Kiel
Die Stadt Kiel war seit ihrer Entwicklung zur Industrie- und Werftenstandort in den 1870er Jahren und auf Grund der Einstufung als Reichskriegshafen eine politisch und sozial stark durch die Arbeiterbewegung geprägte Stadt geworden. Lediglich das undemokratische Wahlrecht verhinderte bis 1918, das sich dies auch in der Stadtvertretung abbildete.
Der Status als Reichskriegshafen mit der Stationierung der Marine und der umfangreichen Werften- und Zulieferindustrie hatte außerdem zur Folge, dass die Stadt im 1. wie im 2. Weltkrieg sowie in der jeweiligen Nachkriegszeit stärker als viele andere Städte in ihrer gesamten Struktur beeinflusst wurde. Im November 1918, kurz vor Ende des 1. Weltkrieges, war sie Schauplatz des Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstandes, der zum Ausgangspunkt für die Novemberrevolution wurde; diese beendete den preußischen Militarismus wilhelminischer Prägung und etablierte die erste Demokratie auf deutschem Boden. Der 2. Weltkrieg brachte der Stadt schwerste Zerstörungen. Nach beiden Kriegen war sie darauf angewiesen - aber auch gewillt - sich wirtschaftlich neu zu erfinden, von Kriegs- auf Friedensproduktion umzustellen und umzudenken. Zu ihrem Glück fanden sich jedesmal Menschen, die dies in die Hand nahmen.[1]
SPD-OberbürgermeisterInnen
Trotz SPD-Mehrheiten erhielt Kiel in der Weimarer Republik noch keinen sozialdemokratischen Oberbürgermeister, sondern behielt bis zu seiner Vertreibung durch die Nazis 1933 den bürgerlichen OB Dr. Emil Lueken.
Nach dem 2. Weltkrieg erließ die Militärregierung eine an das britische System angelehnte Stadtverfassung, nach der der Oberbürgermeister eine rein repräsentative Aufgabe hatte. Als kommissarischer Oberbürgermeister wurde zunächst der Rechtsanwalt Max Emcke eingesetzt, der erst viele Jahre später der SPD beitrat. Der erste Sozialdemokrat in diesem Amt war der ebenfalls von der Militärregierung eingesetzte Otto Tschadek, der aber nach wenigen Monaten als gewähltes Mitglied des österreichischen Nationalrates in seine Heimat zurückkehrte.
Ihm folgte, nach noch einem kurzen konservativen Zwischenspiel, Andreas Gayk, dem Oberstadtdirektor Walther Lehmkuhl als faktischer Verwaltungschef zur Seite stand. Als Lehmkuhl 1950 als Oberbürgermeister nach Neumünster wechselte, wurde die Magistratsverfassung eingeführt, die bis 1996 galt. Nach ihr war der Oberbürgermeister Verwaltungschef; das Amt des Oberstadtdirektors wurde überflüssig. Ab 1997 wurden in ganz Schleswig-Holstein BürgermeisterInnen und LandrätInnen direkt von den Wahlberechtigten gewählt. In Kiel war Norbert Gansel der erste direkt gewählte Verwaltungschef.
- ab 2014: Ulf Kämpfer
- 2012-2013: Susanne Gaschke
- 2009–2012: Torsten Albig
- 1997–2003: Norbert Gansel
- 1992–1996: Otto Kelling
- 1980–1992: Karl-Heinz Luckhardt
- 1965–1980: Günther Bantzer
- 1954–1965: Hans Müthling
- 1946–1954: Andreas Gayk
- 1946: Otto Tschadek
Stadtverordnetenvorsteher und StadtpräsidentInnen der SPD
Bis 1918 war es der SPD trotz des starken Anteils der Arbeiterbewegung an der Bevölkerung kaum möglich, Ratsherren zu stellen; das undemokratische Wahlrecht verhinderte dies. Erst ab 1919 gab es SPD-Mehrheiten, die dann auch die Stadtverordnetenvorsteher (wie der Titel des obersten Repräsentanten der Selbstverwaltung damals lautete) stellten. Dies waren:
- 1926-1933: Christian Haß
- 1924-1926: Heinrich Jacobs
- 1919-1924: Wilhelm Spiegel
StadtpräsidentInnen als oberste RepräsentantInnen der Stadt gibt es erst seit der Einführung der Magistratsverfassung im Jahr 1950. Die SPD stellte bis heute die Hälfte von ihnen, allerdings mit einer gesamten Amtszeit von bisher 43 Jahren seit 1950.
- ab 2013: Hans-Werner Tovar
- 1998-2003 und 2008-2013: Cathy Kietzer
- 1986-1998: Silke Reyer
- 1978-1982: Rolf Johanning
- 1970-1974: Ida Hinz
- 1959-1970: Hermann Köster
- 1951-1955: Max Schmidt
Stadtbauräte
Kiels bauliche Entwicklung wurde in mehreren Phasen entscheidend von renommierten sozialdemokratischen oder der SPD nahe stehenden Stadtbauräten bestimmt. Während der Weimarer Republik war dies Willy Hahn, nach dem Krieg sind vor allem Prof. Herbert Jensen (der schon vor 1945 städt. Baudirektor war und auch später wohl nicht der SPD angehörte) und Klaus Müller-Ibold zu nennen, auch Eberhard Kulenkampff, der für die Baumaßnahmen zu den olympischen Segelwettbewerben in Kiel 1972 verantwortlich war, und Otto Flagge, der u.a. wesentliche Impulse für die Hörnsanierung gab.
