellschaftliche Ausgrenzung blieb noch lange Zeit bestehen - mit nachhaltiger Auswirkung auf das Verhältnis der Betroffenen zum Staat. In dieser Zeit breitete sich die sozialdemokratische Arbeiterkultur aus: [[Sozialdemokratische Zeitungen]] wurden gegründet. Arbeiter durften in den bürgerlichen Vereinen keine Mitglieder werden; deshalb gründeten sie eigene [[Arbeitersport|Arbeitersportvereine]], [[:Kategorie:Kultur|Arbeiterkultureinrichtungen]] wie die [[Freie Volksbühne Kiel]] oder den [[Kieler Chor-Verein]]. [[Frauen- und Gleichstellungspolitik|Frauen]] durften sich bis [[1908]] überhaupt nicht organisieren. Mutige Schleswig-Holsteinerinnen wie [[Alma Wartenberg]] oder [[Luise Zietz]] taten es trotzdem - [[Luise Zietz]] wurde [[1908]] die erste Frau im SPD-Parteivorstand. [[Alma Wartenberg]] wurde später als einzige Frau in den schleswig-holsteinischen [[Provinziallandtagswahlen 1919-1933|Provinziallandtag]] gewählt.
<blockquote>"Inländische Vereine jeder Art dürfen miteinander in Verbindung treten. Entgegenstehende landesgesetzliche Bestimmungen sind aufgehoben."</blockquote>
Es dauerte jedoch einige Jahre, bis die SPD ihre Organisation änderte, einen eigenen [[Bezirk]] gründete, einen [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]] wählte und einen ersten [[ParteisekretärIn|Parteisekretär]] einstellte.


Das "Verbindungsverbot" untersagte noch bis [[1899]] die Gründung überregionaler politischer Zusammenschlüsse. Deswegen gab es bis [[1891]] keinen landesweiten organisatorischen Zusammenschluss der Sozialdemokraten. Die SPD setzte auf eine Doppelstrategie: Auf lokaler Ebene waren politische Vereine erlaubt. Hier gründeten sich nach 1890 vermehrt SPD-Ortsvereine. Überregional wurden sie durch die Abgeordneten und [[Vertrauensperson]]en zusammengehalten<ref>Martens, S. 24</ref>. Ein Provinzial-Parteitag wählte [[1891]] dann eine dreiköpfige Agitationskommission mit [[Heinrich Lienau]] als 1. Vorsitzenden - die erste landesweite sozialdemokratische Organisation in Schleswig-Holstein. Mehr war bis zur Aufhebung des Verbindungsverbots nicht möglich.
[[1904]] begann [[Eduard Adler]] aus Kiel die Diskussion über die Reorganisation des bisherigen "Agitationsbezirks". [[1905]] verabschiedete der Parteitag in Jena ein Organisationsstatut, das weitestgehend den Vorschlägen von [[Eduard Adler]] entsprach: 


[[1905]]/[[1906|06]] organisierte sich die SPD in Schleswig-Holstein neu: Die lokale Ebene bildeten die Ortsvereine. Als zweite Ebene gab es die Wahlkreisvereine in den zehn schleswig-holsteinischen Reichstagswahlkreisen (damals noch ohne Lübeck). Darüber hinaus wurde der SPD-Bezirksverband Schleswig-Holstein gegründet, der [[1906]] [[Friedrich Bartels]] zu seinem Vorsitzenden wählte.<ref>Martens, S. 24</ref> Damit machte sich Schleswig-Holstein von der Hamburger Organisation unabhängig. Ab [[1912]]/[[1913|13]] nannte sich die Agitationskommission [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]].
Die Grundlage der Organisation war nun der Verein des Wahlkreises. Für den Fall, dass der Wahlkreis sich über mehrere Orte erstreckte, konnten [[Ortsverein]]e gebildet werden. Diese "Sozialdemokratischen Vereine" schlossen sich zu Bezirksverbänden und Landesorganisationen zusammen, deren selbstständige Führung der Geschäfte allerdings nicht in Widerspruch zum Statut der Gesamtpartei stehen durfte. Mindestens 20 % ihrer Einnahmen waren an die Parteileitung abzuführen. Kein Wahlkreis durfte durch mehr als drei Delegierte auf dem reichsweiten Parteitag vertreten werden. Diese Struktur setzte Schleswig-Holstein zügig um, wie auf dem [[Provinzialparteitag 1905, Elmshorn|Provinzialparteitag 1905]] berichtet wurde. Der gemeinsame Agitationsbezirk mit Hamburg wurde jedoch in der Übergangsphase zunächst noch beibehalten.


Die Zeit des Wilhelminismus war gesellschaftlich auch durch die Rüstungs- und Flottenpolitik des Kaisers Wilhelm II. geprägt. Die Sozialdemokratie setzte sich dagegen für eine [[Friedenspolitik]] ein.<ref>[[Wilhelm Brecour|Brecour, Wilhelm]]: ''Die [[Kreisverband Kiel|Sozialdemokratische Partei in Kiel]]. Ihre geschichtliche Entwicklung'' (Kiel o. J. [1932]) (Neudruck in ''Zur Geschichte der Kieler Arbeiterbewegung'', Kiel 1983), Seite I-71</ref>
Es gab folglich im Bezirk insgesamt vierzehn Wahlkreisvereine: 10 aus Schleswig-Holstein, einen aus dem [[Fürstentum Lübeck]] und drei aus Hamburg. Die schleswig-holsteinischen Wahlkreise waren im Jahr 1904 in 57 Ortsvereine untergliedert, das Fürstentum Lübeck in fünf.<ref>Lübecker Volksbote, 3. September 1904, S. 5</ref>


=== Der Erste Weltkrieg ===
Die Hamburger waren skeptisch, was diese Reorganisation anging; die Stadt mit ihren besonderen Landes- und Kommunalgesetzen passe nicht in das Organisationsgebilde der Provinz. Nach längeren Diskussionen beschlossen sie daher [[1905]] in einer Urabstimmung mit 1610 gegen 640 Stimmen, aus der Provinzorganisation auszutreten.<ref>[http://fes.imageware.de/fes/web/index.html?open=VW22291&page=5 ''Vorwärts'' Nummer 290, Jahrgang 22, 12.12.1905]</ref>  Am [[1. Juli]] [[1905]] gründet sich der Bezirksverband für Schleswig-Holstein, das Herzogtum Lauenburg und das [[Fürstentum Lübeck]]. Die SPD in der Freien Hansestadt Hamburg gründete ihre eigene [[Organisationsaufbau der SPD|Landesorganisation]].
In den Tagen nach der Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg [[1914]] hielt die SPD Schleswig-Holstein einen [[Bezirksparteitag 1914, Eckernförde|Bezirksparteitag]] ab. Die Entschließungen des Tages zeigten den Weitblick der Delegierten:


: "Die Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein hat gemeinsam mit der deutschen Gesamtpartei und den anderen Parteien in Europa ihr Bestes getan, um den drohenden Weltkrieg zu verhindern und eine friedliche politische Entwicklung der Völker zu Wohlfahrt und Freiheit zu sichern. Wir stellen fest, daß unsere Partei keine Schuld an dem Verderben trifft, das da über die Welt ziehen will; die Verhältnisse dieser kapitalistischen Zeit und deren Konsequenzen waren stärker als die Arbeit unserer Millionen und der Friedenswille mancher Regierenden."<ref>Osterroth, S.</ref>
[[1906]] übernahm [[Friedrich Bartels]] den Vorsitz des Agitationsbezirks Schleswig-Holstein.<ref>{{Martens-45-59}}, S. 24</ref> Er wurde als [[ParteisekretärIn|Parteisekretär]] besoldet und war eine Art früher Landesgeschäftsführer. Ab [[1912]]/[[1913|13]] nannte sich die [[Agitationskommission]] [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]]. Am [[1. November]] [[1913]] wurde [[Heinrich Kürbis]] zum [[Landesvorsitzende/r|Bezirksvorsitzenden]] gewählt und angestellt.<ref>Paetau, Rainer: ''Konfrontation oder Kooperation. Arbeiterbewegung und bürgerliche Gesellschaft im ländlichen Schleswig-Holstein und in der Industriestadt Kiel zwischen 1900 und 1925'' (Neumünster 1988), S. 508</ref>


Doch als zwei Tage später die Reichstagsfraktion den von der Regierung beantragten Kriegskrediten zustimmte, stand der Bezirk zunächst an ihrer Seite. Erst nach und nach brach hier, wie überall im Reich, der im Gegenzug vereinbarte "Burgfrieden". Ab [[1916]] wuchs die innerparteiliche Kritik. Im März [[1917]] kam es dann zu Spaltung in [[MSPD|Mehrheits-SPD]] (MSPD) und [[USPD|Unabhängige SPD]] (USPD). Hochburgen der [[USPD]] in Schleswig-Holstein wurden [[Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel|Kiel]], [[Ortsverein Bordesholm|Bordesholm]], Altona, [[Kreisverband Flensburg|Flensburg]], [[Ortsverein Schleswig|Schleswig]] und [[Ortsverein Eckernförde|Eckernförde]].<ref>Osterroth, S.</ref>
Mit dem Ausbruch des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] im Jahr [[1914]] und der Burgfriedenpolitik der SPD begann die Spaltung der Arbeiterbewegung, die sie in der [[Weimarer Republik]] entscheidend schwächen sollte.
==Siehe auch==
*[[Provinzialparteitage bis 1918]]


=== Arbeiter- und Matrosenaufstand in Kiel 1918 ===
==Literatur==
{{Hauptartikel
{{Hauptartikel
|Seite=Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand
|Seite=Literatur zur Geschichte der Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein
}}
}}
Mit der Verschlechterung der Versorgungslage und dem immer sinnloser werdenden Sterben an der Front wuchs der Widerstand in der Bevölkerung. Ab Januar [[1918]] kam es vermehrt zu Streiks, im November [[1918]] dann zum [[Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]. Mit Unterstützung von Gewerkschaften, SPD und [[USPD]] breitete er sich binnen Tagen über das Reich aus, wurde zur [[Novemberrevolution]], die Krieg und Kaiserreich ein Ende setzte.
Nur wenig Literatur beschäftigt sich mit der Geschichte des Landesverbands insgesamt:
 
== Weimarer Republik ==
[[1918]] stand [[Heinrich Kürbis]] - der [[1919]] zum Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holstein ernannt wurde - als Bezirksvorsitzender an der Spitze der Landespartei, von [[1921]] bis [[1933]] war es [[Willy Verdieck]]. "Die schleswig-holsteinische SPD zeichnete sich [während der Weimarer Republik] nicht nur durch vergleichsweise gute Wahlergebnisse aus, sondern auch durch eine hohe personelle Kontinuität bei [...] der Bezirksorganisationsspitze."<ref>Martens, S. 25</ref>
 
Reichspräsident [[Friedrich Ebert]] sagte in einer Ansprache vor Sozialdemokraten [[1922]] in Kiel:
: "Es war nicht nur meine Auffassung, sondern auch die der gesamten Parteileitung, insbesondere unserer Alten, [[August Bebel|Bebel]], [[Paul Singer|Singer]], daß die Parteibewegung in Schleswig-Holstein eine der besten deutschen Bezirke ist, nicht nur ihrem Umfang und ihrer straffen, in sich gefestigten Organisation nach, sondern auch nach der ganzen geistigen Einstellung der Parteibewegung in Schleswig-Holstein. Es ist hier theoretisch und praktisch immer eine sehr intensive Schulung der Parteigenossen erfolgt und damit sehr früh den staatspolitischen Notwendigkeiten bei der hiesigen Parteigenossenschaft der Weg bereitet worden ... So war es möglich, daß in all den Stürmen ... die Parteiorganisation immer in sich geschlossen und gefestigt blieb und daß sie eine Reihe von Leuten hervorgebracht hat, die auch unseren Pflichten und Aufgaben im staatlichen Leben gerecht zu werden verstanden."<ref>Zitiert nach: Osterroth, S.</ref>
 
[[1922]] vereinigte sich der größte Teil der [[USPD]] wieder mit der SPD.
[[Datei:Fahne Reichsbanner Kiel-Hassee.jpg|280px|thumb|right|Fahne des Reichsbanners Kiel-Hassee]]
Als Reaktion auf die zahlreichen politischen Morde, Putsch- und Aufstandsversuche in den Anfangsjahren der Weimarer Republik wurde [[1924]] das [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold]] gegründet. Überall formieren sich Ortsgruppen, vorwiegend aus Sozialdemokraten, die auch notfalls mit Gewalt gegen ihre gewaltbereiten Gegner die Demokratie schützen wollen.
 
== Nationalsozialismus ==
{{Hauptartikel
|Seite=Widerstand
}}
[[Datei:Stolperstein Wilhelm Spiegel.jpg|thumb|280px|left|Stolperstein für Wilhelm Spiegel, eins der ersten sozialdemokratischen Opfer der Nazis in Kiel]]
[[1933]] wurde die SPD von den Nationalsozialisten verboten. Vielerorts wurden [[Traditionsfahne|Parteifahnen]] und Unterlagen vergraben oder - wie beim [[Ortsverein Schleswig]] - eingemauert, damit man sie später wieder hervorholen und dort weitermachen konnte, wo die Arbeit unterbrochen worden war.


Eine Reihe von SPD-Mitgliedern aus Schleswig-Holstein flohen ins Ausland - am bekanntesten dürfte der gebürtige Lübecker und späterer Bundeskanzler [[Willy Brandt]] sein, weitere waren [[Lisa Hansen|Lisa]] und [[Richard Hansen]] und [[Franz Osterroth]]. Andere, wie [[Andreas Gayk]] oder [[Anne Brodersen]], zogen nach Berlin, um in der Anonymität der Großstadt unterzutauchen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Widerstand zu leisten. Auch in der Provinz organisierten Sozialdemokraten in dieser Zeit Widerstand, ebenso wie Kommunisten und kirchlich orientierte Manschen. Die Schleswig-Holsteiner hielten etwa engen Kontakt zu den nach Skandinavien Emigrierten.
*[[Uwe Danker|Danker, Uwe]]: [http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_09/Demokratische_Geschichte_Band_09_Essay11.pdf ''Die Geburt der Doppelstrategie in der "Roten Hochburg". Arbeiterbewegung in Schleswig-Holstein 1863-1918''], in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 21-62
*[[Holger Martens|Martens, Holger]]: ''Die Geschichte der [[Landesverband|Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein]] 1945 - 1959'' (2 Bde., Malente 1998), ISBN 3993862248 (liefert trotz des Titels viele Informationen über die Zeit der Weimarer Republik)
*[[Franz Osterroth|Osterroth, Franz]]: ''100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick'' (Kiel o. J. [1963])
*Paetau, Rainer: ''Konfrontation oder Kooperation. Arbeiterbewegung und bürgerliche Gesellschaft im ländlichen Schleswig-Holstein und in der Industriestadt Kiel zwischen 1900 und 1925'' (Neumünster 1988)
*Rüdel, Holger: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay05.pdf Ein schwieriger Start. Zur Frühgeschichte der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Schleswig-Holstein]'', in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 77-85
*[[Rolf Schulte|Schulte, Rolf]] / [[Jürgen Weber|Weber, Jürgen]]: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay23.pdf Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) in Schleswig-Holstein]'', in: ''Demokratische Geschichte'', 3(1988), S. 307-317
*Strommenger, Anna: ''[https://library.fes.de/pdf-files/adsd/19674.pdf "Heimat Arbeiterbewegung"? Zwischen sozialdemokratischer Selbstbeschreibung im Kaiserreich und nostalgischer Rückprojektion in der Weimarer Republik]'', in: Kohäsionskräfte in der deutschen Sozialdemokratie vor 1914, Bonn (2022), Seite 53-66
*Trautmann, Günter: ''[http://library.fes.de/jportal/receive/jportal_jparticle_00010249 Liberalismus, Arbeiterbewegung und Staat in Hamburg und Schleswig-Holstein 1862 - 1869]'' In: ''Archiv für Sozialgeschichte'', Band 15 (1975), Seite 51-110


Viele wurden [[Liste der sozialdemokratischen Opfer 1933-1945|von den Nazis umgebracht]]. Eine ganze Reihe bekannter Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wurden nach dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler [[1944]] in der "[[Aktion Gitter]]" verhaftet und in Konzentrationslager gesteckt, wie etwa [[Hermann Lüdemann]]. Das berühmteste Beispiel eines schleswig-holsteinischen Sozialdemokraten im Widerstand ist wohl der Lübecker [[Julius Leber]]. Bei seiner Aburteilung vor dem Volksgerichtshofs sagte er:
==Archive==
*Unterlagen des Bezirksvorstands wurden zu Beginn der NS-Diktatur beschlagnahmt und befinden sich heute im Bestand des Landesarchivs Abt. 384.1<ref>Schreiben 395/2016 des Leitenden Archivdirektors Prof. Dr. Dr. Rainer Hering an den SPD-Landesverband, Ralf Stegner, vom 10.2.2016</ref>


: "Für eine so gute und gerechte Sache ist der Einsatz des eigenen Lebens der angemessene Preis. Wir haben getan, was in unserer Macht stand."
==Links==
 
Andere blieben und versuchten, unter der Gewaltherrschaft zu überleben. Wer zum Kriegsdienst eingezogen wurde und ihn überlebte, kam danach oft in Gefangenschaft. Erst nach ihrer Freilassung konnten Menschen wie [[Walter Damm]] die SPD in Schleswig-Holstein wieder mit aufbauen.
 
== Literatur ==
{{Hauptartikel
|Seite=Literatur zur Geschichte der Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein
}}
Nur wenig Literatur beschäftigt sich mit der Geschichte des Landesverbands insgesamt:
* [[Uwe Danker|Danker, Uwe]]: [http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_09/Demokratische_Geschichte_Band_09_Essay11.pdf ''Die Geburt der Doppelstrategie in der "Roten Hochburg". Arbeiterbewegung in Schleswig-Holstein 1863-1918''], in: ''Demokratische Geschichte'' 3(1988), S. 21-62</ref>
* [[Franz Osterroth|Osterroth, Franz]]: ''100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick'' (Kiel o. J. [1963])
* [[Rolf Schulte|Schulte, Rolf]] / [[Jürgen Weber|Weber, Jürgen]]: ''[http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay23.pdf Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) in Schleswig-Holstein]'', in: ''Demokratische Geschichte'', 3(1988), S. 307-317


== Links ==
*[http://www.spd-schleswig-holstein.de/ SPD Schleswig-Holstein]
* [http://www.spd-schleswig-holstein.de/ SPD Schleswig-Holstein]


== Quellen ==
==Einzelnachweise==
<references />
<references />{{Navigationsleiste Geschichte|prev=Agitationskommission|prevdesc=Agitationskommission (1890-1905)|next=Erster Weltkrieg|nextdesc=Erster Weltkrieg (1914-1918)}}
[[Kategorie:Landesverband]]
[[Kategorie:Organisation]]

Aktuelle Version vom 22. Februar 2026, 13:58 Uhr

Bezirksverband Schleswig-Holstein
(1905-1914)
Schleswig-Holstein als Teil von Preußen
Schleswig-Holstein als Teil von Preußen
Schleswig-Holstein als Teil von Preußen
<< Agitationskommission (1890-1905)
Erster Weltkrieg (1914-1918) >>

Der Bezirksverband Schleswig-Holstein war die Vorgängerorganisation des Landesverbandes. Er umfasste von 1905 bis zum Verbot der SPD durch die Nazis 1933 das Gebiet des Landesverbandes ohne die Freie und Hansestadt Lübeck, aber mit den Städten Altona und Wandsbek im Randgebiet von Hamburg sowie dem Gebiet, das nach der Volksabstimmung von 1920 dauerhaft dänisch wurde. Auch das Fürstentum Lübeck zählte dazu, obwohl der Landesteil verwaltungsmäßig nicht zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein, sondern zum Großherzogtum Oldenburg gehörte.

Nach der Neugründung 1945 trug der Verband - jetzt in den heutigen Grenzen Schleswig-Holsteins - zunächst weiter die Bezeichnung "Bezirksverband".

Lex Hohenlohe im Reichsgesetzblatt, 1899

Das Verbindungsverbot wurde kurz vor der Jahrhundertwende aufgehoben. Die "Lex Hohenlohe", das Gesetz, mit dem dieses Verbot beendet wurde, ging auf den Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst zurück und hieß eigentlich Gesetz betreffend das Vereinswesen. Es trat am 11. Dezember 1899 (RGBl. S. 699) in Kraft und enthielt nur einen einzigen Artikel:

"Inländische Vereine jeder Art dürfen miteinander in Verbindung treten. Entgegenstehende landesgesetzliche Bestimmungen sind aufgehoben."

Es dauerte jedoch einige Jahre, bis die SPD ihre Organisation änderte, einen eigenen Bezirk gründete, einen Bezirksvorstand wählte und einen ersten Parteisekretär einstellte.

1904 begann Eduard Adler aus Kiel die Diskussion über die Reorganisation des bisherigen "Agitationsbezirks". 1905 verabschiedete der Parteitag in Jena ein Organisationsstatut, das weitestgehend den Vorschlägen von Eduard Adler entsprach:

Die Grundlage der Organisation war nun der Verein des Wahlkreises. Für den Fall, dass der Wahlkreis sich über mehrere Orte erstreckte, konnten Ortsvereine gebildet werden. Diese "Sozialdemokratischen Vereine" schlossen sich zu Bezirksverbänden und Landesorganisationen zusammen, deren selbstständige Führung der Geschäfte allerdings nicht in Widerspruch zum Statut der Gesamtpartei stehen durfte. Mindestens 20 % ihrer Einnahmen waren an die Parteileitung abzuführen. Kein Wahlkreis durfte durch mehr als drei Delegierte auf dem reichsweiten Parteitag vertreten werden. Diese Struktur setzte Schleswig-Holstein zügig um, wie auf dem Provinzialparteitag 1905 berichtet wurde. Der gemeinsame Agitationsbezirk mit Hamburg wurde jedoch in der Übergangsphase zunächst noch beibehalten.

Es gab folglich im Bezirk insgesamt vierzehn Wahlkreisvereine: 10 aus Schleswig-Holstein, einen aus dem Fürstentum Lübeck und drei aus Hamburg. Die schleswig-holsteinischen Wahlkreise waren im Jahr 1904 in 57 Ortsvereine untergliedert, das Fürstentum Lübeck in fünf.[1]

Die Hamburger waren skeptisch, was diese Reorganisation anging; die Stadt mit ihren besonderen Landes- und Kommunalgesetzen passe nicht in das Organisationsgebilde der Provinz. Nach längeren Diskussionen beschlossen sie daher 1905 in einer Urabstimmung mit 1610 gegen 640 Stimmen, aus der Provinzorganisation auszutreten.[2] Am 1. Juli 1905 gründet sich der Bezirksverband für Schleswig-Holstein, das Herzogtum Lauenburg und das Fürstentum Lübeck. Die SPD in der Freien Hansestadt Hamburg gründete ihre eigene Landesorganisation.

1906 übernahm Friedrich Bartels den Vorsitz des Agitationsbezirks Schleswig-Holstein.[3] Er wurde als Parteisekretär besoldet und war eine Art früher Landesgeschäftsführer. Ab 1912/13 nannte sich die Agitationskommission Bezirksvorstand. Am 1. November 1913 wurde Heinrich Kürbis zum Bezirksvorsitzenden gewählt und angestellt.[4]

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 und der Burgfriedenpolitik der SPD begann die Spaltung der Arbeiterbewegung, die sie in der Weimarer Republik entscheidend schwächen sollte.

Siehe auch

Literatur

Hauptartikel: Literatur zur Geschichte der Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein

Nur wenig Literatur beschäftigt sich mit der Geschichte des Landesverbands insgesamt:

Archive

  • Unterlagen des Bezirksvorstands wurden zu Beginn der NS-Diktatur beschlagnahmt und befinden sich heute im Bestand des Landesarchivs Abt. 384.1[5]

Links

Einzelnachweise

  1. Lübecker Volksbote, 3. September 1904, S. 5
  2. Vorwärts Nummer 290, Jahrgang 22, 12.12.1905
  3. Martens, Holger: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein 1945 - 1959 (Malente 1998), ISBN 3-933862-24-8, S. 24
  4. Paetau, Rainer: Konfrontation oder Kooperation. Arbeiterbewegung und bürgerliche Gesellschaft im ländlichen Schleswig-Holstein und in der Industriestadt Kiel zwischen 1900 und 1925 (Neumünster 1988), S. 508
  5. Schreiben 395/2016 des Leitenden Archivdirektors Prof. Dr. Dr. Rainer Hering an den SPD-Landesverband, Ralf Stegner, vom 10.2.2016