Horst Jungmann

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Horst Jungmann
Geboren: 24. September 1940

Horst Jungmann, * 24. September 1940 in Gräfenort/Oberschlesien (heute Grotowice (Opole)/Polen); Beamter. Er trat 1966 der SPD bei.

Leben & Beruf

Nach der Fachoberschulreife und der abgeschlossenen Verwaltungsausbildung für den gehobenen nichttechnischen Dienst absolvierte Horst Jungmann eine Lehre als Postjungbote und trat nach Bestehen der Prüfung für den einfachen Postdienst 1958 in das Beamtenverhältnis ein. Von 1959 bis 1970 war er Zeitsoldat bei der Bundesmarine, zuletzt mit dem Rang Hauptbootsmann, und wechselte 1971 als Regierungsinspektor zur Bundeswehrverwaltung.

Er ist verheiratet, das Ehepaar hat zwei Kinder. Er gehört der evangelischen Kirche an.

Von 1996 bis 1999 arbeitete er mehrfach als Kurzzeitberater im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung in verschiedenen afrikanischen Ländern. Auch engagierte er sich bei der Vernichtung von Landminen[1], möglicherweise in Afrika.

Er ist oder war u. a. Mitglied der Gewerkschaft ÖTV, der Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Deutsch-Polnischen Gesellschaft und der DLRG.

Partei & Politik

Horst Jungmann

"erinnert sich noch ganz genau an seinen Parteieintritt am 24. Februar 1966. Als Ausbilder der Marineunteroffizierschule (MUS) in Plön marschierte er in Uniform zum Parteibüro am Marktplatz. Die Parteisekretärin fragte ihn, ob er Material für den Unterricht in der MUS abholen wollte. 'Nein, ich möchte in die Partei eintreten', habe er der verdattert schauenden Dame erklärt, so Jungmann." Der Grund war Willy Brandt.[2]

Kommunalpolitik

  • 1970-1971 und 1974-1976 war er Mitglied des Plöner Kreistages, seit 1975 als Fraktionsvorsitzender.

Bundespolitik

Von 1976 bis 1994 gehörte Horst Jungmann dem Deutschen Bundestag an, in der Regel für den Wahlkreis 6 (Plön-Neumünster), 1983 und 1990 über die Landesliste. Im Bundestag setzte er sich u.a. als Fachmann für Verteidigungsfragen ein. Es heißt, er sei als Wehrbeauftragter des Bundestages in der engeren Wahl gewesen.[4]

Einmal wurde nach der Erinnerung von Norbert Gansel die Immunität von Horst Jungmann aufgehoben, weil er mit Demonstranten vor dem Bundestag debattiert hatte, was Ermittlungen wegen eines Verstoßes gegen das Bannmeilen-Gesetz auslöste.[5]

Norbert Maroses wiederum erinnert sich, dass der Verteidigungsexperte noch zu Zeiten des kalten Krieges einen eindrucksvollen sowjetischen Militärattaché zu einer Diskussion nach Preetz geholt habe. Wenig später sei dieser als KGB-Spion enttarnt und ausgewiesen worden.[6]

Zu seinem Entschluss, nicht für eine weitere Legislaturperiode anzutreten, schrieb Eckart Kuhlwein:

"Wenn ein Bundestagsabgeordneter im besten Alter freiwillig einem anderen Platz macht, muß dies seine Gründe haben. Horst Jungmann - sonst um drastische Formulierung nicht verlegen - bleibt wortkarg dabei, er habe nur keine besondere Lust mehr. Was ein MdB in einem Mandat bewegen kann, hat er bewegt. Profil hat er gewonnen als kritischer Mahner bei Rüstungsprojekten und als Vertrauensperson für die Soldaten im Parlament. Er wäre ein guter Wehrbeauftragter geworden, die Mehrheit im Bundestag entschied anders. Nun hat er im Haushaltsausschuß die letzten Jahre minutiös nachgerechnet, daß Verteidigung nicht so teuer sein muß, wie sie von der Bundesregierung gemacht wird. Und mit großer Sorge hat er verfolgt, wie mit fortschreitender Privatisierung politischer Einfluß und parlamentarische Verantwortung für die Infrastruktur z. B. bei Post und Bahn den Bach hinuntergehen. [...]
Horst Jungmann paßte als westfälischer Oberschlesier in die Landschaft schleswig-holsteinischer Dickköpfe, die nicht jede taktische Kehrtwendung mitmachen wollen. Er hat mit Selbstbewußtsein auch als Soldat militärischen Aktivitäten getrotzt und genoß es später, denselben Leuten als parlamentarischer Arbeitgeber gegenüber zu sitzen."[7]

Ehrungen

Anlässlich seiner 50jährigen Zugehörigkeit zur SPD wurde Horst Jungmann im März 2016 mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet. Norbert Gansel bescheinigte dem früheren Fraktionskollegen bei der Ehrung: "Du hast dich nie gescheut anzuecken. Es können nicht so viele ehrlich in den Spiegel schauen. Du kannst es."[8]

Links

Einzelnachweise

  1. Schekahn: SPD-Urgestein
  2. Schekahn: SPD-Urgestein
  3. Schekahn: SPD-Urgestein
  4. Schekahn: SPD-Urgestein, bestätigt durch Eckart Kuhlwein - siehe Zitat am Schluss
  5. Schekahn: SPD-Urgestein
  6. Schekahn: SPD-Urgestein
  7. Kuhlwein, Eckart: Horst Jungmann macht Platz, Roter Schwan 2/94, S. 9
  8. Schekahn: SPD-Urgestein