Albert Schulz

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Albert Schulz
Albert Schulz
Geboren: 11. Oktober 1895
Gestorben: 26. Juli 1974

Albert Schulz, * 11. Oktober 1895 in Rostock; † 26. Juli 1974 in Hamburg; Maschinenbauer, Parteisekretär. Verheiratet mit Emmy, geb. Munck, zwei Kinder. SPD-Mitglied seit 1913.

Werdegang

Albert Schulz wurde in eine Rostocker Arbeiterfamilie geboren. Sein Vater Berthold war Former auf der Neptunwerft, SPD-Mitglied und Mitglied im Metallarbeiterverband. Seine Mutter starb, als er sieben, sein Bruder Paul knapp fünf Jahre alt war.

Albert Schulz besuchte die Volksschule. Wie sein Vater, so begann auch er mit 14 Jahren eine Lehre als Maschinenbauer auf der Neptunwerft. Gleichzeitig engagierte er sich in der "Freien Jugend", der Jugendorganisation der Rostocker Arbeiterbewegung. Mit 15 wurde er Mitglied der Arbeiterjugend, mit 17 Mitglied im Metallarbeiterverband[1]. Einige Tage vor seinem 18. Geburtstag trat Albert Schulz in die SPD ein.

"Am 11. Oktober 1913 wurde ich 18 Jahre als, konnte an diesem Tag also Mitglied der Partei werden. Nun fand aber am 1. Oktober eine Parteiversammlung statt, wo über Jugendfragen geredet werden sollte. Um dabei sein zu können, mogelte ich. Ich gab an, am 1. Oktober 1895 geboren zu sein und konnte mit der Quittung meines Aufnahmescheines die Versammlung besuchen und reden. Später habe ich das gebeichtet und mein Geburtsdatum im Parteibuch korrigieren lassen. Es war mir keiner böse."[2]

Wanderjahre

Nach der Lehre ging Albert Schulz im April 1914 auf Wanderschaft durch Norddeutschland und suchte erfolglos in Hamburg, Lübeck, Bremen und Emden Arbeit. Er fand eine Anstellung in einer Landmaschinenfabrik in Bevensen. Dort gab es nur niedrigen Lohn. Er organisierte die Arbeiter und zettelte die ersten Lohnverhandlungen in Bevensen an. Der 18-Jährige führte die dreiköpfige Verhandlungsgruppe gegen den Firmendirektor aus Berlin und war erfolgreich.[3]

Nach Ausbruch des Krieges wurde die Fabrik geschlossen. Albert Schulz ging nach Kiel und arbeitete auf der Germania-Werft, wo er trotz seiner erst 18 Jahre bald gewerkschaftlicher Vertrauensmann seiner Abteilung wurde. Er verkehrte mit dem VZ-Redakteur Eduard Adler und lernte den Sekretär des Metallarbeiterverbandes Gustav Garbe kennen.[4]

Der Erste Weltkrieg

Krieg lag in der Luft: In zwei großen Mitgliederversammlungen im Gewerkschaftshaus sprach sich der junge Albert Schulz strikt gegen die Kriegskredite aus, die später zur Spaltung der SPD führen sollten. Im November 1915 wurde er Soldat und kam als Feld-Artillerist an die Westfront. Die Schrecken des Weltkriegs prägten sein politisches Bewusstsein. In der Novemberrevolution wurde Albert Schulz als Unteroffizier in den Soldatenrat seiner Kompanie gewählt.

Weimarer Republik

Im Dezember 1918 wurde seine Division im Lokstedter Lager (heute Hohenlockstedt) aufgelöst. Er kehrte nach Rostock zurück und wirkte dort als Mitglied des Soldatenrates begeistert daran mit, die Herrschaft des Großherzogs und der Stände in Mecklenburg zu beenden. Seine Zeit als Soldat war vorerst zu Ende - vom Krieg hatte er genug.

In den ersten Jahren der Weimarer Republik hatte er als Hilfsschlosser, Heizer und Lokomobilfahrer kaum ein Auskommen. Erst mit einer Aushilfsarbeit bei der Ortskrankenkasse ging es bergauf.

Kapp-Putsch

Während des Kapp-Lüttwitz-Putsches 1920 musste er dann doch wieder kämpfen. Er stellte umgehend einen bewaffneten Trupp ehemaliger Rostocker Jungsozialisten zusammen. Als Teil der Rostocker Arbeiterwehr schützten sie öffentliche Gebäude.[5] Er wurde sich seiner Mitverantwortung für diesen Putsch bewusst:

"Um die Jahreswende 1918/1919 hatte der sozialdemokratische Wehrminister Noske die Sozialdemokraten aufgefordert, in neu aufzustellende Truppenverbände einzutreten. Der Aufruf hatte kaum einen Widerhall gefunden. Auch ich war nicht bereit gewesen, der neuen Regierung mit der Waffe in der Hand zu helfen. Nach vierjährigem Krieg war die Neigung, wieder Soldat zu werden, gering. Hinzu kam der Gedanke, daß wir angesichts des Spartakisten-Putsches auf Arbeiter schießen müßten, und Arbeiterblut schien uns damals ein heiliges Blut zu sein. Die Regierung mußte sich also auf neue Truppen stützen, die dazu bereit waren. Jetzt gaben sie dieser Regierung die Quittung.
Ich begriff, daß ich und Zehntausende, vor allem junge Sozialdemokraten, das, was jetzt geschah, mitverschuldet hatten. Ich halte diesen Fehler auch heute noch für meinen schwersten politischen Fehler. Im Kapp-Putsch wurde aus dem Saulus ein Paulus."[6]

Politischer Aufstieg

Nach dem Kapp-Putsch wählte der Unterbezirk Rostock den 24-Jährigen zum stellvertretenden Vorsitzenden; im Oktober 1920 wurde er als Delegierter zum SPD-Reichsparteitag nach Kassel entsandt. Er kümmerte sich erfolgreich um den Aufbau von SPD-Betriebsgruppen in den Rostocker Betrieben. 1921 wurde Albert Schulz mit dem Mindestalter von 25 Jahren in den Mecklenburger Landtag gewählt und übernahm die Parlamentsberichterstattung für die Mecklenburger Volkszeitung. Neben dem Mandat arbeitete Albert Schulz weiterhin bei der Ortskrankenkasse, wo er mittlerweile Abteilungsleiter war.[7]

Der Ton zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten wurde derweil härter. Bei Gewerkschaftsversammlungen störten die Kommunisten immer häufiger; die Polizeimusste eingreifen. Dies wollte Albert Schulz vermeiden und nahm die Sache selbst in die Hand: Er erstritt sich einen Parteibeschluss und bildete einen Ordnungsdienst. Er war somit gut vorbereitet, als er im Februar 1924 zu einer Konferenz mit dem SPD-Vorsitzenden Otto Wels entsandt wurde, auf der das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold gegründet wurde. Albert Schulz wurde als dessen Gauvorsitzender für den Bezirk Mecklenburg-Lübeck gewählt - ein Amt, das er bis zum Verbot des Reichsbanners durch die Nazis 1933 behielt.[8]

Bei den kurz aufeinander folgenden Neuwahlen zum Landtag wurde er jeweils wiedergewählt.

1926 wechselte Albert Schulz als Redakteur zur Schweriner Parteizeitung Das Freie Wort, die zur Mecklenburger Volkszeitung gehörte. Er blieb dort bis zum Verbot durch die Nazis 1933. "Rückblickend auf all meine Berufe, erschienen mir diese sieben Jahre als die schönsten und interessantesten meines Lebens."[9]

1929 zog die Weltwirtschaftskrise herauf. Albert Schulz wurde zum Vorsitzenden des Unterbezirks Rostock gewählt, danach auch in den Bezirksvorstand Mecklenburg-Lübeck. Die Zusammenstöße mit Nazis und Kommunisten wurden immer rauer, die Arbeit des Reichbanners gefährlicher.

"Trotz der ernsthaft heraufdräuenden Gefahr, daß die Nazis zur Macht kommen könnten, war für die Kommunisten immer noch die Sozialdemokratie der Hauptfeind. Wenn in den Straßen eine Demonstration anrückte und in Sprechchören brüllte: 'Wer hat uns verraten, die Sozialdemokraten', dann konnte das ebensogut eine Nazidemonstration sein oder eine der KPD. So glichen sich selbst Propagandamethoden der ungleichen Brüder."[10]

Nach Gründung der "Eisernen Front" war Albert Schulz für ihren Aufbau in Mecklenburg-Lübeck zuständig. Getragen wurde das Bündnis dort hauptsächlich von Reichsbanner und Arbeitersport. Die Gewerkschaften ließen sich nicht mobilisieren - zu viele Kommunisten waren in ihnen aktiv.

Die Arbeitslosigkeit stieg weiter an, die politische Lage wurde immer schwieriger: Um Hitler in der Reichspräsidentenwahl 1932 zu verhindern, musste die SPD für den bürgerlichen Kandidaten Hindenburg werben, den man in der vorherigen Wahl noch bekämpft hatte. Hitlers Wahl scheiterte - der befürchtete Nazi-Sturm blieb aus.

"Preußenputsch"

1932 folgte der Staatsstreich in Preußen, ausgelöst auch durch den Altonaer Blutsonntag unter dem Polizeipräsidenten Otto Eggerstedt. Die sozialdemokratische Regierung wurde von Reichskanzler von Papen entlassen, die Reichsregierung übernahm die Macht. SPD und Reichsbanner standen vor der Frage, ob sie nun "losschlagen" sollten. Albert Schulz entscheid sich dagegen:

"Ein bewaffneter Aufstand von uns würde als Putsch gegen die bestehende Ordnung angesehen werden. Selbst wenn ich bereit war anzunehmen, daß eine Anzahl preußischer Polizeioffiziere mitmachen würde, wie standen die Chancen? Gegen uns standen SA und SS, Stahlhelm, Polizei der nicht-preußischen Länder, soweit sie rechtsgerichtete Regierungen hatten, und schließlich die Reichswehr. Die mangelhafte Bewaffnung des Reichsbanners, die fehlenden technischen Hilfsmittel usw. waren bekannt."[11]

Für einen solchen Kampf war das Reichsbanner nicht gerüstet. Ein erneuter Generalstreik wie während des Kapp-Putsches erschien angesichts der Arbeitslosenzahlen nicht durchführbar; der "Preußenputsch" blieb ohne Widerstand.

Nach der verlorenen Landtagswahl kandidierte Albert Schulz im Juli 1932 für den Reichstag. Der Wahlkampf mit dem Spitzenkandidaten Julius Leber wurde durch die Polizei behindert, Veranstaltungen aufgelöst. Julius Leber und Albert Schulz wurden gewählt, zum Arbeiten kamen sie aber nicht. Schon in der nächsten oder übernächsten Sitzung löste von Papen im Namen des Reichspräsidenten den Reichstag wieder auf. Bei der Neuwahlen im November 1932 verloren die Nazis erheblich an Stimmen, aber auch Albert Schulz wurde nicht wieder gewählt.[12]

Nationalsozialismus

Jede Hoffnung auf Besserung zerschlug sich, als am 30. Januar 1933 Reichspräsident Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannte. Nach der Reichstagswahl vom 5. März 1933 organisierte Albert Schulz den Weg in den Untergrund. Die Volkszeitung wird zunächst zensiert, dann verboten. Sozialdemokraten wurden entlassen, als einer der ersten Albert Schulz' Bruder Paul. Er fand keine Arbeit mehr und nahm sich 1935 das Leben.[13]

Wegen eines Flugblattes wurde Albert Schulz zum ersten Mal für kurze Zeit ins Gefängnis gesteckt.[14] Danach lieh er sich etwas Geld und eröffnete ein Zigarrengeschäft, um seine Familie zu ernähren und Kontakt zu den Genossen zu halten. Seine Frau hatte während seiner Haft begonnen, mit Kaffee zu handeln. So richteten sie sich ein:

"Es gab nach 1933 in Rostock vier Zigarrenläden von sozialdemokratischen Politikern. Sie kamen alle wirtschaftlich mehr oder minder gut zurecht, dank der Solidarität sehr vieler Genossen. In meinem Laden hatte ich meistens einen Nazi als Kontrolleur. In der Regel war er bald bekannt. Wenn ein Fremder in den Laden kam, wurde das Gespräch sofort unpolitisch."[15]

1939 wurde Albert Schulz, obwohl zu alt, zur Wehrmacht eingezogen, aber Ende 1940 auf Antrag entlassen und war bis zum Kriegsende 1945 als Zivilangestellter bei der Luftwaffe dienstverpflichtet.[16] Seine Frau führte das Zigarrengeschäft weiter.

Mit einigen anderen Rostocker Genossen pflegte er Kontakt zu Julius Leber und bildete eine Untergruppe seines Widerstandskreises. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde auch er in der Aktion Gitter verhaftet. Da die Gestapo ihm keine antifaschistische Tätigkeit nachweisen konnte, wurde er im Oktober wieder entlassen.[17]

In der sowjetisch besetzten Zone

Noch im Mai 1945 begannen Albert Schulz und seine Genossen, in Rostock die SPD wieder aufzubauen. Bereits am 5. Juli 1945 war sie wieder arbeitsfähig und mitgliederstärkste Partei vor Ort.

Nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager besuchte Hermann Lüdemann Albert Schulz, im Gepäck einen frisch geschriebenen Aufruf zur Neugründung der SPD.

"Ich mußte Hermann enttäuschen. Die Partei sei bereits mit einem Aufruf von Grotewohl, Löbe, Gniffke und anderen gegründet. Sein Aufruf sei viel besser, könne aber nicht mehr dem beabsichtigten Zweck dienen. Ich würde mich aber bemühen, die Genehmigung der Kommandantur zur Herausgabe seines flammenden Aufrufes als Flugblatt zu bekommen. Ohne eine Reihe sachlicher und stilistischer Änderungen werde das aber nicht möglich sein. Diese Genehmigung habe ich trotz der Änderungen von den Russen nicht bekommen."[18]

Am 1. Februar 1946 wurde Albert Schulz von der sowjetischen Militärregierung als Oberbürgermeister von Rostock eingesetzt. Eine Einheitspartei und eine Zusammenarbeit mit den Kommunisten lehnte er ab. Er traute ihnen nach seinen Erfahrungen in der Weimarer Republik nicht:

"Ende 1945 sah er die Entwicklung aber bereits in eine andere Richtung gehen. Folgerichtig mobilisierte er die sozialdemokratische Arbeiterschaft Rostocks Anfang Januar 1946 zu Funktionärs- und Mitgliederversammlungen. Auf der Neptunwerft wurde in einer Mitgliederversammlung der SPD eine von ihm formulierte Resolution verabschiedet. Sie verlangte, die Vereinigung von dem Votum eines Reichsparteitages und einer Urabstimmung im Reichsgebiet abhängig zu machen - und jeder wußte angesichts der klaren Haltung insbesondere Kurt Schumachers, wie das Ergebnis dieses Votums und dieser Urabstimmung ausfallen würde. Damit war der Fehdehandschuh geworfen."[19]

Der Druck auf die Sozialdemokratie in der Sowjetzone stieg wieder. Im April 1946 fand die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED statt. Kurt Schumacher riet den Ost-Sozialdemokraten, "... wir sollten in unsrer Funktion und im Amt verbleiben, solange man uns nichts zumute, dessen sich ein Sozialdemokrat schämen müsse".[20] Albert Schulz widersetzte sich den Zumutungen der SED-Führung. Im Februar 1947 wurde er von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD verhaftet und zu zehn Jahren Arbeitslager wegen "Sabotage" verurteilt. Nach vier Monaten wurde er entlassen, offenbar, nachdem sich der SED-Vorsitzende Wilhelm Pieck für den allzu populären Oberbürgermeister eingesetzt hatte. Er blieb auch im Amt, jedoch wurde das Urteil nie aufgehoben.[21] Albert Schulz war jetzt klar, dass der NKWD ihn überwachte und er jederzeit wieder verhaftet werden könnte.[22]

Doch er hielt sich nicht zurück, stritt für seine Überzeugungen und legte sich mit der SED-Führung an. Aus Protest gegen die Weisungen der SED floh Albert Schulz im August 1949 mit seiner Familie nach Westdeutschland.

Nach der Flucht

Den angesehenen Sozialdemokraten nahm die SPD im Westen mit offenen Armen auf. In Hamburg stellte ihn Herbert Wehner als Wahlkreismitarbeiter für die Hamburger SPD-Bundestagsabgeordneten ein. Dort lernte er Helmut Schmidt kennen:

"Im Herbst 1949 war der erste Bundestag gewählt worden; Herbert Wehner, Peter Blachstein, Hellmut Kalbitzer und einige andere Hamburger Sozialdemokraten waren gewählt worden, sie machten Albert Schulz zu ihrem gemeinsamen Sekretär. Ich habe ihn in den nächsten drei Jahren fast jede Woche einmal erlebt, weil nämlich die Hamburger SPD-Abgeordneten sich regelmäßig bei dem damaligen Wirtschaftssenator Karl Schiller trafen, um sich über die wirtschaftliche Lage und Entwicklung der jungen Bundesrepublik zu beraten (damals war ich ein Mitarbeiter Schillers)."[23]

Schleswig-Holstein

1952 suchte Andreas Gayk, Bezirksvorsitzender in Schleswig-Holstein, nach einem Nachfolger für den bisherige Leitenden Bezirkssekretär (=Landesgeschäftsführer) Max Kukil, der in den Parteivorstand nach Bonn gewählt worden war. Erich Ollenhauer und Herbert Wehner empfahlen Albert Schulz. Der Bezirksvorstand wählte ihn überraschend - gegen einen Gegenkandidaten - 1953 zum Bezirkssekretär, der Bezirksparteitag kurz darauf auch zum stellvertretenden Vorsitzenden, wie Max Kukil es gewesen war.[24]

"Sekretär, daß (sic!) hieß in der SPD für die 'Linie' verantwortlich zu sein. Das hieß, Beschlüsse umsetzen, Agitation betreiben und die Partei nach außen vertreten. Der Parteisekretär war gleichsam so etwas wie der 'geschäftsführende Vorsitzende'. Sein Wort, zumal von Albert Schulz vertreten, galt in der Partei als Parole. Somit war der 'leitende Sekretär' in der damaligen Struktur der SPD zumindest gleichrangig mit dem Vorsitzenden der Partei." - Rolf Selzer[25]

Andreas Gayk sagte ihm zu Beginn seiner Arbeit: "Hör zu, ich kann mich aus Zeitmangel wenig um die Parteiarbeit kümmern. Handele Du stets so, wie Du es für richtig hältst. Ich werde Dich in jedem Fall decken. Wenn ich in der Sache anderer Meinung bin, werde ich es Dir persönlich sagen."[26]

Bis 1962 war Albert Schulz Leitender Bezirkssekretär der SPD Schleswig-Holstein und gleichzeitig stellvertretender Landesvorsitzender. Mit 67 Jahren ging in den Ruhestand, blieb aber noch ehrenamtlich aktiv und behielt bis 1970 seinen Sitz im Verwaltungsrat des Norddeutschen Rundfunks.

1972 schloss Albert Schulz seine Erinnerungen mit den Worten:

"Mein Leben war bunt und wechselvoll. Aber ich sage 'Ja' zu meinem Leben! Und wenn es möglich wäre, ich wäre bereit, mein Leben noch einmal zu leben mit allen Höhen und allen Tiefen. Allerdings unter einer Bedingung: noch einmal an der Seite meiner lieben, klugen, tapferen und einfühlsamen Frau Emmy geb. Munck"[27]

Der Sohn der beiden, Peter Schulz, war von 1971 bis 1974 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg.

Stimmen

  • "Sucht man nach einem Parteisekretär im klassischen Sinn - Albert Schulz wird der letzte in Schleswig-Holstein gewesen sein. Danach wurde statt des Parteisekretärs der Geschäftsführer eingeführt." - Rolf Selzer[28]
  • "Für einige erscheint heute die Aufhellung der Stasi und ihrer scheußlichen Aktivitäten als besonders wichtig. Dagegen erscheint mir die Erinnerung an die vorbildliche Haltung aufrechter Menschen unter der kommunistischen Diktatur viel wichtiger. Denn jedermann braucht in Wahrheit Vorbilder. Und Albert Schulz war ein Vorbild." - Helmut Schmidt, 1995[29]

Ehrungen

  • Albert-Schulz-Stiftung, Rostock - Stiftung zum Bewahren des Andenkens an das Wirken von Albert Schulz für Freiheit und soziale Gerechtigkeit und Förderung des Verständnisses der Geschichte der SPD in Rostock und Mecklenburg
  • Albert-Schulz-Preis - Verliehen von der Albert-Schulz-Stiftung für soziales Engagement seit 2004.

Literatur

  • Bertram, Günter: Albert Schulz - Ein Leben gegen den Sturm, in: Mitteilungen des Hamburgischen Richtervereins, Nr. 1/2002, 15.3.2002
  • Woyke, Meik: Albert Schulz (1895–1974). Ein sozialdemokratischer Regionalpolitiker (Bonn 2006), ISBN 3801241661
  • Selzer, Rolf: Lebensläufe, in: Demokratische Geschichte 3(1988), S. 638-639
  • Schwabe, Klaus: Albert Schulz - Ein Leben für soziale Gerechtigkeit und Freiheit (Schwerin 1997), ISBN 3860774093
  • Schulz, Albert: Erinnerungen eines Sozialdemokraten (Oldenburg 2000), ISBN 3814207580
  • Schulz, Peter: Rostock, Hamburg, Shanghai. Erinnerungen eines Hamburger Bürgermeisters (Bremen 2009), ISBN 9783837820010
  • Schumacher, Martin (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation (3., erheblich erweiterte und überarbeitete Auflage, Düsseldorf 1994), ISBN 3770051831

Links

Quellen

  1. Selzer: Lebensläufe, S. 638
  2. Schulz: Erinnerungen, S. 20
  3. Schulz: Erinnerungen, S. 22 f.
  4. Schulz: Erinnerungen, S. 23 f.
  5. Schwabe: Albert Schulz, S. 8 f.
  6. Schulz: Erinnerungen, S. 31
  7. Schulz: Erinnerungen, S. 37 ff.
  8. Schulz: Erinnerungen, S. 45
  9. Schulz: Erinnerungen, S. 47
  10. Schulz: Erinnerungen, S. 49 f.
  11. Schulz: Erinnerungen, S. 51 f.
  12. Schulz: Erinnerungen, S. 55
  13. Schulz: Erinnerungen, S. 58 ff.
  14. Schulz: Erinnerungen, S. 62 f.
  15. Schulz: Erinnerungen, S. 63
  16. Schulz: Erinnerungen, S. 70 f.
  17. Schwabe: Albert Schulz, S. 13
  18. Schulz: Erinnerungen, S. 85
  19. Schwabe: Albert Schulz, S. 14
  20. Schulz: Erinnerungen, S. 111
  21. Schwabe: Albert Schulz, S. 19
  22. Schulz: Erinnerungen, S. 118 ff.
  23. Schwabe: Albert Schulz, S. 5
  24. Schulz: Erinnerungen, S. 142
  25. Selzer: Lebensläufe, S. 638
  26. Schulz: Erinnerungen, S. 143
  27. Schulz: Erinnerungen, S. 147
  28. Selzer: Lebensläufe, S. 638
  29. Schwabe: Albert Schulz, S. 6