Gustav-Heinemann-Bildungsstätte

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Gustav-Heinemann-Bildungsstätte
Gustav-Heinemann-Bildungsstätte
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Schweizer Straße 58
23714 Bad Malente
http://www.heinemann-bildungsstaette.de/

Die Gustav-Heinemann-Bildungsstätte wird von der Gesellschaft für Politik und Bildung Schleswig-Holstein e.V. getragen. Sein Ziel ist es, durch ein Angebot von Vorträgen, Seminaren und Kursen sowie durch die Herausgabe von Broschüren bei Jugendlichen und Erwachsenen Interesse für politische Fragen, die demokratische Staatsform und die internationale Zusammenarbeit wecken, politisches Wissen vermitteln und zur politischen Mitarbeit anregen.

Vorgeschichte

Die Gesellschaft für Politik und Bildung wurde 1967 als Reaktion auf das Erstarken neonazistischer Kräfte wie der NPD gegründet. Alle etablierten Parteien gründeten damals vergleichbare gemeinnützige Vereine oder Stiftungen, über die staatliche Gelder in politische Bildungsarbeit investiert wurden. "Das war Programm für die schleswig-holsteinische SPD, dafür wurden alle Kräfte mobilisiert. Die Seminare wurden an Wochenenden abgehalten, meistens irgendwo in Hotels. Das war natürlich keine richtige Heimat für eine politische Bildungsstätte."[1]

Haus Seehof

1968 erwarb der Verein das "Haus Seehof" außerhalb von Malente am Kellersee und richtete dort eine Akademie für politische Erwachsenenbildung ein. Der Landesverband der SPD hatte Rücklagen aufgelöst und dem Verein einen zinslosen Kredit über 500.000 DM gegeben, der in den Folgejahren zurückgezahlt wurde[2].

Erster Geschäftsführer wurde Heinz Kade, seine erste Mitarbeiterin Rosa Wallbaum, die bis dahin die Frauenarbeit im Landesverband geleitet hatte. Ihre Hauptaufgabe war auch in Malente zunächst Bildungsarbeit für Frauen:

"Ich habe [...] mich mit den Frauengruppenleiterinnen in Verbindung gesetzt und gesagt: 'Hier findet dieses und jenes Seminar statt. Kannst du Frauen benennen oder kannst du selbst teilnehmen?' Ich habe auch die Parteibüros immer wieder angerufen und gesagt: 'Könnt ihr mal die Frauen mobilisieren?' [...] Damals hatten ja noch längst nicht alle Frauen oder Familien Telefon, aber wir kriegten wirklich Frauenseminare voll. [...]
Wir wollten, daß auch die Frauen auf dem flachen Land sich an der Kommunalpolitik beteiligen. Die waren überhaupt nicht dazu imstande, die Partei konnte ihnen nicht genügend Material und Wissen liefern. Wir haben kommunalpolitische Seminare gemacht und Rhetorikseminare und auch eine Gemeinderatssitzung durchgespielt. [...] Es ist uns gelungen, Frauen die Scheu zu nehmen, zu sprechen, gerade die vom Lande kamen. Ich habe nachher soviel gehört, daß da Frauen plötzlich in die kleinen Gemeindevertretungen kamen und haben erstmal aufgeräumt. Die waren vorher nie vorgesehen und wären es auch nie geworden, wenn sie nicht das Wissen gehabt hätten."[3]

1970 konnten im Haus 52 Seminare mit insgesamt 344 Teilnehmerinnen und 897 Teilnehmern durchgeführt werden. 1971 waren es bereits 70 Seminare mit insgesamt 481 Teilnehmerinnen und 1287 Teilnehmern. Anfang 1972 wurde der Ausbau der Bildungsstätte angekündigt; man wollte die Möglichkeit schaffen, zwei Tagungen parallel durchzuführen.[4]

Bekannte Mitglieder der schleswig-holsteinischen SPD wie Gerd Walter oder Willi Piecyk begannen ihre Laufbahn als Studienleiter in Malente. Viele ReferentInnen wurden für bestimmte Themen von außen verpflichtet, so Reimut Jochimsen - gleichzeitig Vorstandsmitglied - der auch seine Assistenten ins Haus brachte, etwa Jürgen Bertram.[5]

Gustav-Heinemann-Bildungsstätte

Seit 1983 trägt die Akademie den Namen "Gustav-Heinemann-Bildungsstätte" - benannt nach dem ersten sozialdemokratischen Bundespräsidenten Gustav Heinemann.

2005 wurde das Gebäude umfassend modernisiert. Der Vorwärts berichtete:

"Viele Genossinnen und Genossen verbinden mit der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte Erinnerungen an interessante Seminare in gemütlicher Umgebung. Am 19. August hat die Weiterbildungseinrichtung nach umfangreichen Umbauten und Modernisierungen neu eröffnet.
Über 750 000 Euro hat die Runderneuerung gekostet, zur Hälfte aus Mitteln des Regionalprogramms des Landes gefördert. Fenster, Elektrik und Küche wurden erneuert, alle Zimmer renoviert und mit neuen Möbeln ausgestattet.
Durch den Umbau wurde ein weiterer Gruppenraum geschaffen. Alle Tagungsräume verfügen über einen Computer mit Internet-Anschluss. In 17 Doppel- und 27 Einzelzimmern finden bis zu 61 Gäste Unterkunft.
Fürs leibliche Wohl sorgt die hauseigene Küche mit täglich drei Mahlzeiten und zusätzlichem Nachmittags- und Pausenkaffee. Eine besondere Attraktion ist nach wie vor die Lage: direkt am Kellersee, mit eigenem Bootssteg. "Nicht nur die Inhalte, sondern auch der äußere Rahmen, das Ambiente muss stimmen, um erfolgreich in einer Bildungsstätte politische Bildung betreiben zu können", stellte Innenminister Dr. Ralf Stegner dazu in seiner Rede fest.
Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, stellte die Bedeutung der Bildungsangebote für Partizipation und Engagement der Bürger heraus."[6]

Am 14. September 2009 wurde der große Seminarraum nach Jochen Steffen benannt, ein anderer nach Willi Piecyk und die Bibliothek nach Rosa Wallbaum.

Seit 2017 wird die Bildungsstätte von Kilian Lembke geleitet.

Vorstand

Der Vorstand des Trägervereins ist verantwortlich für die inhaltliche Ausrichtung und wirtschaftliche Sicherstellung der Arbeit der Bildungsstätte. Vorsitzende waren seit der Gründung:

Ehemalige MitarbeiterInnen

Links

Quellen

  1. Kalweit, Susanne (Hrsg.): "Ich hab' mich niemals arm gefühlt!" Die Kielerin Rosa Wallbaum berichtet aus ihrem Leben (Berlin / Hamburg 2010), S. 155. ISBN 978-3-86850-644-0
  2. SPD Schleswig-Holstein (Hrsg.): Politik und Organisation, Ausgabe zum Landesparteitag 1969 in Husum, der kurzfristig nach Tönning verlegt werden musste.
  3. Kalweit, Susanne (Hrsg.): "Ich hab' mich niemals arm gefühlt!" Die Kielerin Rosa Wallbaum berichtet aus ihrem Leben (Berlin / Hamburg 2010), S. 157 ff., ISBN 978-3-86850-644-0
  4. Bildungsstätte "Haus Seehof" soll jetzt ausgebaut werden, Kieler Nachrichten, 31.1.1972
  5. Kalweit, Susanne (Hrsg.): "Ich hab' mich niemals arm gefühlt!" Die Kielerin Rosa Wallbaum berichtet aus ihrem Leben (Berlin / Hamburg 2010), S. 160, ISBN 978-3-86850-644-0
  6. Vorwärts 9/2005