1908
Aus SPD Geschichtswerkstatt
Vorsitzende der SPD sind Paul Singer und August Bebel. In Schleswig-Holstein ist Friedrich Bartels Vorsitzender.
Staatsoberhaupt ist Kaiser Wilhelm II., Reichskanzler Bernhard von Bülow.
Am 8. April verabschiedet der Reichstag das Reichsvereinsgesetz mit 195 gegen 168 Stimmen; die SPD stimmt wegen der Einschränkungen dagegen. Das Gesetz tritt am 15. Mai in Kraft. Personen unter 18 Jahren bleiben von der Mitgliedschaft an politischen Vereinen und der Teilnahme an politischen Versammlungen ausgeschlossen. Den Frauen wird gestattet, sich in politischen Vereinen zu organisieren. In öffentlichen Veranstaltungen ist nur die deutsche Sprache zugelassen, dadurch werden die nationalen Minderheiten in ihrem Wirken eingeengt.
Januar
- 12. Januar - Wahlrechtskundgebungen in ganz Schleswig-Holstein. Die Presse berichtet über insgesamt 18 Veranstaltungen. Zwei Veranstaltungen mit Eduard Adler im Gewerkschaftshaus sowie Wilhelm Brecour und Daniel Rindfleisch im Lokal Englischer Garten münden in eine unangemeldete Demonstration, die am 22. Mai eine Gerichtsverhandlung nach sich zieht.
- Der Allgemeine Arbeiterverein Büdelsdorf beantragt erfolgreich die Erweiterung des Gemeinderats von 6 auf 9 Mitglieder.
Februar
März
- 1. März - Walter Jansen kommt zur Welt.
- 2. März - Willi Steinhörster wird in Brunsbüttel geboren.
- 8. März - Hermann Klingenberg kommt in Schwonendahl b. Kappeln zur Welt.
- 10. März - Elfriede Felst wird in Lehe/Krs. Wesermünde geboren.
- 30. März - Rudolf Donath kommt in Hamburg zur Welt.
April
Mai
- 22. Mai - Gegen Eduard Adler und Daniel Rindfleisch verhängt das Kieler Schöffengericht wegen Teilnahme an einer nicht angemeldeten Demonstration am 12. Januar in Kiel je 15 Mark Strafe, ersatzweise 1 Tag Haft, was eine deutliche Reduzierung der ursprünglichen Strafe von je 50 Mark oder 10 Tage Haft darstellt, zu der sie zunächst als Anführer der Demonstration verurteilt worden sind; diesen Vorwurf können sie abwehren.
- 31. Mai - Kurt Engert wird im Kreis Waldenburg/Schlesien geboren.
Juni
- 16. Juni - Landtagswahl in Preußen. Die SPD tritt in 18 schleswig-holsteinischen Wahlkreisen an, nur nicht in Tondern. Da die Stimmabgabe öffentlich ist, birgt sie für die Wähler der SPD erhebliche Risiken. In den Urwahlen werden in 15 der 19 Wahlkreise SPD-Wahlmänner gewählt.
- 18. Juni - Martha Kukil kommt zur Welt.
Juli
August
- 18. August - Kurt Pester wird in Ehrenhain geboren.
- 30.-31. August - Provinzialparteitag in Kiel. Unter anderem wird dort deutlich, dass es bei Älteren zum Teil starke Vorbehalte gegen eine eigenständige Jugendorganisation gibt.
- 31. August - Die Lübecker SPD gedenkt des Todestages von Ferdinand Lassalle mit einer Feier im Vereinshaus. Theodor Schwartz hält die Gedächtnisrede.
September
- 11.-12. September - 5. Frauenkonferenz in Nürnberg.
- 13.-19. September - SPD-Parteitag in Nürnberg. Luise Zietz wird als erste Frau in den Parteivorstand gewählt.
Oktober
- 1. Oktober - Dem Sozialdemokratischen Verein Kiel und Umgegend treten bis Ende des Jahres etwa 700 weibliche Mitglieder bei.
- 10. Oktober - Luise Zietz spricht zum zweiten Mal in Neustadt, vor 200 Menschen.
- 11. Oktober - Hermann Schwieger kommt in Krumwehl/Süderdithm. zur Welt.
- 26. Oktober - Heinrich 'Hein' Wulff wird geboren.
November
- 9. November - Charlotte Werner kommt in Hamburg zur Welt.
Dezember
- 26. Dezember - Hermann Franck wird in Hamburg geboren.
Nicht datiert
- Hanne Hansen, ihre Schwester Margarethe Clausen (Flensburg), Sophie Hempel, Käthe Leu, Otto Passarge, Christine Petersen und Marie Schmelzkopf treten in die SPD ein.
- Richard Köhn löst Johannes Knaack im Vorsitz der Pinneberger SPD ab.
- Hermann Lüdemann beginnt in der Demokratischen Vereinigung seine politische Laufbahn.
- Rudolf Wissell verlässt Lübeck; er übernimmt die Leitung des Zentralarbeitersekretariats und der sozialpolitischen Abteilung der Generalkommission der Gewerkschaften in Berlin. Sein Nachfolger im Lübecker Arbeitersekretariat wird Fritz Mehrlein.
- Das Vereinsgebiet des OV Lägerdorf umfasst nach amtlicher Feststellung auch Münsterdorf, Dägeling, Rethwisch, Steinburg, Hohenfelde und Breitenburg. Bei den Mitgliedern handle es sich fast ausschließlich um in der Zement-Industrie beschäftigte Arbeiter, die schnell wechselten.
- Die Vereinigung der freien Jugendorganisationen in Deutschland, in der sich die norddeutschen Jugendvereine der Arbeiterbewegung zusammengeschlossen haben, wird aufgelöst, da sie als nicht vereinbar mit dem neuen (oder dem alten) Reichsvereinsgesetz angesehen wird. Jugendliche haben weiterhin in politischen Vereinen nichts zu suchen, auch nicht in von ihnen selbst organisierten.
- Die Gründung des Nordschleswiger Arbeitersekretariats ist ein erster Versuch, die dänisch gesinnten Arbeiter in Nordschleswig hinter dem Danske Vælgerforening zu vereinen.
