Otto Gerlach

Otto Gerlach
Otto Gerlach
Geboren: 24. April 1925
Gestorben: 5. März 2005

Otto Gerlach, * 24. April 1925 in Pinneberg, † 5. März 2005 in Brunsbek, Kr. Stormarn; Lehrer. Verheiratet, drei Kinder. Mitglied der SPD seit 1962.

Werdegang

1931 zog die Familie des Sechsjährigen von Pinneberg in die Hamburger Chaussee nach Kiel-Hassee. Dort besuchte Otto Gerlach nach der Grundschule die Oberrealschule II am Winterbeker Weg (später Max-Planck-Schule). Er gehörte zu den Gymnasiasten, die nach dem 12. Schuljahr mit dem Reifevermerk zur Wehrmacht eingezogen wurden. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft kehrte er 1947 am Tag vor Heiligabend nach Kiel zurück. Das Haus der Eltern stand, was im zu 80 Prozent zerstörten Kiel ein Glücksfall war; in der Wohnung waren jedoch noch drei weitere Familien einquartiert - ein in der Nachkriegszeit völlig normaler Zustand.

Im April 1948 nahm Otto Gerlach auf Schloß Nehmten an einem Sonderlehrgang für Kriegsteilnehmer wie ihn mit vorzeitig beendeter Schulbildung teil, der zum Abitur führte. 1949 begann er ein Studium der Philosophie. Daneben arbeitete er im englischen Informationszentrum im Rathaus. 1952 übertrug man ihm die Leitung des neu eröffneten Amerikahauses (Kennedy-Haus), das im ehemaligen Kaufhaus Defaka an der Holstenbrücke untergebracht war.

Durch einen glücklichen Zufall konnte er 1954 eine Tätigkeit beim Jugendaufbauwerk in Hörnum auf Sylt beginnen. Sie wurde seine pädagogische "Grundausbildung", die ihn anregte, Lehrer zu werden. Das Studium der Fächer Mathematik, Deutsch, Sport und Religion an der Pädagogischen Hochschule in Kiel schloss er 1956 als Bester ab. Seine erste Lehrerstelle erhielt er 1957 in Flintbek, bevor er 1961 die Leitung einer Landschule in Bünningstedt, heute Ammersbek, bei Ahrensburg übernahm, wo er auch in die SPD eintrat. Von 1964 bis ihrer Auflösung[1] im Juli 1971 leitete er die Volksschule in Russee. Schon seit 1968 war er im Nebenamt als Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule (PH) Kiel in der Lehrerbildung tätig; er vertrat außerdem die Lehrbeauftragten im Senat der Hochschule. Im Frühjahr 1972 nahm er seinen Dienst beim Institut für Praxis und Theorie der Schule (IPTS) als Studienleiter für Lehrerfortbildung auf. Hier war er bis zu seiner Pensionierung etwa 1990 tätig.

Wann Otto Gerlach und seine Frau Ingeborg heirateten, ist nicht ermittelt; die beiden hatten drei Kinder. 1995 verließ er Russee, um in Brunsbek in der Nähe seiner Töchter zu leben.

Kommunalpolitik

Vom Vorsitzenden des OV Russee, Max Nörenberg, wurde Otto Gerlach mit offenen Armen empfangen und vom ersten Tag an in die Parteiarbeit eingebunden. 1966 übernahm er selbst den Vorsitz, den er - mit einer Unterbrechung von 1972 bis 1974 - bis 1980 behielt. Danach blieb er noch bis 1982 im Vorstand.

Er drängte an die Öffentlichkeit, daher wurden Mitgliederversammlungen fortan in die Ihlkate oder in den Rendsburger Hof verlegt. Zur Parteiarbeit im Kreis gehörte auch ein Frühschoppen, der alle vier Wochen sonntags bei einem der Ortsvereine im Kreisverband Rendsburg stattfand. Dazu waren jeweils ReferentInnen eingeladen, die zu aktuellen Themen sprachen. Anschließend wurde diskutiert. Otto Gerlach und Max Nörenberg waren regelmäßige Besucher und auch Gastgeber dieser Veranstaltungsreihe. In der politischen Alltagsarbeit ergänzten sie sich hervorragend. Gemeinsam prägten sie das Bild der Partei im Ort.

Zur Kommunalwahl 1966 trat die SPD Russee mit einem neuen Konzept an: Die Auswahl der Kandidaten erfolgte ausschließlich nach fachlichen Gesichtspunkten, die Dauer der Parteizugehörigkeit war zweitrangig. Die SPD errang acht Sitze, neun Sitze gingen an die Dorfgemeinschaft Russee (DGR). Otto Gerlach war mit Paul Matthiesen für Schulfragen zuständig.

In den folgenden vier Jahren ging es in der Gemeindevertretung hoch her. Immer wieder griff Otto Gerlach als Fraktionssprecher die DGR scharf an. Mit Hilfe des Kommentars zur Gemeindeordnung von Galette-Laux konnte er häufig Verfahrensfehler von Bürgermeister Heinrich Grömm aufdecken. Dies ging soweit, daß er Sitzungen sprengte. Auch mit dem DGR-Fraktionssprecher Karl Diekelmann lieferte er sich scharfe Rededuelle.

Heiße Diskussionen selbst auf privaten Feiern: Otto Gerlach, Doris Thiele-Röpstorff und Olaf Busack 1987

In den Jahren ihres Wirkens konnten Otto Gerlach und Max Nörenberg viele Dinge mitgestalten. Das wichtigste Thema dieser Jahre war die Eingemeindung Russees nach Kiel, die Otto Gerlach unterstützte. Schulfragen, Verkehrsangelegenheiten, Gas-, Wasser- und Stromversorgung wurden bereits von Kiel aus geregelt. Um bei diesen Dingen mitreden zu können, war es wichtig, in der Kieler Ratsversammlung und ihren Ausschüssen mitzuwirken.

Otto Gerlach vertrat den Stadtteil Russee von der Kommunalwahl 1970 an - mit einer Unterbrechung zwischen 1978 und 1982 - bis 1990 in der Ratsversammlung. Er war in verschiedenen Ausschüssen tätig, wobei die Arbeit im Kieler-Woche-, im Schul- und im Finanzausschuss besondere Schwerpunkte bildeten. Von der Ratsversammlung wurde er außerdem in den Kieler Umlandverband entsandt, eine Rolle, die er, da er über Erfahrung auf beiden Seiten verfügte, gut ausfüllen konnte.

Parallel gehörte er von 1974 bis 1982 auch dem Ortsbeirat Russee/Hammer an.

Ehrungen

Für seine kommunalpolitische Arbeit wurde Otto Gerlach mit der Freiherr-vom-Stein-Medaille des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet; wann, ist nicht ermittelt.[2]

Stimmen

"Mit seiner auf die Menschen zugehenden und verständnisvollen Art verstand es Otto Gerlach, politische Arbeit geduldig zu erklären."[3]

Links & Literatur

  • Olaf Busack: Otto Gerlach - Schulleiter und Kommunalpolitiker in Russee, Geschichtsjournal "Rund um den Russee", Heft 5/Oktober 2017, S. 48-51

Quellen

  1. Im Zuge der Eingemeindung nach Kiel wurde sie zur Kieler Grundschule umgewidmet.
  2. Busack: Otto Gerlach, S. 51
  3. Busack: Otto Gerlach, S. 51