Bezirksverband Schleswig-Holstein: Unterschied zwischen den Versionen

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Nach der Neugründung [[1945]] trug der Verband - jetzt in den heutigen Grenzen Schleswig-Holsteins - zunächst weiter die Bezeichnung "[[Bezirk|Bezirksverband]]".
Nach der Neugründung [[1945]] trug der Verband - jetzt in den heutigen Grenzen Schleswig-Holsteins - zunächst weiter die Bezeichnung "[[Bezirk|Bezirksverband]]".


[[Datei:Deutsches_Reichsgesetzblatt_1899_048_699.jpg|mini|Lex Hohenlohe im Reichsgesetzblatt, 1899]]
Bis [[1899]] bestand das "Verbindungsverbot" - es durften keine Vereine oder Zusammenschlüsse von Vereinen gebildet werden, die über den einzelnen Ort hinausgingen. So sollte vor allem politische Zusammenarbeit verhindert werden. Die "Lex Hohenlohe", das Gesetz, mit dem dieses Verbot beendet wurde, ging auf den Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst zurück und hieß eigentlich ''Gesetz betreffend das Vereinswesen''. Es trat am [[11. Dezember]] [[1899]] (RGBl. S. 699) in Kraft und enthielt nur einen einzigen Artikel:
Bis [[1899]] bestand das "Verbindungsverbot" - es durften keine Vereine oder Zusammenschlüsse von Vereinen gebildet werden, die über den einzelnen Ort hinausgingen. So sollte vor allem politische Zusammenarbeit verhindert werden. Die "Lex Hohenlohe", das Gesetz, mit dem dieses Verbot beendet wurde, ging auf den Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst zurück und hieß eigentlich ''Gesetz betreffend das Vereinswesen''. Es trat am [[11. Dezember]] [[1899]] (RGBl. S. 699) in Kraft und enthielt nur einen einzigen Artikel:
<blockquote>"Inländische Vereine jeder Art dürfen miteinander in Verbindung treten. Entgegenstehende landesgesetzliche Bestimmungen sind aufgehoben."</blockquote>  
<blockquote>"Inländische Vereine jeder Art dürfen miteinander in Verbindung treten. Entgegenstehende landesgesetzliche Bestimmungen sind aufgehoben."</blockquote>
[[Datei:Friedrich Bartels.jpg|mini|263x263px|Friedrich Bartels]]
Es dauerte jedoch einige Jahre, bis die SPD ihre Organisation änderte, einen eigenen [[Bezirk]] gründete, einen [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]] wählte und einen ersten [[ParteisekretärIn|Parteisekretär]] einstellte.
Es dauerte jedoch einige Jahre, bis die SPD ihre Organisation änderte, einen eigenen [[Bezirk]] gründete, einen [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]] wählte und einen ersten [[ParteisekretärIn|Parteisekretär]] einstellte.


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Die Grundlage der Organisation war nun der Verein des Wahlkreises. Für den Fall, dass der Wahlkreis sich über mehrere Orte erstreckte, konnten [[Ortsverein]]e gebildet werden. Diese "Sozialdemokratischen Vereine" schlossen sich zu Bezirksverbänden und Landesorganisationen zusammen, deren selbstständige Führung der Geschäfte allerdings nicht in Widerspruch zum Statut der Gesamtpartei stehen durfte. Mindestens 20 % ihrer Einnahmen waren an die Parteileitung abzuführen. Kein Wahlkreis durfte durch mehr als drei Delegierte auf dem reichsweiten Parteitag vertreten werden. Diese Struktur setzte Schleswig-Holstein zügig um, wie auf dem [[Provinzialparteitag 1905, Elmshorn|Provinzialparteitag 1905]] berichtet wurde. Der gemeinsame Agitationsbezirk mit Hamburg wurde jedoch in der Übergangsphase zunächst noch beibehalten.
Die Grundlage der Organisation war nun der Verein des Wahlkreises. Für den Fall, dass der Wahlkreis sich über mehrere Orte erstreckte, konnten [[Ortsverein]]e gebildet werden. Diese "Sozialdemokratischen Vereine" schlossen sich zu Bezirksverbänden und Landesorganisationen zusammen, deren selbstständige Führung der Geschäfte allerdings nicht in Widerspruch zum Statut der Gesamtpartei stehen durfte. Mindestens 20 % ihrer Einnahmen waren an die Parteileitung abzuführen. Kein Wahlkreis durfte durch mehr als drei Delegierte auf dem reichsweiten Parteitag vertreten werden. Diese Struktur setzte Schleswig-Holstein zügig um, wie auf dem [[Provinzialparteitag 1905, Elmshorn|Provinzialparteitag 1905]] berichtet wurde. Der gemeinsame Agitationsbezirk mit Hamburg wurde jedoch in der Übergangsphase zunächst noch beibehalten.
 
[[Datei:Heinrich Kürbis.jpg|mini|246x246px|Heinrich Kürbis]]
Es gab folglich im Bezirk insgesamt vierzehn Wahlkreisvereine: 10 aus Schleswig-Holstein, einen aus dem [[Fürstentum Lübeck]] und drei aus Hamburg. Die schleswig-holsteinischen Wahlkreise waren im Jahr [[1904]] in 57 Ortsvereine untergliedert, das [[Fürstentum Lübeck]] in fünf.<ref>''Lübecker Volksbote'', 3.9.1904, S. 5</ref>
Es gab folglich im Bezirk insgesamt vierzehn Wahlkreisvereine: 10 aus Schleswig-Holstein, einen aus dem [[Fürstentum Lübeck]] und drei aus Hamburg. Die schleswig-holsteinischen Wahlkreise waren im Jahr [[1904]] in 57 Ortsvereine untergliedert, das [[Fürstentum Lübeck]] in fünf.<ref>''Lübecker Volksbote'', 3.9.1904, S. 5</ref>


Die Hamburger waren skeptisch, was diese Reorganisation anging; die Stadt mit ihren besonderen Landes- und Kommunalgesetzen passe nicht in das Organisationsgebilde der Provinz. Nach längeren Diskussionen beschlossen sie daher [[1905]] in einer Urabstimmung mit 1610 gegen 640 Stimmen, aus der Provinzorganisation auszutreten.<ref>[http://fes.imageware.de/fes/web/index.html?open=VW22291&page=5 ''Vorwärts'' Nummer 290, Jahrgang 22, 12.12.1905]</ref> Am [[1. Juli]] [[1905]] gründet sich der Bezirksverband für Schleswig-Holstein, das [[Kreisverband Herzogtum Lauenburg|Herzogtum Lauenburg]] und das [[Fürstentum Lübeck]]. Die SPD in der Freien und Hansestadt Hamburg gründete ihre eigene [[Organisationsaufbau der SPD|Landesorganisation]].
Die Hamburger waren skeptisch, was diese Reorganisation anging; die Stadt mit ihren besonderen Landes- und Kommunalgesetzen passe nicht in das Organisationsgebilde der Provinz. Nach längeren Diskussionen beschlossen sie daher [[1905]] in einer Urabstimmung mit 1610 gegen 640 Stimmen, aus der Provinzorganisation auszutreten.<ref>[http://fes.imageware.de/fes/web/index.html?open=VW22291&page=5 ''Vorwärts'' Nummer 290, Jahrgang 22, 12.12.1905]</ref> Am [[1. Juli]] [[1905]] gründet sich der Bezirksverband für Schleswig-Holstein, das [[Kreisverband Herzogtum Lauenburg|Herzogtum Lauenburg]] und das [[Fürstentum Lübeck]]. Die SPD in der Freien und Hansestadt Hamburg gründete ihre eigene [[Organisationsaufbau der SPD|Landesorganisation]].


[[1906]] übernahm [[Friedrich Bartels]] den Vorsitz des Agitationsbezirks Schleswig-Holstein.<ref>{{Martens-45-59}}, S. 24</ref> Er wurde als [[ParteisekretärIn|Parteisekretär]] besoldet und war eine Art früher Landesgeschäftsführer. Ab [[1912]]/[[1913|13]] nannte sich die [[Agitationskommission]] [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]]. Am [[1. November]] [[1913]] wurde [[Heinrich Kürbis]] zum [[Landesvorsitzende/r|Bezirksvorsitzenden]] gewählt und angestellt.<ref>Paetau, Rainer: ''Konfrontation oder Kooperation. Arbeiterbewegung und bürgerliche Gesellschaft im ländlichen Schleswig-Holstein und in der Industriestadt Kiel zwischen 1900 und 1925'' (Neumünster 1988), S. 508</ref>
[[1906]] übernahm [[Friedrich Bartels]] den Vorsitz des Agitationsbezirks Schleswig-Holstein.<ref>{{Martens-45-59}}, S. 24</ref> Er wurde als [[ParteisekretärIn|Parteisekretär]] besoldet und war eine Art früher Landesgeschäftsführer.  
 
[[Frauen- und Gleichstellungspolitik|Frauen]] wurde mit der Reform des Vereinsrecht im Jahr [[1908]] endlich erlaubt, sich zu auch formal zu organisieren und Mitglied in Parteien zu werden. Fortan sah die Satzung vor, dass auch eine Frau im Bezirksvorstand vertreten sein sollte. Die erste uns bekannte Frau im Bezirksvorstand war [[Linchen Baumann]]. Während der Weimarer Republik vertrat [[Louise Schroeder]] durchgehend die Frauen im Bezirksvorstand.  


Ab [[1912]]/[[1913|13]] nannte sich die [[Agitationskommission]] [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]]. Am [[1. November]] [[1913]] wurde [[Heinrich Kürbis]] zum [[Landesvorsitzende/r|Bezirksvorsitzenden]] gewählt und angestellt.<ref>Paetau, Rainer: ''Konfrontation oder Kooperation. Arbeiterbewegung und bürgerliche Gesellschaft im ländlichen Schleswig-Holstein und in der Industriestadt Kiel zwischen 1900 und 1925'' (Neumünster 1988), S. 508</ref>
[[Datei:Willy Verdieck.jpg|mini|288x288px|Willy Verdieck]]
Mit dem Ausbruch des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] im Jahr [[1914]] und der Burgfriedenspolitik der SPD begann die Spaltung der Arbeiterbewegung, die sie in der [[Weimarer Republik]] entscheidend schwächen sollte.
Mit dem Ausbruch des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] im Jahr [[1914]] und der Burgfriedenspolitik der SPD begann die Spaltung der Arbeiterbewegung, die sie in der [[Weimarer Republik]] entscheidend schwächen sollte.


== Bezirksvorsitzende ==
==Bezirksvorsitzende==
*November [[1921]] - [[Willy Verdieck]] (bis [[1933]])
*November [[1921]] - [[Willy Verdieck]] (bis [[1933]])
*Juli [[1919]] - [[Rudolf Hackelberg]]
*Juli [[1919]] - [[Rudolf Hackelberg]]

Aktuelle Version vom 10. März 2026, 19:30 Uhr

Bezirksverband Schleswig-Holstein
(1905-1914)
Schleswig-Holstein als Teil von Preußen
Schleswig-Holstein als Teil von Preußen
Schleswig-Holstein als Teil von Preußen
<< Agitationskommission (1890-1905)
Erster Weltkrieg (1914-1918) >>

Der Bezirksverband Schleswig-Holstein war die Vorgängerorganisation des Landesverbandes. Er umfasste von 1905 bis zum Verbot der SPD durch die Nazis 1933 das Gebiet des Landesverbandes ohne die Freie und Hansestadt Lübeck, aber mit den Städten Altona und Wandsbek im Randgebiet von Hamburg sowie dem Gebiet, das nach der Volksabstimmung von 1920 dauerhaft dänisch wurde. Auch das Fürstentum Lübeck zählte dazu, obwohl der Landesteil verwaltungsmäßig nicht zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein, sondern zum Großherzogtum Oldenburg gehörte.

Nach der Neugründung 1945 trug der Verband - jetzt in den heutigen Grenzen Schleswig-Holsteins - zunächst weiter die Bezeichnung "Bezirksverband".

Bis 1899 bestand das "Verbindungsverbot" - es durften keine Vereine oder Zusammenschlüsse von Vereinen gebildet werden, die über den einzelnen Ort hinausgingen. So sollte vor allem politische Zusammenarbeit verhindert werden. Die "Lex Hohenlohe", das Gesetz, mit dem dieses Verbot beendet wurde, ging auf den Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst zurück und hieß eigentlich Gesetz betreffend das Vereinswesen. Es trat am 11. Dezember 1899 (RGBl. S. 699) in Kraft und enthielt nur einen einzigen Artikel:

"Inländische Vereine jeder Art dürfen miteinander in Verbindung treten. Entgegenstehende landesgesetzliche Bestimmungen sind aufgehoben."

Friedrich Bartels

Es dauerte jedoch einige Jahre, bis die SPD ihre Organisation änderte, einen eigenen Bezirk gründete, einen Bezirksvorstand wählte und einen ersten Parteisekretär einstellte.

1904 begann Eduard Adler aus Kiel die Diskussion über die Reorganisation des bisherigen Agitationsbezirks. 1905 verabschiedete der Parteitag in Jena ein Organisationsstatut, das weitestgehend den Vorschlägen von Eduard Adler entsprach:

Die Grundlage der Organisation war nun der Verein des Wahlkreises. Für den Fall, dass der Wahlkreis sich über mehrere Orte erstreckte, konnten Ortsvereine gebildet werden. Diese "Sozialdemokratischen Vereine" schlossen sich zu Bezirksverbänden und Landesorganisationen zusammen, deren selbstständige Führung der Geschäfte allerdings nicht in Widerspruch zum Statut der Gesamtpartei stehen durfte. Mindestens 20 % ihrer Einnahmen waren an die Parteileitung abzuführen. Kein Wahlkreis durfte durch mehr als drei Delegierte auf dem reichsweiten Parteitag vertreten werden. Diese Struktur setzte Schleswig-Holstein zügig um, wie auf dem Provinzialparteitag 1905 berichtet wurde. Der gemeinsame Agitationsbezirk mit Hamburg wurde jedoch in der Übergangsphase zunächst noch beibehalten.

Heinrich Kürbis

Es gab folglich im Bezirk insgesamt vierzehn Wahlkreisvereine: 10 aus Schleswig-Holstein, einen aus dem Fürstentum Lübeck und drei aus Hamburg. Die schleswig-holsteinischen Wahlkreise waren im Jahr 1904 in 57 Ortsvereine untergliedert, das Fürstentum Lübeck in fünf.[1]

Die Hamburger waren skeptisch, was diese Reorganisation anging; die Stadt mit ihren besonderen Landes- und Kommunalgesetzen passe nicht in das Organisationsgebilde der Provinz. Nach längeren Diskussionen beschlossen sie daher 1905 in einer Urabstimmung mit 1610 gegen 640 Stimmen, aus der Provinzorganisation auszutreten.[2] Am 1. Juli 1905 gründet sich der Bezirksverband für Schleswig-Holstein, das Herzogtum Lauenburg und das Fürstentum Lübeck. Die SPD in der Freien und Hansestadt Hamburg gründete ihre eigene Landesorganisation.

1906 übernahm Friedrich Bartels den Vorsitz des Agitationsbezirks Schleswig-Holstein.[3] Er wurde als Parteisekretär besoldet und war eine Art früher Landesgeschäftsführer.

Frauen wurde mit der Reform des Vereinsrecht im Jahr 1908 endlich erlaubt, sich zu auch formal zu organisieren und Mitglied in Parteien zu werden. Fortan sah die Satzung vor, dass auch eine Frau im Bezirksvorstand vertreten sein sollte. Die erste uns bekannte Frau im Bezirksvorstand war Linchen Baumann. Während der Weimarer Republik vertrat Louise Schroeder durchgehend die Frauen im Bezirksvorstand.

Ab 1912/13 nannte sich die Agitationskommission Bezirksvorstand. Am 1. November 1913 wurde Heinrich Kürbis zum Bezirksvorsitzenden gewählt und angestellt.[4]

Willy Verdieck

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 und der Burgfriedenspolitik der SPD begann die Spaltung der Arbeiterbewegung, die sie in der Weimarer Republik entscheidend schwächen sollte.

Bezirksvorsitzende

Die weiteren Mitglieder des Bezirksvorstandes bis 1933 sind bisher nur teilweise ermittelt.

Nach einem Parteitagsbeschluss von 1909 musste dem Vorstand mindestens eine Frau angehören.

Siehe auch

Literatur

Hauptartikel: Literatur zur Geschichte der Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein

Nur wenig Literatur beschäftigt sich mit der Geschichte des Landesverbands insgesamt:

Archive

  • Unterlagen des Bezirksvorstands wurden zu Beginn der NS-Diktatur beschlagnahmt und befinden sich heute im Bestand des Landesarchivs Abt. 384.1[5]

Links

Einzelnachweise

  1. Lübecker Volksbote, 3.9.1904, S. 5
  2. Vorwärts Nummer 290, Jahrgang 22, 12.12.1905
  3. Martens, Holger: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein 1945 - 1959 (Malente 1998), ISBN 3-933862-24-8, S. 24
  4. Paetau, Rainer: Konfrontation oder Kooperation. Arbeiterbewegung und bürgerliche Gesellschaft im ländlichen Schleswig-Holstein und in der Industriestadt Kiel zwischen 1900 und 1925 (Neumünster 1988), S. 508
  5. Schreiben 395/2016 des Leitenden Archivdirektors Prof. Dr. Dr. Rainer Hering an den SPD-Landesverband, Ralf Stegner, vom 10.2.2016